Rothalsralle

Art der Gattung Laterallus From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Rothalsralle (Laterallus melanophaius; Syn.: Rallus melanophaius) ist eine Vogelart aus der Familie der Rallen (Rallidae), die in Kolumbien, Venezuela, Guyana, Suriname, Französisch-Guayana, Ecuador, Peru, Brasilien, Bolivien, Paraguay, Argentinien und Uruguay. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Rothalsralle

Rothalsralle (Laterallus melanophaius)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Kranichvögel (Gruiformes)
Familie: Rallen (Rallidae)
Gattung: Laterallus
Art: Rothalsralle
Wissenschaftlicher Name
Laterallus melanophaius
(Vieillot, 1819)
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Verbreitungsgebiet (grün) der Rothalsralle
Küken der Rothalsralle (Laterallus melanophaius)
Immature Rothalsralle (Laterallus melanophaius)
Adulte Rothalsralle (Laterallus melanophaius), nahrungssuchend in ihrem Lebensraum: Süßwassersumpf

Merkmale

Das Rothalsralle erreicht ein Körpergewicht von 53 zu 60 g bei einer Körperlänge von etwa 14 bis 18 cm. Es besteht kein Geschlechtsdimorphismus. Die gesamte Oberseite ist dunkel olivbraun. Die Zügel die Federn um das Auge und oft der Überaugenstreif haben eine graue Färbung. Die Ohrdecken, die Seiten des Kopfs und die Brust sind rötlich bis zimtfarben rötlich. Die Flügeldecken sind olivbraun. Die Kehle und die Mitte der Brust, sowie der Bauch sind weiß. Die Flanken und der Bauch sind mit schwärzlich braun und weißen Bändern gezeichnet. Die Unterschwanzdecken sind dunkel zimtfarben rötlich. Die Iris ist braun bis hell rot. Der Oberschnabel ist grau, die Schnabelkante und der Unterschnabel erbsengrün und die Spitze weißlich. Beine und Füße sind hell graubraun bis olivbraun.[1]

Verbreitung und Lebensraum

Die Rothalsralle bewegt sich in Süßwassersümpfen, grasbewachsenen Sümpfen mit vereinzelten Büschen, an Altwasser, um Teiche und an überschwemmten Stellen in Weideland. Sehr wahrscheinlich ist sie in den Sümpfen und an den Flussufern im nördlichen Verbreitungsgebiet unterwegs, sowie in Schilfgebieten mit Rohrkolben.[1]

Fortpflanzung

Die Rothalsralle scheint zumindest in Gefangenschaft monogam zu sein. Das Nest hat eine kugelförmige Struktur mit einem seitlichen Eingang. Dieses wird auf oder knapp über feuchtem Boden oder Wasser platziert. Das Nest besteht aus Blättern und wird ausgelegt mit zerkleinertem Laub oder Federn. Der äußere Durchmesser ist 17 bis 22 mal 14 bis 18 Zentimeter. Der Eingang ist 6,5 bis 7 Zentimeter hoch und der Innenraum 9 Zentimeter. Die Eier sind weiß oder cremefarben und haben braune und rötliche Flecken. Meist sind die Flecken am dickeren Ende des Eis zu finden. Die Brutzeit beträgt 19,5 bis 20 Tage. Die Küken verlassen bereits nach vier Tagen das Nest. In Argentinien wurden Nester im späten September und im Oktober entdeckt.[1]

Verhalten und Ernährung

Sehr wenig Informationen zum Ernährungsverhalten der Rothalsralle liegen vor. Wahrscheinlich ernährt sie sich von Insekten. Der Mageninhalt von Exemplaren aus Suriname enthielten Spinnen und Insekten. Darunter waren Rüsselkäfer, Schnabelkerfen und Gleichflügler. Auch Samen und Blätter gehören zu ihrer Ernährung. Die Nahrung sucht sie am Boden, meist in dichter Grasvegetation. Manchmal sucht sie auch Futter in offenerem Gelände. Hier watet sie entlang matschiger Teich- und Seerändern. Sie bleibt dabei immer in der Nähe von schützendem Dickicht. Kleine Wirbellose pickt sie aus dem Schlamm und aus der Vegetation. Außerdem klettert sie im hohen Gras und in kleinen Büschen herum. Dieses Kletteraktionen sind meist mit Gesang verbunden. Vermutlich ist sie eher ein Einzelgänger.[1]

Lautäußerungen

Die Laute der Rothalsralle wird als Geschnatter oder zähes musikalisches Geträller beschrieben. Dies klingt ähnlich wie in den meisten Arten der Gattung Laterallus. Im Großen und Ganzen klingt der Gesang melodischer als beispielsweise bei der Amazonasralle (Laterallus exilis) oder der Amazonienralle (Rufirallus viridis). Zu ihren Rufen gehören hoch klingende Rufe und ein kurzer triiing-Ton, sowie ein rauer absteigender tschrir-Ton.[1]

Unterarten

Es sind folgende Unterarten bekannt:[2]

  • Laterallus melanophaius oenops (Sclater, PL & Salvin, 1880)[3] kommt im südöstlichen Kolumbien, dem östlichen Ecuador und dem östlichen Peru sowie dem westlichen Brasilien vor. Die Unterart ähnelt der Nominatform, doch ist die Oberseite blasser. Der vordere Oberkopf und der Bereich hinter dem Auge ist rötlich bzw. stark ausgewaschen rötlich.[1]
  • Laterallus melanophaius melanophaius (Vieillot, 1819)[4] ist im nordöstlichen Venezuela über Suriname südlich bis ins nördliche Argentinien verbreitet.

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung der Rothalsralle erfolgte 1819 durch Louis Pierre Vieillot unter dem wissenschaftlichen Namen Rallus melanophaius. Das Typusexemplar stammte aus Paraguay, wobei Vieillot sich auf Ypacahá del pardo obscuro[5] von Félix de Azara bezog.[4] 1855 führte George Robert Gray die neue Gattung Laterallus ein.[6][A 1] Allerdings referenzierte Gray auf Laterallus Bonaparte, 1854)[7]. Bonapartes Name muss als Nomen nudum nach den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur betrachtet werden, da Bonaparte weder eine Art für die Gattung nannte, noch eine Beschreibung der Charakteristika des Vogels. Eine weitere Problematik hinsichtlich des Gattungsnamens analysierte James Lee Peters[8], der Laterallus Priorität über Creciscus Cabanis, 1857 zusprach. Dieser Begriff ist ein Wortgebilde aus lateinisch lateralis, latus an der Seite, Seite und vermutlich dem Französischen Rasle, Râle für die Ralle.[9] Der Artname melanophaius ist ein Wortgebilde aus μελας, μελανος melas, melanos, deutsch schwarz und φαιος phaios, deutsch grau.[10] Oenops leitet sich von οινος, ωψ, ωπος oinos, ōps, ōpos, deutsch Wein, Auge ab. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay einen Balg, gesammelt von Georg Wieninger in Bernalcue und Concepción, zur Verfügung. In der Literatur sah er nur Referenzen auf Azara. Laubmann verwies darauf, dass Carl Eduard Hellmayr Crex lateralis Lichtenstein, 1823[11] als potentielle Unterart betrachtete.[12] Creciscus melanophaius macconnellli Cubb, 1916[13] wurde von Hellmayr als Synonym zur Nominatform betrachtet.[14] Lateralis bedeutet lateinisch lateralis, latus an der Seite, Seite.[15] Macconnelli ist Frederick Vavasour McConnell (1868–1914) gewidmet.[16]

Literatur

  • Félix de Azara: Apuntamientos para la historia natural de los páxaros del Paragüay y Rio de la Plata. Band 3. Impr. de la viuda de Ibarra, Madrid 1805 (biodiversitylibrary.org).
  • Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte: Conspectus systematis ornithologæ. In: Annales des sciences naturelles cmprenant la Zoologie, La Botanique, l'Anatomie et la Physiologie comparée des deux régnes et l'Histoire des corsps organisés fossiles (= 4 Zoologie. Band 1). 1854, S. 105–152 (biodiversitylibrary.org).
  • Charles Chubb mit Vorwort von Mrs. Helen McConnell geb. Mackenzie: The birds of British Guiana, based on the collection of Frederick Vavasour McConnell, Campfield Place Hatfield Herts. Band 1. Bernhard Quaritch, London 1916 (biodiversitylibrary.org).
  • George Robert Gray: Catalogue of the genera and subgenera of birds contained in the British Museum. Printed by order of the Trustees, London 1855 (biodiversitylibrary.org).
  • Carl Eduard Hellmayr: A contribution to the ornithology of north-eastern Brazil. In: Field Museum Natural History Publications (Publication 255) (= Zoological Series). Band 12, Nr. 18, 1929, S. 235–501 (biodiversitylibrary.org).
  • Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 109–110 (google.de).
  • Martin Hinrich Lichtenstein: Verzeichniss der Doubletten des Zoologischen Museums der Königl. Universität zu Berlin : nebst Beschreibung vieler bisher unbekannter Arten von Säugethieren, Vögeln, Amphibien und Fischen. In Commission bei T. Trautwein, Berlin 1823 (biodiversitylibrary.org).
  • James Lee Peters: Laterallus Gray antedates Creciscus Cabanis. In: Proceedings of the Biological Society of Washington. Band 45, 1932, S. 119120 (biodiversitylibrary.org).
  • Thomas Scott Schulenberg: Rufous-sided Crake (Laterallus melanophaius). In: Thomas Scott Schulenberg (Hrsg.): Birds of the World. Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY 2020, doi:10.2173/bow.ruscra1.01 (englisch).
  • Philip Lutley Sclater, Osbert Salvin: On new birds collected by Mr. C. Buckley in Eastern Ecuador. In: Proceedings of Scientific Meetings of the Zoological Society of London for the Year 1876. 1880, S. 155–161 (biodiversitylibrary.org).
  • Louis Pierre Vieillot: Nouveau dictionnaire d'histoire naturelle, appliquée aux arts, à l'agriculture, à l'économie rurale et domestique, à la médecine, etc. Par une société de naturalistes et d'agriculteurs. Band 28. Deterville, Paris 1819 (biodiversitylibrary.org).

Einzelnachweise

Anmerkungen

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