Röhm Tool
deutscher Spannmittelhersteller
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Die Röhm Tool GmbH ist ein Spannmittelhersteller mit Hauptsitz im baden-württembergischen Sontheim an der Brenz im Landkreis Heidenheim in Deutschland.[1]
| Röhm GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1909 |
| Sitz | Sontheim an der Brenz, Deutschland |
| Leitung | Gerhard Glanz, Jochen Grundmann, Martin Kaufmann |
| Mitarbeiterzahl | 862 (2024) |
| Umsatz | 124,4 Mio. € (2024) |
| Branche | Produzierendes Gewerbe |
| Website | www.roehm.biz |
| Stand: 10. März 2026 | |
Geschichte
Das Unternehmen wurde 1909 durch Heinrich Röhm in Zella-Mehlis in Thüringen gegründet. Es nahm zunächst die Serienfertigung von Bohrfuttern auf und meldete im Jahr 1910 sein erstes Patent, ein verbessertes Bohrfutter, an. Im Zuge des Ersten Weltkriegs kam die Produktion zum Erliegen. 1926 begann Röhm mit der Produktion von Zahnkranzbohrfuttern., modernisierte und erweiterte die Fertigungsanlagen. Zwischen 1939 und 1940 wurde ein 40 Meter langes Fließband zur Herstellung von Bohrfuttern in Betrieb genommen, das Präzisionswerkzeuge als Massenartikel herstellte.[1]
1945 wurde der Betrieb mit 1.400 Mitarbeitern von den Amerikanern besetzt und Heinrich Röhm mit seiner Familie nach Heidenheim an der Brenz evakuiert, wo sie in einem Übergangslager untergebracht wurden. Die noch intakten Werke in Thüringen (sowjetische Besatzungszone) wurden enteignet und in der späteren DDR zu volkseigenen Betrieben umgewandelt.
1946 siedelte die Familie Röhm nach Sontheim an der Brenz um, wo Heinrich Röhm mit seinen drei Söhnen ein neues Werk aufbaute. Es begann zunächst mit der Produktion einfacher Kinderspielzeuge aus Sperrholz und Holzabfällen in einer gepachteten Schreinerei. Anschließend stellte in einem leer stehender Stall Gesteinsbohrer aus alten Maschinengewehr-Läufen her. In einer Baracke begann er mit der Herstellung von Zahnkranzbohrfuttern.[1]
In den frühen 1950er Jahren diversifizierte Röhm in Bereiche der Waffentechnik (Schreckschusswaffen, Signalpistolen und Handfeuerwaffen). Die Handfeuerwaffensparte firmierte unter der Marke RG. Im Jahr 1953 wurde das Zweigwerk in Dillingen an der Donau gegründet, in dem Röhm die Produktionskapazität um etwa 100 Arbeitsplätze pro Jahr erweitern konnte. 1959 wurde die heutige Röhm GB Ltd. als Generalvertretung gegründet, die Umfirmierung erfolgte 1977. Die Röhm Schweiz, damals ebenfalls als Generalvertretung, wurde 1960 eröffnet, weiterer Niederlassungen kamen ab 1969 in Italien (Röhm Italien), 1978 in den USA (Röhm Tool) und 1979 in Frankreich (Röhm S.A.R.L.) hinzu. 1980 wurde das Röhm Ingenieur- und Verkaufsbüro in St. Georgen im Schwarzwald speziell für den Bereich Spanndorne gegründet.[1] 1958 trat Günter Röhm in die Geschäftsleitung ein.
Nach Inkrafttreten des 1968er Waffenkontrollgesetzes in den Vereinigten Staaten gründete Röhm in den 1970ern eine Fabrik in Miami unter dem Namen RG Industries, die Revolver, automatische Pistolen und Deringer mit kleinen Kalibern fertigte. Die Fabrik in Miami stellte den Betrieb 1986 ein.[2] Die Röhm-Niederlassung in Spanien (Röhm Iberica) wurde 1985 gegründet. Im Jahr 1989 wurde die Röhm GB Ltd. zur hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Röhm GmbH. Im darauffolgenden Jahr fand die Umfirmierung der USA-Tochter in Rohm Products of America (RPA) statt, und im selben Jahr wurde die Röhm Schweiz durch die Röhm GmbH übernommen.[1] 1995 erfolgte eine Erstzertifizierung der Röhm GmbH nach DIN EN ISO 9001.[1] Die Niederlassungen Röhm Slovakia und Röhm India sowie das Joint Venture Röhm Weida Machinery China erfolgten 2007.
Im Jahr 2008 übergab das Familienunternehmen nach 99 Jahren die Firmenleitung der Röhm GmbH an einen externen Geschäftsführer, Michael Fried.[3] 2009 verkaufte die Röhm GmbH ihre Waffensparte mit Wirkung zum 1. Januar 2010 an die Umarex GmbH & Co. KG in Arnsberg.[4] Der Exportanteil der deutschen Produktion wurde bei rund 50 Prozent geschätzt.[3]
Am 18. September 2017 wurde die Röhm GmbH vollständig von der Dr. Helmut Rothenberger Holding GmbH aus Salzburg übernommen.[5]
Konzernstruktur
Werke
Sontheim an der Brenz

Das Werk besitzt seit dem Jahr 2001 eine 8.570 Quadratmeter große Fertigungshalle, in der Dreherei, Fräserei, Schleiferei, Prüfbereich mit Messmaschinen und Montage aller Artikel außerhalb des Produktbereichs Bohrfutter untergebracht sind. 2009 wurde das Stammwerk in Sontheim um eine weitere Einrichtung erweitert: Ein automatisches Kleinteilelager wurde in Betrieb genommen.[6]
Dillingen an der Donau

In der 2007 errichtete Produktionshalle wurden 2008 zwei Portal-Dreh- und Fräsmaschinen in Betrieb genommen wurden. In Dillingen werden überwiegend Drehfutter, Maschinenschraubstöcke und Sonderspannmittel für Dreh- und Fräsmaschinen sowie für Bearbeitungszentren produziert.[1]
St. Georgen im Schwarzwald
Das Wer ist Standort des Röhm Ingenieur- und Verkaufsbüros, speziell für den Bereich Spanndorne. Zum Spannen von Werkstücken in der Bohrung oder Innenkontur werden mechanische und kraftbetriebene Hülsenspanndorne, Gleitbackenspanndorne und hydraulische Dehndorne produziert.[7]
Ausländische Produktionsstandorte
Gerichtsverfahren wegen Röhm-Waffen
Bei dem (erfolglosen) Attentat auf den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan 1981 kam eine Röhm RG-14 .22 cal zum Einsatz. Der Polizist Thomas Delahanty wurde dabei vom Attentäter John Hinckley, Jr. mit der Waffe angeschossen. Im Nachgang klagte Delahanty gegen Röhm mit dem Argument, dass kleine, günstige Handfeuerwaffen keinem anderen als einem kriminellen Einsatzzweck dienen und das Unternehmen dadurch in der Verantwortung stehe. Die Klage wurde in der Revision vom Berufungsgericht im District of Columbia abgewiesen. Die Entscheidung Delahanty v. Hinckley wurde in vielen vergleichbaren Fällen als Präzedenzfall herangezogen.[9] Der bei dem Attentat mit der RG-14 schwer verwundete James Brady ist Namensgeber der Brady Bill, eines Gesetzes von 1993, mit dem maßgebliche Änderungen für den Kauf von Handfeuerwaffen in den USA kodifiziert wurden.
Im Gerichtsverfahren Kelley v. RG Industries 1985 ging es um eine Schießerei aus dem Jahr 1982, bei der einem Verkäufer Kelley mit einer RG-Waffe in die Brust geschossen worden war.[10]
