Safe (1995)

Film von Todd Haynes (1995) From Wikipedia, the free encyclopedia

Safe ist ein US-amerikanisches Psychodrama aus dem Jahr 1995, geschrieben und inszeniert von Todd Haynes mit Julianne Moore in der Hauptrolle.[1]

TitelSafe
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1995
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Safe
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1995
Länge 119 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Todd Haynes
Drehbuch Todd Haynes
Produktion Christine Vachon,
Lauren Zalaznick
Musik Ed Tomney
Kamera Alex Nepomniaschy
Schnitt James Lyons
Besetzung
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Handlung

Der Film spielt im Jahr 1987 und handelt von Carol White, gespielt von Julianne Moore, in einem Vorort von Los Angeles, deren eintöniges Hausfrauenleben in sich zusammenbricht, als sie an einer mysteriösen Krankheit erkrankt, die möglicherweise durch ihre Umgebung verursacht wird.

Carol verbringt ihre Tage mit Aktivitäten wie Gartenarbeit und Aerobic. Ihre Ehe und ihr Familienleben scheinen stabil, aber oberflächlich und ihre Freunde sind höflich, aber distanziert. Nach der Renovierung ihres Hauses treten bei Carol plötzlich körperliche Symptome auf, sobald sie sich in der Nähe bestimmter Alltagschemikalien aufhält: Sie hustet unkontrolliert, wenn sie beim Autofahren die Abgase eines nahegelegenen Lastwagens einatmet, hat Atemprobleme bei einer Babyparty und leidet unter Nasenbluten, wenn sie sich in einem Friseursalon eine Dauerwelle machen lässt. Während sich ihre Symptome verschlimmern, scheinen die Chemikalien, die sie auslösen, allgegenwärtig zu sein. Schließlich bricht sie in einer Reinigung, die mit Pestiziden ausgeräuchert wird, zusammen.

Die Ärzte sind ahnungslos, wie sie Carol heilen oder helfen können. Auch ihre Psychotherapiesitzungen zeigen keinen Erfolg. Sie stellt fest, dass sie mit ihrer Krankheit allein dasteht, während sich ihre Umgebung ihr gegenüber gleichgültig verhält; ihr Leben kann so nicht mehr funktionieren. Carol lässt ihr Haus, ihren Mann, ihre Besitztümer und ihr altes Leben hinter sich.

Sie zieht nach Wrenwood, in eine unheimlichen New-Age-Gemeinschaft für Menschen mit Umwelterkrankungen, mitten in der Wüste. Wrenwood, wird vom New-Age-Guru Peter geleitet, der Selbstliebe predigt. Er selbst lebe dank der Kraft positiver Gedanken sehr gut mit HIV.

Carols Beschwerden verstärken ihre Abschottung zunehmend. Schließlich zieht sie sich in einen streng abgeschirmten Raum zurück: Die Wände sind zusätzlich versiegelt, eine eigene Belüftung soll verhindern, dass Fremdstoffe eindringen. Dort lebt sie allein, getrennt von den Menschen um sie herum – auch von jenen, die vorgeben, ihre Erkrankung erklären zu können und ihr Verhaltensregeln auferlegen. In der Schlussszene steht sie von ihrem Bett auf, tritt vor den Spiegel und ist erstmals in Nahaufnahme zu sehen. Sie blickt geradeaus und wiederholt leise: „I love you … I love you … I love you“.[2]

Das Ende des Filmes hat Debatten darüber ausgelöst, ob Carol sich emanzipiert oder ihre Krankheit einfach gegen eine ebenso einengende Identität als zurückgezogene Invalidin eingetauscht hat. Julie Grossman argumentiert in ihrem Artikel The Trouble with Carol, dass Haynes den Film als Parodie der traditionellen Hollywood-Filmerzählung einer Heldin, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt, versteht und Carol sowohl das Opfer einer männlich dominierten Gesellschaft als auch einer ebenso schwächenden Selbsthilfekultur ist, welche Patienten dazu ermutigt, die alleinige Verantwortung für ihre Krankheit und Genesung zu übernehmen.[3]

Produktion

Haynes hörte 1991 in einem Nachrichtenmagazin zum ersten Mal von „Umwelterkrankungen“, die dort als „20th Century Disease“ (dt. „Krankheit des 20. Jahrhunderts“) bezeichnet wurden. Zusammen mit der Produzentin Christine Vachon besuchte er Organisationen, die sich für Menschen mit Umwelterkrankungen einsetzen, darunter das Response Team for the Chemically Injured in Atascadero, Kalifornien und The Chemical Connection in Wimberley, Texas.[4]

Für die Ausarbeitung und Positionierung des Projekts sprach Haynes in Interviews über Einflüsse, Tonfall und die bewusste Distanzierung von konventionellen Identifikationsangeboten im Bild- und Inszenierungsstil.[5] Auch in einem Radiointerview von 1995 erläuterte Haynes zentrale Motive des Films und seine Lesart von Krankheit, Umwelt und sozialer Isolation.[6]

Der Monolog, den Carol während ihrer Geburtstagsfeier hält, basiert tatsächlich auf der Abschrift eines der Interviews in Wimberley. Haynes recherchierte über New-Age- und Neugeist-Heilpraktiken und interessierte sich besonders für die Arbeit von Louise Hay. Ihre Bücher wurden vor allem während der AIDS-Epidemie unter schwulen Männern populär, weil sie ihnen erzählten, dass Selbstliebe ihre Krankheit heilen würde. Der fiktive Ort Wrenwood wurde von einem Yoga-Rückzugsort im Kripalu Center inspiriert.[4]

Für das Drehbuch plante Haynes, Barrieren zu errichten, die das Publikum daran hindern, der Figur Carol emotional nahe zu kommen. Dieses Konzept verfolgte er später auch in Dem Himmel so fern. Er benutzte Red Herrings, um das Publikum dazu zu bringen, bestimmten Charakteren zunächst zu vertrauen, so z. B. dem Anführer von Wrenwood, einen homosexuellen Mann. Haynes, seinerseits in einer homosexuellen Beziehung lebend, dachte, ein schwuler Mann sei für das Publikum vertrauenswürdig.

Für die Rolle der Carol war zunächst Susan Norman eingeplant, die später stattdessen die Rolle der Linda spielen sollte. Julianne Moores Agentin wandte sich an Vachon und bestand auf ein Vorstellungsgespräch. Moore wusste genau, wie sie die Rolle der Carol spielen wollte, sobald sie das Drehbuch gelesen hatte: „Ich wollte, dass die Figur ihren Kehlkopf überhaupt nicht belastet“ und genau das tat sie bei dem Vorsprechen, das ihr die Rolle einbrachte.

Der Kameramann Alex Nepomniaschy schlug Haynes Die rote Wüste als optisches Vorbild vor. Gemeinsam beschlossen sie, die Kamera nie nah an die Figuren heranzulassen, um eine emotionale Distanz zu wahren.

Potenzielle Investoren wollten, dass Haynes erfolgreiche Elemente aus seinem Vorgängerfilm Poison wieder aufgreift, aber dieser weigerte sich, da Safe „ein ganz anderer Film ist.“ Dadurch dauerte es lange, bis Haynes das notwendige Budget von etwa 1 Million Dollar zusammensparen konnte. Schließlich begannen die Dreharbeiten am 1. Januar 1994 in Los Angeles und dauerten 6 Wochen.

20 Jahre nach der Veröffentlichung des Films sagte Haynes, dass seine Themen – Krankheit und Immunität in einer postindustriellen Landschaft und die Tatsache, dass die Genesung eine Last ist, die den Opfern von Krankheiten oft aufgebürdet wird – sogar noch aktueller seien als zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Films.[6]

Veröffentlichung

Safe feierte seine Weltpremiere auf dem Sundance Film Festival am 25. Januar 1995.[7] In der Folge wurde Safe 1995 auch in der Quinzaine des cinéastes (Directors Fortnight) bei den Internationalen Filmfestspiele in Cannes gezeigt.[8] Sony Pictures Classics brachte den Film in den USA am 23. Juni 1995 als Limited Release in die Kinos.[9]

2014 wurde er in die Criterion Collection aufgenommen.[10][11]

Rezeption

Der Film wurde von The Village Voice zum „besten Film der 1990er Jahre“ geführt[10] und von anderen Kritikern als „der gruseligste Film des Jahres“, „ein hypnotisierender Horrorfilm“ und „ein Werk des feministischen Gegenkinos“ bezeichnet. 2014 wurde er in die Criterion Collection aufgenommen.[12] Ebenso ist er in der Liste 1001 Movies You Must See Before You Die inkludiert.

Safe erhielt positive Kritiken. Die Webseite Rotten Tomatoes meldet 87 % Zustimmung auf der Grundlage von 60 Kritiken, mit einer durchschnittlichen Bewertung von 7,4/10 und auf Metacritic hält der Film einen Wert von 76/100.

Eine abweichende Meinung präsentiert Janet Maslin in der New York Times. Sie lobt die erste Hälfte des Films, kommt aber zu dem Schluss, dass „Safe, so brillant er auch beginnt, schließlich seiner eigenen modernen Krankheit erliegt, da der Filmemacher auf einer kühlen Zweideutigkeit besteht, die mehr Abneigung als Interesse erzeugt.“ Mr. Haynes mache sich über die New Age lustig, mache sich aber gleichzeitig ihre „Angewohnheiten zu eigen“. Ein weiteres Problem sei, dass „der Schatten der AIDS-Epidemie implizit über [Carols] Verfall hängt“, aber selbst nicht viel zur Geschichte von Safe beitrage. Das Ende sei damit „dem inspirierenden Anfang nicht würdig“.[13]

Maximilian Breckwoldt hob im Sissymag die distanzierte Inszenierung und die thematische Verbindung von Krankheit, sozialer Isolation und Selbstbestimmung hervor: „Mit dem experimentellen Frühwerk Haynes‘ eint ‚Safe‘ ein kritischer Blick auf die Pathologisierung von Andersartigkeit innerhalb vermeintlich vertrauenswürdiger Strukturen: so wie Krankheit schnell Isolation bedeutet, als Folge der Infektionsangst einer Gesellschaft. Doch in ihrem Status als Ausgestoßene finden Haynes‘ Protagonist:innen erst die Freiheit, selbstbestimmt leben zu können – wie Carol, die sich aus ihrer passiven Haltung emanzipiert. Für Haynes steht fest: Krankheit ist ein Symptom. Und das gesellschaftliche Ringen um Kontrolle über das Individuum ist ihr Ursprung.“[2]

Auszeichnungen (Auswahl)

Einzelnachweise

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