SBB Be 4/4

Versuchslokomotive mit Drehstromantrieb From Wikipedia, the free encyclopedia

Bei der Be 4/4, der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) handelt es sich um eine Versuchslokomotive mit Drehstromantrieb. Die Lokomotive wurde 1972 aus einem Gepäcktriebwagen De 4/4 umgebaut. Bei dieser Lokomotive kam erstmals in der Schweiz, und vermutlich sogar weltweit, die Drehstromgewinnung für die Fahrmotoren durch einen elektronischen (ruhenden) Umrichter bei einer Elektrolokomotive zur Anwendung.

Schnelle Fakten
SBB Be 4/4
SBB Be 4/4 Nr. 12001 abgestellt in Luzern
SBB Be 4/4 Nr. 12001 abgestellt in Luzern
SBB Be 4/4 Nr. 12001 abgestellt in Luzern
Nummerierung: 12001
Anzahl: 1
Hersteller: SIG SBB BBC
Baujahr(e): 1972 (Umbau aus De 4/4)
Ausmusterung: 1981
Achsfolge: Bo’Bo’
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 15 200 mm
Dienstmasse: 64 t
Höchstgeschwindigkeit: 75 km/h
Stundenleistung: 950 kW
Motortyp: 4 FRA 3050
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Geschichte

Mit der Entwicklung gesteuerter Gleichrichter mit Thyristoren zeichnete sich ab, dass leistungsfähige statische Umrichter für den Bahnbetrieb technisch realisierbar würden. Industrie und Bahngesellschaften bekundeten daher Interesse an einer kostengünstigen Versuchslokomotive, die als Erprobungsträger für künftige Neubauten dienen sollte.

Zu diesem Zweck wurde der Triebwagen SBB De 4/4 1685 aus dem Jahr 1927 umgebaut. Das Fahrzeug eignete sich insbesondere aufgrund seines großzügigen Gepäckraums, in dem sich die Leistungselektronik des Umrichters gut zugänglich und austauschbar installieren ließ. Zudem war bereits absehbar, dass nicht alle Triebwagen einen neuen Wagenkasten erhalten würden und die nicht umgebauten Einheiten bald ausgemustert werden sollten. Der ausgewählte Triebwagen war seit einem Brandschaden im Jahr 1967 abgestellt.

Der Umbau erfolgte in der SBB-Hauptwerkstätte Yverdon. Die BBC lieferte die neuen Fahrmotoren sowie den Umrichter, während die SIG die Drehgestelle entsprechend anpasste. Der ursprüngliche Transformator blieb erhalten, was die Gesamtleistung begrenzte – ein neuer Leistungsrekord war jedoch nicht Ziel des Projekts. Aufgrund des zusätzlichen Gewichts musste auch die Höchstgeschwindigkeit reduziert werden.

Als Versuchsträger erfüllte der nun als Lokomotive bezeichnete Triebwagen seine Aufgabe erfolgreich. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen unter anderem in die Entwicklung der DB-Baureihe 120 sowie der SBB Ee 6/6 II ein. Der alte, verblechte Holzwagenkasten erwies sich als vorteilhaft für die Messtechnik, da sich Messkabel problemlos im Innenraum verlegen ließen.

Im Jahr 1975 wurde die Lokomotive durch einen Schaden am elektrischen Teil außer Betrieb genommen und im Dezember 1981 endgültig ausrangiert und verschrottet. Ein Drehgestell mit zwei Drehstrommotoren blieb erhalten und befindet sich heute in der Sammlung des Verkehrshauses der Schweiz in Luzern.

Siehe auch

Commons: SBB Be 4/4 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Be 4/4 12001. In: SGEG. Abgerufen am 8. November 2025 (Schweizer Hochdeutsch).

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