Rophitinae
Unterfamilie der Familie Halictidae
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Rophitinae ist eine der vier Unterfamilien der Bienenfamilie der Halictidae. Zu den Rophitinae gehören etwa 13 Gattungen und mehr als 260 beschriebene Arten. Alle Arten der Unterfamilie sind solitär lebend, brutparasitische Arten kommen nicht vor.
| Rophitinae | ||||||||||||
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Dufourea monardae | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Rophitinae | ||||||||||||
| Schenck, 1866 |
Merkmale
Morphologisch sind Mitglieder der Unterfamilie vor allem an Merkmalen des Kopfes von anderen Unterfamilien unterscheidbar. Wichtigstes und einziges äußerlich sichtbares Merkmal ist die Position der Antennenbasen (der Einlenkungsstelle der Antennen in der Kopfkapsel). Diese liegen in der unteren Hälfte des Gesichts, bei den anderen Schmal- und Furchenbienen entweder in der Mitte oder in der oberen Hälfte.[1] Die europäischen Arten sind zudem an folgenden Merkmalen unterscheidbar,[2] die überwiegend auch weltweit gelten[3]: Der Clypeus ist kurz, nicht länger als das Labrum, stark konvex gebogen, bei Seitenansicht deutlich über den flachen Abschnitt oberhalb des Clypeus vorstehend. Bei den Weibchen ist das Labrum vorn abgerundet, die Spitze abgestutzt, ohne vorstehenden Fortsatz. Im Vorderflügel ist die erste Medianader (M1) gerade oder nur schwach, nie stark, gebogen. Das erste Glied der Tarsen der Hinterbeine trägt nicht wie alle anderen Halictidae-Unterfamilien ein Penicillus genanntes, bürstenartiges Borstenbüschel.
Verbreitung
Rophitinae sind im Schwerpunkt der Artenzahlen holarktisch verbreitet. Einige Arten sind weiter südlich, in der Afrotropis, Orientalis und Neotropis vorkommend. In Australien fehlen sie. Vermutlich stammt die Gruppe im Ursprung aus der Neotropis. Vermutlich gegen Ende der Kreidezeit hat sie sich nach Nordamerika ausgebreitet und ist von dort in zwei Ausbreitungswellen in die Alte Welt vorgestoßen, möglicherweise über zeitweise bestehende Landbrücken.[4]
In Europa leben 30 Arten, der Gattungen Glanzbienen (Dufourea, 17 Arten), Schlürfbienen (Rophites, 8 Arten), Graubienen (Rhophitoides, 2 Arten) und Spiralhornbienen (Systropha, 3 Arten).[2]
Biologie und Lebensweise
Arten der Rophitinae sind einzeln nistend (solitär). Bei wenigen nordamerikanischen (nearktischen) Arten wurden zwei Weibchen in einem gemeinsamen Erdnest beobachtet. Sie nisten in selbst gegrabenen Erdnestern, meist in relativ geringer Tiefe, die meisten in horizontalen oder schwach geneigten, offenen Bodenstellen ganz unterschiedlicher Bodenarten, von hartem Lehm bis lockerem Sand. Neben dem Eingang zur Neströhre liegt meist ein lockeres Häufchen ausgegrabener Erde, selten wird diese zu einer turmartigen Röhre verklebt. Die Niströhren sind oft im oberen Abschnitt schräg absteigend, zur Spitze hin eher senkrecht, und deutlich gewunden. Die Brutzellen gehen seitlich von den Gängen ab, manchmal sind sie mit einer dünnen, wasserabweisenden Schicht überzogen. Nach Verproviantierung und Eiablage wird der Gang wieder zugescharrt. Die Larven fressen an dem zu einem Ball geformten Pollenvorrat in der Zelle und verpuppen sich anschließend in einem Kokon. Oft kommen zahlreiche Nester benachbart in lockeren Aggregationen („Kolonien“) vor. Die meisten Arten sind blütenstet an wenigen Blütenarten (oligolektisch). Alle untersuchten europäischen Arten haben nur eine Generation im Jahr (univoltin). Sie überwintern als verpuppungsbereite Altlarve („Präpuppe“) im Kokon innerhalb des Nests.[2][5]
Systematik
Sowohl nach den morphologischen wie nach genetischen Merkmalen sind die Rophitinae die basalste Gruppe der Halictidae, mit den anderen drei Unterfamilien als gemeinsamer Schwestergruppe.
Im Standardwerk The Bees of the World gibt Charles Michener folgende Gattungen an:[3]
- Ceblurgus Urban & Moure, 1993 mit der einzigen Art Ceblurgus longipalpis. Südamerika (Brasilien)
- Conanthalictus Cockerell, 1901. 13 Arten, Nordamerika. Oligolektisch an Wasserblattgewächsen.
- Dufourea Lepeletier, 1841. Etwa 130 Arten, holarktisch, in der Alten Welt von den Kanaren bis Japan, nördlich bis Finnland, und in Nordamerika.
- Goeletapis Rozen, 1997 mit der einzigen Art Goeletapis peruensis. Südamerika (Peru).
- Micralictoides Timberlake, 1939. 8 Arten, im südwestlichen Nordamerika.
- Morawitzella Popow, 1957 mit der einzigen Art Morawitzella nana. Zentralasien.
- Morawitzia Friese, 1902. 3 Arten. Türkei.
- Penapis Michener, 1965. 3 Arten. Südamerika (Chile).
- Protodufourea Timberlake, 1955. 5 Arten. westliches Nordamerika (Kalifornien, Arizona). Oligolektisch an Wasserblattgewächsen.
- Rophites Spinola, 1808. knapp 20 Arten, Paläarktis.
- Sphecodosoma Crawford, 1907. 3 bis 4 Arten, Nordamerika.
- Systropha Illiger, 1806. etwa 25 Arten, Paläarktis.
- Xeralictus Cockerell, 1927. 2 Arten, westliches Nordamerika. Oligolektisch an Mentzelia (Loasaceae).
Andere Autoren, etwa Yuri Pesenko, erkennen in der Paläarktis drei weitere Gattungen an, die Michener als Untergattungen auffasst.
- Flavodufourea Ebmer, 1984. 2 Arten, Mongolei und Kasachstan. (bei Michener Untergattung von Rophites)
- Rhophitoides Schenck, 1861. 4 Arten, Paläarktis (Marokko bis zum Kaukasus). (bei Michener Untergattung von Rophites)
- Trilia Vachal, 1900. 4 Arten, Paläarktis (Nordafrika bis zur Mongolei). (bei Michener Teil von Dufourea)