Rudolf Stahlecker

deutscher Biologielehrer, Geologe und Wirbeltierpaläontologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Rudolf Eugen Stahlecker (* 25. November 1898 in Sternenfels bei Pforzheim; † 26. Oktober 1977 in Urach) war ein deutscher Lehrer, Geologe und Wirbeltierpaläontologe.

Leben

Rudolf Stahlecker war das erste von vier Kindern des Sternenfelser Pfarrers und späteren Oberstudiendirektors Paul Eugen Stahlecker (1867–1946) und seiner Ehefrau Anna, geb. Zaiser (1872–1932). Stahlecker wuchs ab seinem 8. Lebensjahr in Tübingen auf, nachdem sein Vater die Leitung der dortigen Mädchenrealschule übernommen hatte. Er studierte bei dem deutsch-baltischen Paläontologen Friedrich von Huene an der Universität Tübingen. Er war seit 1918 Mitglied der Studentenverbindung Lichtenstein Tübingen, der auch sein Vater und seine Brüder Walter und Gerhard angehörten.[1] Er trat 1922 der NSDAP bei und im Jahr darauf wieder aus. Er nahm 1928 und 1929 an Expeditionen im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul teil, um dort Fossilien zu sammeln. Er sammelte außerdem auch Fossilien in Argentinien.

Ihm zu Ehren erhielt Stahleckeria potens ihren Namen. Die fossilen Überreste dieses Dicynodontiers wurden bei São Pedro do Sul in der paläontologischen Fundstätte Chiniquá von Stahlecker entdeckt und in mühevoller Arbeit ausgegraben.

Nach seiner Promotion 1925 wurde Stahlecker nicht Wissenschaftler, sondern Lehrer. Er absolvierte 1926–28 die beiden Dienstprüfungen für das höhere Lehramt und wurde nach der Expedition nach Brasilien zunächst Biologielehrer an einem Stuttgarter Gymnasium. „Der Führer will das Volk lehren, wieder biologisch zu denken, wir Naturwissenschaftler müssen hier seine ersten Mitarbeiter sein“, verbreitete er als seine Devise. Zum 1. Mai 1933 trat er erneut der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.925.857).[2] Vier Jahre später, am 3. April 1937 wurde er auch Mitglied der SS (SS-Nummer 291.174). Zu diesem Zeitpunkt wurde er Leiter der Deutschen Heimschule für Jungen in Nürtingen, einer NAPOLA ähnlichen Einrichtung, die in den Räumen des zuvor geschlossenen Lehrerseminars Nürtingen untergebracht wurde. Diese Position hatte er bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs inne.

Nach Kriegsende war Stahlecker bis zum 3. Januar 1949 interniert, zunächst in der amerikanischen, dann in der französischen Zone in Balingen. Er musste also einige Jahre als Pädagoge pausieren, obwohl er als Biologielehrer nicht so intensiv in den Nationalsozialismus involviert war wie sein jüngerer Bruder, der SS-Brigadeführer und Befehlshaber der Einsatzgruppe A Walter Stahlecker.[3]

Bis Mai 1949 war er Werkgeologe im Ölschieferwerk Frommern, danach arbeitete er im Auftrag des Geologischen Amtes Tübingen. Zum Schuljahr 1950 kehrte Stahlecker in den Schuldienst zurück. Bis zu seiner Pensionierung wirkte er am Stuttgarter Schickardt-Gymnasium.

Werke

  • Von Vater Kotzdes Leben und Schaffen, Kanzlei der Adler und Falken, Tübingen 1924.
  • Brauner Jura und Tektonik im Kirchheim-Uracher Vulkangebiet. Schweizerbart, Stuttgart 1926.
  • zusammen mit Friedrich von Huene: Geologische Beobachtungen in Rio Grande do Sul. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie. Band 65, 1931, S. 1–82.
  • Eine soziologische Untersuchung. Lebensverhältnisse in den Jahren 1940-1950 bei 120 Stuttgarter Oberschülern, Villingen-Schwnningen 1952.

Literatur

  • Antônio Isaia: Os Fascinantes Caminhos da Paleontologia. Pallotti Verlag (in Portugiesisch).
  • Romeu Beltrão: Cronologia Histórica de Santa Maria e do extinto município de São Martinho. 1787–1933. Band I. Pallotti Verlag, 1958. (in Portugiesisch).
  • Petra Garski-Hoffmann: Nürtingen 1918–1950, Stuttgart 2011.
Commons: Rudolf Stahlecker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI