Robert Goldschmidt

belgischer Physiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Robert Benedict Goldschmidt (* 4. Mai 1877 in Brüssel; † 28. Mai 1935 in Villeneuve-Loubet, Département Alpes-Maritimes, Frankreich)[1][2] war ein belgischer Physiker und Erfinder. Er war ein Pionier der drahtlosen Telegrafie, der Luftschifffahrt und der Mikroverfilmung.

Robert Goldschmidt (1909)

Leben

Goldschmidt, stehend, 1. von links, hinter Walter Nernst und neben Max Planck auf der ersten Solvay-Konferenz 1911

Robert Benedict Goldschmidt war der Sohn des aus Mainz stammenden wohlhabenden Kaufmanns Benedict Goldschmidt (* 1836), wohl einem Spross der verzweigten alteingesessenen jüdisch-hessischen Familie Goldschmidt, und dessen Frau Marie, geb. Woog, die aus La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg stammte. Er wurde in Brüssel geboren und erhielt am 11. April 1896 auf Antrag die belgische Staatsbürgerschaft. Er studierte 1894 bis 1898 Chemie an der Université libre de Bruxelles. Seine Doktorarbeit fertigte er überwiegend an der Universität Göttingen unter der Leitung von Walther Nernst in Göttingen an und führte sie in Brüssel lediglich zum Abschluss (Sur les rapports entre la dissociation et la conductibilité thermique des gaz, Verteidigung am 14. Februar 1902). Anschließend war er als Dozent an der Brüsseler Universität tätig.[1]

Im Jahr 1900 gründete er in Etterbeek ein kleines Laboratorium zur Verbreitung von Wissen über Elektrizität in der Bevölkerung. Das Labor schenkte er später der Gemeinde Ixelles. Goldschmidt schlug 1906 mit Paul Otlet Mikrofilm für Bibliotheken vor, um Dokumente mittels Abfotografieren kostengünstig und platzsparend archivieren zu können.[3] Im Jahr 1908 entwarf er mit Unterstützung von Ernest Solvay die Pläne für das erste belgische Luftschiff „La Belgique“. Das konstruierte Luftschiff unternahm von Watermaal-Bosvoorde aus am 28. Juni 1909 seinen ersten Flug, und absolvierte bis 1910 weitere erfolgreiche Testflüge. Anschließend wurde das Luftschiff an die belgische Armee übergeben.[1][2]

1908 beschäftigte sich Goldschmidt mit der Konstruktion von holzbefeuerten dampfbetriebenen Automobilen für die belgische Kongokolonie. Die konstruierten Fahrzeuge kamen jedoch nicht zum Einsatz. Auch ein von ihm konstruiertes Luftkissenfahrzeug wurde nicht weiter verwendet.[2]

Durch Vermittlung Goldschmidts kam Walther Nernst mit dem belgischen Industriellen Ernest Solvay in Kontakt. Dabei entstand die Idee, eine Konferenz der führenden Physiker und Physikochemiker organisieren. Solvay stellte die Finanzierung sicher und Nernst kümmerte sich um die Auswahl der Teilnehmer. In enger Zusammenarbeit mit Goldschmidt leitete Solvay die Vorbereitungen für die erste Solvay-Konferenz, die in Brüssel im Jahr 1911 abgehalten wurde.[1]

Danach befasste er sich mit der Möglichkeit der drahtlosen Telegrafie zwischen Belgien und der Kongokolonie. An diesem Projekt zeigte auch König Albert großes persönliches Interesse. Auf dem Gelände der königlichen Villa Lacoste in Laeken richte Goldschmidt eine kleine Versuchsanstalt zur drahtlose Telegrafie ein, in der mit verschiedenen Sendeausrüstungen, Masttypen etc. experimentiert wurde. Ende 1912 war eine drahtlose Telegrafie-Verbindung Boma-Stanleyville-Élisabethville im Kongo hergestellt. Weitere Verbindungen folgten. Goldschmidt unternahm dazu eine Reise in den Kongo, um die Arbeiten vor Ort zu inspizieren. Danach begannen Versuche, um eine Funkverbindung zwischen Boma und Brüssel herzustellen. Die Versuche verliefen vielversprechend, wurden aber durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen. Kurz bevor die deutschen Armeen in Brüssel einrückten, wurden die Funkanlagen und Unterlagen dazu auf Befehl König Alberts zerstört. Die Funkanlagen im Kongo waren aber auf dem Kriegsschauplatz in Ostafrika von Nutzen. Bei Kriegsausbruch befand sich Goldschmidt in der Kongokolonie. Er kehrte nach Europa zurück und war während der Kriegsjahre 1914–1918 als Reservekapitän der Artillerie in Paris mit der Leitung des Dienstes für Erfindungen der belgischen Armee betraut.[1][2]

Nach Kriegsende wandte er sich wieder des Problems des innerkongolesischen Transports zu. Er entwarf und realisierte eine Art Amphibienboote, die die zahlreichen Stromschnellen der kongolesischen Flüsse an einer Schiene hängend überwinden sollten. Das Projekt erwies sich jedoch nicht als praktikabel und wurde aufgegeben.[2]

Commons: Robert Goldschmidt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI