Roy Ascott

englischer Cyberkunst-Künstler From Wikipedia, the free encyclopedia

Roy Ascott FRSA (* 26. Oktober 1934 in Bath) ist ein britischer Künstler.

Roy Ascott

Roay Ascott beschäftigt sich mit Kybernetik und Telematik in einer Kunstform, die er als „Technoetik“ bezeichnet, wobei er den Fokus auf die Auswirkungen digitaler und telekommunikativer Netzwerke auf das Bewusstsein legt. Seit den 1960er Jahren widmet sich Ascott der interaktiven Computerkunst, der elektronischen Kunst, der kybernetischen Kunst und der telematischen Kunst.

Ascott stellte international aus, unter anderem auf den Biennalen von Venedig und Shanghai, und seine Werke befinden sich in den Sammlungen der Tate Britain und des Arts Council England. Ars Electronica würdigt ihn als „visionären Pionier der Medienkunst“ und er gilt weithin als radikaler Innovator in der Kunstpädagogik und -forschung. Er hat führende akademische Positionen in England, Europa, Nordamerika und China bekleidet. Derzeit leitet er sein „Technoetic Arts“-Studio in Shanghai[1] und steht an der Spitze des Planetary Collegium. Im Jahr 2018 war er Gegenstand eines Artikels in der Zeitschrift Cybernetics & Human Knowing: A Journal of Second Order Cybernetics, Autopoiesis and Cybersemiotics mit dem Titel „A Tribute to the Messenger Shaman: Roy Ascott”.[2] Dr. Kate Sloans umfassende Studie über sein Frühwerk „Art, Cybernetics and Pedagogy in Post-War Britain: Roy Ascott’s Groundcourse“ wurde 2019 bei Routledge veröffentlicht.[3] Im Jahr 2025 war Ascott Gegenstand eines ausführlichen Interviews im Artforum, das von Hans-Ulrich Obrist geführt wurde.[4]

Ascott ist Präsident des Planetary Collegium, Professor für Technoethische Künste an der University of Plymouth sowie De Tao Master of Technoetic Arts an der De Tao Masters Academy in Shanghai. Darüber hinaus ist er leitender Experte am Institut für Innovation in der Bildenden Kunst an der Central Academy of Fine Arts Beijing. Er ist Gründungsherausgeber der Forschungszeitschrift Technoetic Arts, Ehrenredakteur des Leonardo Journal und Autor des bei der University of California Press erschienenen Buches Telematic Embrace: Visionary Theories of Art, Technology and Consciousness.[1]

Leben

Roy Ascott wurde in Bath, England, geboren. Er besuchte die City of Bath Boys’ School. Seinen Wehrdienst leistete er als Pilot Officer im RAF Fighter Command, wo er mit Radarverteidigungssystemen arbeitete.[5] Er studierte von 1955 bis 1959 Bildende Kunst am King’s College der University of Durham (heute Newcastle University) bei Victor Pasmore und Richard Hamilton sowie Kunstgeschichte bei Lawrence Gowing und Quentin Bell. 1959 wurde ihm der Abschluss B.A. Hons Fine Art, Dunelm verliehen.[5] Nach seinem Abschluss wurde er zum Studio Demonstrator ernannt (1959–61). Anschließend zog er nach London, wo er den radikalen Groundcourse am Ealing Art College ins Leben rief, den er später am Ipswich Civic College in Suffolk etablierte, wobei er mit Künstler-Dozenten wie Anthony Benjamin, Bernard Cohen, R. B. Kitaj, Brian Wall, Harold Cohen und Peter Startup zusammenarbeitete.[5] Für die Entwicklung seines Verständnisses der Kybernetik war seine Freundschaft mit Gordon Pask von großer Bedeutung. Zu den namhaften Absolventen des Groundcourse zählen Brian Eno, Pete Townshend, Stephen Willats und Michael English.[5]

Ascott lehrte in London Ealing und war in den 1960er Jahren als Gastdozent an anderen Kunsthochschulen in London tätig.[6] Anschließend war er für kurze Zeit Präsident des Ontario College of Art, der heutigen OCAD University in Toronto. Danach hatte er einen Lehrstuhl für Bildende Kunst am Minneapolis College of Art and Design inne, bevor er in den 1970er Jahren als Vizepräsident und Dekan an das San Francisco Art Institute in Kalifornien wechselte.[7] In den 1980er Jahren war er Professor für Kommunikationstheorie an der Universität für angewandte Kunst Wien,[8] in den 1990er Jahren Professor für Technoethische Künste an der University of Wales, Newport. Dort gründete er das „Centre for Advanced Inquiry in the Interactive Arts“. 2003 gründete er das Planetary Collegium.[8]

Ascott wurde 2014 mit der Goldenen Nica des Prix Ars Electronica als „Visionärer Pionier der Medienkunst“ ausgezeichnet. Der Preis wird an „Männer und Frauen verliehen, deren künstlerische, technologische und gesellschaftliche Leistungen die Entwicklung neuer künstlerischer Richtungen entscheidend beeinflusst und vorangetrieben haben“. Er ist Ehrendoktor der Ionischen Universität auf Korfu, Griechenland, sowie Ehrenprofessor an der Universität Aalborg in Kopenhagen und der University of West London.[6]

Lehre und Forschung

Er hat Organisationen im Bereich der neuen Medienkunst in Brasilien, Japan, Korea, Europa und Nordamerika sowie die UNESCO beraten und war Gastprofessor (VI) für Design Media Arts der University of California, Los Angeles (2003–2007) an der UCLA School of the Arts.[9] Ascott war internationaler Kommissar für die XLII. Biennale von Venedig 1986 (Planetary Network und Laboratorio Ubiqua).[10]

Planetary Collegium

Er ist Gründungspräsident des Planetary Collegium, einem 1994 von ihm ins Leben gerufenen Forschungszentrum für fortgeschrittene Kunst. Der Hauptsitz des Collegiums befindet sich derzeit an der University of Plymouth im Vereinigten Königreich, es gibt außerdem Außenstellen in China, Griechenland, Italien und der Schweiz. Im März 2012 wurde er zum „De Tao Master of Technoetic Arts“ an der DTMA ernannt. Dabei handelt es sich um eine hochrangige, multidisziplinäre und kreativitätsorientierte Hochschule in Shanghai, China.[11] Im Jahr 2014 gründete er das Ascott Technoetic Arts Studio an der DTMA,[1] und rief den gemeinsam mit dem Shanghai Institute of Visual Art angebotenen Masterstudiengang „Technoetic Arts“ ins Leben. Der DeTao-Knotenpunkt des Planetary Collegium wurde 2015 gegründet. Er ist Ehrendoktor der Ionischen Universität auf Korfu, Griechenland.[1]

Kunst

Bei seiner ersten Ausstellung im Jahr 1964 in der Molton Gallery in London zeigte er die Werke „Analogue Structures and Diagram Boxes“. Letztere bestanden aus aleatorischen Gemälden und anderen Werken aus Holz, Plexiglas und Glas, die auf Zufallsprinzipien basierten.[12]

1964 veröffentlichte Ascott den Artikel „Behaviourist Art and the Cybernetic Vision“ im Journal Cybernetica der International Association for Cybernetics (Namur). 1968 wurde er auf Vorschlag von Gordon Pask zum assoziierten Mitglied des Instituts of Computer Science in London gewählt und 1972 zum Fellow der Royal Society of Arts.[12][1]

Interaktive Computerkunst

Seit den 1960er Jahren beschäftigt sich Ascott mit interaktiver Kunst, Computerkunst, Telematikkunst und Systemkunst.[13] Ascott schuf einen theoretischen Rahmen für die Auseinandersetzung mit interaktiven Kunstwerken, der bestimmte Merkmale von Dadaismus, Surrealismus, Fluxus, Happenings und Pop Art mit der Wissenschaft der Kybernetik verband.[14][15] Er wurde zudem von den Schriften von Gordon Pask, Stafford Beer, William Ross Ashby und F.H. George beeinflusst.[16]

Internationale Ausstellungen

Ascott hat auf der Biennale in Venedig, der Biennale in Shanghai, bei Electra Paris, bei Ars Electronica, am V2 Institute for the Unstable Media, auf der Triennale in Mailand, der Biennale do Mercosul in Brasilien, beim European Media Festival und bei gr2000az in Graz, Österreich, ausgestellt. Sein erstes telematisches Projekt war La Plissure du Texte (1983), ein Online-Werk mit „verteilter Urheberschaft“, an dem Künstler aus aller Welt beteiligt waren.[12] Das zweite war sein „Gesamtdatenwerk“ Aspects of Gaia: Digital Pathways across the Whole Earth (1989), eine Installation für das Ars Electronica Festival in Linz, die unter anderem von Matthew Wilson Smith in The Total Work of Art: from Bayreuth to Cyberspace, New York: Routledge, 2007, besprochen wurde.

Retrospektive Ausstellungen seines Werks wurden im Mai 2009 im Plymouth Arts Centre in England, im September 2010 auf dem Incheon International Digital Arts Festival in Incheon, Südkorea, und 2011 im SPACE (Studios) in Hackney, London, gezeigt. Syncretic Cybernetics, eine umfassende Ausstellung seiner Werke, war Teil der 9. Shanghai Biennale 2012. Roy Ascott: The Analogues (mit seinen Werken aus den 1960er Jahren) wurde vom Juli bis September 2013 im Plug-in Institute of Contemporary Arts in Winnipeg gezeigt.[17] Im September 2014 wurde anlässlich seiner Auszeichnung mit der Goldenen Nica der Ars Electronica eine kleine Retrospektive seiner Arbeiten in Linz gezeigt.[18] Er sprach über seine Arbeit im Geran TV.[19]

Das bahnbrechende Werk „Video-Roget“[20] aus dem Jahr 1962 wurde 2014 von der Tate Gallery in London für ihre ständige Sammlung erworben. Zwei Schlüsselwerke waren 2016 in der Ausstellung „Electronic Superhighway“ in der Whitechapel Gallery in London zu sehen.[21] Die Ausstellung „Art in Europe 1945–68“, die von Oktober 2016 bis Januar 2017 im ZKM in Karlsruhe zu sehen war, umfasste sein Werk „Change-painting 1966“.[22] Seine frühen Arbeiten standen im Mittelpunkt der Ausstellung „Roy Ascott: Form has Behaviour“, die von Januar bis April 2017 im Henry Moore Institute in Leeds gezeigt wurde.[23]

Bücher von Roy Ascott

  • Roy Ascott: The Future is Now: Art, Technology, and Consciousness. Gold Wall Press, Beijing 2012 (englisch).]
  • Roy Ascott: Telematic Embrace: Visionary Theories of Art, Technology, and Consciousness. Hrsg. und Einführung von Edward A. Shanken. Berkeley: University of California Press, 2003 (englisch).
  • Roy Ascott: Technoetic Arts. In: Institute of Media Art, Yonsei University (Hrsg.): Media & Art. Series no. 6. Yonsei University Press, Yonsei 2002 (englisch).
  • Roy Ascott: Art & Telematics: toward the Construction of New Aesthetics. NTT Publishing Co., Tokyo 1998 (englisch).

Bücher von Roy Ascott herausgegeben

  • Roy Ascott, L. M. Girao (Hrsg.): Presence in the Mindfield: art, identity, and the technology of transformation. Universidade de Aveiro, Aveiro, Portugal 2011 (englisch).
  • Roy Ascott, E. Gangvik, M. Jahrmann (Hrsg.): Making Reality Really Real. TEKS, Trondheim 2010 (englisch).
  • Roy Ascott, G. Bast, W. Fiel W. (Hrsg.): New Realities: Being Syncreti. Springer, Wien 2009 (englisch).
  • Roy Ascott (Hrsg.): Engineered Nature: art and consciousness in the post-biological era. Intellect Books, Bristol 2006 (englisch).
  • Roy Ascott (Hrsg.): Art Technology Consciousness. Intellect Books, Exeter 2000 (englisch).
  • Roy Ascott (Hrsg.): Reframing Consciousness. Intellect Books, Exeter 1999 (englisch).

Einzelnachweise

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