Rheniit

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Rheniit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung ReS2 und ist damit chemisch gesehen Rheniumdisulfid oder genauer Rhenium(IV)-sulfid. Durch Substitution kann Rheniit einen gewissen Anteil Molybdän anstelle von Rhenium enthalten (bis 6 Gew.%[6]).

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Rheniit
Rheniit vom Vulkan Kudrjawy, Russland (Größe 8,9 cm × 7,8 cm × 7,7 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1999-004a[1]

IMA-Symbol

Rhn[2]

Andere Namen
Chemische Formel ReS2
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.25-005

2.EB.35
02.12.18.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1[3]
Raumgruppe P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2[4]
Gitterparameter a = 6,470(5) Å; b = 6,368(5) Å; c = 6,401(7) Å
α = 105,0(1)°; β = 91,59(9)°; γ = 118,90(6)°[4]
Formeleinheiten Z = 4[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1 bis 1,5[5]
Dichte (g/cm3) berechnet: 7,598[4]
Spaltbarkeit vollkommen
Bruch; Tenazität uneben
Farbe silberweiß bis grau
Strichfarbe schwarz
Transparenz undurchsichtig, in dünnen Schichten durchscheinend
Glanz Metallglanz
Radioaktivität schwach radioaktiv
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Rheniit kristallisiert im triklinen Kristallsystem, entwickelt aber nur selten millimetergroße, plättchen- bis flockenförmige Kristalle von silberweißer bis grauer Farbe und schwarzer Strichfarbe, die in dünnen Schichten rötlich durchscheinen. Der überwiegende Anteil an Rheniitfunden besteht aus körnigen bis massigen Aggregaten.

Etymologie und Geschichte

Rheniit ist das einzige bislang bekannte Rheniummineral. Erstmals entdeckt wurde es 1992 an den Fumarolen des Vulkans Kudrjawy auf der Kurileninsel Iturup in Russland und beschrieben durch M. A. Korzhinsky, S. I. Tkachenko, K. I. Shmulovich, Y. A. Taran und G. S. Steinberg,[7] die das Mineral nach seinem Hauptbestandteil, dem Element Rhenium, benannten.

Seit 2004 ist Rheniit von der International Mineralogical Association (IMA) als eigenständiges Mineral anerkannt (IMA1999-004a).[8]

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Rheniit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.25-005. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Rheniit zusammen mit Castaingit (D), Drysdallit, Jordisit, Molybdänit und Tungstenit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/D.25 bildet.[5]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[9] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rheniit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.EB.35 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Rheniit die System- und Mineralnummer 02.12.18.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:2“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 02.12.18.

Kristallstruktur

Rheniit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 6,470(5) Å; b = 6,368(5) Å; c = 6,401(7) Å; α = 105,0(1)°; β = 91,59(9)° und γ = 118,90(6)° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]

Eigenschaften

Da das in der Verbindung enthaltene Rheniumisotop 187Re schwach radioaktiv ist, ist teilweise auch Rheniit schwach radioaktiv mit einer spezifischen Aktivität von etwa 758,7 Bq/g[3] (zum Vergleich: natürliches Kalium 31,2 Bq/g).

Bildung und Fundorte

Rheniit bildet sich bei Temperaturen von 500 bis 570 °C in sauren vulkanischen Gasen an Fumarolen oder als Ausscheidung aus der Gasphase bei Temperaturen unter 400 °C in porphyrischen Kupfer- und Molybdänlagerstätten.[6]

Rheniit gehört zu den sehr seltenen Mineralbildungen, das bisher nur in wenigen Proben aus weniger als 10 Fundorten bekannt ist (Stand 2017). Seine Typlokalität Kudrjawy auf Iturup ist dabei die bisher einzige bekannte Fundstelle in Russland.

Weitere bisher bekannte Fundorte sind die antike Grube Gaiswand am Haidbachgraben bei Felben in der Gemeinde Mittersill (Felbertal) im österreichischen Bundesland Salzburg, der Ni-Cu-PGE-Tagebau Phoenix bei Francistown in Botswana, die Ni-Cu-PGE-Sulfidlagerstätte O'Toole bei Fortaleza de Minas im brasilianischen Bundesland Minas Gerais, die Prospektion Pagoni Rachi bei Alexandroupoli (Regionalbezirk Evros) und die Lagerstätte Konos Hills im Gebiet um Maronia-Sapes (Regionalbezirk Xanthi) in Griechenland, die Nickelgrube Garson nahe der gleichnamigen Ortschaft im Sudbury District in der kanadischen Provinz Ontario und der zum Usu-Vulkankomplex gehörende Vulkan Showa-Shinzan auf der japanischen Insel Hokkaidō.[10]

Literatur

  • M. A. Korzhinsky, S. I. Tkachenko, K. I. Shmulovich, Y. A. Taran und G. S. Steinberg: Discovery of a pure rhenium mineral at Kudriavy volcano. In: Nature. Band 369, 5. Mai 1994, S. 51–52, doi:10.1038/369051a0.
  • S. P. Kelty, A. F. Ruppert, R. R. Chianelli, J. Ren, M.-H. Whangbo: Scanning Probe Microscopy Study of Layered Dichalcogenide ReS2. In: Journal of the American Chemical Society. Band 116, Nr. 17, August 1994, S. 7857–7863, doi:10.1021/ja00096a048.
  • Vladimir S. Znamenskii, Anton I. Ykushev: Vom Vulkan Kudriavy, Kurilen: Das erste Rhenium-Mineral. In: Lapis Mineralienmagazin. Jahrgang 25, Band 1. Weise, 2000, ISSN 0176-1285, S. 21–24.
  • V. S. Znamensky, M. A. Korzhinsky, G. S. Steinberg, S. I. Tkachenko, A. I. Yakushev, I. P. Laputina, I. A. Bryzgalov, N. D. Samotoin, L. O. Magazina, O. V. Kuzmina, N. I. Organova, V. A. Rassulov, I. V. Chaplygin: Rheniite, ReS2, the natural rhenium disulfide from fumaroles of Kudryavy volcano, Iturup Isl., Kurily Islands. In: Zapiski Rossiiskogo Mineralogicheskogo Obshchetstva. Band 134, Nr. 5, 2005, S. 32–40 (rruff.info [PDF; 557 kB; abgerufen am 26. Dezember 2017] Russisch mit Kurzbeschreibung in Englisch).
  • I. V. Pekov: New minerals approved by the IMA Commission on new Minerals and Mineral Names. New minerals from former Soviet Union countries, 1998–2006. In: Mineralogical Almanac. Band 11, 2007, S. 9–51 (rruff.info [PDF; 3,9 MB; abgerufen am 26. Dezember 2017] S. 35 der PDF-Datei).

Einzelnachweise

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