Robert Walcher

österreichischer SS-Oberscharführer und Lagerleiter From Wikipedia, the free encyclopedia

Robert Walcher (* 8. Mai 1907 in Tanzenberg; † 26. April 1988 in Wien) war ein österreichischer SS-Oberscharführer, Mitarbeiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien und Lagerführer des „Umschulungslagers“ Sandhof bei Waidhofen an der Ybbs.[1]

Leben

Walcher wuchs als eines von sechs Geschwistern auf einem Bauernhof nahe Tanzenberg in Kärnten auf. In St. Veit an der Glan absolvierte er eine dreijährige Lehre als Fleischhauer. 1926 bis 1928 arbeitete er in einer Pferdefleischerei in Wiener Neustadt. Anschließend übersiedelte er nach Wien, wo er unter anderem am Schlachthof St. Marx Beschäftigung fand.

Walcher trat 1932 in die Sturmabteilung (SA) ein, ein Jahr später wurde er Mitglied der illegalen NSDAP. Seine Teilnahme am Juliputsch 1934 brachte ihm eine lange Haftstrafe im Anhaltelager Wöllersdorf ein. 1937 erfolgte seine Aufnahme in die SS-Standarte 89. Am 23. Mai 1938 beantragte er die reguläre Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.381.160).[2]

Im Juli 1939 wurde Walcher bei der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien als Torwache eingestellt. Zu seinen anfänglichen Aufgaben gehörte die Ausgabe von Nummern im Rahmen des Parteienverkehrs. Bereits im Herbst 1939 begleitete er die ersten Deportationen nach Nisko am San. Walcher absolvierte eine Ausbildung zum Lagerführer, war zunächst im Lager Doppl bei Linz als stellvertretender Wachführer eingesetzt und leitete ab Anfang 1941 das „Umschulungslager“ Sandhof nahe Waidhofen an der Ybbs. Die wenigen überlebenden Internierten berichteten nach Kriegsende von dessen brutalen Misshandlungen.[3]

Auf dem Gut Sandhof wohnte Walcher gemeinsam mit seiner Frau Johanna (geb. Zierhofer) und dem gemeinsamen Kind. Die Möbel für die Wohnung bezogen sie zum Teil aus einem nahegelegenen Anwesen der Familie Rothschild, zum Teil aus Beschlagnahmen in Prag. Auch ihren neuen Wohnsitz im 2. Wiener Gemeindebezirk, den die Familie Ende 1941 bezog, stattete Walcher mit enteigneten Möbeln aus. Die ehemalige jüdische Sammelwohnung lag in Gehdistanz zu Walchers neuer Wirkungsstätte im Sammellager in der Kleinen Sperlgasse. Dort wurden Juden vor ihrem Abtransport in die Konzentrations- und Todeslager interniert. Walcher beteiligte sich an „Judenaushebungen“ und deren Transport in das Sammellager.

Nach einem Arbeitseinsatz in der Slowakei kehrte Walcher 1942 in die Zentralstelle in Wien zurück. Anfang 1943, nach dem Abschluss der großen Deportationen, übersiedelte er mit seiner Familie in den 18. Bezirk. Die Renovierung besorgten jüdische Zwangsarbeiter, die der Zentralstelle zugewiesen worden waren. Die Vormieterin, deren Mann Jude war, musste die Wohnung räumen.

Schließlich wechselte Walcher in die Wachmannschaft des Ghettos Theresienstadt.

Nach Kriegsende 1945

Im Mai 1945 wurde Walcher in Waidhofen von den Sowjets verhaftet. Das Volksgericht Wien verurteilte Walcher 1946 unter anderem wegen Quälerei und Misshandlung sowie missbräuchlicher Bereicherung zu zehn Jahren schweren Kerkers und zum Vermögensverfall. Seine Haftzeit endete 1951 durch eine Begnadigung durch den Bundespräsidenten. 1955 übersiedelte er von Windhag bei Waidhofen nach Wien, wo er in seinen erlernten Beruf zurückkehrte und eine Anstellung bei einem Fleischhauer in der Wiener Innenstadt erhielt.[1]

Einzelnachweise

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