Rotbrustfischer

Art der Gattung Langschwanzfischer (Megaceryle) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Rotbrustfischer (Megaceryle torquata) ist der größte Eisvogel auf dem amerikanischen Kontinent; von der in ihrem Ursprungsgebiet unverwechselbaren Art werden drei Unterarten beschrieben. Gelegentlich wird als wissenschaftlicher Name auch Ceryle torquatus genannt.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Rotbrustfischer

Paar Rotbrustfischer, Weibchen hinten
(Illustration von J. G. Keulemans)

Systematik
Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
Familie: Eisvögel (Alcedinidae)
Unterfamilie: Fischereisvögel (Cerylinae)
Gattung: Langschwanzfischer (Megaceryle)
Art: Rotbrustfischer
Wissenschaftlicher Name
Megaceryle torquata
(Linnaeus, 1766)
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Merkmale

Rotbrustfischer (Männchen)
Rotbrustfischer (Weibchen)
Juveniler weiblicher Rotbrustfischer mit unvollständiger Ausfärbung im Brustbereich

Der Rotbrustfischer gehört zu den größeren Eisvögeln und erreicht eine Größe von 40 cm. Seine Kopfoberseite und seine Flügel sind grau. Er trägt ein weißes Halsband. Seine Brust ist rötlich-orange. Das Männchen ist an seinem gezackten Kamm zu erkennen. Das Weibchen trägt im Gegensatz zum Männchen ein graues Brustband, das bauchseitig von einem schmalen weißen Ring begrenzt ist. Davon leitet sich sowohl das lateinische Artepitheton torquata als auch die englischsprachige Bezeichnung Ringed Kingfisher ab.

Eine geringfügige Verwechslungsmöglichkeit besteht mit dem Gürtelfischer (Megaceryle alcyon), der im Winter in den nördlichen Brutgebieten des Rotbrustfischers erscheint, doch ist dieser bedeutend kleiner und bis auf kleine rötlich-braune Gefiederabschnitte des Weibchens ventral nicht dominant rötlich-orange gefärbt.

Bis auf die ganz südlich brütenden Populationen, die im Winter nach Norden ausweichen, hält sich die Art während des gesamten Jahres im Brutgebiet auf.

Vorkommen

Verbreitungsgebiet (grün) des Rotbrustfischers
blau: Ausweichgebiete der südlichsten Populationen

Das Verbreitungsgebiet der Art reicht vom südlichen Patagonien und dem nördlichen Feuerland über weite Teile des südamerikanischen Kontinents bis in die südlichen Grenzbereiche der USA. In Südamerika sind nur der Andenhauptkamm, die Atacamawüste sowie Nordwestargentinien nicht von dieser Art besiedelt. Rotbrustfischer besiedeln unterschiedliche Lebensräume bis in Höhen von 1500 Metern.[1] Bevorzugt werden bewaldete Flussufer an langsam fließenden Flüssen, ebenso solche an Seen; häufig ist die Art auch in Mangrovenwäldern, Flussmündungen, in den südlichen Verbreitungsgebieten auch an Fjorden zu finden. Sie scheut die Nähe des Menschen nicht und wird auch auf Reisfeldern, entlang von Bewässerungsgräben und Kanälen, gelegentlich sogar an Wasserflächen großer Parks[1] beobachtet.

Nahrung

Der Rotbrustfischer ernährt sich vorwiegend von Fisch; daneben spielen Amphibien und Reptilien eine geringere Bedeutung. Die meist recht großen Beutetiere (20 Zentimeter) werden von relativ hoch liegenden Ansitzen (5–10 Meter hoch) erjagt.

Brutbiologie

Beide Partner graben eine bis zu 2,5 Meter lange Bruthöhle meist in Sandabbrüche entlang von Flüssen, gelegentlich aber auch in Erosionshalden oder Straßenböschungen, recht weit vom nächsten Flusslauf entfernt. Am Ende verbreitert sich die Niströhre zu einer Nisthöhle; die 3–6 Eier werden von beiden Eltern gebrütet. Beide Eltern versorgen die nach durchschnittlich 22 Tagen schlüpfenden Küken während der etwa 35 Tage währenden Nestlingszeit.[2]

Unterarten

Bisher sind folgende Unterarten bekannt:[3]

  • Megaceryle torquata stictipennis (Lawrence, 1885)[4] kommt auf den Kleinen Antillen vor.
  • Megaceryle torquata torquata (Linnaeus, 1766)[5] ist vom südlichen Texas bis ins nördliche Argentinien verbreitet. Außerdem kommt sie auf Isla Margarita und auf Trinidad vor
  • Megaceryle torquata stellata (Meyen, 1834)[6] ist in Chile und Argentinien verbreitet.

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung des Rotbrustfischers erfolgte 1817 durch Carl von Linné unter dem wissenschaftlichen Namen Alcedo torquata. Als Verbreitungsgebiet gab er Martinique und Mexiko an.[5] 1848 führte Johann Jakob Kaup die für die Wissenschaft neue Gattung Megaceryle für den Rotbrustfischer ein.[7] Dieser Begriff leitet sich aus μεγας megas, deutsch groß und κηρυλος cērylos, deutsch ein Vogel der von Aristoteles, Hesychios von Alexandria und anderen für einen mystischen Vogel, vermutlich einen Liest bzw. Eisvogel, vergeben wurde ab.[8] Der Artname torquata hat seinen Ursprung in lateinisch torquatus, torques, torquere kragig, Kragen, drehen.[9] Stellata leitet sich von lateinisch stellatus, stella sternenklar, mit Sternen besetzt, mit Sternen, Stern ab[10], stictipennis von στικτος, στιζω stiktos, stizō, deutsch gepunktet, gestochen, tätowieren und lateinisch -pennis, penna -flügelig, Flügel.[11] Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay elf Bälge, gesammelt von Hans Krieg (1888–1970), Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973) und Michael Mathias Kiefer (1902–1980) in Puerto Casado und Santa Casilda im Gran Chaco, zur Verfügung. Laubmann führte die Art unter dem Namen Streptoceryle torquata torquata. In der Literatur betrachtete er in einem von Richard Otto Rohde (1855–1912) gesammelten Exemplar aus Lambaré, welches durch Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch[12] beschrieben wurde, in einem von Alfredo Borelli (1858–1943) gesammelten und von Tommaso Salvadori beschriebenes Exemplar[13] aus der Colonia von Pedro Risso sowie Luque, am Río Pilcomayo[14] sowie in Concepción und Waikthlatingmayalwa[15] durch John Graham Kerr, in Tayru und Fuerte Olimpo durch Claude Henry Baxter Grant[16], im Departamento Alto Paraná[17] und am Río Confuso[18] durch Arnaldo de Winkelried Bertoni und in Puerto Pinasco[19] im Departamento Presidente Hayes durch Alexander Wetmore viele weitere Nachweise für das Land. Des Weiteren sah er in Martin pescadore del celeste[20] (Männchen) und Martin pescadore del celeste onscuro[21] (Weibchen) von Félix de Azara weitere Nachweise.[22]

Bestandssituation

Detaillierte Angaben zur Bestandssituation der Art fehlen. Hinweise auf überregional signifikante Bestandsveränderungen liegen nicht vor, sodass die Art nach IUCN mit LC = least concern / nicht bedroht eingestuft wird. Sehr grobe Schätzungen beziffern den Gesamtbestand mit 5–50 Millionen Individuen.[23]

Literatur

  • Félix de Azara: Apuntamientos para la historia natural de los páxaros del Paragüay y Rio de la Plata. Band 3. Impr. de la viuda de Ibarra, Madrid 1805, S. 383–386 (biodiversitylibrary.org).
  • Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch: Systematisches Verzeichniss der von Herrn Ricardo Rohde in Paraguay gesammelten Vögel. In: Journal für Ornithologie (= 4. Band 15). Nr. 177, 1887, S. 1–37 (biodiversitylibrary.org).
  • Arnaldo de Winkelried Bertoni in Mosè Giacomo Bertoni: Fauna paraguaya. Catálogos sistemáticos de los vertebrados del Paraguay : peces, batracios, reptiles, aves, y mamíferos conocidos hasta 1913. In: Descripcion fisica y economica del Paraguay. Band 59, Nr. 1. Establecimiento Gráfico M. Brossa, Asunción 1914, S. 1–86 (google.de).
  • Arnaldo de Winkelried Bertoni: Sobre ornitología del Chaco Paraguayo. Aves colectadas por Félix Posner en la Colonia „Monte Sociedad“, hoy Benjamin Aceval (Villa Hayes). In: Revista de la Sociedad Científica del Paraguay. Band 2, Nr. 6, 1930, S. 241–258.
  • Charles Hilary Fry, Kathleen Fry (Autoren), Alan Harris (Illustrator): Kingfishers, Bee-Eaters & Rollers A Handbook. Christopher Helm, London 1999, ISBN 978-0-7136-5206-2 (google.de).
  • Steven Leon Hilty, William Leroy Brown: A guide to the birds of Colombia. Princeton University Press, Princeton 1986, ISBN 978-0-691-09250-8.
  • Claude Henry Baxter Grant: List of Birds collected in Argentinia, Paraguay, Bolivia, and South Brazil, with Field notes Part II. In: The Ibis (= 9. Band 5). Nr. 18, 1911, S. 317–350 (biodiversitylibrary.org).
  • Johann Jakob Kaup: Die Familie der Eisvögel (Alcedidae). In: Verhandlungen des Naturhistorischen Vereins für das Großherzogthum Hessen und Umgebung. Nr. 2, 1848, S. 61–81.
  • John Graham Kerr: On the Avifauna of the Lower Pilcomayo. In: The Ibis (= 6. Band 4). Nr. 13, 1892, S. 120152 (biodiversitylibrary.org).
  • John Graham Kerr: On the Birds observed during a Second Zoological Expedition to the Gran Chaco. In: The Ibis (= 8. Band 1). Nr. 13, 1901, S. 215236 (biodiversitylibrary.org).
  • Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 207–208 (google.de).
  • George Newbold Lawrence: List of a few species of birds new to the fauna of Guadeloupe, West Indies, with a description of a new species of Ceryle. In: Proceedings of the United States National Museum. Band 8, Nr. 545, 1885, S. 621–625 (biodiversitylibrary.org).
  • Carl von Linné: Systema Naturae per Regna Tria Naturae, Secundum Classes, Ordines, Genera, Species, Cum Characteribus, Differentiis, Synonymis, Locis. 12. Auflage. Band 1. Laurentii Salvii, Stockholm 1766, S. 180 (biodiversitylibrary.org).
  • Franz Julius Ferdinand Meyen: Reise um die Erde ausgeführt auf dem königlich-preussischen Sehandlungs-Schiffe Prinzess Louise commandirt von Capitain w. Wndt in den Jahren 1830, 1831 und 1832. In: Nova acta physico-medica Academiae Caesareae Leopoldino-Carolinae Naturae Curiosum. 16 (Supplement), Nr. 1, 1834, S. 1–104, Abbildungen 1–104 (biodiversitylibrary.org).
  • Tommaso Salvadori: Viaggio del dottor Alfredo Borelli nella Repubblica Argentina e nel Paraguay, XVI. In: Bollettino dei musei di zoologia ed anatomia comparata della R. Università di Torino. Band 10, Nr. 208, 1895, S. 1–24 (biodiversitylibrary.org).
  • Donald Stokes, Lilian Stokes: Stokes Field Guide to Birds: Eastern Region. Little, Brown and Company, Boston 1996, ISBN 978-0-316-81809-4.
  • Alexander Wetmore: Observations on the birds of Argentina, Paraguay, Uruguay, and Chile. In: Bulletin of the United States National Museum. Nr. 133, 1926, S. 1–448 (biodiversitylibrary.org).

Einzelnachweise

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