Rudolf Bernauer
österreichischer Chanson-Autor, Operetten-Librettist und Theaterdirektor
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Rudolf Bernauer (geboren 20. Jänner 1880 in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben 27. November[1] 1953 in London) war Chanson-Autor, Operetten-Librettist, Theaterdirektor, Filmregisseur und Drehbuchautor.

Leben
Bernauers Vater Josef stammte aus Budapest und war Ungar, Rudolf Bernauer wurde 1920 Deutscher. Nach seiner Flucht 1933 aus dem Deutschen Reich wurde ihm die Staatsbürgerschaft entzogen. 1905 heiratete er in Berlin die Opernsängerin Henriette Königstein (Künstlername Henny Remilly, * 1879 in Wien; † 1913 in Berlin),[2] sie hatten den Sohn Emmerich Bernauer (1906–1996).[3] 1919 heiratete er in zweiter Ehe Emmy Erb (* 1887 in Wittenberge; † 1969 in Hendon, London),[4] mit ihr hatte er die Tochter Agnes Bernelle.
Bernauer gab sein Debüt als Schauspieler 1900 am Deutschen Theater in Berlin. 1907 übernahm er mit Carl Meinhard das Berliner Theater, dazu 1911 das Hebbel-Theater und 1913 das Komödienhaus. Schließlich wurde er Eigentümer des Theaters am Nollendorfplatz.
Bernauer schrieb Texte für die Wiener Operette Der tapfere Soldat (1908) sowie für die Berliner Operetten Der liebe Augustin (1912), Wie einst im Mai (1913), Die wunderliche Geschichte des Kapellmeisters Kreisler (1922), wofür er eine eigene Simultanbühne („Kreislerbühne“) entwickelte, und Kreislers Eckfenster (1923).
Zu seinen Liedern zählen Die Männer sind alle Verbrecher …, Untern Linden, untern Linden, Es war in Schöneberg im Monat Mai und das von Kurt Tucholsky als „klassisches Berliner Couplet“ gewürdigte Und Meyer sieht mich freundlich an. 1924 gab er alle seine Bühnen auf, 1935 emigrierte er nach London. Er verfügte am Viktoria-Luise-Platz 1 in Berlin-Schöneberg über eine große Wohnung, die jedoch im Krieg zerstört wurde. Am Neubau des Gebäudes erinnert seit 1998 eine Berliner Gedenktafel an ihn.[5]
Er inszenierte insgesamt zwei Filme, schrieb aber Drehbücher und Texte zu einigen weiteren Filmen.
Als Grabstätte ist der II. Städtischer Friedhof Eythstraße in Berlin-Schöneberg nachgeweisen.[6]
Filmografie
als Drehbuchautor und Textschreiber (Auswahl):
- The Chocolate Soldier (USA 1915; Operettentext)
- Bummelstudenten (D 1917)
- The Garden of Eden / Der Garten Eden (USA 1928)
- Geld auf der Straße (Ö 1930)
- Ihre Majestät die Liebe (D 1931)
- Der Herr Bürovorsteher (D 1931)
- Salto in die Seligkeit (Ö 1934)
- Under Secret Orders (GB 1937)
- Vadertje Langbeen (NL 1938; Szenario)
- Duchácek to zarídí (CZ 1938)
- Money for Jam (GB 1939)
- Der Hutmacher und sein Schloß (Hatter’s Castle) (GB 1941)
- Give me the Stars (GB 1945)

als Regisseur:
- Ausflug ins Leben (1931)
- Goldblondes Mädchen, ich schenk Dir mein Herz (1932)
Autobiographie
- Das Theater meines Lebens: Erinnerungen. Blanvalet, Berlin 1955.[7]
Literatur
- Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1: A–K. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, DNB 453960286.
- Hans Giebisch, Gustav Gugitz: Bio-bibliographisches Literaturlexikon Österreichs. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hollinek, Wien 1964, S. 26–27.
- Bernauer, Rudolf. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 2: Bend–Bins. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München 1993, ISBN 3-598-22682-9, S. 225–231.
- Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band II, 1. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 95f.
- Kay Weniger: 'Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …'. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. S. 100, ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8
Weblinks
- Rudolf Bernauer bei IMDb
- Literatur von und über Rudolf Bernauer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Rudolf-Bernauer-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin