Roland Prinzinger
deutscher Biologe
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Roland Prinzinger (* 6. August 1948 in Kirchheim unter Teck; † 4. Februar 2026) war ein deutscher Biologe, spezialisiert auf Ornithologie und Physiologie.[1] Er war Präsident und Ehrenmitglied der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft (DOG). Als Hochschullehrer war er bis zu seiner Emeritierung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main tätig und legte lebenslang großen Wert auf die Vermittlung und Verbreitung biologischer Zusammenhänge.
Leben
Roland Prinzinger besuchte von 1955 bis 1959 die Volksschule Ebenweiler, von 1959 bis 1962 das Progymnasium Altshausen und von 1962 bis zum Abitur 1967 das Gymnasium in Saulgau. Von 1967 bis 1969 war er im Militärdienst beim Panzerbataillon 303 in der Rommel-Kaserne (Dornstadt) tätig.
Das Studium der Chemie und Biologie (1969 bis 1974) für das Lehramt an Gymnasien an der Universität Tübingen schloss Prinzinger mit einer Examensarbeit über das Verhalten des Schwarzhalstauchers ab, die 1978 in Die Neue Brehm-Bücherei veröffentlicht wurde.[2] 1974/75 verfasste er im Institut Tierphysiologie (Abteilung Physiologische Ökologie) der Universität Tübingen seine Doktorarbeit über den Energiehaushalt und die Temperatur-Regulation von Dohle, Rabenkrähe und Elster.
Von 1975 bis 1982 arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Tierphysiologie in Tübingen. Während dieser Zeit absolvierte er von 1978 bis 1980 zudem eine Referendar-Ausbildung (Abschluss: 2. Pädagogisches Staatsexamen). 1982 wurde er habilitiert, sodass er als Privatdozent der Universität Tübingen verbunden bleiben, zugleich aber von 1982/83 als Lehrer am Uhland-Gymnasium Tübingen die Fächer Mathematik, Chemie und Biologie unterrichten konnte.
1984 wurde Prinzinger auf den Lehrstuhl für Stoffwechselphysiologie am Zoologischen Institut der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main berufen. Dort unterrichtete er auch im Fach Humanbiologie. Ab Anfang Oktober 2012 war er Emeritus.
Er war sowohl Schatzmeister (1986 bis 1989) als auch von 1998 bis 2001 Präsident der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. Ihm wurde 2025 deren Ehrenmitgliedschaft verliehen.[3]
Roland Prinzinger war mit der Biologin Gabriele Prinzinger verheiratet und hatte mit ihr eine Tochter. Im Februar 2026 starb er im Alter von 77 Jahren.
Wirken
Schwerpunkte der Forschung von Roland Prinzinger waren die Brutbiologie von Vögeln, ihre Temperaturregulation und vielfältige andere stoffwechselphysiologische Fragen.[4][5] Dazu zählten etwa Unterschiede im Energiestoffwechsel von Kolibris und Nektarvögeln, der Torpor bei Mausvögeln und schließlich das Vogelherz und seine Leistungsfähigkeit.[6][7][8][9]
Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde Prinzinger durch seine Bereitschaft, in Radio- und Fernsehsendungen über ornithologische und ökologische Zusammenhänge aufzuklären. Er veröffentlichte auch in populärwissenschaftlichen naturkundlichen Zeitschriften wie GEO und KOSMOS.
Der stoffwechselphysiologische Ansatz führte Prinzinger zu einer Intensivierung seiner Überlegungen und Datensichtung zum Thema Altern.[10] Er publizierte auf dem Gebiet der Biogerontologie über den Zusammenhang von Stoffwechselrate und Zellalterung bei Wirbeltieren einschließlich des Menschen.
Auch über die Tierwelt im Frankfurter Botanischen Garten berichtete Prinzinger.[11]
Ehrungen
- 1994: Ornithologen-Preis der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft[12]
- 1998: Deutscher Preis für Wildtierforschung
- 1998: ALTEX-Preis – Entwicklung don Alternativmethoden zu Tierversuchen
- 2002: Auszeichnung für Exzellente Lehre (gewählt von den Studierenden der J. W. Goethe-Universität in Frankfurt/Main)
- 2025: Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft[3]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Der Schwarzhalstaucher. Die Neue Brehm-Bücherei, A. Ziemsen Verlag, Lutherstadt Wittenberg 1979.
- mit Einhard Bezzel: Ornithologie. Ulmer Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 978-3-8252-8051-2.
- Das Geheimnis des Alterns. Die programmierte Lebenszeit bei Mensch, Tier und Pflanze. Campus Verlag, Frankfurt am Main / New York 1996, ISBN 3-593-35451-9.
- mit Andrea Misovic und Birgit Nagel: Aviäre Hämatologie. Das Vogelblut: Struktur, Funktion, Diagnose und Parasiten. Cuvillier Verlag, Göttingen 2012, ISBN 978-3-95404-140-4.
Weblinks
- Literatur von und über Roland Prinzinger im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiographie (Stand: November 2004). ( vom 9. Januar 2016 im Internet Archive). Im Original publiziert auf dem Server des European Molecular Biology Laboratory (EMBL).
- Allgemeine Informationen zur Professur ( vom 18. April 2012 im Internet Archive). Im Original publiziert auf uni-frankfurt.de (Stand: April 2012.)
- prinzinger-roland.de: Private Website von Roland Prinzinger
- Von Rüppells Blausteißpapagei bis zum Fuß des Archaeopteryx. Ornithologische Notizen aus Frankfurts Geschichte. In: Forschung Frankfurt. Nr. 1/2009, S. 76–81.
- Frankfurter Gesichter: Der Vogel-Kenner Roland Prinzinger. ( vom 17. September 2022 im Internet Archive). Im Original publiziert auf faz.net vom 17. September 2022.