Richard Wilhelm
deutscher Sinologe
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Richard Wilhelm (chinesisch 尉禮賢 / 衛禮賢 / 卫礼贤, Pinyin Wèi Lǐxián[1], * 10. Mai 1873 in Stuttgart; † 1. März 1930 in Tübingen) war ein deutscher evangelischer Theologe, Missionar und Sinologe. Seine Übertragungen und Kommentare zu klassischen chinesischen Texten – insbesondere des I Ging – fanden weite Verbreitung. Er gründete 1925 das China-Institut der Universität Frankfurt, das er bis zu seinem Tod leitete.

Leben
Jugend und theologische Ausbildung
Richard Emil Wilhelm wurde 1873 in Stuttgart als Sohn des aus Oberweißbach (Thüringen) stammenden Glas- und Porzellanmalers Gotthilf Wilhelm (1832–1882) und seiner Ehefrau Friederike (geb. Kayser) geboren. Nach dem Tod des Vaters wurden Richard und seine Schwester Helene (geb. 1874) von der Mutter und Großmutter aufgezogen.
Nach der Elementarschule besuchte er ab 1881 das Realgymnasium, in der Absicht, später den väterlichen Hofmaler-Betrieb zu übernehmen. Aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten der Familie nach dem Tod des Vaters wechselte er dann jedoch 1883 zum humanistischen Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, um auf Wunsch der Mutter Pfarrer zu werden. Per mit dem Abitur verbundener Wettbewerbsprüfung in Tübingen (sogenannter „Konkurs“ für eine Freistelle)[2] wurde ihm 1891 der Eintritt das dortige evangelisch-theologische Stift ermöglicht, ohne dass Studien- und Unterhaltskosten anfielen. Während seines Theologie-Studiums im Stift und an der Universität Tübingen war er seit 1891 Mitglied der Studentenverbindung AG Rothenburg Tübingen.[3][4] Nach seiner Ordination in der Stuttgarter Stiftskirche 1895 wurde er Vikar in Wimsheim und 1897 in Boll. Die dortige Begegnung mit Christoph Blumhardt, der sich in seinen späten Jahren aus der engen Bindung mit der evangelischen Kirche löste und zu sozialen Fragen und der Sozialdemokratie bzw. SPD hingezogen fühlte, wurde für Wilhelm lebensbestimmend.[5][6] Als Wilhelm Ende 1898 nach Backnang versetzt wurde, bewarb er sich mit Unterstützung Blumhardts erfolgreich bei der Protestantischen Weimarer Ostasien-Mission (Allgemeiner Evangelisch-Protestantischer Missionsverein (AEPM, AepMV), ab 1929 Deutsche Ostasienmission) für eine Stelle des deutschen „Schutzgebietes“ im Kaiserreich China.
Familie
Nach der Stellenzusage verlobte er sich im Januar 1899 mit Christoph Blumhardts Tochter Salome (1879–1958). Die Hochzeit mit Salome fand in Shanghai am 7. Mai 1900 statt. Aus dieser Ehe gingen vier Söhne hervor, die alle in Tsingtau geboren wurden: Siegfried, Manfred, Hellmut und Walt.
Siegfried Wilhelm (1901–1962) studierte Architektur. Er heiratete Annemarie Roth. Beide wurden Eltern von sechs Kindern. Bis 1938 lebte er in China und kehrte dann mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Manfred Wilhelm (1902–1985[7]) wurde Maschinenbauingenieur und arbeitete von 1934 bis 1956 in China für verschiedene Firmen. Er heiratete Ruth Wang. Sie hatten einen Sohn. Hellmut Wilhelm (Wèi Démíng, 衛德明, 1905–1990) legte 1928 sein Jura-Staatsexamen ab, wechselte danach zur Sinologie und absolvierte 1932 seine Promotion bei Otto Franke. Beide Ehefrauen waren jüdischer Abstammung: 1932 Maria Illch und danach 1951 Erika (Erica) Samuel, mit der er zwei Söhne bekam. Im Anschluss an seine Exilzeit in Peking während des Dritten Reiches erhielt er einen Lehrstuhl für Sinologie an der University of Washington. Walt Wilhelm (1910–1971) machte eine Ausbildung beim I.G. Farben-Konzern Bayer Leverkusen. Er heiratete zweimal; in jeder Ehe wurde eine Tochter geboren. Für die Firma Bayer arbeitete er nach seiner Ausbildung bis Ende der fünfziger Jahre hauptsächlich in China; danach in Hongkong und in Mailand im leitenden Management und wurde zuletzt Vorstandsmitglied bei Bayer in Köln.[8]
Wirken in Tsingtau (Qingdao)


Nach einem Vorbereitungskurs in London brach Wilhelm am 12. April 1899 als Missionar im Dienst des AEPM in das Kaiserreich China auf. Am 12. Mai des Jahres kam er in Tsingtau (Qingdao) in der Provinz Schantung (Shandong) an. Das ehemalige Fischerdorf war ab 1897 als Verwaltungssitz und Marinestützpunkt der Kaiserlichen Marine (Ostasiengeschwader) ausgebaut worden, entwickelte sich aber auch als Handelshafen des damaligen deutschen Pachtgebietes Kiautschou (Jiāozhōu) zur Stadt. Das Gebiet war dem Reichsmarineamt unterstellt, mit Kapitänen zur See als Gouverneure,[9] hatte mit dem „Chinesenkommissar“ Wilhelm Schrameier (1859–1926)[10] aber einen zivilen Stellvertreter.
Richard Wilhelm war als Unterstützung für den wissenschaftlich wie auch vielfältig sinologisch ambitionierten Missionar Ernst Faber geplant, doch im Sommer erkrankten beide während einer Dysenterie-Epidemie, so dass Wilhelm nach Fabers Tod im September 1899 die dortige Leitung des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins übernahm und als Pfarrer und Pädagoge für die deutsche Bevölkerung und deren Kinder arbeitete. Ab April 1900 kam als Mitarbeiter (der spätere Sinologe) Wilhelm Schüler (1869–1935)[11] hinzu.
Gleichzeitig lernte Wilhelm Chinesisch, was durch die Bekanntschaft mit dem Augenarzt Li Benjing in kultureller und literarischer Hinsicht vertieft wurde. Da chinesischen Kindern der Zugang zu regulären deutschen Schulen verwehrt war, gründete er im Mai 1900 zunächst im kleinen Rahmen das „Deutsch-Chinesische Seminar“, danach ab 20. Juni 1901 in einem neuen Gebäude (Shanghai Road 7) die sogenannte „Welichen“ bzw. „Li Hsien“-Schule (Lǐxián shūyuàn-Oberschule, 禮賢書院), auch mit einheimischen Lehrern, um chinesischen Jungen neben ihrer Muttersprache Unterricht in deutscher Sprache und in Naturwissenschaften zu geben[12] – was für Absolventen einen chinesischen Hochschulbesuch ermöglichte; 1952 umbenannt, existiert sie heute noch als Quingdao Nr. 9 Mittelschule (die weiterhin seinen verkürzten Namen „Lixian“ trägt)[13][14]. Pionierarbeit leistete die Mission bei der Schulbildung der Mädchen, da diese ihnen bislang kaum zugänglich war – ihre traditionelle Stellung war von völliger Abhängigkeit in der (zukünftigen) Familie bestimmt und noch immer war die Verkrüppelung per Füßebinden üblich. Da koedukativer Unterricht nicht möglich war, folgten unter Beteiligung von Salome Wilhelm (die Deutsch lehrte) 1905 die „Meyi“-Mädchenschule (Měiyì shūyuàn, 美懿書院[15], benannt nach der Kurzform von Salome)[16] und 1910 die „Shufan“-Mädchenoberschule (Shūfàn nǚxuéxiào, 淑範女學校[17]); diese ist heute die Qingdao Nr. 7 Mittelschule.[18] Richard Wilhelm gab für den Unterricht eigens angefertigte deutsch-chinesische Lehr- und Übungsbücher heraus, einschließlich eines zusammen mit Ferdinand Lessing 1911 erstellten Deutsch-Englisch-Chinesisch-Fachwörterbuches.[19]
Zu einem weiteren Betätigungsfeld wurde es, die Behandlung kranker Chinesen zu organisieren, wobei ihm der in westlicher Medizin ausgebildete Li Benjing zur Seite stand. Eine reiche Chinesin und die vorbestimmte Erbschaft von Ernst Faber ermöglichten die Errichtung eines Hospitalgebäudes, das 1907 durch einen Neubau deutlich erweitert wurde.[20] Folgend konnten Ärzte des AEPM, nämlich Edmund Dipper (1900–1908), Willy Wick (1903–1906), Richard Wunsch (1908–1911) und Adolf Eyl (1911–1915), dort die Arbeit übernehmen.[21]
1900 spitzten sich die sozialen Unruhen in China zu, der Boxeraufstand mit Schwerpunkt zunächst in der Provinz Shandong wurde durch den Bau der Schantung-Eisenbahnlinie von Tsingtau nach Tsinanfu (Jinan) ausgelöst, die über chinesische Ahnengräber hinwegführte und die Wasserversorgung der Bauern bedrohte. Während Deutschland weitere „Schutztruppen“ in die Region Kaomi (Gaomi) sandte, was ca. 200 Bewohnern das Leben kostete, wurden auf der Gegenseite nun nach den Kolonialmächten auch chinesische Christen als Hauptfeinde betrachtet. Wilhelm wurde vor Ort zusammen mit Li Benjing zu einem wichtigen Vermittler und konnte hier weitere Opfer vermeiden. Im Gegenzug zur berüchtigten „Hunnenrede“ von Kaiser Wilhelm II. suchte er nach Spenden und weiteren Hilfsmöglichkeiten für die Opfer in Gaomi. Auf Antrag des 1905 neu berufenen Provinzialgouverneurs Yang Shixiang (杨士骧, 1860–1909) verlieh ihm 1906 die Kaiserinwitwe Cixi für seine Verdienste um die Bildungsarbeit sowie um die Befriedung des örtlichen Aufstandes den „Rangknopf vierter Klasse“[22], verbunden mit dem Ehrentitel eines „Daotai“ (道臺) (einem Mandarin entsprechend)[23].
Am Gelben Meer gelegen, war Tsingtau zwar nicht direkt in die Schlachten des Russisch-Japanischen Krieges 1904–1905 mit einbezogen, die Machtverhältnisse der gesamten Region änderten sich aber mit der Besetzung der Mandschurei und Koreas weitreichend zu Gunsten Japans, die seit 1902 vertraglich mit Großbritannien verbündet waren (Anglo-Japanische Allianz).
1902 bzw. 1904 waren mit Hanna und Gottliebin „Hinde“ Blumhardt zwei jüngere Schwestern Salomes nach Tsingtau gekommen, um in den nächsten Jahren vielfältig bei den Tätigkeiten rund um die Mission zu helfen. Hinzu kam der Einsatz ihres Cousins Benjamin[24] 1902–1905, dann 1907–1913 als Leiter in der Station Gaomi und als Lehrer an der dortigen Kreisschule. Zum Jahreswechsel 1907/08 reiste Richard Wilhelm mit seiner inzwischen fünfköpfigen Familie erstmals auf Heimaturlaub nach Deutschland, um 1908 wieder seine Arbeit in China aufzunehmen. 1910–1912 weilte außerdem Salomes Mutter Emilie Blumhardt[25][26] in Tsingtau.
Der chinesische Aufstand von 1911 gegen das Kaiserhaus der Qing-Dynastie führte 1912 zur Ausrufung der Republik China, wodurch zahlreiche hohe Beamte, Adlige und traditionell gebildete Gelehrte u. a. nach Tsingtau flüchteten.[27] Zhou Fu (周馥, 1837–1921), der von 1902 bis 1904 Gouverneur von Shandong gewesen war und Wilhelm gut kannte, führte diesen in den Kreis der emigrierten kulturellen und politischen Oberschicht ein, zu denen Reformer wie Kang Yu Wei (Kang Youwei) und Liang Ki Tschau (Liang Qichao) ebenso gehörten wie der konservative potentielle Thronfolger Puwei (溥偉, 1880–1936), seines Zeichens zweiter Prinz Kung (Gōngxián Qīnwáng, 恭賢親王)[28]. Für Wilhelm bedeuteten diese nun möglichen direkten Kontakte eine wesentliche Vertiefung seines Verständnisses der chinesischen Kultur und Geschichte. Ihre wertvollen Bibliotheken und ihr persönliches Wissen förderten sein Studium der Schriften des klassischen chinesischen Altertums erheblich und regten zudem die Gründung einer Konfuzius-Gesellschaft (Zūn Kǒng Wénshè, 尊孔文社) an. Diese baute einen eigenen Bücherbestand auf, welcher auch deutsch- und englischsprachige Werke enthielt, woraus die erste moderne Bibliothek der Region wurde (Zūn Kǒng Wénshè Cángshūlóu, 尊孔文社藏书楼), die auch Schulangehörigen offenstand.[29][30] Wilhelm Schrameier, der seine pro-chinesische Arbeit sehr schätzte,[31] bestärkte ihn darin, die philosophischen Klassiker neu ins Deutsche zu übertragen. Unter den „Alten von Tsingtau“[32] wurde insbesondere der ehemalige Rektor der Pekinger Reichsuniversität und stellvertretende kaiserliche Bildungsminister Lau Nai Süan (Láo Nǎixuān, 勞乃宣, 1843–1921)[33] für Richard Wilhelm zu einem wichtigen Mentor. Im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte sollte dies in eine nicht nur im deutschen Sprachraum beispiellose Serie von Übersetzungen und erläuternden Werken münden.
Seine Versuche, sich um eine Professur an der Shandong-Universität in Tsinanfu (Jinan) zu bewerben, den Direktorposten der Schulen des AEPM zu übernehmen, ein Amt an der 1911 in Tsingtau gegründeten Deutsch-Chinesischen Hochschule (einer Vorgängerin der Qingdao-Universität) zu bekleiden sowie ein der Hochschule angegliedertes Übersetzungsbüro einzurichten scheiterten vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, so dass er – nicht ohne Enttäuschung – die Arbeit für AEPM weiterhin fortsetzte.[34]
Wilhelm Schüler, der 1911 als Pfarrer nach Shanghai ging, wurde 1912 durch Wilhelm Seufert (1885–1974)[35] ersetzt. Im Sommer 1914 kam ein weiterer Bewunderer der ostasiatischen Kultur als Lehrer zum Missionsverein: Hermann Bohner. Nur einen Monat nach Ankunft wurde der promovierte Theologe jedoch als Seesoldat zum Kriegsdienst im III. Seebataillon einberufen und geriet im November 1914 zusammen mit Seufert bei der Kapitulation von Tsingtau in japanische Kriegsgefangenschaft, die bis 1920 andauerte. Da Richard Wilhelm weder im deutschen Staatsdienst gestanden hatte, noch aktiv am Krieg teilnahm (er wirkte stattdessen in Leitungsfunktion für das Rote Kreuz), wurde ihm vom jetzt japanischen Militärgouverneur Kamio Mitsuomi (神尾 光臣, 1856–1925) die weitere Arbeit als Pfarrer der deutschen Gemeinde und als Lehrer gestattet, was allerdings während der japanischen Besetzung im Ersten Weltkrieg materiell und personell starke Einschränkungen mit sich brachte. Nach der Evakuierung im August 1914 über Peking nach Shanghai durfte seine Familie erst im September 1916 wieder einreisen, erneut mit seiner Schwägerin Hanna.
In einer Zeit, da in Deutschland mal abfällig vom „kranken Mann Asiens“, mal kriegerisch von der „gelben Gefahr“ die Rede war – oder aber dekorative Chinoserien gesammelt wurden, entwickelte er Bewunderung für die realen Chinesen und deren Jahrtausende alte, fortdauernde Kultur, mit „einer Haltung, die sich entäußert hat des Anspruchs westlicher Überlegenheit“[36]. Wilhelm lehnte die allgemein übliche eurozentrische Sichtweise ab, sah als Lernender und Lehrender den gleichberechtigten Austausch als notwendig an und widmete sich zunehmend Aspekten der Sinologie. Daher zog er sich, seit 1900 mit Wissen des AEPM (der im medizinischen und Bildungssektor ebenfalls eine wichtige Aufgabe sah), immer mehr vom bloßen christlich-pastoralen Sendbotentum zurück, zumal er es kritisch beobachtet hatte:
„Selbst unter den Missionaren, die doch am ehesten die Interessen der Eingeborenen zu vertreten pflegen, fand ich nicht immer Verständnis; denn auch sie schieden zwischen den menschgewordenen Kulis, die in die Kirche eingetreten waren, und der Masse der armen Heiden, die im Schmutz der Sünde dem ewigen Verderben entgegenreisten. Wiewohl es gar keine Heiden an sich gibt; denn ein Heide ist nur etwas, wofür man einen anders gearteten Menschen hält, damit man ihn entweder bekehren oder zur Hölle verdammen kann.“[37]
Im Sommer 1920 beendete Wilhelm seine zwanzigjährige Tätigkeit in Tsingtau, in der er weit mehr als nur ein evangelischer „Gesandter“ gewesen war, und kehrte zunächst nach Deutschland zurück. Sein kommissarischer Nachfolger wurde Hermann Bohner, 1922 seitens des AEPM abgelöst durch den inzwischen promovierten Sinologen Wilhelm Seufert als neuem Leiter. Hanna Blumhardt blieb bis 1923 als Krankenschwester am Faber-Hospital, um nach ihrer Heirat mit Hermann Bohner nach Japan zu gehen.
Das 1914 von den Japanern eroberte, gemäß dem Versailler Vertrag weiterhin besetzte Gebiet[38] wurde 1922 offiziell wieder an China zurückgegeben.
Neuorientierung
„Richard Wilhelm kam nach China als Theologe und Missionar und verließ China als Schüler des Konfuzius. Er sagte mir einmal: ‚Es ist mir ein Trost, dass ich als Missionar keinen Chinesen bekehrt habe.‘ Mir gefällt dieses Bekenntnis nicht deswegen, weil er in der Bekehrung zum Christentum kein Glück für das chinesische Volk sah, sondern weil die Befreiung vom Erlernten und Gewohnheitsmäßigen und die Hinwendung zu einem neuen Lebensziel keine leichte Aufgaben sind.“
Tatsächlich begann seine Popularität in Deutschland mit einer Übersetzung von Konfuzius (Kungfutse: Gespräche (Lun yü)), die – durchaus risikobereit[40] – Eugen Diederichs 1910 in Jena herausgab, als erstes Buch einer dann auf 10 Bände geplanten Reihe unter dem Titel Die Religion und Philosophie Chinas. Aus den Originalurkunden übersetzt und herausgegeben von Richard Wilhelm – Tsingtau. Schon Kungfutse hatte positive Rezensionen u. a. von Hermann Hesse[41] erhalten, so dass bald darauf die Bände Laotse (Laozi), Dschuang Dsï (Zhuangzhi) und Mong Dsï (Mengzi) gefolgt waren, hinzu kamen Chinesische Volksmärchen. Er hatte darüber hinaus auch akademische Ehren erfahren: Die Universität Jena verlieh ihm 1911 die Ehrendoktorwürde (Dr. theol. h. c.). Richard Wilhelm kehrte also in ein Deutschland (als für ihn neue Weimarer Republik) zurück, wo man ihn „kannte“.
Als wertvoll erwies sich, dass er Hermann Graf Keyserling auf dessen Weltreise[42] 1912 in Tsingtau begegnet war. Dieser lud ihn im November 1920 zum ersten Treffen der „Schule der Weisheit“[43] nach Darmstadt ein, wodurch Wilhelm mit einer Reihe von thematisch Interessierten und Bildungsmäzenen in persönlichen Kontakt kam. Zu diesem Kreis gehörten z. B. Hans Driesch, Carl Gustav Jung, Erwin Rousselle, Albert Schweitzer und Rabindranath Tagore.[44][45] Von später großer Bedeutung sollte dabei die Begegnung mit Gräfin Bertha von Francken-Sierstorpff (1876–1949) werden. Wilhelms dortige Vorträge von 1921 wurden ein Jahr später als Chinesische Lebensweisheit veröffentlicht. Doch außer seinen Vortragsreisen als „Kulturbotschafter Chinas“ durch Deutschland, in die Schweiz (wo er A. Schweitzer[46] und C. G. Jung traf) und andere Länder zeichnete sich keine seinem Engagement und Wissen entsprechende Arbeitsmöglichkeit ab, etwa in der Art eines „Orient-Institutes“; er galt unter den deutschen Sinologen als ein Autodidakt mit lediglich populären Publikationen.
Intermezzo in Peking
Im Januar 1922 brach Richard Wilhelm wieder nach China auf, diesmal ohne seine nun in Stuttgart ansässige Familie. Das Auswärtige Amt hatte ihn als wissenschaftlichen Beirat an die Deutsche Gesandtschaft in Peking vermittelt, wo er verschiedene kulturelle und Bildungsprojekte förderte. Ab 1923 konnte er als Gastprofessor Vorlesungen über deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Peking (Beida) halten und weiteren Unterricht an der Pädagogischen Universität und Medizinhochschule[47] geben. Diverse Vorträge, beispielsweise über Goethe und anlässlich des 200. Geburtstages von Immanuel Kant, führten ihn zudem an andere Orte und brachten vielfältige neue Kontakte. Er befreundete sich mit dem Beida-Rektor und ehemaligen Erziehungsminister Tsai Yüan Pei (Cai Yuanpei),[48] traf sich mit konfuzianischen Vereinen, Sven Hedin und Tagore. Zusammen mit Zhang Junmai und Hans Driesch erstellte er ein Englisch-Deutsch-Chinesisch-Wörterbuch der Philosophie für deutsche Studenten.
In dieser Zeit beendete er auch seine Übersetzung des I Ging (Buch der Wandlungen) ins Deutsche. Die Edition, welche er als Vorlage nutzte, war das Dschou I Dsche Dschung (Zhōuyì zhézhōng, 周易折中) aus der Kangxi-Zeit (1662–1723). Mit Hilfe seines Lehrers Lau Nai Süan (Lao Naixuan) schuf er innerhalb von fast einem Jahrzehnt Arbeit (mit kriegsbedingten Unterbrechungen) seine bahnbrechende, ab 1950 in viele westliche Sprachen übersetzte Ausgabe. In die Kommentierung flossen Zitate sowohl aus der Bibel als auch von Goethe, aber auch Gedankengut westlicher Philosophen und protestantischer, parsischer und alt-griechischer Theologie ein. Wilhelm zeigte damit viele Parallelen zu chinesischer Weisheit auf.
Wilhelm verließ im Juli 1924 Peking, um nach mehreren Zwischenstationen, wie nochmals bei den „Alten in Tsingtau“, schließlich im September wieder in Deutschland einzutreffen, mit dem Ziel, eine Stiftungsprofessur in Frankfurt am Main anzunehmen.
Zurück in Deutschland
Nachdem Richard Wilhelm schon am 20. November 1922 von der Philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt am Main zum Dr. phil. h. c. ernannt worden war, konnte er mit dem Wintersemester 1924/25 einen Stiftungslehrstuhl für Chinesische Geschichte und Chinesische Philosophie an der Universität bekleiden und wurde am 26. November 1924 zum Honorarprofessor ernannt. Auf Initiative eine Reihe von Persönlichkeiten nicht zuletzt aus Frankfurt a. M. entstanden, wurde dieser eigens für ihn neu geschaffene Lehrstuhl durch die für fünf Jahre vertraglich seitens Bertha von Francken-Sierstorpff zugesagte Finanzierung ermöglicht. Obwohl weiterhin hinsichtlich seiner formalen wissenschaftlichen Qualifikation bei einigen universitären Kollegen umstritten,[49] wurde Wilhelm am 1. April 1927 zum ordentlicher Professor ernannt, dabei unverändert durch Gräfin Sierstorpff bezahlt.
Zu seinen wesentlichen Leistungen gehörte die Gründung des China-Institutes, das Mitte November 1925 eröffnet wurde. Am 9. April 1926 erfolgte die Registrierung des Vereins „China-Institut, Frankfurt a. M. e. V.“, am 10. Juli per ministeriellem Erlass die Anerkennung des Institutes als selbständige Universitätsanstalt. Zur Aufgabe des Institutes gehörte außer der wissenschaftlichen Forschung (inklusive Bibliotheks- und Archivaufbau etc.) eine auch in der Stadt präsente Öffentlichkeitsarbeit. Das Institut war stets auf Zuwendungen aus privater und öffentlicher Hand angewiesen, um den laufenden Betrieb und das eigentliche Ziel, das Vermitteln von Philosophie, Literatur, Musik und Kunst zwischen Deutschland bzw. Europa und China, gewährleisten zu können.
Gleichzeitig gab Wilhelm ab 1925 die Chinesischen Blätter für Wissenschaft und Kunst im Reichl Verlag heraus; nach inhaltlichen und ökonomischen Differenzen mit Reichl entwickelte sich daraus per Verlagswechsel ab 1927 als Sinica – Zeitschrift für Chinakunde und Chinaforschung eine der bedeutendsten deutschen sinologischen Periodika. Ihre Zielsetzung war, hinsichtlich „Politik, Partei und Religion auf vollkommen neutralen Boden“: „Sie will Tatbestände erforschen und erklären. Sie will die Möglichkeiten der chinesischen Kultur in der Weisheit der Vorzeit aufzeigen. Aber ebenso nimmt sie die Arbeit des Tages auf. Sie will die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die gesellschaftliche und psychologische Struktur, die kulturelle und künstlerische Arbeit des jungen China erforschen.“[50] Hinzu kamen ab 1926 die Mitteilungen des China-Instituts und das Jahrbuch Chinesisch-Deutscher Almanach.[51]
Wilhelm konnte seine seit der Zeit in Tsingtau beständig ausgebauten, zahlreichen Bekannt- und Freundschaften mit großen Gelehrten, Philosophen, Politikern, Forschern und Literaten seiner Zeit, in Asien wie in Europa, für diese damals ungewöhnliche internationale Zielsetzung gut nutzen.[52] Veröffentlichungen, Ausstellungen, Vorträge, Tagungen, kulturelle Veranstaltungen (z. B. mit chinesischer Musik) waren eine Seite. Die direkten geistigen Austausche mit Chinesen, etwa Studenten unter der Führung seines ehemaligen Kollegen Wilhelm Schüler (inzwischen Professor am Seminar für Orientalische Sprachen der Universität Berlin), erneut mit Cai Yuanpei, mit dem Regierungsmitglied Sun Fo (孫科, 1891–1973, Sohn von Sun Yat-sen), dem Dichter Xu Zhimo, dem Chan-Mönch und Buddhismus-Reformer Taixu, dem Philologen und Philosophen Hu Shi u. a. m. waren die andere, das Institut bereichernde Seite. Ab 1929 wurden seine Professur und die Sinica dann durch die chinesische Regierung gefördert.
Lebensende
Kurz vor seinem Tod konnte Wilhelm sein zwanzig Jahre zuvor begonnenes Hauptwerk abschließen, die Übersetzung und Herausgabe des (jetzt achtteiligen) Quellenwerkes Religion und Philosophie Chinas.[53] Seit längerer Zeit geschwächt, wurde er am 14. Februar 1930 in das Tropengenesungsheim Tübingen eingeliefert, wo er am 1. März an einer kaum bekannten Darmkrankheit, der tropischen Sprue, starb. Die Beisetzung fand zwei Tage später auf dem Friedhof in Bad Boll statt. Im Zentrum der eigentlichen Grabstätte, in der 1958 auch seine Ehefrau beigesetzt wurde, befindet sich eine große Travertin-Kugel, umschlossen von den acht Trigrammen.[54] Zu den Wegbegleitern, die Nachrufe verfassten, gehörte auch C. G. Jung.[55]
„Seine verstehende Hingabe, jenseits alles christlichen Ressentiments, jenseits aller europäischen Anmaßung, ist allein schon das Zeugnis eines selten großen Geistes, denn alle Durchschnittsgeister verlieren sich entweder in blinder Selbstentwurzelung oder in ebenso verständnisloser wie anmaßlicher Tadelsucht.“
Das China-Institut wurde kurzfristig ad interim von Wilhelm Schüler geleitet, bis zur Übernahme durch Erwin Rousselle.
Werk
Zentrales
Richard Wilhelm war nach James Legge der zweite (und neben ihm bislang einzige) Sinologe, der es sich zur Aufgabe machte, systematisch die wesentlichen Werke der klassischen chinesischen Philosophie in eine westliche Sprache zu übersetzen. Hierbei legte er großen Wert auf Allgemeinverständlichkeit, zumal diese Schriften in Deutschland bis dahin weitgehend unbekannt waren.[57]
Bereits ab 1904 widmete er sich kommentierten Übersetzungen aus dem Konfuzianismus, beginnend mit einer Teilübersetzung des Lun Yü, ab 1911 auch den Schlüsselwerken des Daoismus (Daodejing, Zhuangzi und Liezi). Dies schloss das dem Konfuzianismus zugeordnete Orakelbuch I Ging und das vom Buddhismus bzw. dessen Mandalas und Yoga beeinflusste daoistische Meditationsbuch Geheimnis der Goldenen Blüte[58] mit ein.
Angesichts der Quantität und Qualität des Gesamtschaffens wurde Wilhelm zum „bedeutendsten Übersetzer klassischer Texte der frühen chinesischen Philosophie“ (Hans van Ess).[59] Es sei Wilhelm angesichts der Vieldeutigkeit der Texte gelungen, so der Sinologe Wolfgang Bauer, chinesische Vorstellungen zu beschreiben und so ins Deutsche zu übertragen, dass sie auch heute noch erhellend und anregend sind. Wilhelms Auseinandersetzung mit dem Thema texttreue Darstellung findet sich in den Kommentaren und Einführungen seiner Übersetzungen. Es sei heute unüblich, so Bauer, Verallgemeinerungen und Bewertungen zu veröffentlichen, wie Wilhelm dies getan habe. Die Qualität seiner Aussagen stehe im Hinblick auf seine Sachkenntnis nicht in Frage.[60]
Generelles
Richard Wilhelms Einstellung war vom christlichen Sozialismus Christoph Friedrich Blumhardts beeinflusst, mit dem AEPM hatte er eine liberale, außerhalb der Amtskirche stehende, überkonfessionelle Missionsgesellschaft gewählt, die ein wissenschaftlich fundiertes Studium der jeweiligen indigenen Religions- und Morallehren als eine Grundlage der christlichen Arbeit ansah.[61]
In Die Seele Chinas (1925)[62] legte Wilhelm eine umfassende Kritik an den konventionellen Zielsetzungen und Verhaltensweisen der meisten Missionen dar. Er selbst fand 1899 in seinem Vorgesetzten Ernst Faber einen Wissenschaftler vor, der schon 1878 erklärt hatte, „Confucius ist die gröszte Persönlichkeit der gröszten Nation, ist der Chinese der Chinesen“.[63] Fabers hatte eine Reihe seiner Manuskripte bei einem Brand in Shanghai verloren, doch Wilhelm konnte 1900, nach dem Eintreffen Wilhelm Schülers, weitgehend von den regulären Pfarr- und Missionsdiensten freigestellt werden, so dass er sich weitgehend Kommunikations- und Erziehungsfragen[64] widmete und 1902[65] mit eigenen Übersetzungen zunächst in Zeitschriften begann. Den überraschenden Erfolg schon seines ersten Buches in Deutschland, nämlich Kungfutse (1910), erklärte van Ess auch damit, dass es Wilhelm gelungen sei, „zusätzlich eine Terminologie zu entwickeln, die das Vokabular der Luther’schen Bibel mit demjenigen der deutschen Klassik und Friedrich Nietzsches verbindet“.[66] Dies kam zwar einer relativ breiten Leserschaft entgegen, verursachte aber bei den universitären Sinologen, die an einem „allgemeinen“ Publikum selten Interesse zeigten, häufig einen sachlichen Widerspruch bis prinzipiellen Widerstand.
Während Fachkreise allgemein die christlichen Aspekte in seinen Werken kritisierten, nahm man andererseits oft eine tiefe konfuzianische Prägung Wilhelms an. Wobei Erwin Rousselle, sein Mitarbeiter und Nachfolger in Frankfurt a. M., ihn für einen Eingeweihten daoistischer Geheimlehren hielt.[67] Viktor Kalinke wiederum reklamierte in Wilhelms Interpretation des Taoteking (1911) buddhistische Anklänge.[68]
Letztlich hielt er Religionen für den „Besitz der Menschheit“ und nicht für den der Konfessionen oder religiöser Autoritäten.[69] Der Schöpfer jeder Kultur ist der Mensch, meinte Wilhelm im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der Welt. In der Folge seiner Quellenstudien und seiner Neigung, dem „Weg bzw. dem Sinn der Wandlungen“ den Vorzug im menschlichen Leben zu geben, äußerte er: Nicht mehr der Christ oder der Mohammedaner oder Buddhist, sondern der rechte Mensch werde die Erscheinung der zukünftigen Religion sein.[70]
Dies fördere, so Wolfgang Bauer, den Abbau der Vorurteile, dass die europäische Kultur allen anderen überlegen sei. Wilhelms Schriften hätten hier Geschichte gemacht: Der „Weg zu einem wachsenden Verständnis Chinas […] wird […] immer wieder über die Pfade führen, die Richard Wilhelm als ein Einzelgänger vorher für uns entdeckte“.[71]
Werke des Konfuzianismus
Nach einem in Tsingtau gehaltenen und gedruckten Vortrag über Konfuzius (1903) begann Wilhelm 1904 sein lebenslanges Projekt Die chinesischen Klassiker mit einer Einführung und als erstem Teil der Übersetzung von Da Hüo oder die Grosse Lehre (Pinyin Dàxué)[72]. Er wies hier auf die für China zentrale Bedeutung der konfuzianischen Lehren hin, denen er den Wert des Alten Testamentes zumaß, und mahnte an: „Wenn wir das chinesische Geistesleben verstehen wollen, so müssen wir es auf seinen Höhen aufsuchen. Denn wenn irgendwo, so sind in China die Höhepunkte des Geistes massbestimmend für das ganze Volk. […] Wenn auch nur ein Zehntel der Arbeit, die in den ausgetretenen Geleisen alttestamentlicher Text- und Quellenforschung aufgewendet wird, darauf gerichtet würde, diese chinesischen Werke zu unserem Eigentum zu machen, so würde auch für die Religionsgeschichte ein grösserer Ertrag herauskommen. […] Der Grund, warum die chinesische Literatur uns so sehr ‚chinesisch‘ erscheint, ist doch zum grossen Teil die hölzerne Art der Uebersetzung, die häufig ohne Beiziehung des chinesischen Textes gar nicht verständlich ist.“
Der Kritik („durchaus ungenügend“) an der bisher einzigen vollständigen Übersetzung des Lun Yü ins Deutsche durch Wilhelm Schott[73] ließ er konsequenterweise eine eigene, umfassende und kommentierte Auswahl des Lun Yü oder Gespräche des Confucius folgen. Sie erschien 1904 als zweiter Teil der o. g. Serie in weiteren 15 Beilagen des Wochenblattes Deutsch-Asiatische Warte in Kiautschou und wurde 1905 mehrteilig im AEPM-Monatsblatt Zeitschrift zur Missionskunde und Religionswissenschaft in Heidelberg nachgedruckt. Für die Buchausgabe bei Eugen Diederichs in Jena (1910) fertigte er eine vollständige Neufassung an. Deren kommerzieller Erfolg ließ Diederichs eine neue Reihe in seinem Verlagsprogramm begründen: Die Religion und Philosophie Chinas (ab 1973 Bestandteil in Diederichs Gelbe Reihe).
Diese Originalübertragung blieb in Deutschland „bis weit in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts Standard“ (van Ess)[74], aber sie enthielt auch, wie schon die vorherige Zeitschriften-Version, nicht nur Hinweise auf (vermeintliche) Parallelen der Bibel in den Anmerkungen. Sie zeigt die partiellen Schwächen von Wilhelms Wortwahl in der Übersetzung, deren Sinn er zwar in der Einleitung gut erläuterte, im direkten Text und den zugehörigen Anmerkungen jedoch verwischte. Mehrfach ist hier von „Gott“, „Gottes Wille“, „Gottes Größe“, „Gottes Schutz“, „Gottvertrauen“, „Gottesgnadentum“ etc. die Rede. So heißt es z. B. in Kapitel III.24 bei Wilhelm: „Die Welt war lange ohne Wort Gottes; nun gebraucht der Himmel euren Meister als Glocke.“ – Adäquat wäre hier etwa: „Wie lange schon ist es her, daß dem Reich der Rechte Weg verlorenging. Der Himmel hat euren Meister auserkoren als Glocke (daß er die Menschen zurückläute auf den Rechten Weg).“ (Ernst Schwarz)[75] Wilhelms Deutung des inbegriffenen Dao („Rechten Weges“) als „Wort Gottes“ ist wissenschaftlich kaum nachvollziehbar.[76] Er selbst wollte hierfür offenbar eine Analogie zur christlichen Logos-Verwendung in Anspruch nehmen.[77] Bis 1928 behielt Wilhelm Passagen mit dem „Willen Gottes“ bei.[78] Obwohl „für Kung der Begriff der Sünde etwas Fremdes“ sei,[79] fügte er ihn in Kapitel XX.1 im Zusammenhang mit „Gott“[80] an. Daraus ergeben sich Urteile von Sinologen wie Hans van Ess: diese Sprache sei „getränkt von einem protestantischen Grundverständnis. Dieses unterlegt den chinesischen Texten an mancherlei Stellen eine religiöse Bedeutung, die das Original nicht aufweist“.[81] Weitere „Anpassungen“ an die westliche Literatur analysierte Reinhard Breymayer 1999 in seinem Beitrag „Die Bibel der Chinesen“ und sah darin ein System: „er mildert die ‚Fremdheit‘“,[82] dabei Wilhelm prinzipiell „einen ungewöhnlich weiten geistigen Horizont“ und „einen hohen geistigen Anspruch“ zumessend.[83] Im Gegensatz zum – sinologisch versierten – Werk von Ernst Faber[84] finden sich bei Richard Wilhelm keineswegs Hinweise auf eine ethisch-moralische Minderwertigkeit der konfuzianischen Lehre im Vergleich zur christlichen: „[Konfuzius'] Wirkung auf die ganze ostasiatische Welt, zusammen wohl nahezu ein Drittel der Menschheit, hat sich bis heute erhalten, und ebenso ist das sittIiche Ideal, das er vertritt, ein solches, das wohl einen Vergleich aushält mit den übrigen Weltreligionen“[85].
„Kung ist das historisch gewordene Ideal der überwältigenden Mehrheit des chinesischen Volkes, und niemand kann ein Volk richtig beurteilen, ohne dessen Ideale zu verstehen.“
Die Gespräche und Anekdoten des Konfuzius-Nachfolgers Mengzi (Mencius), bei Wilhelm Mong Dsï (Mong Ko), waren und blieben bis jetzt die einzige vollständige Übersetzung ins Deutsche. Diese Pionierarbeit entstand mit ausdrücklicher Hilfe von Lau Nai Süan (Lao Naixuan). Noch weitaus häufiger als im Lun Yü sind allerdings auf „Gott“ bezogene Stellen zu finden, wobei Wilhelm dies als simple Übersetzung für den komplexen Begriff des Himmels (天)[87] wiederholt bekräftigte[88][89] und ebenso 1928[90] beibehielt. Dabei hatte Ernst Faber bereits 1872 eine weitaus präzisiere Analyse des Himmels- und Gottes-Begriffes in der chinesischen Geisteswelt vorgelegt.[91] Maßgeblich erschien Wilhelm aber: „Die Lehre von dem Sündenfall und der Unfreiheit der menschlichen Natur, wie sie in der christlichen Kirche ausgebildet wurde, ist wesentlich religiös orientiert. Mong Dsï dagegen bereitet durch seine Auffassung den Boden für ein mutiges Vorwärtsschreiten auf der Bahn ethischer Entwicklung. Es gibt für ihn keinen wesentlichen Unterschied unter den Menschen.“[92] Dies trennte ihn in seiner Grundauffassung wiederum von der durch missionarische Überlegenheit geprägten, 1877 erschienenen Mencius-Publikation von Faber.[93] 1926–1927 ergänzte er das Buch um Die Lebensgeschichte des Philosophen Mongtse[94] und die Paralipomena zu Mongtse.[95]
Im letzten von Wilhelm selbst fertiggestellten Buch, dem Li Gi (Pinyin Lǐjì), waren u. a. das Dschung Yung (Pinyin Zhōng Yōng) und eine komplett revidierte und erweiterte Fassung des Da Hüo (Dàxué) inbegriffen. Damit hatte er kurz vor seinem Tod 1930 den Kanon der Vier Bücher des Konfuzianismus abgeschlossen.[96]
Die Schulgespräche (Gia Yü) (Pinyin Kǒngzǐ Jiāyǔ, 孔子 家語) erarbeitete Wilhelm schon 1914–1915 als Manuskript, sie wurden aber erst 1961, nach einer Durchsicht seines Sohnes Hellmut, im Diederichs-Verlag herausgegeben. Hierbei wurden Teile, die z. B. schon in K’ungtse und der Konfuzianismus (1928) oder im Li Gi veröffentlicht waren, gekürzt oder ausgelassen.
Eine Sonderstellung nimmt das I Ging (s. u.) ein, das zu den Fünf Klassikern gezählt wird, dessen Ursprünge aber älter sind und das mit seiner vielschichtigen Symbolik auch daoistische Interpretationen zulässt.
I Ging – Das Buch der Wandlungen
Wilhelm hielt den fortlaufenden Prozess der „Wandlungen“ bzw. des „Wandelns“ für das Hauptgesetz der Philosophie und der Religion Chinas. Die Andersartigkeit des chinesischen Denkens und Handelns begründet innerhalb der Sinologie besondere, weitreichende und schwierige Forschungsprobleme. Übertragungen, wie Wilhelm sie gemacht hat, dürften daher Versuchscharakter haben. Mit den Worten Goethes interpretiert er – um Brücken zu dieser Andersartigkeit zu bauen – „Wandlungen“ als Zusammenwirken zwischen „organischer Selbstentfaltung und Freiheit“. Goethe, so Wilhelm, bearbeite dies dichterisch in seinen „Wahlverwandtschaften“.[97]
Im I Ging werde beschrieben, wie Wandlungen sich in der Natur und beim Menschen vollziehen. Wandlungen müssen vom Menschen durch sein Handeln geordnet werden, wenn das Leben gelingen soll. Die Aufgabe der Philosophen sei es, Konzepte anzubieten, mit denen Menschen ihr Handeln steuern und verbessern können, d. h. vor allem das Nachdenken anzuregen. Das sei schon in der klassischen Zeit die Aufgabe gewesen, äußerte der chinesische Philosoph Feng Youlan. Anfangs hätte man sich auf die schon vorhandene Tradition im I Ging bezogen.
Der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung war von Wilhelms Übersetzung des I Ging sehr beeindruckt und es entwickelte sich zwischen beiden ein reger gedanklicher Austausch. In seinem berühmten Vorwort zur englischen Übersetzung von Wilhelms deutscher Version schreibt er:
“I am greatly indebted to Wilhelm for the light he has thrown upon the complicated problem of the I Ching, and for insight as regards its practical application as well. For more than thirty years I have interested myself in this oracle technique, or method of exploring the unconscious, for it has seemed to me of uncommon significance. I was already fairly familiar with the I Ching when I first met Wilhelm in the early nineteen twenties; he confirmed for me then what I already knew, and taught me many things more.”
„Ich stehe tief in Wilhelms Schuld, weil er auf die komplizierten Probleme des I Ching Licht geworfen hat, und auch für Einsichten im Zusammenhang mit der praktischen Anwendung [des I Ching]. Mehr als dreißig Jahre habe ich mich für diese Orakeltechnik – oder auch Methode zur Erforschung des Unbewussten – interessiert, da sie mir von äußerster Bedeutung schien. Als ich Richard Wilhelm in den frühen Zwanzigerjahren zum ersten Mal traf, war ich mit dem I Ching schon ganz gut vertraut; er bestätigte mir dann, was ich schon wusste, und hat mich viele Dinge mehr gelehrt.“
Quellen
Zur Übersetzung des Daodejing (Tao te king) benutzte Richard Wilhelm unter anderem folgende, im Literaturverzeichnis angeführten Quellen (Umschrift nach dem Lessing-Othmer-System):
- Niën Erl Dsï Ho Ko (Gesamtausgabe der 22 Philosophen), Schanghai 1894. Steindruck. Band I: Laotse, kommentiert von Wang Bi mit textkritischen Bemerkungen von Lu De Ming.
- Lau Dsï Dsi Gië, von Süo Hui (2 Bände). Alter Holzdruck aus dem Jahr 1598.
- Dau De Ging Tsche, von Hung Ying Schau (2 Bände), Holzdruck, Ming-Dynastie, ohne Jahresangabe.
- Lau Dsï Te Gië, von Dazai Shuntai (2 Bände)
- Wang Fu Dschï, aus sämtlichen Werken der Band, der einen Kommentar des Laotses enthält, Ende der Ming-Dynastie.
In seinen Erklärungen zu den einzelnen Abschnitten des Daodejing verweist er auf die Gespräche des Konfuzius, auf das Buch der Urkunden, auf Huai Nan Dsï, auf das I Ging und auf Liä Dsï/Liezi. Des Weiteren hat er laut Literaturverzeichnis umfangreiches Material und andere Übersetzungen in europäische Sprachen gesichtet.
Bei seiner Übersetzung des I Ging verwendete er unter anderem die Zehn Flügel, die älteste Kommentarliteratur über das Buch der Wandlungen.
Nicht zuletzt hat auch sein „verehrter Lehrer Lau Nai Süan“, einer „der bedeutendsten chinesischen Gelehrten der alten Schule“ (vgl. R. Wilhelm, I Ging, Vorrede zur Erstausgabe, Peking 1923), einen erheblichen Anteil an der Gestaltung der Wilhelm’schen Übertragungen daoistischer Klassiker, im Besonderen des I Ging.
Weitere Werke
Neben den bekannten Übersetzungen der Texte des klassischen chinesischen Altertums steht eine Vielzahl von Arbeiten, in denen Wilhelm sich kritisch mit der chinesischen Gegenwart befasst. So veröffentlichte er Tagebuchaufzeichnungen über die zeitgenössischen Ereignisse und sein Leben und Arbeiten in Qingdao, aber auch ein Werk über chinesische Wirtschaftspsychologie, das eine durchaus praktische Zielsetzung hatte.
Rezeptionsgeschichte
Wilhelms Übersetzungen der chinesischen Klassiker hatten in seiner Zeit bei einem Publikum, das zu den Erfahrungen und Folgen des Ersten Weltkriegs eine kulturelle Alternative im Fernen Osten suchte, eine breite Wirkung.[98] Dies erkläre sich damit, dass er die chinesische Tradition durch die Verbindung mit christlichen Sprachbildern innerhalb einer christlich bestimmten Kultur nachvollziehbar gemacht habe.[99]
Wäre Wilhelm ein Chinese gewesen, so würde man ihn in den Konfuziustempel aufnehmen, äußerte der chinesische Philosoph Zhang Junmai 1930 in seinem Nachruf auf Wilhelm. Er verlieh ihm gemäß dem chinesischen Brauch, Verstorbene, die für die Nachwelt Wichtiges geleistet haben, durch besondere Namen zu ehren, den Ehrentitel „Weltbürger unseres Zeitalters“.[100] Paul Pelliot, ein französischer Sinologe, würdigte zur gleichen Zeit die Übersetzungsarbeit Wilhelms als Bereicherung für die deutsche Sinologie. Die Übersetzungen seien korrekt, in ausgezeichnetem Deutsch geschrieben und in jedem Fall sehr klar, soweit er es als Franzose beurteilen könne.[101]
In der Zeit der Weimarer Republik waren Wilhelms Forschungsergebnisse unter vielen deutschen Sinologen umstritten. Fachwissenschaftler beanstandeten, dass Wilhelms Texte unwissenschaftlich seien, weil philologische Untersuchungen fehlten, berichtete 1930 der Sinologe Wilhelm Schüler in der sinologischen Fachzeitschrift Sinica über Kommentare von Kollegen. Es wurde auch beanstandet, dass sie keine eingehende Text- und Wortkritik enthielten. Außerdem, wurde aus wissenschaftlicher Sicht behauptet, verfärbten seine mit westlichen Gedanken und Begriffen durchsetzten Darstellungen den chinesischen Sinn und Ausdruck.[102]
Eine weitergehende Kritik ganz grundsätzlicher Art veröffentlichte 1926 der Sinologe Alfred Forke. In einer Rezension schrieb Forke: Wilhelm habe „den kritischen Blick (…), wenn er ihn überhaupt je besessen hat, durch sein Aufgehen im Chinesentum verloren.“ Als schwerwiegenderes „Vergehen“ wurde Wilhelms Bemühung um eine „positive Neubewertung Chinas“ mittels wissenschaftlicher Analysen und Übersetzungen gewertet. Aufgrund seines intensiven Werbens für ein positives Chinaverständnis wurde Wilhelm der Vorwurf gemacht, er sei ‚fast chinesiert'. Die Sinologin Leutner macht darauf aufmerksam, dass dieser Vorwurf zugleich impliziere, dass Wilhelm illoyal sei und eine Beschäftigung mit China als Deutscher und aus deutscher Perspektive aufgegeben habe.[103] Die ‚deutsche Identität’ bedeutete in der Weimarer Nachkriegsphase nicht, Pazifist oder Republikaner zu sein, was Forke seinem Kollegen Wilhelm vorgeworfen hatte.[104]
Heute werden die Arbeiten Wilhelms anders gesehen. Der Historiker und Chinaforscher Horst Gründer zählt Wilhelms Arbeiten zum Fundament östlicher Philosophie und Bildung im deutschsprachigen Raum.[105] Für die Sinologin Dagmar Lorenz war Wilhelm der Vertreter einer protestantischen Tradition, in der gründliches Nachdenken und die vorurteilsfreie Einstellung zu Kulturfremdem gepflegt wurde. Dies befähigte ihn, China mit anderen Augen zu sehen als viele seiner Landsleute.[106] Es sei einfach positiv, so stellt der Berliner Ostasienwissenschaftler Henning Klöter fest, dass Wilhelms Übersetzungen den deutschsprachige Lesern chinesische Literatur habe „nachhaltig“ nahe bringen können.[107]
Aus kulturwissenschaftlicher Sicht wurde in den 1970er Jahren – basierend auf den Auflagenzahlen des Diederichs-Verlages – festgestellt, dass Wilhelms Versionen der chinesischen Philosophie allgemein beliebt sind, obwohl die moderne Sinologie die Übertragungen Richard Wilhelms als veraltet betrachtet.[108] Ein anderer Aspekt, der die Beliebtheit der Versionen Wilhelms eventuell begründen kann, wird aus psychologischer Sicht erwähnt: Wilhelm habe eine ausgeprägte Empfindsamkeit für den Übersetzungsprozess entwickelt. Diese Methode sei einzigartig und ihrer Zeit weit voraus. Sie ermögliche einen gleichberechtigten Dialog zwischen den Kulturen.[109]
Würdigung
1993 gründete der Sinologe Helmut Martin an der Ruhr-Universität Bochum das Richard-Wilhelm-Übersetzungszentrum.[110] Es ist das zurzeit einzige Übersetzungszentrum für chinesische Texte in Europa.
2009 wurde anlässlich des 110. Geburtstages der Wilhelm-Schule in Qingdao eine Bronzebüste Richard Wilhelms enthüllt. Der Künstler Diao Yunbo hatte sie im Auftrag des Qingdao-Bildhauerverbandes zur Würdigung von Wilhelms Lebensleistung angefertigt.[111]
Schriften
Das publizistische Schaffen von Richard Wilhelm umfasst über 400 Titel (mit Mehrfachnennungen aufgrund von Varianten), davon die meisten in Zeitschriften. Eine Reihe der Bücher wurde über die Jahrzehnte neu aufgelegt, in verschiedenen Verlagen und – zumal nach dem Auslaufen der Urheberrechte – auch in revidierten Fassungen (hinsichtlich Titel, Sprache und inhaltlichem Umfang), so dass hier nur die ursprünglichen Fassungen aufgeführt werden.
Für die Verdeutschung chinesischer Zeichen verwendete er zunächst sein zusammen mit Ferdinand Lessing entwickeltes Umschrift-System. Aus diesem ging 1911 das leicht veränderte Lessing-Othmer-System hervor, welches per Versammlung deutscher Lehrer in China damals zum Standard erhoben wurde und dem sich Wilhelm anpasste. Heute sind beide Umschriften praktisch nur noch in älterer Literatur anzutreffen.
Originalausgaben (chronologische Auswahl)
- Die Stellung des Konfucius unter den Repräsentanten der Menschheit. Vortrag, gehalten in der Deutschen Kolonialgesellschaft Abteilung Tsingtau. Deutsch-Chinesische Druckerei und Verlagsanstalt, Tsingtau 1903.
- Die chinesischen Klassiker: II. Lun Yü oder die Gespräche des Confucius. – In: Die Welt des Ostens. Altes und Neues aus Asiens drei Kaiserreichen. Beilage zur Deutsch-Asiatischen Warte, Tsingtau. Jg. 1, 1904, in Nr. 12–15, 17, 19–20, 23, 27–28, 31–32, 34–36. (Nachdruck in: Zeitschrift für Missionskunde und Religionswissenschaft. Organ des Allgemein evangelisch-protestantischen Missionsvereins, Jg. XX, 1905) [Auswahl][112]
- San Guo yen i. Die Geschichte der drei Reiche. – In: Die Welt des Ostens, Jg. 1, 1904, in Nr. 33, 37–38, 40–41, 44–46. (Nachdruck in: Zeitschrift für Missionskunde und Religionswissenschaft, Jg. XXI, 1906) [Auswahl]
- Kungfutse: Gespräche (Lun yü). Eugen Diederichs, Jena 1910; 2. durchgesehene Auflage 1914.[113]
- China. Das Land und die Natur. Tsingtau 1911.
- Ku Hung-Ming: Chinas Verteidigung gegen europäische Ideen. Kritische Aufsätze. Übersetzt von Richard Wilhelm. Mit einem Vorwort von Alfons Paquet. Eugen Diederichs, Jena 1911.
- Laotse: Tao te king. Das Buch des Alten vom Sinn und Leben. Eugen Diederichs, Jena 1911.
- Dschuang Dsï: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland (Nan Hua Dschen Ging). Eugen Diederichs, Jena 1912.
- Hiau Ging. Das Buch der Ehrfurcht. Ostasiatischer Lloyd 1912; Neuausgabe durch Hellmuth Wilhelm, Verlag der Pekinger Pappelinsel/Poplar Island Press 1940 (Die kleinen Bücher der Pappelinsel No. 6).
- Der Lauschan. Nach chinesischen Quellen bearbeitet. Mit einem Beitrag von Prof. H. Wirtz. Missionsverlag, Tsingtau 1913.
- Chinesische Volksmärchen. Gesammelt und aus dem Chinesischen übertragen von Richard Wilhelm. Eugen Diederichs, Jena 1914 (Märchen der Weltliteratur Bd. VIII).
- Aus Tsingtaus schweren Tagen im Weltkrieg 1914. Tagebuch von Dr. Richard Wilhelm während der Belagerung von Tsingtau. Mit einem Vorwort von Dr. Aug. Kind. Hutten-Verlag, Berlin 1915.
- Mong Dsï (Mong Ko). Eugen Diederichs, Jena 1916.
- Liä Dsï: Das wahre Buch vom quellenden Urgrund (Tschung Hü Dschen Gin). Die Lehren der Philosophen Liä Yü Kou und Yang Dschu. Eugen Diederichs, Jena 1921.
- Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten. Lieder und Gesänge, verdeutscht von Richard Wilhelm. Eugen Diederichs, Jena 1922.
- Chinesische Lebensweisheit. Otto Reichl, Darmstadt 1922.
- Jesus. Züge aus seinem Leben. Gesellschaft Hessischer Bücherfreunde, Darmstadt 1922.
- I Ging. Das Buch der Wandlungen. Erstes und zweites Buch. Eugen Diederichs, Jena 1924.
- I Ging. Das Buch der Wandlungen. Drittes Buch. Eugen Diederichs, Jena 1924.
- Da Hüo – Die Große Wissenschaft. – In: Der Morgen, Monatsschrift der Juden in Deutschland, Jg. 1, S. 55–60.
- Kung-Tse. Leben und Werk. Fr. Frommanns, Stuttgart 1925. (Frommanns Klassiker der Philosophie XXV)
- Lao-tse und der Taoismus. Fr. Frommanns, Stuttgart 1925. (Frommanns Klassiker der Philosophie XXVI)
- Die Chinesische Literatur. – In: Oskar Walzel (Hrsg.): Handbuch der Literaturwissenschaft 2. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion, Wildpark-Potsdam 1926–1928.
- Die Seele Chinas. Reimar Hobbing, Berlin 1926.
- Frühling und Herbst des Lü Bu We. Eugen Diederichs, Jena 1928.
- Geschichte der chinesischen Kultur. F. Bruckmann, München 1928.
- K’ungtse und der Konfuzianismus. Walter de Gruyter & Co., Berlin – Leipzig 1928 (Sammlung Göschen Bd. 979)
- Ostasien. Werden und Wandel des chinesischen Kulturkreises. Müller & Kiepenheuer, Potsdam / Orell Füssli, Zürich, 1927/28 (Das Weltbild, Bücher des lebendigen Wissens, 5. Band)
- Chinesische Philosophie. Ferdinand Hirt, Breslau. (Jedermanns Bibliothek)
- Das Geheimnis der Goldenen Blüte. Ein chinesisches Lebensbuch. (Tai I Gin Hua Dsung Dschi). Mit einem europäischen Kommentar von C. G. Jung. Dorn-Verlag Grete Ullmann, München 1929.
- Chinesische Wirtschaftspsychologie. Deutsche wissenschaftliche Buchhandlung, Leipzig 1930.
- Li Gi, das Buch der Sitte des älteren und jüngeren Dai. Aufzeichnungen über Kultur und Religion des alten China. Eugen Diederichs, Jena 1930.
- Der Mensch und das Sein. Vorträge und Aufsätze, herausgegeben von S[alome] Wilhelm. Eugen Diederichs, Jena 1931.
- Kungfutse: Schulgespräche (Gia Yü). Aus dem Nachlaß herausgegeben von Hellmut Wilhelm. Eugen Diederichs, Düsseldorf – Köln 1961.
Ausgaben im Internet (alphabetische Auswahl)
- Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten – Richard Wilhelm im Projekt Gutenberg-DE
- Chinesische Märchen im Projekt Gutenberg-DE
- Chinesische Wirtschaftspsychologie. Volltext online (PDF; 1,9 MB) auf chinaseiten.de (Ausgabe 1930)
- Die Seele Chinas:
- Die Seele Chinas – Richard Wilhelm im Projekt Gutenberg-DE
- Die Seele Chinas. Volltext online (PDF; 1,3 MB) auf chinaseiten.de
- Dschuang Dsi:
- Hiau Ging – Das Buch der Ehrfurcht. Volltext online (PDF; 0,4 MB) auf chinaseiten.de (Ausgabe 1940)
- I Ging · Das Buch der Wandlungen:
- Kong Fu Zi (Konfuzius), Lunyu - Gespräche - Zeno.org
- Kong Fu Zi (Konfuzius), Gia Yü - Schulgespräche - Zeno.org
- Lao-tse:
- Liezi (Liä Dsi), Das wahre Buch vom quellenden Urgrund - Zeno.org
- Lü Bu Wei, Chunqiu - Frühling und Herbst des Lü Bu We - Zeno.org
- Mong Dsï im Projekt Gutenberg-DE
Literatur
- Wolfgang Bauer: China im Umbruch. In: Richard Wilhelm: Botschafter zweier Welten, S. 6–38.
- Reinhard Breymayer: „Die Bibel der Chinesen“. Zum Problem „verwestlichender Übersetzung“ in der württembergisch-schwäbischen Chinakunde bis zu Richard Wilhelm (1873–1930). In: Rainer Reuter, Wolfgang Schenk (Hrsg.): Semiotica Biblica. Eine Freundesgabe für Erhardt Güttgemanns (= Schriftenreihe THEOS. Studienreihe Theologische Forschungsergebnisse. Band 31). Kovač, Hamburg 1999, ISBN 3-86064-936-1, S. 181–217.
- Hermann Bohner: Nachruf auf Richard Wilhelm. In: Nachrichten der OAG. 1930.
- Arne Eichberg: Erkenntnistheoretisches im Zhuangzi. Hamburg 2014.
- Lydia Gerber: Von Voskamps „heidnischem Treiben“ und Wilhelms „höherem China“. Die Berichterstattung deutscher protestantischer Missionare aus dem deutschen Pachtgebiet Kiautschou 1898–1914 (= Hamburger Sinologische Schriften. 7). Ostasien Verlag, Gossenberg 2002; Nachdruck 2008, ISBN 978-3-940527-12-7.
- Klaus Hirsch (Hrsg.): Richard Wilhelm. Botschafter zweier Welten. Sinologe und Missionar zwischen China und Europa. Dokumentation einer Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ostasienwissenschaften der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg vom 28. bis 30. Juni 2002. IKO Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main/London 2003, ISBN 3-424-00502-9.
- Klaus Hirsch: Richard Wilhelm 1873–1930, vom Missionar zum Sinologen. Einhorn-Verlag+Druck GmbH, Schwäbisch Gmünd 2020 (Unterm Stein; 24), ISBN 978-3-95747-102-4.
- Adrian Hsia: China-Bilder in der europäischen Literatur. Königshausen & Neumann, Würzburg 2010. (Saarbrücker Beiträge zur vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaft)
- Michael Lackner: Richard Wilhelm, a “Sinicized” German Translator. In: Vivianne Alleton, Michael Lackner (Hrsg.): De l’un au multiple. Traductions du chinois vers les langues européennes. Translations from Chinese into European Languages. Maison des sciences de l’homme, Paris 1999, ISBN 2-7351-0768-X, S. 86–97.
- Karl Rennstich: WILHELM, Richard. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 13, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7, Sp. 1300–1306.
- Salome Wilhelm (Hrsg.): Richard Wilhelm – Der geistige Mittler zwischen China und Europa. Mit einer Einleitung von Walter F. Otto. Eugen Diederichs, Düsseldorf – Köln 1956.
- Dorothea Wippermann, Klaus Hirsch, Georg Ebertshäuser (Hrsg.): Interkulturalität im frühen 20. Jahrhundert. Richard Wilhelm – Theologe, Missionar und Sinologe. IKO Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-88939-819-2.
- Dorothea Wippermann: Richard Wilhelm. Der Sinologe und seine Kulturmission in China und Frankfurt. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 2020. ISBN 978-3-95542-377-3.
Weblinks
- Literatur von und über Richard Wilhelm im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über Richard Wilhelm in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Zeitungsartikel über Richard Wilhelm in den Historischen Pressearchiven der ZBW
- Werke von Richard Wilhelm im Projekt Gutenberg-DE
- Wandlungen – Richard Wilhelm und das I Ging, Webseite des Kinodokumentarfilms von Bettina Wilhelm (Tochter von Walt Wilhelm)
- Wilhelm, Dr. theol.h.c. u. Dr. phil.h.c. Richard, und Familie in tsingtau.org
- Bild der Grabstätte in friedhof-ansichten.de
- Richard Wilhelm und sein Sehnsuchtsland China im Online-Magazin des Goethe-Instituts
- The Richard Wilhelm Translation Centre an der Ruhr-Universität Bochum.