Ringwall Altkönig

Ringwallanlage auf der Spitze des Berges Altkönig in Kronberg, Hessen From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Ringwall Altkönig ist eine vorgeschichtliche Befestigung im Taunus. Sie liegt im Hochtaunuskreis auf der Spitze des Altkönigs, dem mit 798 m dritthöchsten Berg des Taunus, und wird in die Frühlatènezeit (etwa 400 v. Chr.) datiert. Träger der Latènekultur sind die seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. in griechischen, später auch in römischen Quellen genannten Kelten.

Schnelle Fakten
Ringwall Altkönig
Innenwall im Südostbereich

Innenwall im Südostbereich

Staat Deutschland
Ort Kronberg
Entstehungszeit Frühlatènezeit
Burgentyp Höhenburg
Erhaltungszustand Bodendenkmal
Ständische Stellung unbekannt
Geographische Lage 50° 13′ N,  29′ O
Höhenlage 798,2 m ü. NHN
Ringwall Altkönig (Hessen)
Ringwall Altkönig (Hessen)
Schließen

Lage und Beschreibung

3D-Ansicht des digitalen Geländemodells

Der Altkönig liegt am südöstlichen Rand des Taunus. Seine markante Bergkuppe stellt die beherrschende Höhe des gesamten Vordertaunus dar. Weithin sichtbar überragt er die südliche Wetterau wie auch die Mainebene, also ein fruchtbares wie auch verkehrsgeographisch bedeutendes Gebiet.

Der Ringwall umschließt die Kuppe des Altkönigs. Er besteht aus einem doppelten Wall von annähernd ovaler Form. Im Südwesten schließt sich ein Annex an, der eine manchmal[1] heute noch fließende Quelle sichert. Die Anlage umfasst eine Fläche von 26 ha, wobei 11 ha auf den Annex entfallen. Die aus Taunusquarzit bestehenden Wälle haben eine Länge von 950 m (innerer Ring) bzw. 1390 m (äußerer Ring) und weisen einen Abstand zwischen 50 m und 80 m auf. Die Walllänge des Annexes betrug in ihrer ursprünglichen Form 1000 m. Der äußere Wall wies zwei Tore auf, eines in Richtung Südosten und eines im Südwesten in den Annex hinein. Die Tore waren durch überlappende Mauerenden besonders gesichert. Zwischen dem südlichen Anschluss des Annexes an den äußeren Wall findet sich heute eine etwa 60 m breite Lücke. Ob hier ein Tor lag, ist unbekannt. Der innere Wall wies nur ein einziges Tor auf, welches im Osten lag. Dieses war einfacher und weist keine Mauerüberlappung auf. Der innere und vermutlich auch der äußere Wall stellte im Ursprung eine Trockenmauer vom Typus Altkönig-Preist dar. Die archäologische Fachbezeichnung für diese Bauweise beruht darauf, dass diese Form einer Pfostenschlitzmauer erstmals am Altkönig und in Preist erforscht wurde. Die innere Mauer war zwischen 6,5 m und 6,7 m breit, die äußere unterschiedlichen Angaben zufolge 2,50 m oder 4,0 m.

Umstritten ist, welcher der beiden Ringwälle zuerst entstand, ob die genutzte Fläche also nach einer gewissen Zeit vergrößert oder verkleinert wurde, oder ob die Wälle zusammengehören und Teil eines gemeinsam geplanten Befestigungskonzeptes waren.[2] Ebenso unklar ist, ob einer der Ringwälle oder beide durch Feuer zerstört und dadurch zu „Schlackenwällen“ (englisch „vitrified forts“) wurden, wie teilweise angenommen wurde. Ein Steinblock am Osttor des inneren Walls zeigt Brandspuren; andere verschmolzene Steinstückchen von den Ringwällen entpuppten sich bei genauerer Analyse dagegen als Rückstände von Eisenhandwerk zu einem unbekannten Zeitpunkt.[3] Innerhalb der inneren Wallanlage zeigen sich geringfügige Spuren einer Befestigung. Hierüber gibt es allerdings überhaupt keine Erkenntnisse.

Funktion

Planskizze der Wallanlagen
Keltische Pfostenschlitzmauer

Über die genaue Funktion der Anlage ist man sich im Unklaren. Eine Nutzung des Annexes wie auch des äußeren Rings als Fluchtburg erscheint denkbar. In anderen etwa gleichartigen Bauten konnten seinerzeitige Fürstensitze nachgewiesen werden. Dies scheint auch für den Ringwall Altkönig wahrscheinlich. Das lediglich spärlich vorliegende Fundmaterial wie auch das Fehlen ausgeprägter Siedlungsschichten lassen den Schluss zu, dass die Anlage nur von wenigen Menschen genutzt wurde. Größeren Menschengruppen konnte die Anlage wahrscheinlich nur kurzzeitig Schutz gewähren. Funde aus frührömischer oder Spätlatènezeit liegen nicht vor, was darauf schließen lässt, dass die Anlage in diesen Epochen bereits zerfallen war.

Spätere Nutzungen und Erwähnungen

Vom Ringwall Altkönig liegen mehrere Metallfunde aus der Spätantike vor, die auf eine Nutzung des Berges im 4./5. Jahrhundert n. Chr., also in der Zeit der Völkerwanderung, hindeuten. Da es sich bei den Funden um Münzen und andere Funde aus römischer Produktion handelt, wird vermutet, dass die Personen, die sich damals auf dem Altkönig aufhielten, mit römischer Billigung oder sogar in römischem Auftrag das Vorfeld der Reichsgrenze (sogenannter Donau-Iller-Rhein-Limes) kontrollierten.[4]

Im 16. Jahrhundert berichtet Erasmus Alberus in Gedichtform über die „alten Mawern“ des Altkönigs.[5] Als im Jahr 1792 die französischen Truppen des General Adam-Philippe de Custine von Mainz aus Raubzüge in die Gegend unternahmen, flüchteten sich die Einheimischen in die Wallanlage und richteten sich hier mit Hütten ein.[6]

Forschungsgeschichte

Grabungen wurden 1882/1883 durch Karl August von Cohausen (1812–1894) sowie 1894 und 1911 durch Christian Ludwig Thomas (1848–1913) durchgeführt. Auf diesen Grabungen beruht die heutige Kenntnis der Befunde im Wesentlichen. Bereits 1860 hatte von Cohausen vermutet, dass die monumentalen Steinwälle auf dem Berg Reste von Mauerkonstruktionen gewesen sein könnten. Im Zuge seiner Grabungen bestätigte sich dies und das Prinzip der Pfostenschlitzmauer konnte erforscht werden. Bemerkenswert unter den Funden ist eine bronzene Tierfibel. Wie auch die weiteren Grabungsfunde datiert sie die Anlage in die Frühlatènezeit.

Denkmalschutz

Der Bereich der Wallanlage im Ringwall Altkönig ist ein Bodendenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden bedürfen der vorherigen Genehmigung. Zufallsfunde sind an die Denkmalbehörden zu melden.

Der Wall trägt das internationale Schutzzeichen für die Kennzeichnung von Kulturgut nach der Haager Konvention.

Siehe auch

Literatur

  • Dietwulf Baatz, Fritz-Rudolf Herrmann: Die Ringwälle auf dem Altkönig im Taunus. Führungsblatt zu den keltischen Befestigungen bei Falkenstein und Kronberg, Hochtaunuskreis (= Archäologische Denkmäler in Hessen. Nummer 25, ISSN 0936-1693). Abteilung für Vor- und Frühgeschichte im Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 1982.
  • Holger Baitinger, Peter Kresten: Geoarchäologie zweier hessischer „Schlackenwälle“. Glauberg und Altkönig. In: Archäologisches Korrespondenzblatt. Band 42, 2012, S. 493–508 (online).
  • Bayerisches Landesvermessungsamt München (Hrsg.): Topographische Karte. Bundesrepublik Deutschland. TK 50. Blatt: 5716. Oberreifenberg. Normalausgabe, 2. Auflage, umfassende Aktualisierung 2008, einzelne Ergebnisse 1/2009. Bayerisches Landesvermessungsamt – Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern, München 2009, ISBN 978-3-89446-326-7.
  • Fritz-Rudolf Herrmann, Albrecht Jockenhövel u. a. (Hrsg.): Die Vorgeschichte Hessens. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0458-6.
  • Jörg Lindenthal: Kulturelle Entdeckungen. Archäologische Denkmäler in Hessen. Jenior, Kassel 2004, ISBN 3-934377-73-4, S. 131f.
  • Andreas Müller-Karpe: Aspekte des frühkeltischen Befestigungswesens. In: Andreas Müller-Karpe, Alfred Haffner, Helga Brandt (Hrsg.): Studien zur Archäologie der Kelten, Römer und Germanen in Mittel- und Westeuropa. Alfred Haffner zum 60. Geburtstag gewidmet (= Internationale Archäologie, Studia honoraria. Band 4). Verlag Marie Leidorf, Rahden 1998, ISBN 3-89646-384-5, S. 439–448.
  • Georg Wilhelm Sante (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 4: Hessen (= Kröners Taschenausgabe. Band 274). 3., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 1976, ISBN 3-520-27403-5.
Commons: Keltenwall Altkönig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI