György Rohonczy

ungarisch Adeliger mit Wirkungsort im heutigen Burgenland (1885-1975) From Wikipedia, the free encyclopedia

Baron György Gedeon Rohonczy von Felsőpulya (geboren am 1. Dezember 1884 in Czernowitz, damals Österreich-Ungarn; gestorben 1975) war ein burgenländischer Gutsherr, der mehr als hundert Romni und Roma vor der Deportation in NS-Vernichtungslager retten konnte.

György Rohonczy, 1920

Leben

György Rohonczy entstammte einer österreichisch-ungarischen Offiziersfamilie. Er wurde Jurist und war bis 1921 Bezirks-Stuhlrichter in Oberpullendorf. Er galt als überzeugter Monarchist und quittierte nach dem Untergang der Monarchie und der Ausrufung der Republik den Dienst. Fortan bewirtschaftete er seinen Gutshof, das Schloss Oberpullendorf.

Im November 1941 fehlen ihm Arbeiter für die Rübenernte, denn mehrere seiner Erntehelfer waren zur Wehrmacht eingezogen worden. Eigentlich hätten ihm drei oder vier Leute gereicht. Als kriegswichtiger Betrieb – er versorgte das örtliche Krankenhaus mit Lebensmitteln – wandte er sich an das 1940 errichtete sogenannte Zigeuner-Anhaltelager in Lackenbach. In Kenntnis der verheerenden Zuständen im Lager orderte er mehr Arbeiter als eigentlich benötigt. In Gruppen von 15 bis 20 Personen holte er Männer, Frauen und auch Kinder auf seinen Gutshof, sorgte für anständige Unterbringung und ausreichend Essen. Schließlich wurden es insgesamt 121 Personen, die er aus dem Lager Lackenbach übernehmen konnte. Als die Deportationen anliefen, hatte er Sorge, dass seinen Arbeitern die Rückstellung ins Lager drohte. Mindestens fünfzig seiner Arbeiter verhalf er zur Flucht über die nahe Grenze nach Ungarn. Rohonczy wurden von den NS-Behörden niemals belangt,[1] mutmaßlich fielen seine Hilfeleistungen für die Roma nicht auf.[2]

Seine Aktion hatte Vorbildwirkung. Auch andere Betreiber großer Gutswirtschaften, beispielsweise der Gutspächter Ernst Kautz oder Ladislaus Niczky, forderten Roma aus dem Lager Lackenbach an und retteten sie so vor der drohenden Gaskammer.

Nach Kriegsende wurde er von den russischen Besatzern wegen seiner adligen Herkunft festgenommen, jedoch bald wieder freigelassen. Er kehrte auf sein Gut zurück und kümmerte sich um die dort verbliebenen Roma. Nach dem Ungarischen Volksaufstand im Jahre 1956 quartierte er Flüchtlinge aus Ungarn ein.[1]

György Rohonczy blieb unverheiratet und kinderlos. Er adoptierte ein ungarisches Mädchen namens Eva-Maria, geboren 1951.[2]

Gedenken

  • Die Zeitschrift Profil bezeichnete ihn 1995 als „den burgenländischen Schindler“.[2]
  • Das Theaterstück Die Retter von Katharina Tiwald und Peter Wagner (2025) befasst sich mit Ernst Kautz, Ladislaus Niczky und György Rohonczy, drei Rettern von Menschen, die im Nationalsozialismus in Österreich verfolgt wurden. Ernst Kautz rettete die Familie von Géza Horvath mit seinen sieben Kindern und noch drei weitere Familien aus dem Lager Lackendorf. Auch Graf Ladislaus Niczky hat ebenfalls zahlreiche Roma zur Beschäftigung abgerufen, die genaue Anzahl der von ihm geretteten Menschen ist nicht bekannt. Das Stück wurde am 13. März 2025 von der Theaterinitiative Burgenland im Offenen Haus Oberwart uraufgeführt. Weitere Vorstellungen fanden in Eisenstadt, Großwarasdorf, Güssing und Oberpullendorf statt.[3][4][5]
  • Am 2. November 2025 wurde vor der Bezirkshauptmannschaft in Oberpullendorf ein Ehrenmal zu seinem Gedenken enthüllt.[1]

Literatur

Einzelnachweise

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