Rüthnick

Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Rüthnick ist eine Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Sie wird vom Amt Lindow (Mark) verwaltet.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
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Rüthnick
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Rüthnick hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 52° 53′ N, 12° 59′ O
Bundesland:Brandenburg
Landkreis: Ostprignitz-Ruppin
Amt: Lindow (Mark)
Höhe: 40 m ü. NHN
Fläche: 17,69 km²
Einwohner: 456 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 26 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16835
Vorwahl: 033926
Kfz-Kennzeichen: OPR, KY, NP, WK
Gemeindeschlüssel: 12 0 68 372
Adresse der Amtsverwaltung: Straße des Friedens 20
16835 Lindow(Mark)
Website: www.amt-lindow-mark.de
Bürgermeisterin: Birgit Salzwedel (Freie Wählergemeinschaft Rüthnick)
Lage der Gemeinde Rüthnick im Landkreis Ostprignitz-Ruppin
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Ortseinfahrt Rüthnick von Herzberg (Mark)

Geografie

Rüthnick liegt im östlichen Teil des Landkreises Ostprignitz-Ruppin zwischen Neuruppin und Kremmen. Im Osten liegt das Waldgebiet Rüthnicker Heide. Das zehn Kilometer südlich von Lindow gelegene breite Straßendorf ist an drei Seiten von Feldern umgeben und erstreckt sich am Nordwestrand des sanft auslaufenden Neukammer Luchs. Nach Westen wird der Ort von den Waldgebieten Griebener und Beetzer Heide begrenzt.

Gemeindegliederung

Seit 1992 gehört Rüthnick zum Amt Lindow. Zur Gemeinde Rüthnick gehören die Wohnplätze Mohnhorst und Rüthnicker Pläne.[2]

Geschichte

Eine bei Feldarbeiten aufgefundene steinzeitliche Knaufhammeraxt und Funde von einem eineinhalb Kilometer nordöstlich des Dorfs gelegenen bronzezeitlichen Gräberfeld bezeugen die Anwesenheit urgeschichtlicher Gemeinschaften in der Feldmark. In den Gärten der südlichen Hofzeile traten Scherben von Tongefäßen des 13. bis 15. Jahrhunderts zu Tage, die sicher als Abfall hierher verbracht worden waren.

Rüthnick wurde erstmals im Jahre 1422 im Zusammenhang mit mecklenburgischen Überfällen erwähnt; der damalige Name war „Ruthenicke“. Der ursprüngliche slawische Name geht auf die altpolabische Bezeichnung „Ruda“ zurück, das bedeutet Raseneisenstein, der in der Umgebung des Ortes gefunden wurde. Um 1490 war Rüthnick ein Teil der im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin unter der Landesherrschaft der Grafen von Lindow-Ruppin. Von 1422 bis 1541 gehörte Rüthnick zum Kloster Lindow, danach zu den Ämtern Lindow und Alt Ruppin (1541 bis 1656). Von 1656 bis 1834 gehörte der Ort zum Amt Oranienburg, danach bis 1872 wieder zum Amt Alt Ruppin.

Ein für die Wälder bestellter Heidereiter fand bereits 1525 Erwähnung. 1540 waren nneben einem Schulzen und einem Krüger 17 Hüfner und zehn Kossäten in Rüthnick ansässig, außerdem je ein Schmied, Hirte und Schäfer. Die Feldmark betrug 62 Hufen, davon gehörten vier der Pfarre. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lagen von 28 Hofstellen 14 wüst. Noch 1687 waren es elf. Erst 1716 waren wieder 18 Hüfner und neun Kossäten ansässig. In der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte das Dorf etwa 250 Bewohner. Auf Grund der für Ackerbau schlechten Bodenqualität wurde vor allem Viehzucht betrieben. 1805 hatte der Ort 42 Feuerstellen und 340 Einwohner. Seit 1800 war Rüthnick Sitz der Königlichen Oberförsterei (1891 mit einem Forstmeister und drei Förstern), die 1907 nach Kremmen verlegt wurde. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte der Ort wirtschaftlichen Wohlstand, die Einwohnerzahl stieg auf 463 (1895) an. Im 19. Jahrhundert ließen sich Schiffer nieder (1865 waren es sechs), die Torf transportierten. 1891 bestand eine Chausseegeld-Einnehmerstelle.

Im Jahre 1954 wurden über 200 ha Bodenfläche an 33 Siedler verteilt. Eine erste LPG Typ III mit dem Namen „Hoffnung“ wurde mit elf Mitgliedern gebildet. 1960 hatte sie 61 Mitglieder. Daneben wurde dann die LPG Typ I mit dem Namen „Sandeck“ mit 25 Mitgliedern gegründet.

Rüthnick gehörte seit dem 14. Jahrhundert zur Herrschaft Ruppin, seit 1524 zum Kreis Ruppin in der Mark Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Neuruppin im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegt Rüthnick im brandenburgischen Kreis Ostprignitz-Ruppin.

Das annähernd in Ost-West-Richtung verlaufende Straßendorf wird an seinem östlichen Ende von der Kremmen mit Lindow verbindenden Landstraße durchschnitten. Typisch für das Rüthnicker Ortsbild ist die breite leicht gekrümmte Dorfstraße mit Stichwegen zu den einzelnen Gehöften. Sie wird von Lindenreihen in Rasenbanketten gesäumt.

Aus der Ortsmitte nach Osten gerückt steht an der Südseite der Dorfstraße die Dorfkirche mit dem sie umgebenden Kirchhof. In östlicher Richtung folgen Pfarrhaus (Nr. 57) und das schilchte Sichtziegelgebäude der Schule (Nr. 58).

Zwei Brände 1803 und 1811 vernichteten den Großteil der historischen Bebauung. Dem letzten Großbrand fielen sieben Bauern- und drei Kossätengehöfte, Lehnschulzengut, Pfarre und der Turm der neu erbauten Dorfkirche zum Opfer. Offensichtlich wurden die Wohnhäuser zunächst als giebelständige Gebäude wieder aufgebaut. Heute wird die Bebauung von Drei- und Vierseitgehöften des 19. Jahrhunderts geprägt. Charakteristisch sind die traufständigen, meist siebenachsigen massiven Wohnhäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit aufwendigen Putzfassaden (Nr. 11, 15, 21, 22 und 47). Vermutlich ersetzten sie die einfachen Fachwerkbauten und giebelständige Gebäude, die nach Bränden errichtet worden waren. Ausnahmen bilden etwa in Ortsmitte drei wenig ältere giebelständige Wohnhäuser in Massivbauweise (Nr. 14, 49 und 53). Prägend sind auch die im Wechsel zu den traufständigen errichteten Wohnhäusern errichteten giebelständigen in Sichtbauweise ausgeführten Wirtschaftsgebäude, die in der Regel in einer Baufluchtlinie mit den Wohnhäusern errichtet wurden und zu einem belebten Erscheinungsbild der Dorfstraße beitragen. Einige davon sind mit Ziergiebeln versehen (Nr. 11, 16, 40, 53 und 54). Vor allem für die Dorfstraße im Norden sind mehrere stattliche Scheunen prägend, in Ziegelbauweise (Nr. 11 und 15) und als Fachwerkbauten (Nr. 16 und 22).[3]

Von den älteren, bis 1800 errichteten Gebäuden blieben der eingeschossige Fachwerkbau des ehemaligen Gasthauses (Nr. 12), die ehemalige Oberförsterei (Nr. 2) und das Vorlaubenhaus, Hauptstraße Nr. 24 am östlichen Ende der Dorfstraße erhalten. Hier befindet sich an der Kreuzung Dorf- und Hauptstraße ein weiteres, um 1910 errichtetes Gaasthaus (Nr. 1). Auffallend und am westlichen Ende der Dorfstraße sind auf der Südseite die kleinteilig bebauten Grundstücke Nr. 42–45. Bei den bescheidenen vier- bis sechsachsigen Doppelwohnhäusern handelt es sich möglicherweise um Schifferhäuser, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Ursprünglich waren sie eingeschossig, später wurden die meisten von ihnen zum Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgestockt. Bei Nr. 43 blieb der linke Giebel in Fachwerkbauweise bewahrt.

Um 1900 entstand südlich vom Ort eine große Obstbaumplantage. Der Friedhof nördlich vom Lindenweg wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Kirchhof hierher verlegt; die Kapelle stammt von 1956. Auf die 1930er/40er Jahre geht die Waldsiedlung östlich der Hauptstraße zurück. Teilweise ließen sich hier Anhänger der Wandervogelbewegung nieder.

Die auffällige Villa am südlichen Ortseingang (Hauptstraße Nr. 10, 10a) wurde um 1910 als Sommersitz für eine wohlhabende jüdische Familie erreichtet, in deren Besitz sie bis 1938 blieb. Anschließend bewohnte sie Ludwig Ferdinand Clauß, ein im Nationalsozialismus bekannter Rassenforscher.[3][4] Nach 1945 wurde die Villa als Schule genutzt und 1963 umgebaut. Nordwestlich vom Ort befinden sich die Produktions- und Lagergebäude der LPG.

Bevölkerungsentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
1875472
1890436
1910420
1925451
1933497
1939515
Jahr Einwohner
1946902
1950767
1964550
1971486
1981415
1985419
Jahr Einwohner
1990375
1995467
2000495
2005508
2010497
2015479
Jahr Einwohner
2020456
2021445
2022453
2023458
2024456
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Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)[5][6][7], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik

Gemeindevertretung

Die Gemeindevertretung von Rüthnick besteht entsprechend der Einwohnerzahl[8] aus acht Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem Ergebnis:[9]

Weitere Informationen Partei / Wählergruppe, Stimmenanteil ...
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze
Freie Wählergemeinschaft Rüthnick 56,6 % 5
Einzelbewerber Dirk Heidrich 15,0 % 1
Einzelbewerberin Renita Beyer 10,3 % 1
Einzelbewerber Holger Ebert 09,2 % 1
CDU 09,0 %
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Bürgermeisterin

  • 1998–2014: Roland Froehlich (SPD)[10]
  • seit 2014: Birgit Salzwedel (Freie Wählergemeinschaft Rüthnick)[11][12]

Salzwedel wurde in der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 bei einem Gegenkandidaten mit 73,8 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin wiedergewählt.[13]

Sehenswürdigkeiten

In der Liste der Baudenkmale in Rüthnick stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.


Verkehr

Rüthnick liegt an der Landesstraße 19 zwischen Lindow (Mark) und Kremmen.

Der nächstgelegene Bahnhof ist Herzberg (Mark). Er wird von der Regionalbahnlinie RB 54 (Löwenberg–Rheinsberg) bedient.

Persönlichkeiten

Ludwig Ferdinand Clauß (* 6. Febrauar 1892, + 13. Januar 1974) deutscher Psychologe und Rassentheoretiker wohnte 1938 bis 1945 in Rüthnick

Literatur

  • Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmale in Brandenburg, Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Teil 2: Gemeinde Fehrbellin, Amt Lindow (Mark) und Stadt Rheinsberg, Ulrike Schwarz und Matthias Metzler und andere, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms am Rhein, 2003, ISBN 3-88462-191-2

Einzelnachweise

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