Rotachseltaube

Art der Gattung Schallschwingentauben (Leptotila) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Rotachseltaube (Leptotila rufaxilla) ist eine Art der Taubenvögel. Sie war im deutschen Sprachgebrauch früher gelegentlich als Graustirntaube bekannt. Diese Bezeichnung ist jedoch nicht eindeutig, da eine Art der Indopazifischen Erdtauben gleichfalls so genannt wird. Es gibt mehrere Unterarten, die ausschließlich in Südamerika verbreitet sind.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Rotachseltaube

Rotachseltaube (Leptotila rufaxilla)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
Familie: Tauben (Columbidae)
Gattung: Schallschwingentauben (Leptotila)
Art: Rotachseltaube
Wissenschaftlicher Name
Leptotila rufaxilla
(Richard & Bernard, 1792)
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Erscheinungsbild

Die Rotachseltaube erreicht eine Körpergröße von 27 Zentimetern und entspricht damit der Blauringtaube.[1] Die Stirn ist hellgrau. Das Gefieder wird am Oberkopf etwas dunkler. Am Hals ist der Grauton purpur überwaschen und schillert leicht. Das Gesicht ist gelbbraun. Die Halsseiten und die Brust sind graurosa. Die Körperoberseite ist bräunlich olivfarben. Der Mantel und die inneren Flügeldecken weisen dabei einen leichten bronzegrünlichen Schimmer auf.

Verbreitungsgebiet und Lebensraum

Verbreitungsgebiet der Rotachseltaube (grün)

Die Rotachseltaube hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet, das sich über einen großen Teil des Südamerikanischen Kontinents erstreckt. Sie fehlt im Westen des Kontinents sowie im Süden. Sie kommt von Kolumbien und Venezuela, Guyana, Trinidad und Brasilien, dem Osten von Peru und Bolivien bis in den Norden von Argentinien und den Osten Uruguays vor.[2] In Teilen ihres Verbreitungsgebietes ist sie eine häufige Art. Ihre Höhenverbreitung reicht von 600 Metern über NN im Norden Südamerikas bis 2.200 Meter NN im Süden Brasiliens.

Ihr Lebensraum sind feuchte und halbfeuchte tropische Wälder. Es ist eine bodenbewohnende Art. Sie toleriert in einem gewissen Grade Holzeinschlag und nutzt auch Sekundärwald, wo er an Primärwald angrenzt.

Lebensweise

Die Rotachseltaube ist ein Standvogel. Sie ist scheu und unauffällig. Auch wenn sie sich bedroht fühlt, sucht sie eher laufend im Unterholz Schutz als dass sie auffliegt. Sie baumt immer nur sehr niedrig auf. Sie lebt überwiegend einzeln oder in Paaren. Das Nahrungsspektrum umfasst Sämereien, kleine Früchte und Insekten. Die Fortpflanzungszeit variiert in Abhängigkeit vom Standort. In Teilen des Verbreitungsgebietes kommt es ganzjährig zu Bruten.[3] Das Gelege besteht aus einem bis zwei Eiern. Die Brutzeit beträgt 12 Tage. Die Jungvögel sind nach 12 bis 13 Tagen flügge.

Unterarten

Es sind folgende Unterarten bekannt:[4]

  • Leptotila rufaxilla pallidipectus Chapman, 1915[5] kommt im östlichen Kolumbien und im westlichen Venezuela vor.
  • Leptotila rufaxilla dubusi Bonaparte, 1855[6] ist vom südöstlichen Kolumbien über das östliche Ecuador und östliche Peru, das nordwestliche Brasilien únd das südliche Venezuela verbreitet.
  • Leptotila rufaxilla rufaxilla (Richard & Bernard, 1792)[7] kommt vom östlichen Venezuela über Guyana, Suriname, Französisch-Guayana und das nördliche Brasilien vor.
  • Leptotila rufaxilla hellmayri Chapman, 1915[8] ist im nordöstlichen Venezuela und auf Trinidad verbreitet-
  • Leptotila rufaxilla bahiae Berlepsch, 1885[9] kommt in Zentralbrasilien vor.
  • Leptotila rufaxilla reichenbachii Pelzen, 1870[10] ist im südlichen zentralen und südlichen Brasilien, in Paraguay, in Uruguay und dem nordöstlichen Argentinien verbreitet.

Leptotila rufaxilla hypochroos Griscom & Greenway, 1937[11] wird heute als Synonym zur Nominatform, betrachtet.

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung der Rotachseltaube erfolgte 1792 durch Louis Claude Marie Richard und Jean Philippe Bernard unter dem wissenschaftlichen Namen Columba Rufaxilla. Das Typusexemplar hatte Jean Baptiste Leblond in Cayenne gesammelt.[7] 1837 führte William Swainson die neue Gattung Leptotila für die Rotachseltaube (Leptotila rufaxilla) ein.[12] Dieser Name leitet sich von λεπτος leptos, deutsch schlank, mager und πτιλον ptilon, deutsch Feder ab.[13] Der Artname rufaxilla ist ein Wortgebilde aus lateinisch rufus rötlich, rotbraun und lateinisch axilla Achsel.[14] Pallidipectus hat seinen Ursprung in lateinisch pallidus, pallere blass, blass sein und lateinisch pectus, pectoris Brust[15], hypochroos in ὑπο hypo, deutsch etwas und χρως, χρωτος chrōs, chrōtos, deutsch Teint, Anstrich.[16] Dubusi ist Bernard Amé Léonard Du Bus de Gisignies gewidmet[6], hellmayri Carl Eduard Hellmayr[8] und reichenbachii Ludwig Reichenbach.[10] Schließlih bezieht sich bahiae auf Bahia.[9] Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur Verfügung. In der Literatur betrachtete er Sapucai[17] durch Charles Chubb, Puerto Bertoni[18] und das Departamento Alto Paraná[19] durch Arnaldo de Winkelried Bertoni als Nachweise für das Land. Laubmann ordnete Paraguay die Unterart L. r. reichenbachii zu. Er betonte, dass es möglich sei, dass diese Nennungen für das Land auch Verwechlungen mit der Blauringtaube sein könnten. Er selbst hatte mit Leptoptila callauchen Chubb, 1910 auch eine Nennung falsch zugeordnet.[20]

Haltung in menschlicher Obhut

Die Rotachseltaube wurde erstmals 1880 im Zoo von London gezeigt.[21] Die Tauben können bei artgerechter Haltung sehr alt werden. Eine im Berliner Zoo gehaltene Rotachseltaube erreichte ein Lebensalter von 29 Jahren.[22]

Literatur

  • Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch, Hermann von Ihering: Die Vögel der Umgegend von Taquara do Mundo Novo, Prov. Rio Grande do Sul. In: Zeitschrift für die gesammte Ornithologie. Band 2, 1885, S. 97–184 (biodiversitylibrary.org).
  • Arnaldo de Winkelried Bertoni: Contribución para el conocimiento de las aves del Paraguay. In: Anales científicos paraguayos. Band 1, Nr. 3, 1904, S. 1–10.
  • Arnaldo de Winkelried Bertoni in Mosè Giacomo Bertoni: Fauna paraguaya. Catálogos sistemáticos de los vertebrados del Paraguay: peces, batracios, reptiles, aves, y mamíferos conocidos hasta 1913. In: Descripcion fisica y economica del Paraguay. Band 59, Nr. 1. Establecimiento Gráfico M. Brossa, Asunción 1914, S. 1–86 (google.de).
  • Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte: Zoologie – Coup d’œil sur les Pigeons (cinquième partie). In: Comptes rendus hebdomadaires des séances de l’Académie des sciences. Band 40, 1855, S. 96–102 (biodiversitylibrary.org).
  • Frank Michler Chapman: Descriptions of proposed new birds from Central and South America. In: Bulletin of the American Museum of Natural History. Band 34, Nr. 11, 1915, S. 363388 (amnh.org [PDF; 2,3 MB]).
  • Charles Chubb: On the Birds of Paraguay. In: The Ibis (= 9. Band 4). Nr. 13, 1910, S. 53–78 (biodiversitylibrary.org).
  • David Gibbs, Eustace Barnes, John Cox: Pigeons and Doves. A Guide to the Pigeons and Doves of the World. Pica Press, Alfeld-Sussex 2001, ISBN 90-74345-26-3.
  • Ludlow Griscom, James Cowan Greenway: Critical notes on new Neotropical Birds. In: Bulletin of the Museum of Comparative Zoology at Harvard College. Band 81, Nr. 2, 1937, S. 417–437 (biodiversitylibrary.org).
  • Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 141–142 (google.de).
  • Alois Münst, Josef Wolters: Tauben – Die Arten der Wildtauben. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage. Verlag Karin Wolters, Alfeld-Bottrop 1999, ISBN 3-9801504-9-6.
  • August von Pelzeln: Zur Ornithologie Brasiliens. Resultate von Johann Natterers Reisen in den Jahren 1817 bis 1835. A. Pichler’s Witwe & Sohn, Wien 1870 (biodiversitylibrary.org Lieferung 3).
  • Louis Claude Marie Richard, Jean Philippe Bernard: Catalogue des Oiseaux envoyes de Cayenne, à la Société, par M. Le Blond, Associé. In: Actes de la société d'histoire naturelle de Paris. Nr. 1. De l'Imrimerie de la Société, Paris 1792, S. 116–119 (biodiversitylibrary.org).
  • Gerhard Rösler: Die Wildtauben der Erde – Freileben, Haltung und Zucht. Verlag M. & H. Schaper, Alfeld-Hannover 1996, ISBN 3-7944-0184-0.
  • William Swainson: On the natural history and classification of birds. Band 2. John Taylor, London 1837, S. 349 (biodiversitylibrary.org).

Einzelnachweise

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