Robert Maxwell

britischer Verleger und Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Ian Robert Maxwell (* 10. Juni 1923 als Ján Ludvík Hoch in Slatinské Doly, Tschechoslowakei; † 5. November 1991 bei Teneriffa) war ein tschechoslowakisch-britischer Verleger, Unternehmer und Politiker der Labour Party.

Robert Maxwell (1989)

Leben

Robert Maxwell wurde 1923 als Sohn (drittes Kind) des jüdischen Vieh- und Lederhändlers Mechel Hoch und desssen Ehefrau Chanca (geb. Slomowitz) [1] [2] [3] – in der kleinen Städtchen Slatinské Doly (zu dieser Zeit: Tschechoslowakei, Podkarpatská Rus; heute: Solotwyno in der Ukraine Oblast Transkarpatien geboren. Der Ort gehörte zum nach dem Ersten Weltkrieg neu entstandenen Staat Tschechoslowakei (Vertrag von St. Germain, Vertrag von Trianon) und war zwischen den Ost-Karpaten und dem Fluss Theiß gelegen, der zu dieser Zeit die tschechoslowakisch-rumänische Grenze markierte. [4]

Von seinen Eltern wurde ihm der Name Abraham Leib Hoch gegeben (nach seinem Grossvater väterlicherseits). Der Wechsel der Staatsangehörigkeit der Karpatenukraine von Österreich-Ungarn zum nach dem Ersten Weltkrieg neu entstandenen Staat Tschechoslowakei im Jahr 1919 (Vertrag von St. Germain, Vertrag von Trianon) hatte unmittelbaren Einfluss auf die Namensgebung des Kindes, denn bei der Registrierung im örtlichen Rathaus bestand der tschechische Beamte darauf, dass die Geburtsurkunde einen tschechischen Namen enthielt. So wurde aus “Leib“ “Ludvik“, und der Name „Jan“ wurde hinzugefügt, um zu bestätigen, dass der neugeborene Junge ein echter tschechischer Staatsbürger war. Offiziell hiess Abraham Leib Hoch nun “Jan Ludvik Hoch“. [5]

Jan Ludvik Hoch (Robert Maxwell) hatte insgesamt acht Geschwister von denen allerdings zwei schon im Kindesalter an Diphtherie verstarben. [6] Seine Schwestern Gisl (*1919 † 1921), Brana (*1920 †1972), Shenia (*1926 † 1944), Sylvia (*1929 †..?..), (Zissel 1931 † 1944), Cipra (1933 † 1944), sowie die Brüder Chaim (1925 † 1927) und Itzak (* 1940 † 1944). [7]

In den 1920er und 1930er Jahren teilten die Hochs die bittere Armut mit fast allen jüdischen Mitbürgern der Stadt. [8] Das Zuhause der Familie war ein Zimmer im Haus des Großvaters. Es gab nur zwei Betten und den grössten Teil seiner Kindheit musst sich Jan Ludvik Hoch ein Bett mit drei oder vier seiner Geschwister teilen. Er hatte kaum genug Kleidung und musste meist barfuss laufen. In späteren Jahren erklärte Robert Maxwell rückblickend er habe nie eine wirkliche Kindheit gehabt: “Ich war nie jung. Ich hatte nie dieses Privileg.“ Und zu seiner Kindheit in Soltovino fielen ihm vor allem drei Dinge ein: “Ich erinnere mich, wie kalt mir war, wie hungrig ich war und wie sehr ich meine Mutter liebte“. [9]

Ab seinem siebten Lebensjahr wurde er in eine Cheder (religiös ausgerichtete Elementarschule für jüdische Kinder) geschickt, gleichzeitig auch auf die örtliche staatliche Schule. Nach den Vorstellungen seiner Mutter sollte er Rabbiner werden und so schickte sie ihn im Alter von zehn Jahren auf eine jüdische Sekundarschule im nahegelegenen Sighet. Während dieser Zeit wohnte er bei seiner Tante Myriam. [10] Fünf Jahre später wurde er auf eine Jeschiwa in Bratislava geschickt – rd. 500 km von zu Hause – in damaliger Zeit eine riesige Entfernung. Doch Maxwell erkannte schon bald, dass ein Dasein als Rabbiner nicht den eigenen Vorstellungen von seinem zukünftiges Leben entsprach. Er wollte der Armut entkommen, Geld verdienen und begann auf dem Markt von Bratislava billigen Schmuck und Nippes zu kaufen und zu verkaufen. [11] ...

1939 wurde das tschechoslowakische Gebiet von Ungarn annektiert. Ein großer Teil der Familie wurde im Holocaust umgebracht. Maxwell gelangte 1940 als 17-jähriger Flüchtling nach Großbritannien.

Als Mitglied des Royal Pioneer Corps, ab 1943 des North Staffordshire Regiments, nahm er am Zweiten Weltkrieg teil und wurde 1945 zum Captain befördert. In der Nachkriegszeit arbeitete er als Presseoffizier für die britische Militärregierung im besetzten Berlin. Als Army-Captain Robert Maxwell vergab er im besetzten Berlin Verlagslizenzen[12]. Dort konnte er Kontakte zum Wissenschaftsverlag Julius Springer knüpfen. 1951 erwarb er drei Viertel des Butterworth-Springer-Verlags,[13] der unter dem Namen Pergamon Press die Methoden des Springer-Verlags in Großbritannien anwenden sollte.[14] Maxwell baute Pergamon Press zu einem wissenschaftlichen Verlagsimperium aus. Daneben wurde er als „Pressezar“ bekannt: Unter anderem besaß er mehrere der auflagenstärksten britischen Zeitungen, darunter den Daily Mirror.

Von 1964 bis 1970 war Maxwell Parlamentsabgeordneter für die Labour Party.

Ab den 1970er Jahren war Maxwell in mehrere Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Er galt als exzentrisch.[15] Maxwell interviewte im Juli 1980 Erich Honecker und veröffentlichte auch dessen Autobiographie Aus meinem Leben im Rahmen der Serie Leaders of the World.[16] 1988 kaufte er den britischen Verlag Macmillan, Inc. für 2,6 Milliarden US-Dollar. 1990 übernahm er die New Yorker Zeitung Daily News und gründete die Wochenzeitung The European. Zugleich investierte er während der Wendezeit in Osteuropa.[17] Damit hatte sein Medienkonzern, der seit 1987 Maxwell Communication Corporation (MCC) hieß, die größte Ausdehnung erreicht. Dabei hatte er sich jedoch stark verschuldet. Pergamon Press und Maxwell Directories musste er 1991 für 440 Millionen britische Pfund an Elsevier verkaufen, um laufende Kredite bedienen zu können.

Robert Maxwell verschwand 1991 auf nicht geklärte Weise von der nach seinem neunten Kind benannten Hochseeyacht Lady Ghislaine, die er dem saudiarabischen Waffenhändler Adnan Kaschoggi abgekauft hatte. Sein Leichnam wurde nackt in ruhigem Wasser vor den Kanarischen Inseln aufgefunden. Da sich Maxwell in seinen letzten Jahren auf seine jüdischen Wurzeln besonnen hatte,[17] wurde er auf dem Jüdischen Friedhof am Ölberg in Jerusalem bestattet. Der Journalist Seymour Hersh hatte Maxwell kurz vor dessen Tod Kontakte zum israelischen Geheimdienst Mossad im Zusammenhang mit dem israelischen Atomprogramm nachgesagt, die Maxwell dementierte.[18]

Bald nach seinem Tod wurde bekannt, dass Maxwell Bilanzen gefälscht und Gelder aus dem Pensionsfonds seiner Mitarbeiter veruntreut hatte. Die Verschuldung seines Konzerns wurde Ende 1991 auf rund 3 Milliarden Pfund (rund 4,5 Mrd. Euro) beziffert.[17] Zwei seiner neun Kinder wurden 1992 wegen der Pensionsfonds-Affäre festgenommen und der Verschwörung zum Betrug angeklagt, 1996 aber freigesprochen. Nach Maxwells Tod erschienen mehrere Biographien, deren Veröffentlichung er zu Lebzeiten stets verhindert hatte.[19]

Familie

1945 heiratete Maxwell die Französin Elisabeth Meynard. Das Paar bekam neun Kinder, von denen zwei früh verstarben. Elisabeth Maxwell arbeitete zunächst in den familieneigenen Unternehmen, studierte und promovierte später und widmete sich anschließend der Erforschung des Holocaust.[20][21] Sie starb im August 2013 im Alter von 92 Jahren in Frankreich.

Die Sexualstraftäterin Ghislaine Maxwell ist die Tochter von Robert und Elisabeth Maxwell.

Belletristik und Gerüchte

Der ehemalige Mossad-Agent Victor Ostrovsky behauptete in seinem erstmals 1994 veröffentlichten Buch Geheimakte Mossad, Maxwell sei auf persönlichen Befehl Jitzchak Schamirs durch ein Kidon-Kommando ermordet worden, weil dieser befürchtet habe, der Sayan Maxwell könne Kontakte des Mossad zum KGB-Chef Wladimir Krjutschkow und eine mögliche Verwicklung in den Augustputsch 1991 offenlegen.[22]

In Henning Mankells Roman Der Mann, der lächelte (Mannen som log) tritt Robert Maxwell als ehemaliger Geschäftspartner des fiktiven, undurchsichtigen Wirtschaftsmoguls Alfred Harderberg auf. Auch sein ungeklärter Tod, um den sich zahlreiche Verschwörungstheorien ranken, wird erwähnt.

Jeffrey Archers Roman Imperium basiert zu großen Teilen auf Maxwells Lebensweg und dessen jahrelangem Machtkampf mit Rupert Murdoch darum, das größte Medienimperium weltweit zu besitzen. Den Angaben des Schriftstellers zufolge soll die darin erzählte Geschichte zu 78 Prozent auf Tatsachen beruhen.

Klaus Kinski, der ebenfalls 1991 starb, gab in seinem letzten Interview an, ein guter Freund Maxwells zu sein.[23]

Literatur

  • Joe Haines: Maxwell. Houghton Mifflin, Boston 1988, ISBN 0-395-48929-6.
  • Tom Bower: Maxwell, the Outsider. London 1992 (zuerst 1988).
  • Roy Greenslade: Maxwell’s Fall. London 1992, ISBN 0-671-71145-8.
  • Peter Thompson, Anthony Delano: Maxwell. A Portrait of Power. Corgi Books, London 1991 (zuerst 1988).
  • Tom Bower: Maxwell. The Final Verdict. Harper Collins, London 1995, ISBN 0-00-255564-6.
  • Brian Cox: The Pergamon Phenomenon 1951–1991. A Memoire of the Maxwell Years. In: Logos. Forum of the World Book Community 9, 1998, Heft 3, S. 135–140.
  • Robert N. Miranda: Robert Maxwell: Forty-four Years as Publisher. In: E. H. Frederiksson (Hrsg.): A Century of Science Publishing. IOS Press, 2001, ISBN 1-58603-148-1.
  • Gordon Thomas, Martin Dillon: Robert Maxwell: Israel’s Superspy. The Life and Murder of a Media Mogul. Carroll and Graf, 2002, ISBN 0-7867-1078-0.
  • Albert Henderson: The Dash and Determination of Robert Maxwell, Champion of Dissemination. In: Logos. Forum of the World Book Community 15, 2004, Heft 2, S. 65–75.
  • John Preston: Fall : the mystery of Robert Maxwell, London : Viking, 2020, ISBN 978-0-241-38867-9
  • Maxwell, Ian Robert. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. Elbingen: Verband Deutscher Antiquare, 2011, S. 209f.
  • Maxwell, Ian Robert, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München : Saur 1980, S. 484

Einzelnachweise

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