Rosebush Pruning

Film von Karim Aïnouz (2026) From Wikipedia, the free encyclopedia

Rosebush Pruning (auch in der Schreibweise Rosebushpruning oder Pruning the Rosebush) ist ein Thriller und eine Gegenwartssatire von Karim Aïnouz mit Callum Turner, Riley Keough, Jamie Bell, Lukas Gage, Elena Anaya, Tracy Letts, Elle Fanning und Pamela Anderson. Es handelt sich bei der Koproduktion von Deutschland, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich um ein Remake des Films Mit der Faust in der Tasche von Marco Bellocchio. Der Film über die Absurdität der traditionellen patriarchalen, aus den USA stammenden Familie, die nach Spanien gezogen ist und dort in Isolation, Langeweile und immensem Reichtum lebt, feierte Mitte Februar 2026 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin seine Premiere, wo er im Hauptwettbewerb für den Goldenen Bären nominiert war. Im April 2026 soll er in die deutschen Kinos kommen.

TitelRosebush Pruning
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2026
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Rosebush Pruning
Produktionsland Deutschland, Italien, Spanien, Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2026
Länge 97 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Karim Aïnouz
Drehbuch Efthymis Filippou
Produktion Viola Fügen, Simone Gattoni, Michael Weber
Musik Matthew Herbert
Kamera Hélène Louvart
Schnitt Heike Parplies
Besetzung
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Handlung

Die aus den USA stammenden Geschwister Jack, Ed, Anna und Robert leben, geschützt durch geerbten Reichtum und in selbstgewählter Abgeschiedenheit, gemeinsam mit ihrem blinden Vater in einer luxuriösen Villa auf einem Landsitz in Spanien unter der katalanischen Sonne. Nach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter kümmern sich ihre Kinder um ihn. Als Jack, der älteste Bruder, mit seiner Freundin, der Musikstudentin Martha, zusammenziehen will und Ed die Wahrheit über den Tod ihrer Mutter aufdeckt, beginnt das Familiengefüge zu zerfallen.[2][3][4]

Produktion

Vorlage und Filmstab

Regisseur Karim Aïnouz

Es handelt sich bei Rosebush Pruning um ein Remake des Filmdramas Mit der Faust in der Tasche von 1965 des italienischen Filmemachers Marco Bellocchio.[5] Aïnouz sah den Film während des Corona-bedingten Lockdowns und empfand ihn als „hervorragende Vorlage“, um die Themen Isolation und Privilegien in der heutigen Zeit zu diskutieren.[4] Bellocchios Langfilmdebüt handelt von der Familie als Urgrund aller Neurosen. Der älteste Sohn Augusto, der in seiner großen, italienischen Bürgerfamilie die Ersatzrolle des fehlenden Vaters ausfüllt, ist ein Epileptiker. Jedes Familienmitglied hat eine mehr oder minder schwere psychische oder physische Krankheit. Die Matriarchin ist von Geburt an blind. Augusto möchte eigentlich gerne seine langjährige Freundin Lucia heiraten, will ihr aber seine Familie nicht zumuten. Da sein Bruder Alessandro Mitleid mit ihm hat, beschließt er, die Familienmitglieder einen nach dem anderen zu ermorden.[6] Bellocchios Film erzählt von der nahezu hoffnungslosen Situation der italienischen Nachkriegsgeneration, die sich mit anarchischer Zerstörungswut ihre Unabhängigkeit von psychischen und sozialen Zwängen verschaffen will.[7]

Regie bei Rosebush Pruning führte der Brasilianer Karim Aïnouz. Mit der deutschen Filmeditorin Heike Parplies arbeite er bereits für seinen Film Firebrand zusammen. Der Grieche Efthymis Filippou, der für seine Zusammenarbeit mit Giorgos Lanthimos bekannt ist, adaptierte das Drehbuch für Mit der Faust in der Tasche für das Remake. Im Original litt der von Lou Castel gespielte junge Mann an Epilepsie und zettelt die Morde an seiner disfunktionalen Familie an. Der Film hatte einen großen Einfluss auf das italienische Kino.[8]

Finanzierung und Filmförderung

Rosebush Pruning wurde von MUBI in Zusammenarbeit mit The Apartment und Gold Rush Pictures sowie den ausführenden Produzenten Lota Dascioraite, Mitch Oliver und Catherine Boily von Metafilms, Kateryna Merkt, Matthew E. Chausse und Pietro Caracciolo von SCoT(T), Lorenza Veronica von In Bloom, Alessandro del Vigna, Guilherme Cezar Coelho und Fernando Loureiro von Inflamável, Gabriel Amaral und Morwin Schmookler finanziert.[3] Der Film erhielt eine finanzielle Unterstützung von der Filmförderungsanstalt in Höhe von 400.000 Euro.[9] Die Film- und Medienstiftung NRW förderte die Produktion mit 450.000 Euro.[10] Das Medienboard Berlin-Brandenburg gewährte eine Produktionsförderung in Höhe von 300.000 Euro und eine Verleihförderung über 30.000 Euro.[11] Zudem wurde der Film durch das spanische Steueranreizprogramm sowie den UK Global Screen Fund unterstützt.[12]

Besetzung, Dreharbeiten und Filmschnitt

Riley Keough und Callum Turner spielen die Geschwister Anna und Ed
Riley Keough und Callum Turner spielen die Geschwister Anna und Ed
Riley Keough und Callum Turner spielen die Geschwister Anna und Ed
Pamela Anderson und Tracy Letts spielen die verstorbene Mutter und den Vater
Pamela Anderson und Tracy Letts spielen die verstorbene Mutter und den Vater
Pamela Anderson und Tracy Letts spielen die verstorbene Mutter und den Vater

Josh O’Connor und Kristen Stewart, die ursprünglich für zwei Rollen vorgesehen waren, wurden durch Callum Turner und Riley Keough ersetzt.[13] Sie spielen die Geschwister Anna und Ed. Turners Figur fungiert auch als Erzähler des Films.[4] Ihre beiden Brüder Jack und Robert werden von Jamie Bell und Lukas Gage gespielt.[2] Tracy Letts spielt den Familienpatriarchen und Pamela Anderson seine verstorbene Frau.[4] Elle Fanning ist in der Rolle der Musikstudentin Martha zu sehen, mit der Jack verschwindet.[14][5][4]

Die siebeneinhalbwöchigen Dreharbeiten fanden von Ende September bis Anfang November 2024 in der Gemeinde Castellterçol in der Nähe von Barcelona in Katalonien statt.[15][4] Die französische Kamerafrau Hélène Louvart war bereits für Aïnouzs Filme Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão, Firebrand und Motel Destino tätig. Auch mit dem Szenenbildner Rodrigo Martirena arbeitete die Regisseurin bereits für Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão zusammen, ebenso mit der Filmeditorin Heike Parplies, die gemeinsam mit Dávid Jancsó und Ilka Janka Nagy den Filmschnitt verantwortete. Zu Jancsos und Nagys früheren gemeinsamen arbeiten gehört der Film Der Brutalist.[12]

Filmmusik und Veröffentlichung

Die Filmmusik komponierte Matthew Herbert, der zuletzt für das Filmmusical The Wave von Sebastián Lelio tätig war.[16]

Die Premiere des Films war am 14. Februar 2026 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin. Zur Vorstellung in der deutschen Hauptstadt, in der Regisseur lebt, erklärte er: „Einer der Gründe, warum ich hier lebe, ist das Gefühl von Respektlosigkeit, Freiheit, Wildheit und Humor, das meiner Meinung nach so gut zur DNA des Films passt.“ Er glaube, dass dieser Ort viel mit dem Film zu tun hat: „Er ist sehr frei, sehr offen – und sucht noch nach einer Identität, die er noch nicht gefunden hat. Ich denke, er spricht die Seele der Stadt an.“[4] Der Kinostart in Deutschland ist am 23. April 2026 geplant.[17]

Rezeption

Kritiken

Die Kritiken fielen gemischt aus.[18]

Jamie Bell spielt Jack

Damon Wise schreibt in seiner Kritik für deadline.com, Karim Aïnouz’ neuestes Werk wirke wie ein schmuddeliges Eurotrash-Pendant zu Dogtooth von Giorgos Lanthimos. Die Geschichte sei in ihrer Perversität so vielgestaltig, dass Begriffe wie „schwul“ und „heterosexuell“ selbst als Ausgangspunkt bedeutungslos sind. Ein Vergleich mit dem frühen Pedro Almodóvar dränge sich auf, doch hier schwinge eine freudige Boshaftigkeit mit, die so nie zum Repertoire des spanischen Meisters gehörte. Füge man jedoch eine ordentliche Portion Joe Orton hinzu, kommt man der Sache schon näher. Rosebush Pruning entpuppe sich nach und nach als irres Ensemblewerk, in dem jeder Charakter seinen großen Auftritt hat. Auf Marco Bellocchios Film Mit der Faust in der Tasche, der Rosebush Pruning inspirierte, gehe Aïnouz nicht wirklich ein und konzentriere die Geschichte stattdessen hauptsächlich auf Jack und seine Versuche, seine fast schon vampirische Familie um jeden Preis zu verlassen. Diese irre schwarze Komödie sei ein geschmackloses Spektakel, das Aïnouz’ letzten Film Motel Destino in all seiner bonbonfarbenen Dekadenz übertreffe.[19]

Auszeichnungen

Internationale Filmfestspiele Berlin 2026

Einzelnachweise

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