Rimschweiler

Stadtteil von Zweibrücken From Wikipedia, the free encyclopedia

Rimschweiler ist ein Stadtteil von Zweibrücken, einer Stadt in Rheinland-Pfalz, unweit der Grenzen zu Frankreich und zum Saarland.

Schnelle Fakten Stadt Zweibrücken ...
Rimschweiler
Wappen der ehemaligen Gemeinde Rimschweiler
Koordinaten: 49° 13′ N,  23′ O
Höhe: 232 m ü. NHN
Einwohner: 1703 (31. Dez. 2022)[1]
Eingemeindung: 22. April 1972
Postleitzahl: 66482
Vorwahl: 06332
Karte
Lage in Zweibrücken
Rimschweiler aus der Vogelperspektive
Rimschweiler aus der Vogelperspektive
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Geographie

Lage

Rimschweiler befindet sich in der Westricher Hochfläche und liegt am Ufer des Hornbachs im Hornbachtal. Der Hornbach nimmt vor Ort nacheinander von rechts den Atzenbach und den Metzenbach auf. Der Stadtteil liegt zwei Ortschaften nördlich der französischen Grenze und zwei Ortschaften westlich an der saarländischen Grenze. Zu Rimschweiler gehören zusätzlich die Wohnplätze Alsterhof, Bornäckerhof, Heidelbingerhof, Langheckerhof und Lerchenhof.

Nachbargemeinden

Rimschweiler liegt westlich der Zweibrücker Stadtmitte und grenzt direkt an diese an. Im Nordwesten grenzt Rimschweiler an den Stadtteil Ixheim, im Westen an Althornbach und im Nordosten an Contwig an.

Geologie

Am Ufer des Hornbachs befinden sich fluviatile Sedimente, welche im Westen zu unterem Buntsandstein der Pfalz und dann in unteren Muschelkalk übergehen. Im Osten des Hornbachs gehen die fluviatilen Sedimente in mittleren und oberen Buntsandstein der Pfalz über, danach in unteren Muschelkalk.[2]

Klima

Rimschweiler liegt in der Pfalz und weist ein gemäßigtes Klima auf. Im Januar erreichen die durchschnittlichen Höchsttemperaturen etwa 5 °C. Im Juli und August steigt das Maximum auf rund 27 °C. Die tiefsten Werte liegen im Winter bei etwa 0 °C und im Sommer bei ungefähr 14 °C. Jeder Monat bringt etwa 40 bis 60 mm Niederschlag. Meist gibt es 7 bis 10 Regentage pro Monat. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt im Sommer bei etwa 65 % und im Winter bei rund 90 %.[3]

Geschichte

Bevölkerungsentwicklung

Die Einwohnerentwicklung Rimschweilers folgte über die Jahrhunderte der allgemeinen demografischen Entwicklung der Region.[4] 1802 lebten 194 Einwohner im Ort (einschließlich Heidelbingerhof), davon 165 Reformierte, 23 Lutheraner und sechs Katholiken. 1814 war die Einwohnerzahl auf 218 angestiegen.

Die aktuelle Einwohnerzahl von 1.703 (Stand 2022) macht Rimschweiler zu einem der größeren Stadtteile von Zweibrücken.[5]

Entwicklung bis zum 19. Jahrhundert

Der Ortsname auf „-weiler“ gehört zu einem Ortsnamentypus, der im Frühmittelalter häufig gewählt wurde. Gottfried von Rimeswilre verwaltete um 1200 eine Prekarie des Klosters Wadgassen.[6] Rimschweiler hatte stets die gleiche Landeszugehörigkeit wie Zweibrücken.

Der Heidelbingerhof geht auf eine Siedlung namens Heidelbingen zurück. Ortsnamen auf „-ingen“ gehören dem Frühmittelalter an. Im Jahr 1298 schenkte Ritter Bertram von Zweibrücken seine Güter zu Heydelbingen dem Nonnenkloster in Zweibrücken.[7]

Das Kloster Hornbach, das um 741 vom heiligen Pirminius gegründet wurde, hatte bedeutenden Einfluss auf die Region und besaß umfangreiche Liegenschaften in Rimschweiler. Im Mittelalter galt Hornbach als das reichste und angesehenste Benediktinerkloster zwischen Speyer und Metz, was sich auch auf die wirtschaftliche Entwicklung der umliegenden Orte auswirkte.[8]

Das Dorf Rimschweiler gehörte bis zur Französischen Revolution zur Schultheißerei Ixheim im pfalz-zweibrückischen Oberamt Zweibrücken.[4] Ab 1793 wurde das Linke Rheinufer im Ersten Koalitionskrieg französisch besetzt. Von 1798 bis 1814 gehörte Rimschweiler zum Kanton Neuhornbach im Departement Donnersberg.

Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen kam das Gebiet im Juni 1815 zunächst zu Österreich und wurde 1816 auf der Grundlage eines Staatsvertrags an das Königreich Bayern abgetreten. Unter der bayerischen Verwaltung gehörte Rimschweiler von 1817 an zum Landkommissariat Zweibrücken im Rheinkreis, ab 1862 zum Bezirksamt Zweibrücken und von 1939 an zum Landkreis Zweibrücken.

20. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert traf die Einwohner mit dem Bau des Westwalls ab 1936/37, der Evakuierung 1939/40 und erneut 1944/45, schließlich dem Durchzug der Hauptkampflinie 1945. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde Althornbach innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des Regierungsbezirks Pfalz im damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz. Als 1951 Gelände für die Anlegung des Flugplatzes beschlagnahmt wurde, ging neben Ackerland auch der Gemeindewald verloren. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Rimschweiler am 22. April 1972 nach Zweibrücken eingemeindet.[9]

Am 7. Januar 1986 kollidierten über dem Kirschbacherhof zwei Jets der US Air Force des Typs McDonnell F-15 Eagle. Eine Maschine zerschellte im Ortskern von Rimschweiler und setzte Gebäude in Brand. Die zweite Maschine stürzte in einen Wald einige Hundert Meter oberhalb der evangelischen Kirche. Bei dem Absturz wurden ein Zivilist aus Rimschweiler getötet und vier Zivilisten verletzt. Einer der beiden Piloten kam ums Leben, der andere wurde leicht verletzt.[10]

Religion

In Rimschweiler stehen die Kirchen St. Johannes Maria Vianney (katholisch) und Matthäuskirche (evangelisch). Die Kirche St. Johannes Maria Vianney wurde 1956 gebaut und gehört zur Pfarrei Heilige Elisabeth Zweibrücken.[11] Die evangelische Matthäuskirche gehört zur Kirchengemeinde Rimschweiler-Mittelbach im Protestantischen Dekanat Zweibrücken.

Im Jahr 2022 lebten in Rimschweiler etwa 300 Katholiken und rund 1.600 evangelische Christen.[12] Beide Gemeinden feiern regelmäßig gemeinsame ökumenische Feste. Das Gemeindeleben ist konfessionsübergreifend geprägt.[12]

Politik

Ortsbeirat

Für den Stadtteil Rimschweiler wurde ein Ortsbezirk gebildet. Dem Ortsbeirat gehören 15 Beiratsmitglieder an, den Vorsitz im Ortsbeirat führt der direkt gewählte Ortsvorsteher.[13]

Für weitere Informationen zum Ortsbeirat siehe die Ergebnisse der Kommunalwahlen in Zweibrücken.

Ortsvorsteher

Klaus Fuhrmann (SPD) wurde am 16. Februar 2023 Ortsvorsteher von Rimschweiler.[14] Bei der Direktwahl am 29. Januar 2023 war er – als einziger Kandidat – mit einem Stimmenanteil von 87,6 % gewählt worden.[15] Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 zum „regulären“ Wahlperiodenbeginn wurde er als erneut einziger Bewerber mit einem Stimmenanteil von 76,7 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.[16]

Fuhrmanns Vorgängerin Isolde Seibert (SPD) hatte das Amt 2012 von Henno Pirmann übernommen.[17] Zuletzt bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde sie mit einem Stimmenanteil von 82,23 % für weitere fünf Jahre wiedergewählt.[18] Im Oktober 2022 kündigte sie jedoch an, ihr Ehrenamt aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig zum 31. Dezember 2022 niederzulegen, wodurch die Neuwahl erforderlich wurde.[17]

Wappen

Wappen von Rimschweiler
Wappen von Rimschweiler
Blasonierung: „Von Rot und Gold gespalten, rechts ein goldener Krummstab mit nach rechts gekehrter Krümme, belegt mit einem silbernen (blau schimmernden) Ritterstechhelm, links ein blau bewehrter und -bezungter roter Löwe.“
Wappenbegründung: Das Wappen wurde am 14. Februar 1952 verliehen. Der Löwe ist dem Wappen der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken entnommen, die das Gebiet bis 1793 beherrschten. Der Bischofsstab verweist auf das Kloster Hornbach, das im Mittelalter viele Besitztümer im Ort hatte. Der Helm verweist auf die mittelalterlichen Ritter, die ihren Besitz im Dorf hatten, von denen aber kein Wappen bekannt ist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kulturdenkmäler

Das Anwesen Heidelbingerhof 5 ist als Denkmalzone ausgewiesen. Hinzu kommen insgesamt zwei Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen.

Naturdenkmale

Mit einer Rosskastanie und Fünf Rotbuchen existieren vor Ort zwei Naturdenkmäler.

Tourismus

Rimschweiler liegt am Pirminius-Radweg, der sich in diesem Abschnitt auf der ehemaligen Bahntrasse durch das Hornbachtal erstreckt und eine bedeutende touristische Verbindung zwischen Zweibrücken und dem Kloster Hornbach bildet. Durch den Stadtteil führen darüber hinaus der Europäische Mühlenradweg[19] , der von Zweibrücken über Rimschweiler und Althornbach nach Hornbach und weiter ins französische Grenzgebiet verläuft, sowie die Rheinland-Pfalz-Radroute, die auf diesem Abschnitt Teil des Hornbach-Fleckenstein-Radwegs ist und die Route des Wassers bis in den Pfälzerwald begleitet. Beide Radwege verbinden kulturelle und landschaftliche Highlights der Region, darunter alte Mühlenstandorte, das Kloster Hornbach und weite Ausblicke über Täler und Wiesen.

Vereine und Sport

Der TUS 1894 Rimschweiler ist mit fast 600 Mitgliedern der größte Verein im Ort und einer der bedeutendsten Sportvereine der Region.[20] Er unterhält einen Fußballplatz, eine Sporthalle sowie ein Sportheim. Die Vereinsarbeit umfasst neben Fußball auch Frauensportgruppen, Männersportgruppen und mehrere Tanzgruppen. Die ehemalige Vereinsturnhalle wurde an die Stadt verkauft und dient heute als städtische Turnhalle, die auch als Schulturnhalle genutzt wird.

Weitere Vereine sind der SKC Rimschweiler (Kegelverein, gegründet 1970)[21] sowie verschiedene kulturelle und gesellschaftliche Vereine, die das Dorfleben prägen.

Regelmäßige Veranstaltungen

Am zweiten Wochenende im September findet die traditionelle Kirchweihe („Rimschwiller Kerb“) statt, die als eines der wichtigsten Feste im Ort gilt und überregional bekannt ist.[22] Die Veranstaltung wird durch die Straußbuben und -mädchen, Vereine, Wirtschaften und Privatpersonen organisiert. Die Vorbereitungen beginnen bereits Monate im Voraus und umfassen Umzüge, die Engagierung von Kapellen und die Suche nach Sponsoren. Die Kirchweihe wird am Samstagabend mit einem großen Fackelumzug eröffnet und endet traditionell am Dienstag.

Wirtschaft und Infrastruktur

Unternehmen

Die wirtschaftliche Struktur von Rimschweiler war historisch durch die Landwirtschaft geprägt. In den letzten Jahrzehnten entstanden vor Ort mehrere Unternehmen, die das wirtschaftliche Angebot erweitern. Die Ludwig Lehner GmbH ist ein Werkzeug- und Maschinenbauunternehmen mit Sitz in Rimschweiler. Sie besteht seit 1968 und bietet mechanische Fertigung, Konstruktion, Vorrichtungsbau und Montage an.[23][24]

In Rimschweiler existierten zudem die Raiffeisenkasse Rimschweiler eGmbH, die 1969 mit der Raiffeisenbank Zweibrücken - Stadt und Land - eGmbH fusionierte und in die heutige VR-Bank Südwestpfalz Pirmasens-Zweibrücken aufging.[25] Das wirtschaftliche Profil ist vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen sowie landwirtschaftlichen Betrieben geprägt.

Öffentliche Einrichtungen

Die Stadtbücherei Zweibrücken betreibt vor Ort eine Zweigstelle.[26] Das historische Gemeindehaus dient als Treffpunkt für Vereine und Veranstaltungen im Stadtteil.[27] Die Löscheinheit Rimschweiler der Freiwilligen Feuerwehr Zweibrücken ist im Stadtteil stationiert. Sie ist zuständig für Rimschweiler, Mittelbach, Teile von Ixheim sowie den Flugplatz. Bei Einsätzen in Althornbach wird sie ebenfalls zur Unterstützung alarmiert.[28]

Bildung

Rimschweiler verfügt über eine evangelische Kindertagesstätte „Haus der kleinen Helden“ mit 56 Plätzen für Kinder im Alter von 2 Jahren bis zum Schuleintritt sowie einen Hort mit 29 Plätzen für Kinder der 1. bis 4. Klasse.[29] Die Betreuungszeiten erstrecken sich von 7:00 bis 17:00 Uhr, in den Ferien findet ein Ferienprogramm statt.

Die Grundschule Rimschweiler befindet sich im Alleeweg 9 und ist eine der acht Grundschulen der Stadt Zweibrücken.[30] Die Schule wird von der Schulleiterin Nicole Schmidt geleitet. Nach dem Grundschulprinzip besuchen die Rimschweiler Kinder die örtliche Grundschule entsprechend ihres Schulbezirks.[31]

Verkehr

Empfangsgebäude des Bahnhof Rimschweiler

Durch den Ort führt die Bundesstraße 424. Es besteht Anschluss an die Buslinie 221 der Verkehrsgesellschaft Zweibrücken[32], sowie an die Buslinien 235 und 236 der DB Regio Bus Mitte, die eine Verbindung mit dem Zweibrücker Hauptbahnhof herstellen.

Von 1913 bis 1967 besaß Rimschweiler einen Bahnhof an der inzwischen stillgelegten Hornbachbahn. Der Bahnhof Rimschweiler befand sich am nordwestlichen Ortsrand. Während der Zeit der Bayerischen Staatseisenbahnen war er als Stationstyp 2 geführt, was bedeutete, dass er „Personen-, Gepäck- und Eilgut-Verkehr“ aufwies.[33] Das ehemalige Empfangsgebäude dient heute als Wohnhaus.[34]

Literatur

  • Hermann Gehring, Richard Hudlet: Zweibrücker Höfe. Hermann Gehring, Selbstverlag, Blieskastel 1997, S. 80.
  • Michael Frey: Versuch einer geographisch-historisch-statistischen Beschreibung des kön. bayer. Rheinkreises. 4: Gerichts-Bezirk von Zweibrücken. F.C. Neidhard, Speyer 1837.
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Einzelnachweise

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