Richard Rufus

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Richard Raymond Rufus (* 12. Januar 1975 in Lewisham) ist ein ehemaliger englischer Fußballspieler. Als Innenverteidiger verbrachte er seine gesamte Profikarriere bei Charlton Athletic und führte den Klub zweimal in die Premier League. Verletzungsbedingt musste er seine Laufbahn im Alter von nur 29 Jahren vorzeitig beenden.

Schnelle Fakten Personalia, Herren ...
Richard Rufus
Personalia
Voller Name Richard Raymond Rufus
Geburtstag 12. Januar 1975
Geburtsort Lewisham, England
Größe 185 cm
Position Innenverteidiger
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1993–2004 Charlton Athletic 288 (12)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1996–1997 England U-21 6 0(0)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.
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Sportlicher Werdegang

Rufus wurde im Südlondoner Bezirk Lewisham und wuchs dort in einem multikulturellen Umfeld, das Heimat für viele englische (dunkelhäutige) Fußballtalente mit Migrationshintergrund in den 1980er-Jahren war. In dem lebendigen Arbeiterviertel entwickelte Rufus seine sportlichen Talente als Straßenfußballer und auf Gemeinschaftsplätzen.[1] Als Lieblingspositionen auf dem Fußballfeld kristallisierten sich die Defensivrollen heraus und im Alter von 16 Jahren wurde er von einem Scout des nahe gelegenen Profiklubs Charlton Athletic entdeckt. Im Jahr 1993 wurde er in die Profiabteilung befördert; seinen ersten Einsatz beim damaligen Zweitligisten unter Trainer Alan Curbishley absolvierte er dann am 29. Oktober 1994 als Einwechselspieler bei einem 2:2-Unentschieden bei Derby County. In der Saison 1995/96 gelang ihm der sportliche Durchbruch, als er in 41 Ligaspielen zum Einsatz kam und er sich mit Charlton mit dem vierten Platz für die Aufstiegs-Playoffs qualifizierte. Dort unterlag er zwar bereits im Halbfinale gegen Crsytal Palace, hatte aber mit konstanten Leistungen und Zuverlässigkeit als Innenverteidiger überzeugt und wurde dafür als Teil der (Zweit-)Ligamannschaft des Jahres („PFA Team of the Year“) ausgezeichnet. Zwei Jahre später nahm er mit den „Addicks“ einen weiteren ernsthaften Anlauf zum Aufstieg in die Premier League und mit Rufus als Schlüsselspieler mit 42 Einsätzen im Abwehrzentrum war die erneute Playoff-Runde nun erfolgreich. Das spannende Finale in Wembley ging gegen den AFC Sunderland (4:4) ins Elfmeterschießen, nachdem Rufus mit seinem ersten Tor für Charlton überhaupt seine Mannschaft in der 85. Minute zum 3:3 in die Verlängerung gerettet hatte – er gehörte dann jedoch nicht zu Charltons sieben erfolgreichen Elfmeterschützen.[2]

In seine erste Premier-League-Saison führte sich Rufus unglücklich mit einer roten Karte im ersten Spiel gegen Newcastle United (0:0) ein und wurde im April 1999 gegen Leeds United (1:1) ein weiteres Mal des Feldes verwiesen. Dennoch war er weiter ein Schlüsselspieler seiner Mannschaft, der jedoch als Tabellen-Drittletztem der Klassenerhalt nicht gelang. Rufus bleib seinem Klub auch in der zweiten Liga erhalten und dort spielte er eine entscheidende Rolle beim erneuten Aufstieg Charltons als Meister der First Division. Er absolvierte 44 von 46 möglichen Ligaspiele und erzielte sechs Tore, darunter mehrere wichtige Treffer nach Standardsituationen. Bekannt für seine gut Physis im Abwehrverhalten zeichnete er sich durch Zweikampfstärke, gewonnene Luftduelle und Führungsqualitäten aus, womit ihm auch eine erneute Nominierung in die beste Zweitligamannschaft zuteilwurde.[1] Zurück in der Premier League gelang es Charlton nun in den folgenden Jahren besser, sich dort zu behaupten, aber für Rufus begann ab 2001 eine verletzungsbedingte Leidenszeit. Dadurch verpasste er mehr als die Hälfte der Spielzeit 2001/02 und dann wieder die Endphase der folgenden Saison 2002/03. Im Jahr 2003 ließ er sich mehrfach am Knie operieren, darunter beim Spezialisten Richard Steadman.[3] Im Juni 2004 verkündete Rufus im Alter von 29 Jahren das verletzungbedingte Karriereende.[4] Insgesamt hatte er als „One-Club-Man“ 326 Pflichtspiele für Charlton Athletic absolviert und 14 Tore geschossen.[5]

Neben dem Verein absolvierte Rufus in den Jahren 1996 und 1997 sechs Länderspiele für die englische U21-Nationalmannschaft, darunter vier Einsätze als Kapitän in der 1996er Auflage des Turniers von Toulon und zuletzt am 12. Februar 1997 ein Länderspiel gegen Italien im Rahmen der Qualifikation für die U-21-Europameisterschaft. Dort sorgte er gemeinsam mit Matt Carbon im Abwehrzentrum dafür, dass England beim 1:0-Sieg ohne Gegentor blieb.[6] Zu einem Länderspiel für die englische A-Nationalmannschaft reichte es nicht, da die Position des Innenverteidigers mit hochkarätigen Konkurrenten wie Sol Campbell und Rio Ferdinand gespickt war. Dazu kamen später seine anhaltenden Knieprobleme, die mögliche Nominierungen verhinderten.[1]

Nach der Fußballerkarriere

Nach seinem Rücktritt vom Profifußball im Jahr 2004 verstärkte Rufus sein Engagement als „wiedergeborener Christ“ und nahm in diesm Namen an sozialen und karitativen Projekten teil. Bereits während seiner aktiven Zeit als Spieler hatte er sich öffentlich zum Christentum bekannt. Er war unter anderem Botschafter des Charlton Athletic Community Trust und unterstützte Initiativen, die lokalen Gemeinschaften im Südosten Londons zugutekamen.[7] Rufus war zudem jahrzehntelang eng mit dem Kingsway International Christian Centre (KICC) verbunden, dem er als Mitglied und Kuratoriumsmitglied angehörte. Weitere ehemalige Fußballer, mit denen Rufus arbeitete, waren Darren Moore und Linvoy Primus.[8]

Beruflich arbeitete Rufus im Finanzsektor als Berater und fokussierte sich vornehmlich auf ehemalige Fußballer. Er gründete im Jahr 2008 ein Unternehmen, das Finanzdienstleistungen mit schnellen Renditen anbot und dabei Kunden mit wenig Erfahrung auf den Finanzmärkten als Zielgruppe hatte. Im Jahr 2013 wurde er für insolvent erklärt. Zu seinen Gläubigern gehörte das KICC mit etwa 3,9 Millionen Pfund, nachdem er für die Kirche fünf Millionen Pfund investiert hatte. Der Insolvenzantrag wurde im Oktober 2013 vom Croydon County Court im Zuge laufender Ermittlungen zu seinen Finanzaktivitäten gestellt und ein Jahr später aufgehoben. Zwischen 2007 und 2010 betrieb Rufus ein Ponzi-Schema, das er als Devisenhandel tarnte und Anlegern jährliche Renditen von bis zu 60 Prozent bei minimalem Risiko versprach. Zu seinen Opfern gehörten rund 100 Geschädigte, darunter Freunde, Familienmitglieder, Fußballerkollegen wie Rio Ferdinand und Paul Elliott sowie Kirchenmitglieder. Dabei häufte er Investitionen in Höhe von rund 15 Millionen Pfund an, zahlte aber nur 7,6 Millionen Pfund zurück, um den Schein der Rentabilität aufrechtzuerhalten. Das Betrugssystem flog auf, nachdem im Jahr 2011 Bankkonten eingefroren worden waren. Der Prozess gegen Rufus begann 2022 vor dem Southwark Crown Court, wo er im Dezember 2022 in 14 Anklagepunkten schuldig gesprochen wurde, darunter vier Fälle von Betrug durch falsche Angaben, neun Fälle von Geldwäsche und ein Fall der unbefugten Ausübung einer reglementierten Tätigkeit. Im Januar 2023 wurde er zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt, die er sofort anzutreten hatte. Die Möglichkeit einer vorzeitigen Freilassung wurde auf voraussichtlich Ende 2026 terminiert, vorbehaltlich der Zustimmung des Bewährungsausschusses. Bei der Urteilsverkündung betonte der Richter Rufus' vorsätzliche Täuschung von Vertrauenspersonen und wies auf seine Ausgaben von 300.000 Pfund für Luxusartikel wie Autos und Reisen sowie auf zwei Millionen Pfund hin, die auf private Konten umgeleitet wurden. Im Dezember 2024 wurde Rufus gemäß dem Proceeds of Crime Act zur Rückzahlung von 372.740 Pfund verurteilt, andernfalls drohe ihm eine zusätzliche Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten.[9]

Titel/Auszeichnungen

Einzelnachweise

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