Robert Whitman

amerikanischer Künstler From Wikipedia, the free encyclopedia

Robert Whitman (* 23. Mai 1935 in New York City; † 19. Januar 2024 in Warwick, New York) war ein US-amerikanischer Performance- und Multimediakünstler. Er wurde vor allem für seine Theaterstücke aus den frühen 1960er Jahren bekannt. In diesen kombinierte er visuelle und akustische Elemente, Schauspieler, Filme, Dias und ab Ende der 1960er Jahre auch Mobiltelefone. Er realisierte Projekte, die ganze indische Dörfer einbezogen.[1]

Robert Whitman, 2010

Leben

Robert Whitman studierte von 1953 bis 1957 Literaturwissenschaften an der Rutgers University in New Brunswick. Zu seinen Lehrern zählten Allan Kaprow und George Brecht. Kaprow stellte ihn Robert Rauschenberg vor und lud ihn zur Teilnahme an der Ausstellung 18 Happenings in 6 Parts ein, die 1959 in der Reuben Gallery in New York gezeigt wurde. Whitman war in erster Ehe mit Simone Forti und in zweiter Ehe mit Sylvia Palacios Whitman verheiratet. Er lebte und arbeitete in Warwick, New York. Seit dem Ende der 1950er Jahre gehörte er gemeinsam mit Künstlern wie Claes Oldenburg, Jim Dine, Lucas Samaras und Allan Kaprow zu den prägenden Figuren der frühen New Yorker Aktions- und Performancekunst. Seine Arbeiten sind zudem im Kontext des Expanded Cinema sowie der Fluxus-Kunst verortet. Ein zentrales Anliegen seiner künstlerischen Praxis ist die Untersuchung der räumlichen und zeitlichen Dimension von Bildern.[2]

Ein frühes Schlüsselwerk ist das 1960 entstandene Theaterstück American Moon, das erstmals in der Reuben Gallery präsentiert wurde. Für diese Arbeit entwickelte Robert Whitman eine Raumstruktur aus mehreren tunnelartigen Séparées, von denen aus das Publikum das Geschehen verfolgen konnte. Dabei verband er eine gemeinschaftliche und zugleich eine intime Rezeptionssituation. In späteren Arbeiten gewann die immersive, individuelle Einbindung des Publikums zunehmend an Bedeutung. Whitman schuf interaktive Environments, in denen Klang, Licht und Bewegung miteinander verbunden sind.[2]

Zu seinen bedeutenden Theaterarbeiten zählen Flower aus dem Jahr 1963 und Prune Flat aus dem Jahr 1965. In diesen Stücken zeigt sich eine verstärkte Auseinandersetzung mit dem Medium Film, insbesondere im Spannungsverhältnis zwischen filmischem Bild und unmittelbarer theatraler Präsenz. 1963 und 1964 entstanden seine ersten Cinema Pieces. In diesen Arbeiten experimentierte er mit Mehrfachprojektionen und sensorischen Effekten. Oft inszenierte er alltägliche häusliche Handlungen, filmte sie auf 16-mm-Material und projizierte die Aufnahmen an denselben Ort. Dadurch entstanden hybride Bildsituationen zwischen Realität und Inszenierung.[2]

Sein Interesse an der Verbindung von Kunst und Technik führte 1966 zur Gründung der Organisation Experiments in Art and Technology (EAT)[3] gemeinsam mit Robert Rauschenberg sowie den Ingenieuren Billy Klüver und Fred Waldhauer.[4] Aus diesem Umfeld gingen unter anderem die Performance-Reihe 9 Evenings: Theatre and Engineering sowie die Gestaltung des von Pepsi-Cola in Auftrag gegebenen Pavillons für die Weltausstellung 1970 in Osaka hervor. Spätere Arbeiten wie die audiovisuelle Serie Soundies (2015) oder das Werk Swim (2015) setzen sich mit audiovisuellen und technischen Medien auseinander. Robert Whitmans Werke sind weltweit in zahlreichen Sammlungen vertreten, darunter im Centre Pompidou in Paris, in der Dia Art Foundation in New York, im Fabric Workshop and Museum in Philadelphia, im Moderna Museet in Stockholm, im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid, im Museum of Contemporary Art in Los Angeles, im Museum of Modern Art in New York, im Smithsonian American Art Museum in Washington, D.C. und im Walker Art Center in Minneapolis.[5]

Literatur

  • Richard Kostelanetz: A Dictionary of the Avant-Gardes, Gale Cengage Reference, 2000.
  • Richard Kostelanetz: The Theatre of Mixed Means: An Introduction to Happenings, Kinetic Environments, and Other Mixed-Means Presentations, RK Editions, 1980.
  • Wolf Vostell, Jürgen Becker: Happenings: Fluxus, Pop Art, Nouveaux Réalisme, eine Dokumentation, Reinbek, 1965.
  • Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009.

Einzelnachweise

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