Richard Hoeck
Zeitgenössische österreichische Künstler
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Richard Hoeck (* 1965 in Hall in Tirol) ist ein österreichischer Konzeptkünstler, der in Wien lebt und arbeitet.

Leben und Karriere
Von 1983 bis 1990 studierte Hoeck an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Ernst Caramelle und Oswald Oberhuber.[1] Bereits 1992 war Hoeck mit der Arbeit „ohne Titel“ (Linolschnitt, Zeichnung) in der Ausstellung „SPIELHÖLLE. Ästhetik und Gewalt“ an der Universitätsbibliothek Frankfurt vertreten.[2] 1993/94 erhielt er das MoMA PS1-Stipendium in New York[3] das in einer Präsentation im Rahmen der Ausstellung „P.S.1 Studio Artists“ (8. Mai – 12. Juni 1994) mündete.[4] Das offizielle Programmheft dokumentiert, dass die Jahrespräsentation aus fünfzehn Einzelausstellungen bestand, bei denen jede teilnehmende Künstlerin und jeder teilnehmende Künstler einen eigenen Ausstellungsraum im P.S.1 Museum New York, erhielt.[5] Die Teilnahme an diesem Studio-Programm bot Hoeck eine frühe Gelegenheit, seine Arbeiten im professionellen Umfeld der New Yorker Kunstszene zu zeigen. Während seines Aufenthalts war Hoeck auch im Umfeld der Galerie American Fine Arts, Co. (AFA) aktiv. Das von Dennis Balk herausgegebene Werk „Colin de Land – American Fine Arts“ dokumentiert Hoecks Beteiligung an einer Gruppenausstellung im Juli 1995 in der Chronologie der Galerie.[6] Auch die von Colin de Land kuratierte Ausstellung „100 Photographs“ (1997) verzeichnet ihn in der Künstlerliste.[7] Im Jahr 2000 erhielt Hoeck den Kunstpreis der Ursula Blickle Stiftung sowie das Blinky-Palermo-Stipendium des Freistaats Sachsen.[8] Im selben Jahr präsentierte er die Ausstellung The Additional Bedroom in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig.[9] 2001/02 erhielt Hoeck das MAK-Schindler-Stipendium in Los Angeles.[10] Hoeck stellte national und international aus, u. a. im mumok in Wien,[11] bei der 3. Istanbul Biennale (1992),[12] bei der 4. Biennale d’art contemporain de Lyon (1997),[13] der 33. Biennale von São Paulo (2018)[14] sowie im Contemporary Art Museum in Houston, Texas.[15] 2021 wirkte Hoeck am Fernsehfilm Der weiße Kobold (Regie: Marvin Kren, ORF/BR) mit und entwarf zusammen mit Martin Grandits und Christian Anwander Originalkunstwerke für die Produktion.[16]
Arbeiten
Hoecks konzeptuelle Praxis umfasst Installation, Skulptur, Performance, Fotografie und Video. Seine Arbeiten bewegen sich häufig an der Schnittstelle von Bühnenbild, gesellschaftskritischem Kommentar und der Konstruktion alternativer Infrastrukturen.[17] Werke von Hoeck befinden sich in mehreren öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter im mumok in Wien und im Metropolitan Museum of Art in New York City.[18] Ein 2005 im Spike Art Quarterly veröffentlichtes Porträt beschreibt Hoecks kritische Auseinandersetzung mit amerikanischen Pop-Mythen. Seine Videos und Installationen dekonstruieren stereotype Narrative und reflektieren zugleich die Begehrensstrukturen westlicher Konsumgesellschaften. Die Autorin Azar Azmayesh betont darin seine Kooperation mit dem US-amerikanischen Künstler John Miller und deren experimentelle Auseinandersetzung mit kulturellen Rollenbildern.[19]
In seiner langjährigen Zusammenarbeit John Miller verwendet Hoeck häufig Schaufensterpuppen, um das Konzept von Subjektivität zu hinterfragen. In inszenierten Umgebungen, die aus Popkultur und digitalen Räumen abgeleitet sind, untersuchen diese Arbeiten Wahrnehmungen gesellschaftlicher Zustände und visueller Ikonografie. Die Monografie More Alive Than Those Who Made Them (WhiteWalls / University of Chicago Press, 2015) dokumentiert diese Werkserie.[17] Im Herbst 2025 ist Hoeck in der Ausstellung Fernheilung in der Universitätsgalerie der Angewandten in Wien vertreten.[20] 2025 wurde Hoecks Videoarbeit Mannequin Death (2015) in der Ausstellung Camera Obscura der Public Gallery in London gezeigt. Die Gruppenausstellung thematisierte die Spannung zwischen Körperdarstellung und Überwachungsästhetik.[21] Im Gespräch Bodies Still Matter zwischen Isabelle Graw und John Miller (Koenig Books, 2016) wird die gemeinsame Videoarbeit Mannequin Death kunsttheoretisch verortet. Graw beschreibt die Arbeit als Reflexion über Körperdarstellungen, Fetischisierung und die Transformation von Identität in der visuellen Kultur.[22] Die jüngste Zusammenarbeit mit John Miller unter dem Titel Last Words (2023–2024), gezeigt im Magazin 4 in Bregenz, befasst sich mit den Themen Entropie, Vergänglichkeit und Fragmentierung. Das Projekt erhielt mediale Beachtung in der österreichischen Kunstzeitschrift Kultur und Gesellschaft.[23]
Hoecks Arbeiten waren auch Teil der Ausstellung Ins dunkle schwimmen, kuratiert von der Universität für angewandte Kunst Wien (2024–2025). Die Gruppenschau widmete sich den Themen Wahrnehmung, Halluzination und innere Bilder.[24] Hoecks Beitrag reflektiert sein anhaltendes Interesse an der „Schnittstelle zwischen physischer Präsenz und virtueller Abwesenheit“ und verbindet Körperfragmente mit „Prozessen innerer Projektion“.[24] 2022 realisierte Hoeck gemeinsam mit dem österreichischen Künstler Paul Renner im Contemporary Arts Museum Houston die Installation Houston, Sie haben ein Problem!. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit Phileas - Der Austrian Office for Contemporary Art koproduziert und verband bildnerische Objekte mit performativen und kulinarischen Elementen.[25] Im Jahr 2020 zeigte Hoeck mit Rudolf Polanszky in der Gabriele Senn Galerie in Wien die Ausstellung The Ecstasy of Becoming Trash. Die Wiener Wochenzeitung Falter beschrieb die Präsentation als ironisches Spiel mit männlichen Blicken und künstlerischer Komplizenschaft.[26] 2016 zeigte Hoeck die Performance Paris ReFake Sieben Säulen im Belvedere 21 in Wien als konzeptuelle Reaktion auf Franz Wests Original-Performance Sieben Säulen (1990). Die Neuinterpretation wurde im Geist eines „Fakes“ ausgeführt und enthielt Referenzen an Samuel Beckett sowie Constantin Brâncușis modulare Skulpturensäulen.[27] In der Objektserie Swarovski Brass Knuckles (2009) veränderte Hoeck handelsübliche Schlagringe, indem er sie mit Swarovski-Kristallen besetzte und so zu Schaustücken transformierte, die ornamentale Ästhetik mit der Form einer Waffe kontrastieren. In einem Interview mit C/O Vienna Publishing berichtete Hoeck, dass ihm die Kristalle vom damaligen Swarovski-CEO kostenlos zur Verfügung gestellt wurden und das Unternehmen anschließend mehrere der fertigen Arbeiten erwarb.[28] 1999 nahm Hoeck an der von Klaus Biesenbach kuratierten Ausstellung Sommeraccrochage im KW Institute for Contemporary Art in Berlin teil. Die Ausstellung präsentierte Arbeiten u. a. von Sol LeWitt, Tracey Moffatt, Tobias Rehberger, John Miller und Monica Bonvicini, womit Hoecks Beitrag in einem international hochkarätig besetzten Kontext stand. Eine Abbildung seiner Arbeit Hard Hat (1999) ist in der Publikation KW – A History. 30 Years of KW Institute for Contemporary Art (Distanz Verlag, 2021) enthalten.[29] Hoecks Video Something for Everyone (1999, DVD 2004), entstanden in Zusammenarbeit mit John Miller, zeigt einen UPS-Boten, der durch den zweiten Wiener Gemeindebezirk streift und dabei auf Situationen zwischen Alltag und Erotik trifft. Matthias Dusini beschrieb das Werk im Falter (20/2005) als „kurzweiligen Amateurfilm über den Alltag eines Dienstleisters, in dem unschwer das mitunter frustrierend konventionelle, auf ein Label reduzierte Dasein eines Künstlers erkannt werden kann“. Das Video wurde zunächst in der Engholm Engelhorn Galerie gezeigt und später in der Ausstellung Lebt und arbeitet in Wien II in der Kunsthalle Wien präsentiert.[30] Das Werk wurde 2013 in der Galerie Meliksetian Briggs in Los Angeles präsentiert, wo es als Installation mit lebensgroßen Aluminiumfiguren und dem begleitenden Video gezeigt wurde.[31] Peter Frank beschrieb den Film in der Huffington Post als „dotty little film“ mit Anleihen an Jacques Tati und das No-Wave-Kino der 1980er-Jahre, das zwischen Popkultur, Punk und absurder Alltagsbeobachtung changiert.[32] Eine frühe Videoarbeit Hoecks mit dem Titel Belly Dancer für Martin Kippenberger (1997) befindet sich als 75-minütige BetaCam-Masterkopie in der Sammlung des Belvedere in Wien. Das Werk, eine Schenkung der Ursula-Blickle-Stiftung, gehört zu seinen ersten filmischen Auseinandersetzungen mit medialer Inszenierung und Körperwahrnehmung.[33] Bereits zuvor war Hoeck mit der Videoarbeit Still / Untitled (1996) auf der von Harald Szeemann kuratierten 4. Biennale d’art contemporain de Lyon unter dem Titel L’autre vertreten. Die Videoarbeit zeigte laut Artforum „eine nackte, angekettete Tänzerin“, deren Bewegungen sich „zwischen pornografischen und folkloristischen Bildzitaten“ bewegen. Sie war in der Cafeteria der Ausstellung installiert und thematisierte den voyeuristischen Blick des Publikums.[13]
Ausgewählte Arbeiten
- Last Words (2023/2024)[34][35]
- Apparatus (2015/2023)[36][37]
- Debris #1 (2020)[38][39]
- Paris ReFake Sieben Säulen (2016)[27]
- Mannequin Death (2015)[40][21][41][22]
- Swarovski Brass Knuckles (2009)[28]
- Camouflage on a Mannequin (2008)[42][43][44]
- Soft Hard Hat (1999)[45][46][47]
- Belly Dancer für Martin Kippenberger (1997); Video, Belvedere Wien, Inv.-Nr. 10966.[33]
- Timbermen (1996).[7]
Ausstellungen (Auswahl)

Richard Hoecks Installation Arch of Hysteria wurde 2023–2024 im Museum der Moderne Salzburg gezeigt. Die Ausstellung thematisierte Wahnsinn, Ekstase und formale Wiederholung in der zeitgenössischen Skulptur.
Im Folgenden eine Auswahl weiterer Ausstellungen:
- Fernheilung – Die 1980er und frühen 1990er Jahre im Zerrspiegel einer Sammlung, Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof, Wien (2025/2026)[20]
- Ins dunkle schwimmen, Universität für angewandte Kunst Wien (2024–2025)[24]
- Last Words, Magazin 4, Bregenz (2023/2024)[48]
- Arch of Hysteria, Zwischen Wahnsinn und Ekstase, Museum der Moderne Salzburg (2023/2024)[49]
- Toxic (mit John Miller & Peter Friedl), Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck (2023)[50]
- Houston, Sie haben ein Problem!, Contemporary Art Museum, Houston (2022)[51][25]
- Autohaus St. Marx, Neuer Kunstverein Wien (2021)[52]
- Window Shopping, Gabriele Senn Galerie, Wien (2020)[53]
- The Ecstasy of Becoming Trash, Gabriele Senn Galerie, Wien (2020)[54]
- Strange Attractors: The Anthology of Interplanetary Folk Art, Reding Fine Art, Los Angeles (2017)[55]
- Something for Everyone (mit John Miller), Meliksetian Briggs, Los Angeles (2013)[56]
- Sommeraccrochage, KW Institute for Contemporary Art, Berlin (1999)[29]
Ausstellungsfotos
Publikationen
- More Alive Than Those Who Made Them: John Miller & Richard Hoeck. WhiteWalls, Chicago 2015, ISBN 978-0945323266.
- White Studies: Richard Hoeck & John Miller. Ausstellungskatalog, Kunsthalle Wien, 1998.
Weblinks
- Offizielle Website
- Richard Hoeck in der ISNI-Datenbank
- Künstlerprofil bei ArtFacts.net
- Künstlerprofil bei der Contemporary Art Library
- Künstlerprofil bei der Galerie Johann Widauer, Innsbruck
- Künstlerprofil bei Meliksetian | Briggs, Los Angeles/Dallas
- Künstlerprofil bei der Gabriele Senn Galerie, Wien