Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas!“

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Die Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas“ macht seit 2008 auf die gravierenden Folgen von überhöhter Geschwindigkeit im Straßenverkehr aufmerksam. Seit 2011 wurde der Fokus der Kampagne erweitert und umfasst nun auch andere wesentliche Unfallursachen wie Alkohol am Steuer, Ablenkung, gefährliches Überholen und unzureichenden Sicherheitsabstand sowie spezifische Risiken für schwächere Verkehrsteilnehmende wie Radfahrerinnen und Radfahrer oder Fußgängerinnen und Fußgänger. Ziel der Kampagne des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) e. V. ist es, die Zahl der Unfallopfer in Deutschland weiter zu senken und das Bewusstsein für Gefahren im Straßenverkehr zu steigern.

Logo der Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas!“

Hintergrund

Im Jahr 2024 starben in Deutschland 2.770 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen, rund 365.000 Personen wurden verletzt. Gegenüber 2023 bedeutet dies einen Rückgang der Todesopfer um 2,4 Prozent und der Verletzten um 0,4 Prozent. Etwa 30 % der Getöteten sind auf Geschwindigkeitsunfälle zurückzuführen. 65 % der Verletzten wurden bei Unfällen innerhalb von Ortschaften verletzt, die meisten Verkehrstoten sind bei Verkehrsunfällen auf Landstraßen ums Leben gekommen.[1]

Außerorts (ohne Autobahnen) starben 2023 insgesamt 1.571 Menschen, auf Autobahnen 284 und in geschlossenen Ortschaften wurden 915 Personen bei Verkehrsunfällen getötet. 62 % der innerorts Getöteten waren ungeschützte Verkehrsteilnehmende, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs waren. Etwa 40 % der Verkehrstoten war zum Unfallzeitpunkt 65 Jahre oder älter. Im Jahr 2024 starben die meisten Seniorinnen und Senioren im Straßenverkehr als Pkw-Insassen (434), mit dem Pedelec (135) sowie mit dem Fahrrad (150). Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Kinder (unter 15 Jahren) ist von 44 in 2023 auf 53 in 2024 gestiegen.[1]

„Runter vom Gas“ soll einen Beitrag dazu leisten, die Anzahl der Verkehrstoten und Verletzten weiter zu senken, indem die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer für die Gefahren im Straßenverkehr sensibilisiert werden. Die Kampagne ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms, das der Beitrag des Bundes zur Umsetzung des „Pakts für Verkehrssicherheit“ ist. Zu diesem Maßnahmenpaket zählen unter anderem Verbesserungen der Fahrzeugsicherheit, der Infrastruktur sowie der Verkehrsüberwachung.[2]

Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, das im nationalen Verkehrssicherheitsprogramm 2021 festgelegte Ziel zu erreichen: die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 um 40 Prozent zu senken. Darüber hinaus unterstützt die Kampagne Multiplikatoren wie Verkehrswachten, Polizeien, Präventionsbeauftragte in Unternehmen oder Vereine bei ihrer Aufklärungs- und Präventionsarbeit.

Initiatoren

Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) e. V. haben die Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas“ im Jahr 2008 initiiert. Zahlreiche Partnerinnen und Partner sowie über 200 DVR-Mitglieder unterstützen die Kampagne und tragen zur breiten Bekanntmachung der Botschaften bei.

Schwerpunktthemen

Die Mehrheit der Verkehrsunfälle ist auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen (92 Prozent). Fahren mit überhöhter oder unangepasster Geschwindigkeit ist die häufigste Ursache für tödliche Verkehrsunfälle. Die Kampagne „Runter vom Gas“ zielt darauf ab, Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer für die Gefahren menschlichen Fehlverhaltens im Straßenverkehr zu sensibilisieren. Seit 2011 rückt die Kampagne daher neben unangepasster Geschwindigkeit weitere zentrale Unfallursachen in den Fokus. Dazu zählen Ablenkung, Alkohol und Drogen am Steuer, gefährliches Überholen, unzureichender Sicherheitsabstand sowie innerstädtische Unfallursachen wie Abbiegefehler.[3] Darüber hinaus sensibilisiert die Kampagne für die Anschnallpflicht in Fahrzeugen, die Nutzung von Fahrradhelmen und das Tragen gut sichtbarer Kleidung, insbesondere während der dunklen Jahreszeit.

Kooperationen und Zusammenarbeit

Die Kampagne arbeitet mit Partnern wie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Automobilclubs, Automobilherstellern, Fahrschulen, Technischen Überwachungsorganisationen und Verkehrswachten zusammen. Regelmäßig werden auch Verkehrsexpertinnen und -experten, Fachleute, die bei der Seelsorge tätig sind, die Polizei, Feuerwehr, beim Rettungsdienst oder im medizinischen Bereich arbeiten eingebunden. Für Reportagen standen auch Unfallopfer und Angehörige von Unfallopfern zur Verfügung. Auch Prominente unterstützen die Kampagne. 2016 und 2017 zählten dazu Kay One, Barbara Schöneberger, Julian Draxler, Mario Gómez, Raúl Richter, Hans-Joachim Heist und Jimmy Hartwig. Zudem kooperiert die Kampagne mit den Verkehrs- und Innenministerien der Bundesländer. So finden bundesweit zahlreiche Veranstaltungen und Präventionstage sowie Polizeikontrollen mit Aktionen und Materialien der Kampagne statt.

Maßnahmen

Autobahnplakate

Im Rahmen der Kampagne werden seit 2008 jährlich Plakate für die Autobahnen entwickelt. In Abstimmung mit dem Bundesministerium für Verkehr (BMV), der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sowie den Bundesländern ist der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR)für die bundesweite Verkehrsaufklärung an den Bundesautobahnen und Rastplätzen verantwortlich. In mehreren Bundesländern sind die Plakate auch an Landstraßen zu sehen. Die Plakate sollen Verkehrsteilnehmende für das Thema Verkehrssicherheit und auch für konkrete Unfallursachen sensibilisieren. Vor der Veröffentlichung jeder Plakatreihe erfolgt ein Pretest. So soll sichergestellt werden, dass die Motive gut verständlich und wirkungsvoll sind.

Plakatserie „Todesanzeigen“ (2008)

Die erste Plakatreihe erregte durch polarisierende Todesanzeigen mit Fotos große Aufmerksamkeit. Die Porträtfotos zeigten keine realen Unfallopfer. Die Plakate, die im März 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, führten zu Diskussionen in den Medien. Der SHZ-Verlag fragte: „Sinnvolle Provokation oder emotionale Keule?“.[4] Die Rheinische Post schrieb von einer „Schock-Kampagne gegen Raser“.[5] Die Süddeutsche Zeitung nannte die Kampagne einen „offensichtlichen Erfolg“[6] und schrieb, dass die Anzahl der Verkehrstoten 2008 auf 4.500 gesunken sei, nachdem sie vor Beginn der Kampagne noch bei 5000 gelegen habe.

Plakatserie „Unfallwracks“ (2009)

Die zweite Plakatstaffel, die im Januar 2009 erschien, zeigte Unfallwracks von Autos und Motorrädern. Die zerstörten Fahrzeuge, die abgebildet wurden, standen im starken Kontrast zu lebensbejahenden Symbolen wie Fahrzeugaufkleber mit „ABI“ und „Baby an Bord“ oder einem Luftballon mit der Aufschrift „Just Married!“.

Plakatserie „Hinterbliebene“ (2010)

Die dritte Plakatreihe stellte die Schicksale von Hinterbliebenen von Unfallopfern in den Mittelpunkt. Die Bilder zeigten Angehörige, die Fotos der Verstorbenen hielten und eindringlich für die Botschaft „Runter vom Gas“ plädierten. Auch in dieser Serie wurden keine echten Unfallopfer gezeigt.

Plakatserie „Unfallopfer“ (2011)

Die vierte Plakatserie lenkte die Aufmerksamkeit auf die Schicksale von Schwerstverletzten und deren Angehörigen. Gezeigt wurden Unfallopfer und Familien am Krankenbett. Auch hier wurden die Szenen realitätsnah nachgestellt, jedoch nicht mit tatsächlichen Betroffenen.

Plakatserie „Haftnotizen“ (2011/12)

Die fünfte und sechste Plakatserie nutzte Haftnotizen oder Zettel, um die Botschaften der Kampagne zu vermitteln. Zu sehen waren unter anderem Mitteilungen, die auf sicheres Verhalten im Straßenverkehr hinwiesen: „Anschnallen nicht vergessen“, „Lass dich nicht ablenken“ und „Fahr vorsichtig, Schatz“.

Plakatserie „Lebensretter“ (2013)

In der siebten Plakatserie wurden authentische Menschen gezeigt, die in ihrem Beruf regelmäßig mit Verkehrsunfällen zu tun haben – vom Rettungshelfer über den Feuerwehrmann bis zur Ärztin. Ihre Appelle lauteten: „Lass die Finger vom Handy!“, „Fahr immer nüchtern!“ und „Schnall dich immer an!“.

Plakatserie „Scheinbar schöne Welt“ (2014)

Die Bilder der achten Plakatserie machten deutlich, wie schnell schöne Momente durch Ablenkung oder unangepasste Geschwindigkeit ein tragisches Ende finden können. Die Motive zeigten glückliche junge Freundinnen, ein Paar oder eine junge Familie im Auto, kombiniert mit Aussagen wie „Einer drängelt, drei sterben“.

Plakatserie „Für die Liebsten“ (2015)

Diese Plakatserie bildete persönliche Gegenstände ab, die Fahrerinnen und Fahrer an die Menschen erinnern sollten, die zu Hause auf sie warten – und für die sie verantwortungsvoll fahren sollten. Zu sehen waren unter anderem ein Fußball mit Torwarthandschuhen für den Sohn, ein Ballettschuh für die Tochter oder ein Ring für die Partnerin.

Plakatserie „Weil Leben schön ist“ (2016)

Die zehnte Plakatreihe zeigte Momente des Glücks: Freunde am Strand, ein Paar an einem Bergsee und ein lachendes Baby. Die Motive sollten verdeutlichen, warum das Leben wertvoll ist und wie es durch unangepasste Geschwindigkeit gefährdet werden kann. Zum ersten Mal wurden die Plakate in einen digitalen Kontext gesetzt und von zahlreichen Onlinemaßnahmen begleitet. Nutzerinnen und Nutzer hatten die Möglichkeit, eigene Bilder schöner Momente einzusenden und an einem Fotowettbewerb teilzunehmen.

Plakatserie „Betroffene“ (2017)

Die elfte Plakatreihe thematisierte die Trauer von Angehörigen, die eine nahestehende Person bei einem Unfall verloren haben. Entsprechend enthielten die Motive eingängige und klare Aufforderungen: „Finger vom Handy!“, „Runter vom Gas!“ und „Abstand halten!“. Auch für diese Plakatstaffel wurden aus juristischen Gründen sowie aus Gründen der Pietät keine realen Unfallangehörigen fotografiert. In parallel veröffentlichten Multimedia-Reportagen schilderten tatsächliche Hinterbliebene von Unfallopfern persönliche Erfahrungen. Für die Kampagne wurde anhand von Befragungen und Studien[7] die Zahl derjenigen ermittelt, die unmittelbar von einem Unfalltod betroffen sind: durchschnittlich 113 Personen – darunter Familie, Freunde, enge Bekannte und Rettungskräfte.

Plakatserie „Ablenkung durch Smartphones“ (2018)

Die Motive der zwölften Plakatserie zeigen zerstörte Smartphones. Auf den Displays sind glückliche Personen zu sehen. Die begleitenden Beschreibungen „tipp, tipp, tot“, „Jens (26), abgelenkt durch eine SMS“ und „Marie (38), abgelenkt durch eine SMS“ heben die Gefahr durch Ablenkung im Straßenverkehr hervor.

Plakatserie „Weil der/die andere … “ (2019)

Die dreizehnte Plakatreihe erinnert mit drei Motiven an die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen und die daran geknüpften menschlichen Schicksale, die Verkehrsunfälle mit sich bringen können. Sie appelliert an die Verantwortung aller Verkehrsteilnehmenden, um solche tragischen Konsequenzen zu vermeiden.

Plakatserie „Pop Art“ (2020)

Die vierzehnte Plakatserie, gestaltet im Pop-Art-Stil der 1950er-Jahre, wirbt für eine sichere und rücksichtsvolle Teilnahme am Straßenverkehr. Die Motive zeigen zwei Verkehrsszenarien, in denen animierte Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer durch Ablenkung vom Smartphone oder Missachtung des Mindestabstands in gefährliche Situationen geraten.

Plakatserie „Einsatzkräfte schützen“ (2022)

Die fünfzehnte Plakatreihe fokussiert sich auf den Schutz von Einsatzkräften wie Straßenwärterinnen und Straßenwärtern, Rettungskräften sowie der Autobahnpolizei. Die Plakate rufen zu umsichtigem Fahrverhalten auf, besonders beim Passieren von Baustellen, bei Notfällen und bei Unfällen auf der Autobahn.

Plakatserie „#mehrAchtung“ (2023)

Die sechzehnte Plakatreihe macht auf gefährliche Situationen im Autobahnverkehr aufmerksam, in denen mehr Achtsamkeit und Rücksichtnahme gefragt sind, wie etwa Drängeln, Zeitdruck und Handynutzung. Die farbenfrohen Motive sollen Autofahrerinnen und Autofahrer nicht belehren, sondern mit einem positiven Aufruf zu mehr Rücksicht im Straßenverkehr sensibilisieren.

Plakatserie gegen Drogen und Ablenkung am Steuer (2024)

Die siebzehnte Plakatserie macht auf die Gefahren von Alkohol, Cannabis und Smartphones am Steuer aufmerksam. Die Kampagne setzt auf eindringliche Bilder und klare Botschaften, um Verkehrsteilnehmende für drei unterschiedliche Unfallursachen zu sensibilisieren. Die Botschaften sind auf englischer Sprache, um sie für eine möglichst breite Zielgruppe verständlich zu machen.

Filme

„No Answer“

2023 wurde unter dem Motto #donttextanddrive der Kurzfilm „No Answer“ auf YouTube und der Website „Runter vom Gas“ veröffentlicht. Das Video soll dafür sensibilisieren, das Handy am Steuer nicht zu benutzen.[8][9]

„Laufen lernen“

Der Werbespot „Laufen lernen“ (2019) der Kampagne „Runter vom Gas“ thematisiert die Folgen von Verkehrsunfällen. Der Spot zeigt die bewegende Lebensgeschichte eines Unfallopfers, das sich durch eine Rehabilitation zurück ins Leben kämpft.[10]

„Beauty Salon“

Im Runter vom Gas-Spot „Beauty Salon“ sehen die Zuschauerinnen und Zuschauer die erschütternde Realität eines tödlich verunglückten Unfallopfers. Ein Video, das unter die Haut geht und zum Nachdenken anregen soll.[11]

„#FingervomHandy“

Dramatische Bilder eines Autobahnunfalls im Kinospot „Finger vom Handy“ verdeutlichen die tödliche Gefahr von Smartphones am Steuer. Ein eindringlicher Appell, das Handy in der Tasche zu lassen.[12]

„Mythos Multitasking“

Der Kinospot „Mythos Multitasking“ ist der Abschluss des Videowettbewerbs #mythosmultitasking von „Runter vom Gas“ im Jahr 2016. Die Teilnehmenden sollten sich durch Bild- und Filmbeiträge auf kreative Weise mit dem Thema Multitasking auseinandersetzen. Dadurch wurde hervorgehoben, wie gefährlich es ist, mehrere Dinge gleichzeitig zu machen und abgelenkt zu sein – besonders im Straßenverkehr.[13]

„Weil Leben schön ist“

Im Interviewfilm „Weil Leben schön ist“ aus dem Jahr 2016 unterstreichen hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Popkultur die Bedeutung der Kampagne. Der damalige Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) e. V. und die damalige Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) betonen die Notwendigkeit, das Bewusstsein für die Gefahren von zu schnellem Fahren zu schärfen. Außerdem werden die neuen Autobahnplakate der Kampagne vorgestellt. Prominente unterstützen die Initiative unter dem Motto „Weil das Leben schön ist: Runter vom Gas“ und tragen so zur Verbreitung der wichtigen Botschaft bei.[14]

Online, Social Media und Materialien

Unter runtervomgas.de werden Reportagen, Trendartikel, Servicebeiträge und aktuelle Nachrichten rund um das Thema Verkehrssicherheit veröffentlicht. Nutzerinnen und Nutzer können dort Informationsmaterial herunterladen und Videos ansehen. Interaktive Module, wie die Fahrprüfung „Kein Lappen für Lappen“ mit dem Komiker Hans-Joachim Heist als Kunstfigur Gernot Hassknecht, ein Quiz zum Verständnis zwischen Pkw- und Radfahrenden oder Wettbewerbe, laden dazu ein, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Die Kampagne ist zudem auf Facebook und Instagram aktiv, wo Besucherinnen und Besucher weitere Beiträge zur Verkehrssicherheit finden. Darüber hinaus stellt „Runter vom Gas“ Aktionsmaterialien für Interessierte, Multiplikatoren und Initiatoren von Veranstaltungen im Bereich Verkehrssicherheit zur Verfügung.

Weitere Aktionen

Bundesländerpaket

Kooperationspartner der Kampagne sind auch die Innen- und Verkehrsministerien der Bundesländer. Mit Veranstaltungspaketen zu den häufigsten Unfallursachen und Informations- sowie Aktionsmaterialien wie Bannern, Postkarten und Broschüren unterstützt die Kampagne die Unfallpräventionsarbeit der Polizeien sowie andere Partnerinnen und Partnern vor Ort.

Motorradgottesdienste

„Runter vom Gas“ unterstützte von 2008 bis 2018 die jährlich stattfindenden Motorradgottesdienste (MOGO). Ab 2016 war die Foto-Bekenner-Aktion „Echte Männer rasen nicht“ beziehungsweise „Starke Frauen rasen nicht“, bei der sich Teilnehmende öffentlich zu verantwortungsvollem Fahren bekennen, fester Bestandteil dieser Veranstaltungen.

Aktion gegen Ablenkung „Mythos Multitasking“ (2016)

Viele Verkehrsunfälle mit Todesfolge gehen auf Ablenkung am Steuer zurück[15]. Um darauf aufmerksam zu machen, wurde die Aktion „Mythos Multitasking“ im Jahr 2016 ins Leben gerufen. Im Rahmen eines Foto- und Videowettbewerbs suchte die Kampagne kreative Köpfe, die sich mit dem Thema Ablenkung im Straßenverkehr auseinandersetzten.

„Kein Lappen für Lappen“ mit Gernot Hassknecht (2017)

Mit Gernot Hassknecht als „härtesten Fahrprüfer Deutschlands“ können Nutzerinnen und Nutzer in einem Onlinequiz ihr Wissen testen und Fragen der theoretischen Führerscheinprüfung beantworten. Die Ergebnisse können die Teilnehmenden anschließend in sozialen Netzwerken teilen.

Aktion gegen Ablenkung „#FingervomHandy“ (2017)

Die Aktion gegen Ablenkung 2017 fokussierte sich auf die Nutzung von Smartphones am Steuer. Texte, Fotos und GIFs machten auf die Gefahren von Ablenkung im Straßenverkehr aufmerksam und wurden unter dem Hashtag #FingervomHandy in sozialen Netzwerken verbreitet. Herzstück der Kampagne war ein Kinospot. YouTuber Oguz Yilmaz und Rapper Kay One unterstützten die Aktion.

Fahrradhelmaktion „Du bist mir nicht egal!“ (2017)

Die Aktion „Du bist mir nicht egal!“ hatte das Ziel, erwachsene Radfahrerinnen und Radfahrer dazu zu motivieren, einen Fahrradhelm zu tragen. Hintergrund war der seit Jahren rückläufige Anteil erwachsener Radfahrenden, die im Straßenverkehr einen Helm nutzen. Im Rahmen der Aktion konnten Kinder einen Gratishelm für ihre Eltern oder Großeltern gewinnen.

Mitmachaktion gegen Ablenkung (2018)

Im Rahmen der Mitmachaktion gegen Ablenkung konnten Nutzerinnen und Nutzer mithilfe eines Shareable-Generators persönliche Botschaften erstellen und in den sozialen Medien teilen, um ein Zeichen gegen Ablenkung am Steuer zu setzen.

Fahrradhelmaktion „Looks like shit. But saves my life.“ (2019)

Diese Verkehrssicherheitsaktion in Zusammenarbeit mit Starfotograf Rankin und „Germany's Next Topmodels“ zielt darauf ab, junge Radfahrende dazu zu motivieren, stets einen Fahrradhelm zu tragen – unabhängig von der Länge der Strecke. Die Kampagne umfasst Plakatmotive und einen Aufruf in sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #HelmerettenLeben. Zeitlich fiel die Ausspielung der Kampagne mit einem Anstieg der Helmtragequote in Deutschland um rund 20 Prozent zusammen[16].

Auf 180: neue Serie mit Gernot Hassknecht (2019)

In der Serie „Auf 180: besser ankommen mit Gernot Hassknecht“ gibt der aus der ZDF „heute show“ bekannte Choleriker und Komiker in drei Staffeln humorvolle Nachhilfe für Verkehrsteilnehmende. In den zwölf Videos vermittelt er auf unterhaltsame Weise wichtige Aspekte der Verkehrssicherheit.

Motorradaktion „Für eine gute Fahrt – ein Leben lang“ (2021)

Die Aktion ruft mit einem Aktionsfilm Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer zu sicherem und vorausschauendem Fahren auf. Sie gibt Tipps zur Vorbereitung auf die neue Saison und hebt die Bedeutung von Fahrsicherheitstrainings hervor.

#mehrAchtung (2023)

Die Initiative #mehrAchtung sensibilisiert für einen respektvollen Umgang im Straßenverkehr. Sie betont, dass Rücksicht und Aufmerksamkeit entscheidend dafür sind, wie sicher wir unterwegs sind – unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel.[17]

Mit Pumuckl sicher durch den Straßenverkehr (2024)

In einer Reihe von kurzen Videos lernen Nachbarskinder mit Pumuckl vor der alten Werkstatt von Meister Eder auf spielerische Weise, wie sie sicher am Straßenverkehr teilnehmen. Themen wie sicheres Spielen, Sichtbarkeit für abbiegende Fahrzeuge und Fahrradregeln für Kinder werden dabei kindgerecht vermittelt, um so auch die jüngsten Verkehrsteilnehmenden zu sensibilisieren.[18]

Bekanntheit

Laut einer weiteren Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach hatten zum Zeitpunkt der Befragung (2020) 67 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung schon einmal von der Kampagne gehört. Von den Personen, die zum Zeitpunkt der Befragung einen Führerschein besaßen, waren es sogar 74 Prozent. Diese Bekanntheitswerte bewegen sich seit 2008 mehr oder weniger auf dem gleichen Niveau. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass es der Kampagne gelingt, bei der Bevölkerung in Erinnerung zu bleiben.

Kritik

Die Kampagne „Runter vom Gas“ stieß anfangs auf Kritik. So waren insbesondere die fiktiven Todesanzeigen der ersten Plakatserie in der Öffentlichkeit umstritten. Als „perverse Autobahn-Kunst“ bezeichnet etwa der für provokative Meinungsartikel bekannte Welt-Autor Gideon Böss die Plakate.[19]

Die Kampagne „Looks like shit. But saves my life.“ und die Kooperation mit der Fernsehsendung „Germany's Next Topmodel“ stieß vor allem in den sozialen Medien auf nachhaltige Kritik. Die Plakatmotive wurden aufgrund der knappen Bekleidung der Models als sexistisch kritisiert.

Eine Studie des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie hingegen bestätigte den Erfolg der Kampagne: „Die Kampagne ‚Runter vom Gas!‘ erfüllt in beinahe idealerweise die Anforderungen, die an die massenmediale Wirksamkeit einer Kampagne gestellt werden, die versuchen soll, sozial verträgliche Verhaltensweisen in das Repertoire einer bestimmten Zielgruppe (Autobahnfahrer/-innen) zu integrieren. Vor allem die Mischung aus rascher Verständlichkeit, hoher Emotionalität und klarer Aussage, die zu einem rasch erkennbaren, unmittelbaren Erkenntniszuwachs führen, machen die Kampagne zu einem Benchmark für ähnliche Überlegungen.“[20]

Einzelnachweise

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