Rolf Schimpf

deutscher Schauspieler (1924–2025) From Wikipedia, the free encyclopedia

Rolf Schimpf (* 14. November 1924 in Berlin; † 22. März 2025 in Pullach im Isartal) war ein deutscher Schauspieler. Er wurde 1984 mit der Titelrolle in der Serie Mensch Bachmann bekannt und spielte von 1986 bis 2007 in der ZDF-Fernsehserie Der Alte ebenfalls die Hauptrolle. Er wirkte insgesamt in über 120 Film- und Fernsehproduktionen mit.

Leben

Familie und Herkunft

Rolf Schimpf war der Sohn der Margarete Helene (Gretl) Deffner und des Marineoffiziers und Nachrichtendienstmitarbeiters Hans Schimpf, Enkel von Rosa Helene Schimpf und von Ernst Schimpf, Urenkel des Komponisten Christian Fink und ein Ururenkel des Verlagsgründers Jakob Ferdinand Schreiber.[1]

Schimpfs Vater starb im April 1935 unter niemals vollständig geklärten Umständen, in einem Hotel in Breslau. Er war seit 1933 der erste Leiter des Forschungsamtes gewesen, eines Nachrichtendienstes im Dritten Reich, der nur dem Namen nach dem Reichsluftfahrtministerium unterstand.

Rolf Schimpf wuchs zeitweise in der Villa Schimpf in Esslingen am Neckar auf. Er diente im Zweiten Weltkrieg bei der Sturmartillerie, wobei er eine schwere Kopfverletzung davontrug. Nach Kriegsende erlernte er zunächst bei Hengstenberg in Esslingen einen kaufmännischen Beruf.

Karriere als Schauspieler

Schimpf wechselte später als Schüler an die Stuttgarter Schauspielschule Gensichen. Nach dem Abschluss der Schauspielausbildung spielte er an verschiedenen Theatern, darunter mit festem Engagement am Stadttheater Luzern (1959/60) und am Stadttheater Bern (1960–1962). Gastspiele gab er unter anderem am Württembergischen Staatstheater Stuttgart, an den Bühnen der Hansestadt Lübeck, am theater 53 in Hamburg, am Künstlertheater Hamburg und an den Hamburger Kammerspielen unter Ida Ehre.[2]

Schimpf war beim Fernsehen ab Ende der 1950er-Jahre vorwiegend in Nebenrollen zu sehen. Ende der 1960er-Jahre war er in den Vorabendserien Hafenkrankenhaus (1968) neben Anneli Granget und in Ida Rogalski (1970) als Sohn von Inge Meysel in durchgehenden Rollen beschäftigt. Es folgten in den 1970er-Jahren weitere TV-Serienrollen: Meine Tochter – Unser Fräulein Doktor (1970), Mein Bruder – Der Herr Doktor Berger (1972) und in Die Protokolle des Herrn M. (1979).[3] Vielfach spielte er in weiteren TV-Serien, allerdings zumeist in Episodenrollen, so auch in der Krimiserie SOKO 5113 (1978–1984), in Büro, Büro (1982), in der Arztserie Die Schwarzwaldklinik (1986) und in Aktenzeichen XY (z. B. Folge 150, 1982).[4]

Im satirischen Fernsehfilm Der Sheriff von Linsenbach (1983) war er in seiner ersten TV-Hauptrolle zu sehen. Danach spielte er 1984 die Titelrolle in der Serie Mensch Bachmann und erlangte dadurch größere Bekanntheit. Produzent war Helmut Ringelmann, der ihn wenige Jahre später für Der Alte engagierte. Eine seiner letzten Rollen spielte er 2009 als Dr. Korbinian Niederbühl[5] in der ARD-Telenovela Sturm der Liebe.[6] Insgesamt wirkte Schimpf als Schauspieler vor der Kamera in über 120 Film- und Fernsehproduktionen mit.[7][8]

Ein breites Fernsehpublikum kennt Schimpf insbesondere aus der ZDF-Krimiserie Der Alte, in der er als Nachfolger von Siegfried Lowitz von Februar 1986 bis zum Dezember 2007 den Kriminalhauptkommissar Leo Kress spielte. Im Dezember 2006 kündigte der damals 82-jährige Schimpf seinen Ausstieg aus der Serie an, nachdem er diese Rolle über 20 Jahre lang verkörpert hatte.[9] Seine 222. und letzte Folge in der Titelrolle wurde im Dezember 2006 gedreht.[9] Die abgedrehten Folgen wurden bis zum 21. Dezember 2007 ausgestrahlt.[10] Allerdings war er nochmals als pensionierter Leo Kress in der im Mai 2009 ausgestrahlten 340. Episode mit dem Titel Taximörder in einer Gastrolle zu sehen.[6]

Schimpf war auch gelegentlich als Synchronsprecher tätig und lieh dabei unter anderem Bela Lugosi in der 1981 entstandenen Synchronisation von Das Zeichen des Vampirs seine Stimme.[11]

Privates

Schimpf hatte einen Sohn (* 1962) aus erster Ehe,[12] der in Nordeuropa lebt.[13] In zweiter Ehe war er von 1968 bis zu ihrem Tod im Mai 2015 mit der Schauspielerin Ilse Zielstorff verheiratet. Das Ehepaar zog im Juni 2010 gemeinsam in das Senioren-Wohnstift Augustinum in München-Neufriedenheim ein. Seine Frau musste schließlich wegen Demenz in einem Pflegeheim untergebracht werden.[14] Aus finanziellen Gründen musste der inzwischen ebenfalls an Demenz erkrankte Schimpf im November 2023 in ein anderes Seniorenheim ziehen,[15][16] wo er im März 2025 im Alter von 100 Jahren starb.[17] Er wurde an der Seite seiner Frau auf dem Münchner Nordfriedhof beigesetzt.[18]

Filmografie (Auswahl)

Literatur

  • Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen, Georg Müller Verlag GmbH, München, Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 913.

Einzelnachweise

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