Ruth Wagner
deutsche Politikerin (FDP), MdL, Landesministerin
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Ruth Wagner (* 18. Oktober 1940 in Wolfskehlen; † 28. Dezember 2025 in Darmstadt)[1] war eine deutsche Politikerin (FDP).

Sie war von 1987 bis 1991 und von 2003 bis 2008 Vizepräsidentin des Hessischen Landtages und von 1999 bis 2003 Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst sowie Stellvertreterin des Ministerpräsidenten.
Leben und Beruf
Ruth Wagner wurde im Oktober 1940 als Tochter einer Schneiderin im hessischen Wolfskehlen geboren. Ihr Vater starb als Soldat im Februar 1944 in der Nähe von Tschornobyl. Ihre Kindheit verbrachte sie in Riedstadt-Wolfskehlen. Zunächst besuchte sie die Realschule in Goddelau. Es gelang ihr jedoch, ihre Mutter von dem Wechsel ins Gymnasium zu überzeugen. Nach dem Abitur am Gymnasium Gernsheim am Rhein 1960 absolvierte Ruth Wagner ein Studium der Germanistik, der Geschichte und der Politikwissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, das sie 1966 mit dem Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien abschloss.
Nach dem anschließenden Referendariat und dem Zweiten Staatsexamen war sie von 1968 bis 1976 als Gymnasiallehrerin an der Viktoriaschule in Darmstadt tätig, zuletzt als Studiendirektorin. Von 1976 bis 1978 arbeitete sie am Hessischen Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung. Von 1969 bis 1975 war sie außerdem stellvertretende Vorsitzende des Philologenverbandes und des Deutschen Lehrerverbandes in Hessen.
Partei
Seit 1971 war Wagner Mitglied der FDP. Von 1977 bis 1990 war sie Vorsitzende des FDP-Kreisverbands Darmstadt. Seit 1977 gehörte sie dem FDP-Landesvorstand in Hessen und von 1986 bis 2008 auch dem FDP-Bundesvorstand an. Von 1987 bis 1995 war sie stellvertretende Landesvorsitzende und von 1995 bis 2005 Landesvorsitzende der FDP in Hessen. Im Februar 2000 kam es zu einem Zerwürfnis mit der Bundespartei, als sich die hessische FDP für den Verbleib in der von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) geführten Koalitionsregierung aussprach.[2] Auf dem FDP-Landesparteitag am 21. November 2009 in Wetzlar wurde Wagner zur Ehrenvorsitzenden ihrer Partei gewählt.[3]
Abgeordnete
Wagner war von 1978 bis 1982, 1983 bis 1999 und nochmals von 2003 bis 2008 Mitglied des Hessischen Landtages. Sie kandidierte im Wahlkreis Darmstadt-Stadt I, wurde aber stets über die FDP-Landesliste gewählt. Im Landtag war sie von 1994 bis 1999 Vorsitzende der FDP-Fraktion und daneben von 1997 bis 1999 stellvertretende Vorsitzende der Enquête-Kommission Künftige Aufgaben des Hessischen Landtags an der Wende zum 21. Jahrhundert. Von 1987 bis 1991 und von 2003 bis 2008 war Wagner Vizepräsidentin des Landtags. Mit dem Ende der Legislaturperiode am 4. April 2008 und der Konstituierung eines neuen Hessischen Landtages am 5. April 2008 schied sie als Abgeordnete aus dem Parlament aus.
Wagner war 1984, 1999 und 2003 Mitglied der Bundesversammlung.
Ruth Wagner war Mitglied der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung von 1978 bis 1980, von 1989 bis 1995 und erneut von 2006 bis 2011.
Öffentliche Ämter
Nach der Landtagswahl 1999 wurde sie am 7. April 1999 hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst und Stellvertreterin des Ministerpräsidenten in der von Roland Koch (CDU) geführten Landesregierung. Nachdem die CDU bei der Landtagswahl 2003 eine absolute Mehrheit erreicht hatte, schied sie am 5. April 2003 aus dem Amt.
Von 1993 bis 2020 war Wagner Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.[4]
Von 2005 bis 2021 war Wagner Vorsitzende der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen.[5]
Vorsitzende des Kunstvereins Darmstadt war sie von 2005 bis 2020,[6] darüber hinaus von 2008 bis 2016 Kuratoriumsvorsitzende des Kulturfonds Frankfurt RheinMain.[7] Auch die Gründung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat sie 1985 mit initiiert.[6]
Ehrungen
2006 wurde Ruth Wagner mit dem Großen Bundesverdienstkreuz geehrt.[8]
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier verlieh Ruth Wagner am 1. Dezember 2010 die Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen für Verdienste um die Deutsche Einheit.[9][10]
Siehe auch
Literatur
- Jochen Lengemann: Das Hessen-Parlament 1946–1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtags (1.–11. Wahlperiode). Hrsg.: Präsident des Hessischen Landtags. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-458-14330-0, S. 418 (hessen.de [PDF; 12,4 MB]).
- Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 395.
- Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1297.
Weblinks
- Wagner, Ruth. Hessische Biografie. (Stand: 12. Januar 2026). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Ruth Wagner. Abgeordnete. In: Hessische Parlamentarismusgeschichte Online. HLGL & Uni Marburg, abgerufen am 4. September 2024 (Stand 28. November 2023).
- Ewald Grothe: Bildung, Kunst und Kultur als Herzenssache. Zum Tod von Ruth Wagner. Website der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, 30. Dezember 2025, abgerufen am 1. Januar 2026