Rübenau
Ortsteil von Marienberg
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Rübenau ist ein Ortsteil der sächsischen Stadt Marienberg im Erzgebirgskreis.
Rübenau Große Kreisstadt Marienberg | ||
|---|---|---|
| Koordinaten: | 50° 36′ N, 13° 18′ O | |
| Höhe: | 675 (610–780) m | |
| Einwohner: | 840 (1. Jan. 2025)[1] | |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1994 | |
| Eingemeindet nach: | Hirtstein | |
| Postleitzahl: | 09496 | |
| Vorwahl: | 037366 | |
Lage von Rübenau in Sachsen | ||


Geografie
Lage
Rübenau ist ein weitverzweigtes Dorf an der südlichen Grenze Sachsens zu Tschechien. Rundum von Wäldern umgeben, liegt es in einer Höhe von 610 m bis 780 m ü. HN auf dem Erzgebirgskamm. Das 7,74 km2 große Dorf besteht aus den ehemals eigenständigen Ortschaften Rübenau, Obernatzschung, Niedernatzschung sowie Einsiedel-Sensenhammer und darin den Häusergruppen Einsiedler Straße, Flügel, Gasse, Grund, Hammerweg, Heidehäuser, Hirschberg, Hradschin, Krähwinkel, Kriegwald, Lochmühle, Maiberg, Neunhäuser, Strohhübel, Wasserhäuser und Ziegengasse.
Ausgedehnte Waldgebiete, auf deutscher Seite der „Kriegwald“ und auf tschechischer Seite die ehemaligen „Rothenhauser Waldungen“[Anm. 1], riegeln den Ort auf deutscher Seite gegenüber seinen Nachbarorten ab. Etwa 2,5 Kilometer nordöstlich liegt der 842 m ü. NN hohe Steinhübel. Südlich und östlich der Ortslage verläuft die Natzschung, die hier die Grenze zu Tschechien bildet.
Das Dorf gehört zu den sächsischen Streusiedlungen in den erzgebirgischen Kammlagen mit meist weit auseinander liegender Bebauung. Laut dem Bodenrichtwertsystem Boris liegt der Bodenrichtwert meist zwischen 0,44 und 0,66.[2] Es grenzt auf drei Seiten an Tschechien, zumeist ohne Wald sowie dem ehemals deutschen Dorf Kalek (Kallich) und dessen Ortsteilen Jindřichova Ves (Heinrichsdorf) und Načetín (Natschung).
Verwaltungstechnisch gehört Rübenau seit dem 1. Januar 1994 zusammen mit Kühnhaide, Reitzenhain und Satzung zur Gemeinde Hirtstein. Seit dem 1. Januar 2003 ist das Dorf im Zuge der Eingemeindungen ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Marienberg.
Durch den Ort führt die Staatsstraße 216 Reitzenhain – Olbernhau. Etwa in der Ortsmitte zweigt von ihr die Staatsstraße 217 nach Ansprung ab, die an der Bundesstraße 171 endet. Seit Anfang 2008 ist die Grenzbrücke nach Kalek (Kallich) für den PKW-Verkehr freigegeben. Der Übergang nach Načetín (Natschung) ist für Fußgänger und Radfahrer geöffnet.
Nachbarorte
| Ansprung | ||
| Kühnhaide | Rothenthal | |
| Načetín (Natschung) | Kalek (Kallich) |
Geschichte


Nach dem Erlass der Holzordnung des Kurfürsten August von Sachsen von 1560, erreichten die Baumrodungen auch die Kammlagen des Erzgebirges. Auf den Stockräumen entstanden neue Dörfer. Die Gründung von Rübenau als eine der entlegensten Ansiedlungen geschah noch etwas später. Bis 1595 war in historischen Schriften dreimal nur vom fischreichen Bach Rübenaw (slawisch ryba ‚Fisch‘) die Rede, auch Riebenau oder Riebenaw geschrieben. Eine Karte[3] des kursächsischen Landvermessers Matthias Oeder von 1580 zeigt, wie wenig erschlossen diese Flur damals noch ist. Es sind erst sieben Gebäude eingetragen: zwei im Ortsteil Einsiedel, wo Christoph Gneuss und Hans Steinhard einen Sensenhammer und ein Wohnhaus errichten durften, ein Forsthaus auf der alten Görkauer Straße, ein Haus mit Brettmühle auf böhmischer Seite, zwei Gebäude an der Komotauer Straße und ungefähr in der heutigen Dorfmitte das „Lehn Haus“ (Lohnhaus).
Bevor Rübenau entstand, hatten schon einige Holzfäller und Köhler in der waldreichen Gegend ihre bescheidenen Hütten errichtet. Als sich aber immer mehr Menschen hier ansiedelten, hielt es die kurfürstliche Obrigkeit für angezeigt, der Gegend „uffm Walde“ einen Namen zu geben. Man benannte sie einfach nach dem Bach, der dort zu Tal floss. Im Jahr 1595 ist im Amts-Erbbuch von Lauterstein auf Blatt 194[4] die Gründungsurkunde von Rübenau zu finden. Seitdem existiert das Dorf Rübenau offiziell. Die Jahreszahl 1595 wird auch im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen genannt.[5]
Als es noch keine Ortschaft Rübenau gab, begann die erste namentlich verbürgte Besiedlung ab 1580 mit dem Müller und Bäcker Georg Müller aus Olbernhau, dessen dortige Mühle abgebrannt war. In der Nähe des Baches Rybenaw durfte er nach mehreren Bittbriefen mit kurfürstlicher Erlaubnis abgeholzten Waldboden urbar machen, eine kleine hölzerne Mahlmühle und einen Backofen errichten, einen Mühlgraben anlegen, sich Vieh anschaffen, Getreide anbauen und Brot backen. 1590 zerbrach sein Mühlrad. Weil er kein Geld, aber Zinsschulden im Amt Lauterstein hatte, war er gezwungen, seine Mühle an den ihm bekannten Jonas Oehmichen zu verkaufen. „Der Möller uf der Ribenau gestorben“, ist 1591 im Sterberegister der benachbarten Stadt Zöblitz zu lesen.
Ökonomisch und sozial hatten von 1591 bis weit ins 19. Jahrhundert die wechselnden Besitzer des Rübenauer Gutes als Guts- und Gerichtsherren eine beherrschende Rolle inne.
Verwaltungszugehörigkeit
1595 bis 1856 Amt Lauterstein, 1856 Gerichtsamt Zöblitz, 1875 Amtshauptmannschaft Marienberg, 1952 Kreis Marienberg, 1994 zur Landgemeinde Hirtstein im Mittleren Erzgebirgskreis, seit 1. Januar 2003 ein Ortsteil der Stadt Marienberg. Seit 2008 gehören all Ortsteile zum Erzgebirgskreis.
Religion
Die Häuser „uffm Walde“ (ab 1595 Rübenau) und der Ortsteil Einsiedel (ab 1875 Einsiedel-Sensenhammer) waren bis 1607 Teil der Parochie Zöblitz. Die dortigen Kirchenbucheintragungen beginnen 1577. 1607 wurde in Rübenau eine erste kleine hölzerne evangelische „Heilig-Geist-Kirche“ eingeweiht. Die zweite Heilig-Geist-Kirche, eine Barockkirche mit großem Dachreiter, wurde 1714 geweiht. Rund 140 Jahre (bis 1853) blieb Rübenau eine Filialkirche der Parochie Kühnhaide. Einsiedel-Sensenhammer wurde 1752 u. 1930 eingepfarrt, Nieder- und Obernatzschung 1840 und 1930. Seit 1853 ist Rübenau mit den Ortsteilen Niedernatzschung, Obernatzschung und Einsiedel-Sensenhammer eine eigenständige Kirchgemeinde. 1887 erhielt die Kirche als Ersatz eine neue Orgel, gebaut von Carl Eduard Schubert mit 12 Registern. Seit 2006 gehört die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Rübenau dem 2021 erweiterten Evangelisch-Lutherischen Kirchspiel Olbernhau an.
Wirtschaft und Infrastruktur
Bildung
Schon 1608 erhielt Rübenau neben seiner ersten Kirche ein Pfarrhaus, das zugleich Schulhaus war. Theophilus Schumann, der erste Pfarrer, war auch für den Schulunterricht verantwortlich. 1835 wurde in Sachsen die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Mit dem Bevölkerungswachstum entstanden vier weitere Schulen: 1866 im Ortsteil Obernatzschung, 1875 in Einsiedel-Sensenhammer, 1903 die Hauptschule Am Maiberg 4 sowie 1927 die Bergschule. In den Zeiten der DDR wurden alle Schulkinder bis zur 8. Klasse in dem Schulgebäude am Maiberg unterrichtet. Das Schulhaus wurde in den 1990er Jahren saniert, 2018 abgerissen und an gleicher Stelle ein Mehrzweckgebäude errichtet. Seit den 1990er Jahren besuchen die Rübenauer Kinder die Grundschule im Nachbarort Kühnhaide.
Holzindustrie bis 1945
Ab 1560 befahl Kurfürst August, das Holz der ausgedehnten Wälder um Rübenau durch Rodungen, Flößen und die Erzeugung von Holzkohle für den Freiberger Silberbergbau zu nutzen. Waldarbeit, Köhlerei und Flößerei wurden im Raum Rübenau die ehemals am häufigsten ausgeübten Tätigkeiten. Eine Brettmühle gab es im Ort schon im 17. Jahrhundert und später über lange Zeit mehrere davon, außerdem eine Holzwarenfirma mit einem reichhaltigen Sortiment. Nach 1900 existierten mehrere Sägewerke mit Holzhandlungen, eine Holzdreherei mit Dampfbetrieb, zwei Federkastenfabriken und eine Holzschleiferei.
Da nach dem Zweiten Weltkrieg Benzin knapp war, kamen Autos auf, die mit Holzgas fuhren. Sie brauchten etwa 30 % Holzkohle. Daher nahm die Köhlerei noch einmal einen gewissen Aufschwung. Auch im Wald von Rübenau gab es wieder einen Kohlenmeiler. Der größte Prozentsatz der dort gebrannten Holzkohle ging in Maschinenfabriken wie auch Eisen- und Stahlgießereien.
Metallindustrie und Schmiedehandwerk bis 1945
Ab 1556 wurde in Einsiedel, dem späteren Ortsteil Einsiedel-Sensenhammer, eine Eisenhütte betrieben. Ab 1690 gab es mitten im Dorf ein Hammerwerk, in dem Wasserrohre, Gewehre, Sensen, Ketten, Löffel und Nägel geschmiedet wurden. Im rauen Bergklima konnten sich die Familien mit ihren kleinen Bauernwirtschaften vom Bodenertrag allein nur schlecht ernähren und suchten deshalb zusätzliche Existenzmöglichkeiten. Das Nagelschmiede-Handwerk erreichte eine so hohe Blüte, dass Rübenau als „Dorf der Nagelschmiede“[6] bekannt wurde. 1860 bis 1874 übten 400 Männer dieses Handwerk aus. Als man Nägel zunehmend industriell herstellte, ging diese Zeit zu Ende. Im 20. Jahrhundert gab es im Ort eine Nagelfabrik, die über 70 Jahre bestand und erst in den 1990er Jahren ihre Türen schloss.
Bergbau
Rübenau gehörte nicht zu den bekannten Bergwerksorten, doch wurde auch hier jahrhundertelang Bergbau betrieben. Um 1591 brachte die Fundgrube Buchen und Glückseliger Windbruch gute Ausbeute. Sie war vermutlich das bedeutendste Zinnbergwerk, das Rübenau je hatte. Der bis etwa 1870 betriebene Bergbau brachte alles in allem nur wenig ein. Der Abbau von Kupfer-, Zinn- und Eisenerz, von Hornstein, Kalkstein und Quarz hatte zwar einigen Erfolg, insgesamt blieb die Ausbeute jedoch gering.
Wirtschaft und Tourismus seit 1945
Ab 1949 begannen in der DDR in allen Bereichen grundlegende Umstrukturierungen. Vor allem durch Neubau und teilweise auch durch Verstaatlichung und Enteignungen nahmen volkseigene Betriebe (VEB) ihre Tätigkeit auf, darunter eine Holzschleiferei, ein Holzbauunternehmen, NARVA-Formplast, ein Fensterbau, eine Knopffabrik, eine schon in den 1920er Jahren entstandene Nagelfabrik, eine Handschuh-Strickwarenfabrik (Zweigwerk des „VEB Polar“ aus Karl-Marx-Stadt), in der viele Frauen Arbeit fanden, sowie eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG). Nach der politischen und ökonomischen Wende von 1990 wurden all diese Betriebe geschlossen. Aktuell gibt es nur noch wenige Gewerbebetriebe in Rübenau.
In der DDR war Rübenau ein staatlich anerkannter Luftkurort. 1971 hatte der Ort 1463 Einwohner, doch weit über 2000 Touristen. Auswärtige Betriebe hatten hier ihre Ferienheime und Kinderferienlager. Nach 1990 wurden sie aufgelöst. Die Anzahl der Feriengäste sank dramatisch und bedeutete eine erhebliche wirtschaftliche Einbuße für Rübenau.
An Rübenau führen der mittelschwere Kammweg Erzgebirge-Vogtland und der europäische Fernwanderweg E3 vorbei.
Entwicklung der Einwohnerzahl
Persönlichkeiten
- Stefan Reichmann (* 1951), Bildhauer
Literatur
- Rübenau. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 9. Band. Schumann, Zwickau 1822, S. 537–539.
- Ernst Johannes Künzel: Die Parochie Rübenau. In: Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Marienberg. Strauch Verlag, Leipzig 1908, Sp. 653–672, urn:nbn:de:bsz:14-db-id2502327158 (Digitalisat der SLUB).
- Richard Steche: Rübenau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 5. Heft: Amtshauptmannschaft Marienberg. C. C. Meinhold, Dresden 1885, S. 27.
- Rübenau, Kreis Marienberg (= Werte unserer Heimat. Band 43, Um Olbernhau und Seiffen). Akademie-Verlag, Berlin 1985, S. 173–178. DNB 860326675.
- Kurt Ihle: Chronik eines erzgebirgischen Grenzdorfes. Selbstverlag des Verfassers, Marienberg 1999 (Titelaufnahme – K10plu).
- Waltraud Krannich: Flehentlich mit seinem Weibe. Die Besiedlung des Erzgebirgskamms am Beispiel von Rübenau. [Nach historischen Handschriften erzählt]. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. BoD – Books on Demand, Norderstedt 2023, ISBN 978-3-7583-0679-2 (198 S.).
- Waltraud Krannich: Herrenhaus und Hütten. Sächsische Dörfer am Erzgebirgskamm von 1700 bis 1900 am Beispiel von Rübenau. Books on Demand, Norderstedt 2017, ISBN 978-3-7448-3008-9 (448 S.).
- A. Beckert: Rübenau im Erzgebirge: Die Schule 1903–2018. Stadtarchiv Marienberg.
Weblinks
- Literatur von und über Rübenau in der Sächsischen Bibliografie
- Rübenau im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
- Rübenau. In: marienberg.de. Stadt Marienberg
- Rübenau. In: ruebenau.de (private Website, u. a. zur Geschichte)
- Geschichtliches zur „Heilig-Geist-Kirche“ Rübenau. ( vom 30. November 2012 im Internet Archive) In: kirchspiel-olbernhau.de
- Heilig-Geist-Kirche zu Rübenau. Friedhof. In: kirchspiel-olbernhau.de
- Einsiedel-Sensenhammer im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
- Gasse im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
- Hradschin im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
- Nieder- und Obernatzschung im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
