Robina Muqimyar

afghanische Leichtathletin From Wikipedia, the free encyclopedia

Robina Muqimyar (* 3. Juli 1986 in Kabul) ist eine afghanische Leichtathletin und Politikerin.[1] Sie tritt später auch unter ihrem Familiennamen Robina Jalali in Erscheinung; bei Wettkämpfen nutzte sie jedoch den Namen Muqimyar.[1]

Schnelle Fakten Karriere ...
Robina Muqimyar
Voller Name Robina Jalali
Nation Afghanistan
Geburtstag 3. Juli 1986
Geburtsort Kabul, Afghanistan
Größe 170 cm
Gewicht 48 kg
Beruf Politikerin, Bankangestellte, Sportfunktionärin
Karriere
Disziplin 100 m
Bestleistung 9,92 s (60 m)
14,06 s (100 m)
Status nicht aktiv
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Jalali/Muqimyar trainierte früh in den Hügeln bei Kabul, oft barfuß oder in Sandalen.[1] Als sie mit Sprintwettbewerben begann, wurden Drohbriefe der Taliban vor dem Haus ihrer Familie abgelegt.[1] Ihr Vater, ein liberaler Geschäftsmann, unterrichtete während der ersten Taliban-Herrschaft seine sieben Töchter heimlich zu Hause.[1] Eine reguläre Schule konnte sie erst nach dem Sturz der Islamisten besuchen; mit 16 Jahren holte sie die Schulbildung nach.[1]

Muqimyar und Friba Razayee sind die ersten afghanischen Frauen, die jemals bei Olympischen Spielen antreten durften. Muqimyar begann erst im März 2004 mit der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. Im Stadion von Kabul trainierte sie auf einer beschädigten Laufbahn. Sie war bei ihrer ersten Olympiateilnahme 17 Jahre alt.[1] Sie trat mit Hidschab und weiter langer Hose an und verwendete bei Wettkämpfen statt ihres Familiennamens „Jalali“ den Namen „Muqimyar“; später erklärte sie, sie habe so Kritik von Islamisten an ihrer Kleidung vermeiden wollen.[1] Öffentliche Unterstützung erhielt sie kaum und wurde unter anderem dafür angefeindet, als Frau ins Ausland zu reisen.[1]

Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2004 in Athen war sie angeblich auf Wunsch von Präsident Hamid Karzai Fahnenträgerin ihres Landes.

Am 20. August 2004 trat sie im 100-Meter-Sprint an und schied erwartungsgemäß als Siebte im ersten Vorlauf aus. Dabei verbesserte sie jedoch den afghanischen Landesrekord auf 14,14 Sekunden. In der Endabrechnung belegte Muqimyar Rang 62 unter 63 Starterinnen. Bei ihrer zweiten Olympiateilnahme 2008 wurde sie Letzte.[1]

Im Gegensatz zu anderen Athletinnen entschied sie sich, in Afghanistan zu bleiben; sie begründete dies damit, trotz täglicher Angst ein Vorbild für die Zurückbleibenden sein zu wollen.[1] Nach der sportlichen Karriere arbeitete sie bei der Kabul Bank.[1] 2010 kandidierte sie als Parteilose für das afghanische Parlament mit dem Schwerpunkt Frauenrechte und erhielt dabei Morddrohungen; Wahlplakate wurden entfernt, es kursierten Gerüchte über ihre Ermordung, die Scheibe ihres Wagens wurde eingeschlagen, und außerhalb des Stadtzentrums konnte sie aus Sicherheitsgründen nicht auftreten.[1] Zugleich wurde sie von Aktivistinnen als opportunistisch und unerfahren kritisiert und der Nähe zu einer von den USA gestützten Nomenklatura um Präsident Hamid Karzai bezichtigt; die Bank, bei der sie arbeitete, gehörte einem Bruder Karzais.[1] 2010 verpasste sie ein Mandat, zog jedoch 2018 ins Parlament ein.[1] Im selben Jahr wurde sie Vizepräsidentin des Nationalen Olympischen Komitees Afghanistans; im Januar 2020 übernahm sie die Leitung des afghanischen Leichtathletikverbands.[1] Jalali blieb unverheiratet und erklärte, sie sei Drohungen der Taliban gewohnt; einen Kompromiss mit ihnen befürworte sie, sofern diese Verfassung sowie Rechte von Frauen auf Arbeit, Sport und Bildung anerkennen.[1]

Seit dem Vormarsch der Taliban im August 2021 fehlt von ihr jede Spur.[2] Auch 2025 berichtete die taz, von ihr fehle weiterhin jede Spur.[1]

Anmerkungen

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