Robert Wokittel
Deutscher Bergbauingenieur
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Robert Wokittel, in Kolumbien häufig auch Roberto, (* 15. November 1893 in Santomischel in der Provinz Posen; † 28. Oktober 1970 in Köln)[1][2] war ein deutscher Geologe, Mineraloge und Professor an der Universidad Nacional de Colombia.
Leben

Wokittel stammt aus einer schlesischen Lehrerfamilie. Er besucht die Schule seines Geburtsortes in Santomischel und die Schule in Wreschen. Sein Abitur legte er 1912 in Gnesen ab und studierte im Anschluss an der Universität Breslau Naturwissenschaften und Mathematik. Dort wurde Wokittel 1912 Mitglied des Corps Silingia Breslau zu Köln.[3] Sein Studium wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Er kehrte mehrfach verwundet und ausgezeichnet (u. a. Eisernes Kreuz 1. und 2. Klasse), als Offizier zurück und setzte sein Studium 1919 in Berlin nun in der Fachrichtung Bergbau an der Technischen Hochschule Charlottenburg fort, welches er 1923 als Diplombergbauingenieur abschloss. Gleichzeitig war Wokittel jeweils zwei Jahre Assistent am Lehrstuhl für Aufbereitung und für Bergbaukunde.[2][4]
Wokittel folgte 1925 einem Ruf an die damalige Escuela Nacional de Minas de Medellín (Nationale Bergbauschule), die heute Teil der Universidad Nacional de Colombia ist, wo er Professor für Geologie, Mineralogie und Bergbau wurde. Wokittel erreichte als nur einer von fünf Professoren in einer Evaluation anhand von vier Kriterien (fachliche Expertise, Lehrfähigkeit, Bewertung der Studenten, Qualität der Lehre) das Prädikat „herausragend“.[5][6][7] Während seiner zwölfjährigen Tätigkeit als Professor (bis 1937) fokussierte sich Wokittel auf die Verbesserung der Lehre und die Pflege der Laboratorien innerhalb seines Forschungsgebiets.[8] So erstellte Wokittel zur Unterstützung seiner Kurse ein Manuskript, das ausführte, wie die Stratigraphie und die Geochronologie einer Region bestimmt werden kann. Dabei unterschied er in petrographische (Ablagerungsbedingungen der Gesteine) und paläontologische (Altersbestimmung geologischer Schichten) Methoden.[9]
Er kehrte im Anschluss ab 1937 kurzzeitig nach Deutschland zurück, wo er Mitglied der Gesellschaft der Metallurgen und Bergleute wurde. Von 1937 bis 1938 war Wokittel für die Fachzeitschrift Metall und Erz sowie von 1938 bis 1939 für die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit Schwerpunkt Bergbau in Afrika tätig. Im Anschluss wurde er als Soldat für die Truppen- und Rohstoffversorgung eingezogen und erhielt das Kriegsverdienstkreuz 1. und 2. Klasse. Mittlerweile zum Hauptmann befördert, geriet Wokittel am 20. April 1945 in Kriegsgefangenschaft.
Ab 1949 lebte Wokittel wieder in Kolumbien (Bogotá) und arbeitete u. a. ab 1952 für das Ministerium für Bergbau und Erdöl im Servicio Geológico Nacional (SGN) unter Enrique Hubach. Für den SGN leitete er die Abteilung der Wirtschaftsgeologie, auch Lagerstättenkunde genannt (Jefe de Geologia Economia).[4][10][11]
Vor seiner aus familiären und altersbedingten Gründen geplanten Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1970 erkrankte Wokittel kurz vor der anstehenden Reise und starb am 28. Oktober desselben Jahres, nur drei Tage nach seiner Ankunft in Köln.[12] Den Nachruf in der Zeitschrift Erzmetalle verfasst Ernst Albrecht Scheibe, Sohn des bekannten Geologen Robert Scheibe.
Wirken
Wokittel widmete den größten Teil seines Lebens der Geologie, dem Bergbau und der Erkundung von Mineralien- und Rohstoffvorkommen in Kolumbien. Er wurde als bedeutender Forscher, Wegbereiter und herausragende Persönlichkeit auf dem Gebiet der Geologie beschrieben.[12][13][14] So nahm Wokittel als Experte an der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik 1953 in Brasilien teil[15] und war ebenfalls Mitglied der Academia Colombiana de Ciencias Exactas, Físicas y Naturales.[12]

In seiner Zeit als Professor und später im Auftrag der SGN[16] führte Wokittel viele geologische Expeditionen in Kolumbien und angrenzenden Region durch. Dabei fokussierte er sich insbesondere auf die Untersuchung des mineralischen und geologischen Potenzials der Rohstoffe zur wirtschaftlichen Nutzung. Er erforschte dabei u. a. die (Gebirgs-)Regionen, Boyacá, Chocó, Cundinamarca, Magdalena, Norte de Santander, den östlichen Teil der Kordillere, die Sierra Nevada de Santa Marta, die Sierra de Perijá, Valle de Cauca in Kolumbien und auch angrenzende Regionen von Venezuela.
Zwischen 1953 und 1954 leitete Wokittel für die SGN die geologischen Expeditionen in Boyacá und Rondón zur Untersuchung von Mineralvorkommen (beispielsweise Kohle), sowie Urrao, in Antioquia, zur Erkundung von metallischen Erzvorkommen sowie die Expedition nach Caquetá und Huila zur Erforschung von radioaktiven Mineralien. Letztgenannte Expedition und deren veröffentlichter Ergebnisse[17] wurden von der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) 1977 in einem Bericht des International Uranium Resources Evaluation Project (IUREP) aufgefasst. Wokittel beschrieb in seinen Studien, dass der schwarze Schiefer in den kolumbianischen Kordilleren (Cordillera Oriental) radiometrische Anomalien aufweise.[18]
Seiner Pionierarbeit während seiner Expedition in die Sierra de Perijá schlossen sich viele weitere internationale Forschungsmissionen an.[19][20] Die geologischen Arbeiten unter der Leitung von Wokittel am Hämatitvorkommen in der Nähe von Ubalá waren ebenfalls die ersten Erkundungen dieser Art.[21] Zudem führte Wokittel auch die ersten umfassenden Studien über die Mineralressourcen der Gemeinde Vetas, im Nordosten Kolumbiens,[22] sowie über die geologische Beschaffenheit des Kalksteins für die Zementindustrie im Páramo de Sumapaz (Cundinamarca) durch.[23] Weitere wesentliche Entdeckung aus seinen zahlreichen Forschungsexpeditionen ist ein breiter Kupfergürtel, der sich von Barrancas (La Guajira) bis Agustín Codazzi (Cesar) erstreckt.
Heute sind viele der Fundstücke, Proben, Karten, Fotographien und anderer Werke von Wokittel im Universitätsmuseum der Universidad Nacional de Colombia dem Museo de Geociencias in Medellín ausgestellt.[9][24]
Auszeichnungen
Wokittel erhielt 1969 vom deutschen Botschafter in Bogotá das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.[2]
Werke

Sein 1960 erschienenes Werk Recursos minerales de Colombia (dt. Die Bodenschätze Kolumbiens) ist seine bedeutendste und grundlegendste Arbeit.[2][4][25][26] Eine Auswahl seiner Werke nach Veröffentlichungsdatum (absteigend):
Bücher
- Wokittel, R. (1962). Minerales e industrias mineras en el área de la corporación y zonas de influencia.
- Wokittel, R. (1960). Recursos minerales de Colombia. Sección de Geologia Economica, Bogotá.
- Wokittel, R. (1938). La flotación.
- Wokittel, R. (1937). Análisis mineralogico al soplete.
Wissenschaftliche Beiträge
- Wokittel, R. (1970). Edelsteine in Kolumbien. Cámara de Comercio Colombo-Alemana. Revista, Nr. 43, 39–46.
- Wokittel, R. (1968). Colombia en la minería latinoamericana. Boletin Geológico, 16(1/3), 113–160.
- Wokittel, R. (1968). Die Düngemittelversorgung Kolumbiens. Cámara de Comercio Colombo-Alemana. Revista, Nr. 38, 38–45.
- Wokittel, R. (1967). Kolumbien im lateinamerikanischen Bergbau. Cámara de Comercio Colombo-Alemana. Revista, Nr. 34.
- Wokittel, R. (1964). Metales preciosos y minerales radioactivos. Boletín de Minas, 23–30.
- Wokittel, R. (1960). Uranio. Compilación de los estudios geológicos oficiales en Colombia, 10, 181–193.
- Wokittel, R. (1959). Geología económica del Chocó: bibliografía geológica-minera del Chocó; con figuras. Boletín Geológico, 7(1/3). 119–162.
- Wokittel, R. (1957). Bosquejo geográfico y geológico de la Sierra Nevada de Santa Marta y la Sierra Nevada de Perijá. Boletín Geológico, 5(3), 22–39.
- Wokittel, R. (1957). La formacion cuprifera de la Serranfa de Perija (Intendencia de la Guajira y Departamentd del Magdalena). Boletín Geológico, 5(3), 59–67.
- Wokittel, R. (1957). Problemas de la geología económica de Colombia. Boletín Geológico, 5(3), 4–21.
- Wokittel, R. (1957). Recursos minerales de las zonas Alta, Baja y Vetas en el municipio de California, departamento de Santander. Servicio Geológico Nacional, Bogotá, No. 1030.
- Wokittel, R. (1957). Recursos minerales en el Territorio Vazquez, Departemento de Boyaca. Servicio Geológico Nacional, Bogotá, No. 1240.
- Wokittel, R. (1956). Yacimientos de Caliza en el Departamento de Antioquia para Fines de Cal Agrícola. Revista Facultad Nacional de Agronomía Medellín, 18(50), 81–101.
- Hubach, E., & Wokittel, R. (1956). Situación de algunos minerales industriales en Colombia.
- Ronderos, A., & Wokittel, R. (1956). Estudios Geológicos Mineros en los Municipios de Quetame-Fosca y Gutierrez (Depto. Cund.). Servicio Geológico Nacional.
- Wokittel, R. (1955). Bauxitas en los Llanos de Cuivá. Servicio Geológico Nacional, Bogotá.
- Wokittel, R. (1954). Los efectos sobre los terrenos, causados por la explotación de calizas en La Siberia, Municipio de La Calera, Departamento de Cundinamarca. Servicio Geológico Nacional, No. 1034.
- Wokittel, R., & Jaime López, C. (1953). Estudios mineros y geológicos de la región del Guavio y de los Farallones de Medina. Boletín Geológico, 1(4), 1–63.
- Wokittel, R. (1953). Aspectos del yacimiento de caliza en la hoya del cobre en e Páramo de Sumapáz al Sur de Bogotá, Depto. Cundinamarca. Servicio Geológico Nacional, No. 929.
- Wokittel, R. (1938). Über Lagerstätten und Bergbau Kolumbiens. Metall und Erz: Zeitschrift für Metallhüttenwesen und Erzbergbau einschließlich Aufbereitung, Jg. 35, Heft 6, 137–142.
- Wokitell, R. (1934). Bibliografía sobre la minería y geología del Chocó. Minería, No. 28.
- Wokittel, R. (1932). La producción de oro en el mundo y su desarollo probale. Minería, 1(5), 259–270.
- Wokittel, R. (1926). Conferencias de Geología Histórica, Geología de Colombia. Medellín: Escuela Nacional de Minas de Medellín.