Rudolf Penka
deutscher Schauspieler und Regisseur
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Rudolf Penka, auch Rudi Penka (geboren am 29. März 1923 in Moravská Třebová, ČSR; gestorben am 16. Januar 1990 in Berlin), war ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Direktor der Staatlichen Schauspielschule Berlin (heute: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch).[1] Seine Ausbildungsmethoden erfuhren internationale Resonanz und er gilt als einer der bedeutendsten Schauspielpädagogen der DDR.
Leben und Wirken
Rudolf Penkas Eltern waren Weber, sein Vater war Mitbegründer der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ). Er besuchte die Volksschule und anschließend bis 1939 das Staatsrealgymnasium in Moravská Třebová. 1933 trat Penka den Roten Falken bei, 1938 dem Kommunistischen Jugendverband der ČSR. Im selben Jahr wurde Penka aus politischen Gründen von der Schule verwiesen und sein Vater verhaftet. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1939 verdiente sich Penka seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeit u. a. als Kraftfahrer, Bau- und Speditionsarbeiter und war außerdem in einer antifaschistischen Widerstandsgruppe u. a. als Kurier tätig. 1941 wurde Penka zum Reichsarbeitsdienst einberufen und im Frühjahr 1942 zur Wehrmacht nach Hirschberg eingezogen. Im Dezember desselben Jahres wurde er verhaftet und anschließend durch das Kriegsgericht Liegnitz wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zu zwei Jahren Haft verurteilt, die er als sogenannte Frontbewährung im Strafbataillon der 17. Panzer-Division ableisten musste. Im Frühjahr 1945 kam Penka in sowjetische Kriegsgefangenschaft und war bis zu seiner Entlassung als Dolmetscher im Kriegsgefangenenlager Kowel tätig.[1][2.1]
Nach seiner Entlassung im Frühjahr 1946 wurde Rudi Penka nach Reichenbach im Vogtland in der Sowjetischen Besatzungszone umgesiedelt und trat im selben Jahr in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands ein. 1946/47 besuchte er die Vorstudienanstalt in Plauen und nahm anschließend bis 1950 ein Studium der Germanistik, Geschichte und Publizistik an der Universität Leipzig auf. Während seiner Studienzeit in Leipzig war er Leiter des dortigen Studententheaters und wurde 1950 zum Studium der Schauspielkunst an das Deutsche Theater-Institut in Weimar delegiert. Nach erfolgreichem Abschluss seines Schauspielstudiums war er 1953 bis 1955 an den Städtischen Bühnen Erfurt als Schauspieler engagiert. Sein theaterpädagogisches Talent hatte sich schon während des Studiums gezeigt.[3] 1955 bis 1959 war er dann Dozent und Abteilungsleiter für Schauspiel an der Theaterhochschule Leipzig und spielte gleichzeitig am Theater der Jungen Welt. Am Deutschen Nationaltheater Weimar, wo Rudi Penka 1959/60 für eine Spielzeit als Regisseur und Schauspieler war, leitete er auch ein Studio mit Laiendarstellern.[1]
Zum 15. Oktober 1960 wurde Penka zunächst als stellvertretender Direktor an die Staatliche Schauspielschule Berlin berufen und löste 1962 Wolfgang Heinz als Direktor ab. Unter Penka konnten zunehmend auch Mitarbeitende des Berliner Ensembles als Lehrende für die Schauspielschule gewonnen werden.[4] In seiner dreizehnjährigen Amtszeit als Direktor etablierte Penka in der Ausbildungspraxis eine Verbindung schauspielmethodischer Ansätze von Konstantin Stanislawski und Bertolt Brecht, auf die sich die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch bis heute beruft.[5] Hierzu unternahm er zwischen 1962 und 1964 mehrere Reisen an die Russischen Akademie für Theaterkunst (GITIS) in Moskau und das Leningrader Institut für Theater, Musik und Kinematographie (LGITMiK), um die dortigen Lehrpläne und Unterrichtsmethoden kennenzulernen und zu vergleichen.[6] Auf dieser Grundlage überarbeitete er mit Unterstützung u. a. von Heinz Hellmich und Veronika Drogi den Lehrplan an der Staatlichen Schauspielschule Berlin:[7] Zu den bedeutendsten Neuerungen gehörten die Etablierung eines Grundlagenseminars[3] im ersten Studienjahr und die Weiterentwicklung des sogenannten Stanislawski-Seminars zum Improvisationsseminar.[8] Unter seiner Leitung begann die Schauspielschule zudem ab 1964 das bat-Studiotheater für Studioinszenierungen der jeweiligen Abschlussjahrgänge zu nutzen:[4] u. a. 1964 Mann ist Mann von Bertolt Brecht (Regie: Uta Birnbaum)[9], 1966 Der Schuhu und die fliegende Prinzessin von Peter Hacks (Regie: Uta Birnbaum)[10]. 1966 wurde Penka zum Professor ernannt.[8]
Internationale Anerkennung erfuhren Penka, die Staatliche Schauspielschule Berlin und ihre Ausbildungspraxis auf einem Symposium zur Schauspielausbildung, das 1967 in Stockholm vom Internationalen Theaterinstitut ausgerichtet wurde. Die teilnehmenden Schulen (Central School of Speech and Drama London, École supérieure d'art dramatique de Strasbourg, Staatliche Schauspielschule Berlin, Akademie für Theater, Film, Radio und Fernsehen Belgrad, Staatliche Schauspielschule Stockholm) sollten zwei einstudierte Szenen und schauspielmethodische Übungen vorführen. Berlin zeigte Szenen aus Herr Puntila und sein Knecht Matti von Bertolt Brecht (Regie: Hans-Georg Voigt) und aus Der Heiratsantrag von Anton Tschechow (Regie: Rudolf Penka), die großen Anklang fanden.[6] Die Berliner Beiträge wurden 1969 im Stockholmer Protokoll mit einer aufwendigen fotografischen Dokumentation von Hans Pölkow beim Henschelverlag veröffentlicht. Rudi Penka pflegte seit dem Symposium einen regen internationalen Austausch und wurde regelmäßig als Gastredner, Gastdozent und Gastregisseur u. a. nach Schweden, Finnland, Norwegen und Rumänien eingeladen.
Rudolf Penka baute auch den „schauspielmethodischen Unterricht für Regisseure“ am 1974 gegründeten Institut für Schauspielregie auf, das 1981 der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ als Abteilung eingegliedert wurde.[11] 1975 wurde Penka durch Hans-Peter Minetti als Direktor abgelöst, unterrichtete aber weiterhin an der Staatlichen Schauspielschule Berlin, ab 1981 als ordentlicher Professor an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ bis zu seiner Emeritierung 1988. Zusammen mit Gerhard Ebert gab Penka 1981 das Handbuch der Schauspiel-Ausbildung heraus, das Beiträge aus 30 Jahre Unterrichtserfahrung an der Staatlichen Schauspielschule Berlin von Lehrenden wie Ottofritz Gaillard, Heinz Hellmich, Veronika Drogi, Getrud-Elisabeth Zillmer, Hildegard Buchwald-Wegeleben versammelt.
Penka arbeitete in den 80er-Jahren bis zu seinem Tod 1990 mit dem Fria Teatern in Stockholm zusammen, das sich bis heute auf ihn als „künstlerischen Vater“ und auf seine „Ideen zu einem menschlichen Theater und zur Kunst als Verteidigerin humanistischer Werte“ beruft.[12] Seine Regiearbeit an Anne Franks dagbok (Das Tagebuch der Anne Frank) wurde durch den Dokumentarfilm Den Mänskliga Teatern (Das menschliche Theater, Regie: Ulf Hultberg, Sveriges Television, 1988) gewürdigt.
Regie
- 1960: Studentenkomödie von Gustav von Wangenheim, Deutsches Nationaltheater Weimar, Bühnenbild: Franz Havemann, Kostüme: Ingrid Rahaus[13]
- 1967: Mond von links von Vladimir N. Bill'-Belocerkovskij, bat-Studiotheater, Übersetzung: Kurt Seeger, Musik: Maria Krebs, Bühnenbild und Kostüme: Helga Leue, Dramaturgie und Liedtexte: Monika Maron, Schauspiel: u. a. Elke Brosch, Jürgen Reuter, Sigrid Skoetz, Gerd Kießling, Monika Pietsch, Christian Grashof, Uwe Kockisch, Manfred Richter, Horst Krause, Hans-Joachim Leschnitz[14]
- 1972: Herr Puntila und sein Knecht Matti von Bertolt Brecht zus. mit Hella Wuolijoki, bat-Studiotheater, Musik: Paul Dessau, Bühnenbild und Kostüme: Udo Genschmer, Schauspiel: u. a. Hansjürgen Hürrig, Katarina Tomaschewsky, Gösta Knothe, Walter Plathe, Bernd Stichler, Karin Oehme, Christina Lehmann, Jalda Rebling, Stefan Staudinger, Wolfgang Brumm[15]
- 1976: Die Schrankkomödie von Friedrich Wolf (Uraufführung), Deutsches Staatstheater Temeswar[16]
- 1976: Gruffet i Chiozza (Krach in Chiozza) von Carlo Goldoni, Staatliche Schauspielschule Stockholm, Dramatiska Institutet[2.2]
- 1978: Kavaluus ja rakkaus (Kabale und Liebe) von Friedrich Schiller, Tikapuuteatteri, Theaterschule Helsinki (heute: Theaterakademie Helsinki)[2.3]
- 1984: Bråk i Chiozza (Krach in Chiozza) von Carlo Goldoni, Staatliche Theaterschule Oslo[17]
- 1988: Anne Franks dagbok (Das Tagebuch der Anne Frank) von Francis Goodrich und Albert Hackett, Fria Teatern Stockholm[18]
- 1990: Utsikt från en bro (Ein Blick von der Brücke) von Arthur Miller, Fria Teatern Stockholm[19]
Publikationen
- Stockholmer Protokoll – Szenen, Beschreibungen, Analysen, Übungen. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1969 (hrsg. mit Gerhard Piens, Hans-Georg Voigt, Heinz Hellmich).
- Schauspielen – Handbuch der Schauspieler-Ausbildung. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1981 (hrsg. mit Gerhard Ebert), ISBN 3-89487-294-2.
Weblinks
- Rudi Penka bei IMDb
- Rudi Penka bei filmportal.de
- Biografische Angaben zu Rudolf Penka aus dem Handbuch Wer war wer in der DDR?