Robert Kaess
deutscher Lederfabrikant und Politiker der Demokratischen Volkspartei (DVP)
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Jacob Robert Kaess (* 10. Oktober 1855 in Backnang; † 20. September 1934 ebenda) war ein deutscher Lederfabrikant und Politiker der Demokratischen Volkspartei (DVP). Von 1895 bis 1912 gehörte er der Zweiten Kammer des württembergischen Landtags an. Unter seiner Führung entwickelte sich die Carl Kaess OHG zu einem weltbekannten Unternehmen.
Leben
Robert Kaess war ein Sohn des Backnanger Lederfabrikanten Carl Gottlieb Kaess. Die altwürttembergische Familie Kaess (auch Kaeß oder Käß) ist seit dem 15. Jahrhundert in Backnang und Umgebung nachgewiesen. Viele Vorfahren übten den Beruf des Gerbers aus. Das Familienunternehmen Kaess war 1790 durch Johann Gottlieb Kaess gegründet worden. 1837 war es Carl Gottlieb Kaess gelungen, ein Grundstück im Backnanger Gewann Rommelwiesen zu erwerben und richtete dort eine Rotgerberei ein, die er sukzessive zu einer Fabrik erweiterte. Im August 1871 wurde die erste Dampfmaschine für den Betrieb erworben. Nach dem Tode des Vaters ging Robert Kaess zunächst leer aus; die Fabrik ging an seinen Bruder Gottlieb. 1880 übernahm Robert Kaess die Untere Spinnerei in Backnang von seinem Schwiegersohn Wilhelm Eitel. Durch zahlreiche Umbauten gelang es Robert Kaess, die einfache Wassermühle und Wollspinnerei in eine für damalige Verhältnisse hochmoderne Lederfabrik umzuwandeln. Kaess produzierte sowohl leichtes Sohlenleder als auch schweres Oberleder. Eine Krise in der Lederindustrie in den 1890er Jahren zwang die Brüder Gottlieb und Robert, ihre Fabriken unter der Firma Carl Kaess OHG zu fusionieren. 1899 entrichtete die Carl Kaess OHG Gewerbesteuer in Höhe von 27.675 Mark.[1] Im Jahre 1900 beschäftigte Kaess 38 Mitarbeiter. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts übernahm Robert Kaess die alleinige Geschäftsführung. Unter seiner Leitung konnte das Unternehmen stetig expandieren, weitere Grundstücke erwerben und die Fabrik vergrößern. Von 1891 bis 1906 gehörte Robert Kaess dem Bürgerausschuss seiner Heimatstadt an. 1895 zog Kaess in den württembergischen Landtag ein; der Zweiten Kammer gehörte er bis 1912 an. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg zog sich Kaess langsam aus dem Unternehmen zurück. Am 1. Januar 1919 übergab Kaess die Geschäftsführung an seinen Sohn Carl. Im gleichen Jahr gründete Robert Kaess zusammen mit August Wessels (Vereinigte Schuhfabriken Wessels-Barneis Augsburg-Nürnberg) die Lederwerke Backnang GmbH (LeBa). Geschäftsführer des neuen Unternehmens wurde Carl Kaess. Zu Beginn der 1920er Jahre stiftete Robert Kaess zusammen mit dem Textilunternehmer Eugen Adolff eine neue Aussegnungshalle auf dem Backnanger Stadtfriedhof.[2]
Ehrungen
- Verleihung des Ehrentitels Kommerzienrat
- 1930: Ehrenbürgerwürde der Stadt Backnang
- 1937: Benennung einer Backnanger Arbeitersiedlung in „Robert-Kaess-Siedlung“[3]
- 1937: Benennung der „Robert-Kaess-Straße“ in Backnang
- Benennung „Robert-Kaess-Kindergarten“ in Backnang
Literatur
- Christian Brücker: Robert Kaess (1855–1934). In: Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Konrad Theiss, Aalen 1980, ISBN 3-8062-0243-5. S. 184.