SC Willingen

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Der SC Willingen (offiziell: Ski-Club Willingen e. V.) ist ein Sportverein aus Willingen in hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg, der vor allem in Wintersportarten erfolgreich ist. Die erste Fußballmannschaft spielte zwei Jahre in der höchsten hessischen Amateurliga.

NameSki-Club Willingen e. V.
Gründung8. Januar 1910
VereinssitzWillingen, Hessen
Websitewww.weltcup-willingen.de (Weltcup)

www.sc-willingen.de (Hauptverein) www.scwillingen.de (Fußball)

Schnelle Fakten Name, Gründung ...
SC Willingen
Name Ski-Club Willingen e. V.
Gründung 8. Januar 1910
Vereinssitz Willingen, Hessen
Website www.weltcup-willingen.de (Weltcup)

www.sc-willingen.de (Hauptverein) www.scwillingen.de (Fußball)

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International bekannt wurde der SC Willingen ab 1995 als Ausrichter des FIS-Skisprung-Weltcups auf der Mühlenkopfschanze, der größten Großschanze der Welt (HS 147). Der Club gilt als Herzstück des hessischen Wintersports und als zentraler Faktor für Tourismus, Medienpräsenz und sportliche Entwicklung im Sauerland und Waldecker Upland.

Neben dem Skispringen fördert der Verein zahlreiche andere Wintersportarten und betreibt intensive Nachwuchsarbeit.

Geschichte

Der Verein wurde am 8. Januar 1910 als Skiklub Brilon-Willingen gegründet. Er war seinerzeit eine Zweigstelle des Sauerländischen Skiklubs Brilon, der sich für die Förderung des Wintersports im Sauerland einsetzte. Bereits in den Anfangsjahren wurden erste Skikurse und lokale Wettkämpfe veranstaltet, um den Skisport im Upland populär zu machen.

Mit dem Aufschwung des Wintersports in der Zwischenkriegszeit entwickelte sich Willingen zu einem beliebten Ziel für Skifahrer aus dem Ruhrgebiet und dem westfälischen Raum. Nach Unterbrechungen durch den Zweiten Weltkrieg wurde der Verein in den 1950er Jahren reaktiviert und in Ski-Club Willingen (SC Willingen) umbenannt.

1951 fand auf der neu errichteten Mühlenkopfschanze das erste internationale Skispringen statt. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Anlagen mehrfach modernisiert und erweitert. Der Verein organisierte nationale Meisterschaften, förderte den Bau kleinerer Nachwuchsschanzen (Orenbergschanzen) und legte damit den Grundstein für eine Sprungtradition im hessischen Upland.

1982 richtete Willingen erstmals ein Europacup-Skispringen aus. Die hervorragende Organisation und die schneesichere Lage führten zu einem ausgezeichneten Ruf. Ein Meilenstein war der Erwerb der ersten Schneekanone 1990, wodurch der SC Willingen seine Wettbewerbe auch bei Schneemangel garantieren konnte. Selbst 1993 (ohne Naturschnee) und 1994 (bei Dauerregen) wurden alle Wettbewerbe ordnungsgemäß durchgeführt.

Am 22. Mai 1994 entschied der Internationale Skiverband (FIS), Willingen zum Austragungsort eines Weltcup-Skispringens zu ernennen, nachdem Oberhof sein Zertifikat verloren hatte. Der Verein hatte nur sechs Monate Vorbereitungszeit. Diese Herausforderung führte zu einem großen Gemeinschaftsprojekt: Hunderte Freiwillige aus dem Ort sagten ihre Unterstützung zu. Daraus entstand die bis heute legendäre Helfergruppe, die sich selbst „Free Willis“ nennt. Im Oktober 1994 erhielt die Mühlenkopfschanze das FIS-Zertifikat.

Am 8. Januar 1995, exakt 85 Jahre nach der Vereinsgründung, fand das erste FIS-Weltcup-Skispringen in Willingen mit 35.000 Zuschauern statt. Die Premiere wurde ein Erfolg und machte Willingen weltweit bekannt. Seit 1999 ist Willingen jährlich fester Bestandteil des Weltcup-Kalenders.

Der SC Willingen etablierte sich als professioneller Veranstalter im internationalen Skispringen. Die Weltcups locken jährlich über 40.000 Zuschauer an. Mit der Erweiterung der Anlagen und dem Bau moderner Tribünen, Medienräume und Technik wurde die Mühlenkopfschanze zu einem multifunktionalen Wintersportzentrum ausgebaut. Seit 2021 finden in Willingen auch Weltcup-Springen der Frauen statt.

Organisation und Struktur

Der SC Willingen ist ein eingetragener Verein (e. V.) mit einem mehrköpfigen Vorstand und Fachwarten für die Sparten:

  • Skispringen
  • Nordische Kombination
  • Biathlon
  • Langlauf
  • Fußball
  • Breitensport

Kooperationen bestehen mit dem Hessischen Skiverband (HSV), dem Deutschen Skiverband (DSV) sowie der Gemeinde Willingen.

Skisport

Biathlon

Bekannteste Biathletin des SC Willingen ist Petra Behle. Sie wurde 1998 Olympiasiegerin in der Staffel. Darüber hinaus wurde sie neunmal Weltmeisterin. Stephanie Müller wurde 2007 Vizeeuropameisterin. Tobias Lindner wurde 1990 Deutscher Meister und 1989 Militärweltmeister. Nadine Horchler wurde im Jahre 2016 Europameisterin und gewann die Gesamtwertung des IBU-Cups. 2017 gewann Horchler den Massenstart der Damen in Antholz. 2012 wurde Carolin Hennecke Deutsche Vizemeisterin im 7,5-Kilometer-Sprint. Die erste Biathlon-Bundestrainerin der Frauen, Renate Schinze, gehört dem SC Willingen an. Auch in jüngerer Zeit haben sich Nachwuchsathleten des SC Willingen auf internationaler Ebene hervorgetan. Linus Kesper gewann bei den Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften 2024 im estnischen Otepää die Bronzemedaille im Sprint sowie die Silbermedaille im Mixed-Team gemeinsam mit Leonhard Pfund, Julia Tannheimer und Marlene Fichtner. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 2025 im schwedischen Östersund wurde er als Schlussläufer im Mixed-Team zusammen mit Alma Siegismund, Charlotta de Buhr und Fabian Kaskel Weltmeister. Marie Keudel erreichte bei den Olympischen Jugend-Winterspielen 2024 in Gangwon sowohl im Einzel als auch in der Single-Mixed-Staffel gemeinsam mit Korbinian Kübler jeweils den zweiten Platz und gewann damit zwei Silbermedaillen.

Skispringen

Seit 1951 nutzt die Skisportabteilung die Mühlenkopfschanze. Anna Häfele wurde im Jahre 2011 Deutsche Meisterin. Jenna Mohr wurde in den Jahren 2004 und 2008 Deutsche Vizemeisterin im Skispringen. Der bekannteste Skispringer des Ski-Club Willingen ist Stephan Leyhe. Er wurde 2018 Deutscher Vizemeister und gewann bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2019 die Goldmedaille im Teamwettbewerb. Bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking sicherte er sich gemeinsam mit Constantin Schmid, Markus Eisenbichler und Karl Geiger die Bronzemedaille im Teamwettbewerb. Zu seinen weiteren Erfolgen zählen der dritte Platz bei der Vierschanzentournee 2018/19 sowie sein erster Weltcupsieg im Jahr 2020 beim Heim-Weltcup auf der Mühlenkopfschanze, bei dem er auch die Gesamtwertung der Willingen Five gewann. Nach der Saison 2024/25 beendete Leyhe seine aktive Karriere. Auch im Nachwuchsbereich ist der SC Willingen international vertreten: Robin Kloss verpasste bei den Nordischen Junioren-Skiweltmeisterschaften 2025 in Lake Placid im Teamwettbewerb zusammen mit Max Unglaube, Alex Reiter und Yann Kullmann mit dem vierten Platz nur knapp eine Medaille.

Fußball

Schnelle Fakten
Fußball
SpielstätteHoppecketalstadion
Plätze
Cheftrainer Rainer Schramme, Dardan Kodra
LigaVerbandsliga Hessen-Nord
2024/251. Platz   (Gruppenliga Kassel 1)
Heim
Auswärts
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Im Jahre 1949 wurde der FC Upland Willingen-Waldeck gegründet, der aus finanziellen Gründen nach wenigen Jahren aufgelöst wurde. Die heutige Fußballabteilung des SC Willingen wurde im Januar 1965 gegründet. Gleich in der ersten Saison stiegen die Willinger Kicker in die B-Klasse auf und erreichten im Jahre 1973 die Bezirksliga. Sieben Jahre später wurde Wolfgang Paul als Trainer verpflichtet, der 1966 mit Borussia Dortmund den Europapokal der Pokalsieger gewann. Im Jahre 1986 gelang der Aufstieg in die Landesliga Nord. Unterstützt durch das Hotel Sauerlandstern etabliert sich der SCW schnell in dieser Spielklasse.[1] Am letzten Spieltag der Saison 1990/91 sicherte sich die Mannschaft durch ein 1:1 bei TuSpo Ziegenhain den Aufstieg in die Oberliga Hessen.[2]

Dort traf die Mannschaft in der Saison 1991/92 auf namhafte Gegner wie Kickers Offenbach oder den KSV Hessen Kassel. Nachdem die Mannschaft in der Hinrunde sieglos geblieben war, erreichte die Mannschaft in der Rückrunde noch sieben Erfolge, was jedoch nur zum vorletzten Platz reichte. Die Willinger mussten absteigen und die lokale Presse warf der Vereinsführung Größenwahn vor.[1] Im Jahre 1995 gelang der Wiederaufstieg in die mittlerweile viertklassige Oberliga. Die Willinger wurden Dritter ihrer Landesligastaffel und gewannen die Relegationsrunde gegen die anderen Landesligadritten sowie den Oberligadrittletzten RSV Petersberg. Erneut folgte nach einer Saison der direkte Wiederabstieg. Mit dem 7:1-Sieg über Progres Frankfurt gelang dem SCW in der Saison 1995/96 der höchste Sieg seiner Oberligageschichte.

Es folgten zwei Vizemeisterschaften in der Landesliga Nord hinter dem FV Steinau bzw. dem SVA Bad Hersfeld. Die Willinger scheiterten jedoch in den Relegationsspielen am VfR Bürstadt (1997) bzw. dem SV Jügesheim (1998). Es folgten mehrere Jahre in der Landesliga, die seit 2008 Verbandsliga genannt wird. Im Jahre 2009 stiegen die Willinger in die Gruppenliga Kassel ab. Nach einer Vizemeisterschaft hinter dem Melsunger FV 08 scheiterte der SCW in der Relegation am VfL 1886 Kassel. Ein Jahr später stiegen die Willinger als Meister wieder in die Verbandsliga Nord auf, die bis 2024 die sportliche Heimat der Mannschaft war.

Bekannte Sportler/Athleten

Einzelnachweise

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