Ruppertsburg

Stadtteil von Laubach From Wikipedia, the free encyclopedia

Ruppertsburg ist ein Ortsteil der Stadt Laubach im mittelhessischen Landkreis Gießen. Zum Ortsteil gehören auch die Siedlungsplätze Friedrichshütte und Henriettenhof.

Schnelle Fakten Stadt Laubach ...
Ruppertsburg
Stadt Laubach
Koordinaten: 50° 31′ N,  58′ O
Höhe: 163 m ü. NHN
Fläche: 13,02 km²[1]
Einwohner: 807 (Mai 2011)[2]
Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35321
Vorwahl: 06405
Blick nach Ruppertsburg
Blick nach Ruppertsburg
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Geografische Lage

Ruppertsburg liegt auf einem Bergrücken am Rande des Naturparks Vulkanregion Vogelsberg an der Horloff, südwestlich von Laubach.

Durch den Ort führt die Landesstraße 3137. Die Bahnstrecke Villingen–Friedrichshütte verlief von 1890 bis zur Stilllegung im Jahre 1959 durch den Ort.

Ortsgeschichte

Die 1757 eingeweihte Kirche
Alte Glocken aus der Buderus’schen Eisengießerei am Eingang der Kirche

Mittelalter

1183 beurkundete Abt Siegfried von Hersfeld, dass der Landrücken oberhalb der Horloff, Ruberstisberc genannt, bislang unbesiedelt und unbewohnt war: „Notum sit ... quod nos (Abt Siegfried) montem qui Rupertisberc dicitur incultum et absque habistione invenimus.“ (Bekannt sei, ... dass wir, Abt Siegfried, den Berg, der Rubertisberc genannt wird, als unbewohnt und unbebaut vorfinden.)[3] Abt Siegfried betont, dass er den Berg ohne die Hilfe des Reichsministerialen und Vogtes Kuno I. von Münzenberg nicht urbar machen könne. Daher belehnte der Abt diesen mit der Hälfte der jetzigen und künftigen Erträge der künftigen Ansiedlung. Diese Siedlung entstand auf einem Landrücken, der nach drei Seiten steil abfällt.[4]

Folgende historische Formen des Ortsnamens sind im Mittelalter belegt: 1366 heißt es in einer Urkunde „... an deme habe (Hof) zu Ruperathisburg“.[5] Des Weiteren wird 1378 „... czu Rupperachtisburg vßwendig dez dorffes (außerhalb des Dorfes) ...“ erwähnt.[6] Hier wird erstmals die Siedlungsform Dorf für Ruppertsburg genannt. Der Ortsname lässt sich als „Siedlung auf dem Ruppertsberg“ deuten. Die Existenz einer Burg ist nicht belegbar.[7] Der Personenname Ruppert liegt auch im Ortsnamen Ruppertenrod vor.

Nach dem Aussterben der Münzenberger fiel der Ort an die Grafen von Falkenstein (hessisches Adelsgeschlecht). In der Münzenberger Zeit spielt der Dokumentarfilm „Ein Tag auf Burg Münzenberg 1218“ in der TV-Reihe Terra X von 2022, welcher von Dieter Wolf wissenschaftlich betreut wurde, und u. a. von einer fiktiven Mühle zu Ruppertsburg in Münzenberger Besitz handelt.

1397 erhielt Graf Philipp VII. von Falkenstein-Münzenberg von König Wenzel die Erlaubnis zur Errichtung eines Galgens an dem Ort.

Bis Mitte des 13. Jahrhunderts zur Herrschaft Münzenberg gehörend, gelangte der Ort nach dem Tode Ulrichs II. von Münzenberg im Zuge der Münzenberger Erbschaft an die Grafen von Falkenstein. Nach deren Aussterben an die Grafen zu Solms und in Nachfolge der Solms’schen Teilung im Jahr 1432 an die Johannische Linie des Hauses Solms. Aus dieser Linie entstand die Linie Solms-Laubach.

Laut den Solmser Urkunden zahlten die Einwohner von Ruppertsburg im Jahr 1450 eine jährliche Bede von 40 Gulden an ihren Grundherren, den Grafen Johann von Solms. Dazu verpachtete er ihnen ab diesem Jahr für zusätzliche zwei Gulden den zwischen Ruppertsburg und dem gewüsteten Dorf Horloff[8] gelegenen Wald, den sogenannten Horloffer Steinbühl, vorbehaltlich einer Wiederbesiedlung von Horloff.

Auch das Kloster Arnsburg hatte Besitzungen in Ruppertsburg; diese wurden 1489 an das Antoniterkloster Grünberg verkauft.[9]

Neuzeit

Verwaltungsrechtlich gehörte Ruppertsburg 1820 zum Amt Laubach, wurde 1822 dem Kreis Hungen und 1837 dem Landkreis Grünberg zugeordnet. 1848 kam Ruppertsburg zum Regierungsbezirk Gießen, 1852 in den Kreis Schotten und 1938 in den Kreis Gießen bzw. von 1977 bis 1979 in den Lahn-Dill-Kreis alten Zuschnitts.

Bis 1548 gehörte Ruppertsburg zur Pfarrei Laubach, danach wurde es Filialgemeinde von Gonterskirchen. 1720 wurde die Kirchengemeinde eigenständig, als erster Pfarrer wird Johann Theodor Seiler (bis 1725) genannt. Das Kirchenpatronat lag bei den Grafen zu Solms-Laubach. 1757 wurde nach siebenjähriger Bauzeit die Kirche eingeweiht.

Für 1830 sind elf Einwohner jüdischer Religion verzeichnet, 1932 lebten zwei jüdische Familien im Ort. 1965 waren von 790 Einwohnern 50 katholischen Glaubens.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Ruppertsburg am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Laubach eingemeindet.[10][11] Für den Stadtteil Ruppertsburg wurde, wie für die anderen eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden von Laubach, je ein Ortsbezirk eingerichtet.[12]

Wirtschaftsgeschichte

1409 kaufte Philipp von Falkenstein bei den Brüdern Bilgram von Ruppertsburg Land bei der Mühle von Ruppertsburg.[13] In weiteren Solmser Urkunden finden sich in den Jahren 1557 sowie 1631 und in den folgenden Jahren Mühlen beurkundet.

Im Jahre 1707 gründete Graf Friedrich Ernst zu Solms-Laubach am Rand der Gemarkung Ruppertsburg in Richtung Gonterskirchen die Friedrichshütte. Sie besteht noch heute. Im Jahre 1717 übernahm Johann Wilhelm Buderus I zunächst die Gesamtleitung des Hüttenbetriebes, ab dem 14. März 1731 dann als Pächter. Dieses Datum gilt als Gründungsdatum der heute weltweit agierenden Buderus AG. Die Friedrichshütte selbst wurde 1870 von Julius Römheld gepachtet, der sie 1879 um ein Eisenwerk erweiterte. Die heutige Maschinenfabrik Römheld in Ruppertsburg wurde 1967 errichtet und ist der größte Arbeitgeber im Ort.[14]

Die kunstgeschichtlich interessante Grabstätte der Familie Buderus befand sich bis 2002 in Ruppertsburg. Bis 2017 befanden sich die Grabmale im Firmenmuseum der Buderus AG in Hirzenhain und wurden durch den Heimatkundlichen Geschichtsverein Ruppertsburg wieder zurückgeholt. Heute befinden sie sich auf dem Friedhof in Ruppertsburg.

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Ruppertsburg angehört(e): [1][15][16]

Gerichtszugehörigkeit seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Ruppertsburg ab 1806 das „Patrimonialgericht der Grafen Solms-Laubach“ in Laubach zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Ab 1822 ließen die Grafen Solms-Laubach ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Laubach“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Ruppertsburg zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde, verzichtete der Graf 1823.[21] Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[22]

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Laubach“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[23] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts, die Gemeinde Ruppertsburg wurde dem Sprengel des Amtsgerichts Gießen zugelegt.[24] Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Ruppertsburg 807 Einwohner. Darunter waren 15 (1,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 120 Einwohner unter 18 Jahren, 318 zwischen 18 und 49, 198 zwischen 50 und 64 und 168 Einwohner waren älter.[2] Die Einwohner lebten in 342 Haushalten. Davon waren 99 Singlehaushalte, 102 Paare ohne Kinder und 105 Paare mit Kindern, sowie 27 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 72 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 216 Haushaltungen lebten keine Senioren.[2]

Einwohnerentwicklung

 1631:60 Untertanen, 9 Witwen[1]
Ruppertsburg: Einwohnerzahlen von 1830 bis 2011
Jahr  Einwohner
1830
 
570
1834
 
594
1840
 
647
1846
 
667
1852
 
637
1858
 
596
1864
 
583
1871
 
568
1875
 
609
1885
 
623
1895
 
611
1905
 
632
1910
 
660
1925
 
691
1939
 
678
1946
 
1.122
1950
 
1.089
1956
 
945
1961
 
898
1967
 
934
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
807
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[2]

Historische Religionszugehörigkeit

 1830:541 evangelische, 18 katholische und 11 jüdische Einwohner[1]
 1961:748 evangelische, 136 römisch-katholische Einwohner[1]

Historische Erwerbstätigkeit

 1961:Erwerbspersonen: 163 Land- und Forstwirtschaft, 181 Prod. Gewerbe, 34 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 30 Dienstleistungen und Sonstiges.[1]

Politik

Für den Stadtteil Ruppertsburg besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Ruppertsburg) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[12] Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 wurden nur acht Sitze vergeben und die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat betrug 51,94 %. Dabei wurden gewählt: fünf Mitglieder der CDU und drei Mitglieder der „Freien Wähler“ (FW).[25] Der Ortsbeirat wählte Felix Diehl (FW) zum Ortsvorsteher.[26]

Vereine

Im Ort gibt es folgende Vereine:

  • Heimatkundlicher Geschichts- und Kulturverein Ruppertsburg
  • Jagdgenossenschaft Ruppertsburg
  • Jugendclub Ruppertsburg
  • Landfrauenverein Ruppertsburg
  • Ortsverband zur Förderung des Obstbaues, der Garten- u. Landschaftspflege
  • Ortsvereine Ruppertsburg
  • Reit- und Fahrverein Laubach (Vereinssitz: Ruppertsburg)
  • Sängerbund Ruppertsburg
  • Schützenverein Ruppertsburg
  • Seniorenkreis Ruppertsburg
  • Sport-Fischerclub Ruppertsburg
  • VdK Ruppertsburg
  • VfB Ruppertsburg 1926 e.V

Literatur

  • Debus: Das Dorf Ruppertsburg. Sonderdruck aus dem Laubacher Anzeiger, 1922.
  • Festschrift zur 800-Jahr-Feier Ruppertsburg. Ruppertsburg 1983
  • Rudolf Klein unter Mitarbeit von Erich Voigt und Johannes Willem: Hessenlexikon. Alles Wissenswerte über das Land Hessen. Frankfurt/Main, Umschau 1965 (S. 472)
  • Literatur über Ruppertsburg nach Register nach GND In: Hessische Bibliographie
  • Suche nach Ruppertsburg. In: Archivportal-D der Deutschen Digitalen Bibliothek

Anmerkungen und Einzelnachweise

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