RoRo 3750
RoRo-Frachtschiffstyp der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft
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RoRo 3750 (auch Ro-Ro 3750 geschrieben) bezeichnet einen Ro-Ro-Frachtschiffstyp der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft. Von dem Typ wurden von der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft acht Einheiten für die türkische Reederei U.N. Ro-Ro gebaut.[1] Weitere acht Einheiten entstanden auf der Odense Staalskibsværft für britische Rechnung.
Cemil Bayülgen | ||||||||||||||||
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Geschichte
Der Schiffstyp basiert auf dem Typ RoRo 3200, der seinerseits eine Weiterentwicklung des Typs RoRo 2700 ist. Von den Typen wurden in den Jahren 2000, 2001 und 2002 jeweils zwei Einheiten – zwei des Typs RoRo 2700 und vier des Typs RoRo 3200 – von der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft für die Reederei UND RoRo (ab 2004 U.N. RoRo) abgeliefert.
Von dem Typ 3750 wurden zunächst in einem ersten Baulos vier Einheiten von der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft in Flensburg für die Reederei U.N. Ro-Ro gebaut und 2005 bzw. 2006 abgeliefert. Es folgten zwei weitere Baulose über jeweils zwei Einheiten, die 2008 bzw. 2009 und 2010 abgeliefert wurden. Ab 2008 wurde der Schiffstyp auch auf der Odense Staalskibsværft in Munkebo für britische Rechnung gebaut.[2] Auch hier entstanden acht Einheiten des Typs, zunächst sechs und später zwei weitere, die für verschiedene Reedereien in Fahrt kamen.
Nach der 2018 erfolgten Übernahme der Reederei U.N. Ro-Ro durch die dänische Reederei DFDS wurden die Schiffe umbenannt und erhielten einen Namen mit „Seaways“. Die bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft für die Reederei U.N. Ro-Ro gebauten Einheiten werden von der Reederei unter türkischer Flagge in deren Streckennetz im Mittelmeer eingesetzt. Die von der Odense Staalskibsværft gebauten Einheiten kamen unter britischer Flagge bei verschiedenen Reedereien in Fahrt.
Beschreibung
Die Schiffe werden von zwei Viertakt-Neunzylinder-Dieselmotor des Motorenherstellers Caterpillar (Typ: MaK 9M43) mit jeweils 8100 kW Leistung angetrieben. Die Motoren wirken über Getriebe auf zwei Verstellpropeller. Die bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft gebauten Einheiten des Typs sind mit einem mit 1400 kW Leistung angetriebenen Bugstrahlruder ausgestattet. Bei den von der Odense Staalskibsværft gebauten Einheiten wurden zwei Bugstrahlruder verbaut. Für die Stromerzeugung stehen zwei von den Hauptmotoren angetriebene Wellengeneratoren und zwei von Dieselmotoren angetriebene Generatoren zur Verfügung. Weiterhin wurde ein von einem Dieselmotor angetriebener Notgenerator verbaut.
Die Schiffe verfügen über vier Fahrzeugdecks, die sich auf dem Hauptdeck und den beiden darüber liegenden Decks sowie dem unter dem Hauptdeck auf der Tankdecke liegenden Deck befinden. Insgesamt stehen rund 3730 Spurmeter zur Verfügung (in der Schiffsbeschreibung der Bauwerft sind die zur Verfügung stehenden Spurmeter wie folgt angegeben: 960 Spurmeter auf dem Hauptdeck, 1130 Spurmeter auf dem darüber liegenden und weitere 1151 Spurmeter auf dem oberen, nach oben offenen Wetterdeck sowie 485 Spurmeter auf der Tankdecke, die Reederei gibt 3735 Spurmeter für die Schiffe an[3]). Das Fahrzeugdeck auf dem Hauptdeck ist über eine herunterklappbare Heckrampe zugänglich. Die weiteren Fahrzeugdecks sind jeweils über Rampen miteinander verbunden. Die nutzbare Höhe auf dem Hauptdeck beträgt 6,8 m, auf den beiden darüber liegenden Decks 4,3 m und auf der Tankdecke 5,0 m. Insgesamt können 254 Sattelauflieger befördert werden, 66 auf dem Hauptdeck, jeweils 77 auf dem darüber liegenden Deck und auf dem Wetterdeck und 34 auf der Tankdecke.
Die vier Einheiten des zweiten und dritten Bauloses der bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft gebauten Einheiten wurden zwischen 2016 und 2019 um jeweils rund 30 m verlängert.[4][5] Dadurch erhöhte sich die Transportkapazität der Schiffe, auf denen nun 4605 Spurmeter auf den vier Fahrzeugdecks zur Verfügung stehen. Insgesamt können nun 300 Sattelauflieger befördert werden.[3] Außerdem wurden die Schiffe wie auch die vier Einheiten des ersten Bauloses, die nicht verlängert wurden, mit Gaswäschern nachgerüstet.[6]
Das Wetterdeck ist im hinteren Drittel der Schiffslänge teilweise von den Decksaufbauten mit drei Decks überbaut. Auf dem unteren der drei Decks sind ein Teil der Einrichtungen für die Schiffsbesatzung, darunter sechs Einzelkabinen, sowie ein Bereich für mitfahrende Lkw-Fahrer mit sechs Zweibettkabinen eingerichtet. Auf dem darüber liegenden Deck befinden sich weitere Einrichtungen für die Schiffsbesatzung, in erster Linie 19 Einzelkabinen, so dass insgesamt 25 Einzelkabinen für die Schiffsbesatzung zur Verfügung stehen. Weiterhin sind auf den beiden Decks verschiedene Betriebsräume untergebracht. Das oberste Deck ist die Brücke. Diese unterscheidet sich bei den bei der Odense Staalskibsværft gebauten Einheiten deutlich von den bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft gebauten Einheiten. Während die bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft gebauten Einheiten über offene Nocken verfügen, bekamen die bei der Odense Staalskibsværft gebauten Einheiten eine geschlossene Brücke. Die Nocken gehen bei diesen Schiffen zur besseren Übersicht beim An- und Ablegen und dem Navigieren in engen Fahrwassern etwas über die Schiffsbreite hinaus.
Die Besatzungsstärke der Schiffe ist mit 23 Personen angegeben.[7] Am Heck der Schiffe befindet sich auf der Backbordseite ein Freifallrettungsboot.
Die Vermessungen und Tragfähigkeiten unterscheiden sich bei den einzelnen Schiffen vielfach leicht.
Schiffe
| RoRo 3750 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Bauname | Bauwerft Baunummer | IMO-Nummer | Kiellegung Stapellauf Ablieferung | Umbenennungen und Verbleib |
| Saffet Ulusoy | Flensburger Schiffbau-Gesellschaft 726 | 9293416 | 4. Oktober 2004 14. Januar 2005 31. März 2005 | 2019: Assos Seaways |
| UN Marmara | Flensburger Schiffbau-Gesellschaft 727 | 9293428 | 17. Januar 2005 15. April 2005 28. Juni 2005 | 2020: Artemis Seaways |
| UN Pendik | Flensburger Schiffbau-Gesellschaft 728 | 9322425 | 18. April 2005 5. August 2005 14. Oktober 2005 | 2019: Aspendos Seaways |
| UN Trieste | Flensburger Schiffbau-Gesellschaft 729 | 9322437 | 8. August 2005 28. Oktober 2005 12. Januar 2006 | 2019: Dardanelles Seaways |
| UN Akdeniz | Flensburger Schiffbau-Gesellschaft 736 | 9356737 | 17. Dezember 2007 14. März 2008 12. Juni 2008 | 2020: Zeugma Seaways |
| UN Karadeníz | Flensburger Schiffbau-Gesellschaft 737 | 9356749 | 17. März 2008 14. Juni 2008 12. September 2008 | 2019: Sumela Seaways |
| Cüneyt Solakoglu | Flensburger Schiffbau-Gesellschaft 749 | 9422122 | 29. August 2008 19. Dezember 2008 12. März 2009 | 2019: Myra Seaways |
| Cemil Bayülgen | Flensburger Schiffbau-Gesellschaft 750 | 9422134 | 19. Dezember 2009 30. April 2009 9. Juli 2010 | 2020: Galata Seaways |
| Maas Viking | Odense Staalskibsværft L217 | 9457165 | 6. September 2008 12. Februar 2009 27. Mai 2009 | 2012: Kent, 2013: Hatche, 2021: POL Stella |
| Humber Viking | Odense Staalskibsværft L218 | 9457177 | 19. Februar 2009 4. Juni 2009 25. September 2009 | 2013: Eurocargo Sicilia, 2022: California Star |
| Wessex | Odense Staalskibsværft L219 | 9457189 | 9. Dezember 2008 28. Oktober 2009 25. Februar 2010 | 2013: Qezban, 2020: POL Maris, 2025: Francesco Nullo |
| Strait of Messina | Odense Staalskibsværft L220 | 9457191 | 26. November 2010 8. März 2011 | 2014: Eurocargo Savona, 2024: Cabo Star |
| Mercia | Odense Staalskibsværft L221 | 9457206 | 16. Dezember 2008 28. Februar 2010 20. Mai 2010 | 2013: Paqize |
| Cragside | Odense Staalskibsværft L222 | 9457218 | 15. Dezember 2008 11. Mai 2010 15. März 2011 | Umbau zum Hubschrauberträger und Unterstützungsschiff der US Navy,[8] 2015: Ocean Trader |
| Strait of Magellan | Odense Staalskibsværft L233 | 9503627 | 15. November 2010 18. März 2011 25. August 2011 | 2012: Eurocargo Catania, 2025: Lista |
| Bering Strait | Odense Staalskibsværft L234 | 9503639 | 19. Dezember 2008 3. September 2011 5. Januar 2012 | 2012: Eurocargo Brindisi, 2015: Fadiq, 2017: Qubra, 2018: Giuseppe Lucchesi, 2025: Stena Shipper |
Weblinks
- Ro-Ro 3750 ( vom 8. Februar 2004 im Internet Archive), Broschüre der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (PDF, 1,35 MB)