Saint-Tropez
französische Gemeinde
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Saint-Tropez [] ist eine französische Gemeinde, ein kleiner Hafenort mit rund 3.582 Einwohnern (1. Januar 2023) an der Côte d’Azur am Mittelmeer. Es gehört administrativ zum in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur gelegenen Département Var und dort zum Kanton Sainte-Maxime im Arrondissement Draguignan.
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| Saint-Tropez | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Provence-Alpes-Côte d’Azur | |
| Département (Nr.) | Var (83) | |
| Arrondissement | Draguignan | |
| Kanton | Sainte-Maxime | |
| Gemeindeverband | Golfe de Saint-Tropez | |
| Koordinaten | 43° 16′ N, 6° 38′ O | |
| Höhe | 0–115 m | |
| Fläche | 11,18 km² | |
| Bürgermeister | Sylvie Siri (DVD) | |
| Einwohner | 3.582 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 320 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 83990 | |
| INSEE-Code | 83119 | |
| Website | saint-tropez.fr | |
Ansicht eines Teils der Hafenpromenade von Saint-Tropez | ||
Der Name des Ortes kennt in provenzalischer Sprache zwei Schreibweisen: Sant Tropetz [] ist die klassische Schreibung, Sant-Troupès [] die vom Neuerer der provenzalischen Literatur und Publizistik im 19. Jahrhundert, Frédéric Mistral, empfohlene.
Beschreibung
Saint-Tropez liegt östlich des Massif des Maures am Nordufer einer Halbinsel. Es wird von einer zwischen 1602 und 1607 erbauten Zitadelle mit Ausblick auf die Stadt überragt.[1] Diese beherbergt ein Museum für Seefahrts- und Ortsgeschichte.[2]
Saint-Tropez ist berühmt für seinen großen Yachthafen und die Baie de Pampelonne, den größten Sandstrand der Côte d’Azur, der sich bis weit in das Gebiet der Nachbargemeinde Ramatuelle erstreckt. Viele Prominente aus dem In- und Ausland verbringen ihren Urlaub in Saint-Tropez, unter anderem in den – wiederum zu Ramatuelle gehörenden – Strandklubs Tahiti Plage, Club 55, Nikki Beach, Aqua Club, Bagatelle Beach. In Saint-Tropez gibt es zahlreiche gehobene Restaurants und Ladengeschäfte.
Auf der Halbinsel zum Cap de Saint-Tropez liegt die geschlossene Wohnanlage Le Parc, ein 110 Hektar großes Anwesen, gegründet in den 1950er Jahren. Heute sind die dort errichteten 200 Villen im Besitz von reichen Personen und Familien, etwa Lakshmi Mittal, Bouygues und Bernard Arnault.[3]
Geschichte
Die Ursprünge von Saint-Tropez liegen weitgehend im Dunkeln. Möglicherweise befand sich an dieser Stelle bereits eine griechische Ortschaft, die in antiken Quellen als Athenopolis Massiliensium bezeichnet wurde und ein Außenposten der Phokäersiedlung Massalia (Marseille) war. Nach der Eroberung der Provence durch die Römer unter Julius Caesar entstanden zahlreiche römische Villen (Landgüter) in der Region. Der Ort ist nun unter dem lateinischen Namen Heraclea-Caccaliera belegt.[4][5]
Nach dem Zerfall des Römerreiches und wechselnden Herrschaften von Westgoten, Ostgoten, Burgundern und Franken ließen sich im 10. Jahrhundert arabische Korsaren auf der Halbinsel von Saint-Tropez nieder, das in dieser Zeit als Fraxinet in den Quellen genannt wird. Im Jahr 967 wurden die Muslime von Wilhelm I., dem Grafen der Provence, vertrieben, und bald darauf, im 11. Jahrhundert, ist erstmals der Ortsname Saint-Tropez bezeugt: Drei Schriftstücke aus den Jahren 1055/1056 berichten von einer an diesem Ort errichteten, nach dem Heiligen Torpes benannten Kirche.[6][7]
Im 14. Jahrhundert wurde der Ort infolge von Erbfolgekriegen, einer Pestepidemie und des damit verbundenen wirtschaftlichen Niederganges aufgegeben und erst ab 1436 auf Betreiben des „guten Königs René“ (Graf René I.) neu gegründet. Zu diesem Zweck siedelte René 60 genuesische Familien unter der Führung des Edelmannes Raphaël de Garezzio in Saint-Tropez an, das fortan auf mehrere Jahrhunderte Steuerfreiheit und eine weitgehende Autonomie genoss. De Garezzio ließ Stadtmauern errichten, von denen zwei mächtige Türme bis heute erhalten sind. Saint-Tropez konstituierte sich als weitgehend unabhängige Stadtrepublik mit eigener Flotte und Armee, die erfolgreich osmanische und spanische Angriffe abwehrten und den Ort zu einem wichtigen Verteidigungsposten der französischen Krone am Mittelmeer machten.
Mit der Grafschaft der Provence fiel Saint-Tropez 1481 an Frankreich, doch seine Privilegien wurden erst im Zuge der Zentralisierungspolitik des Sonnenkönigs Ludwigs XIV. und der damit verbundenen Neuordnung der französischen Kronlande aufgehoben. Unterdessen profitierte Saint-Tropez vor allem von seiner Funktion als Hafenstadt; seine Einwohner lebten von Schiffsbau, Küstenschifffahrt, Fischerei und Warenhandel.
Vom 18. Jahrhundert an konnte Saint-Tropez mit der raschen Entwicklung der größeren Hafenstädte Marseille und Toulon nicht Schritt halten und verpasste im 19. Jahrhundert durch die mangelhafte Anbindung an wichtige kontinentale Verkehrsnetze, insbesondere durch das Fehlen eines Eisenbahnanschlusses, die mit der Industrialisierung einhergehende Modernisierung. Jedoch blieb der Schiffsbau in Saint-Tropez im 19. Jahrhundert ein wichtiger Wirtschaftszweig.
Ende des Jahrhunderts beherbergte das Städtchen eine Künstlerkolonie, und dies bedeutete seine Entdeckung als Anziehungspunkt für weitere Kunstschaffende und Schriftsteller, in deren Gefolge der Fremdenverkehr im 20. Jahrhundert zunahm und zum wichtigsten Gewerbe hier wie in vielen weiteren Städten und Kommunen an der ganzen Côte d’Azur wurde.[8]
Der Schriftsteller Guy de Maupassant schrieb in Saint-Tropez ein Tagebuch, das er 1888 unter dem Titel Sur l’eau veröffentlichte.[9] Zu den Malern, die Saint-Tropez besuchten oder einige Zeit hier lebten, gehörten Paul Signac, Henri Matisse, Pierre Bonnard, Raoul Dufy, Albert Marquet, Charles Camoin und Henri Manguin, deren Werke im Musée de l’Annonciade in der Nähe des Hafens ausgestellt sind. In der Zwischenkriegszeit waren die Schriftsteller Kurt Tucholsky, Sybille Bedford, Colette, die Schauspielerin Arletty und viele andere von der Schönheit des Ortes begeistert.[9] Nach dem Zweiten Weltkrieg – 1944 landeten alliierte Truppen in der Operation Dragoon in der Nähe des Städtchens – erlebte Saint-Tropez abermals einen Aufschwung, als es zu einem Treffpunkt von Künstlern und Schriftstellern einer jüngeren Generation, darunter Boris Vian, Françoise Sagan und der Leinwandstar Brigitte Bardot, und ein Anziehungspunkt für den internationalen Jetset und Angehörige der Oberschicht wurde.[9]

In Deutschland wurde Saint-Tropez vor allem in den 1960er Jahren durch die Heirat des als Playboy bekannten Gunter Sachs mit Brigitte Bardot und durch mehrere bis in die frühen 1980er Jahre gedrehte Filme mit Louis de Funès (Der Gendarm von St. Tropez) berühmt. In der ehemaligen Polizeiwache, die Handlungsort der Filme war, wurde 2016 das Musée de la Gendarmerie et du Cinéma de Saint-Tropez eröffnet.[10] 1965 entstand am äußeren Ende der Bucht das als künstliches „Mini-Venedig“ entworfene Port Grimaud. In Gestalt der Diskothek „Voom Voom“,[11] entworfen von Nicolas Schöffer und Paul Bertrand, erhielt Saint-Tropez im Jahr 1966 eine „lumino-dynamische“ Neuerung, mit der sich Schöffer auf die in diesem Jahrzehnt propagierte „sexuelle Befreiung“ bezog. Bardot, Sexsymbol ihrer Zeit, war oft zu Gast hier.
Das hügelige Hinterland von Saint-Tropez war über Jahrhunderte bäuerlich geprägt und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts dicht besiedelt. Landflucht führte vorübergehend zur Entvölkerung, die erst in den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts durch den mit dem Tourismus verbundenen Immobilienerwerb und durch zahlreiche Renovierungen und Neubauten aufgehalten und ins Gegenteil verkehrt werden konnte. Heute zählt die gesamte südliche Provence zu den begehrtesten und wohlhabendsten Gegenden Frankreichs.
Verkehrsanbindung
Autobusse der Transportgesellschaft des Départements Var, Varlib, verbinden Saint-Tropez u. a. mit den Städten Saint-Raphaël und Toulon. Einen Bahnanschluss hat Saint-Tropez seit der Stilllegung des Train des Pignes, einer Schmalspurbahn, die zwischen Saint-Raphaël und Toulon verkehrte, nicht mehr. 15 Kilometer südwestlich des Ortes liegt der Flughafen Saint-Tropez. Internationalen Anschluss hat die Stadt durch mehrere größere Flughäfen in der Nähe: den Flughafen Nizza Côte d’Azur (ca. 100 Kilometer entfernt), den Flughafen Marseille Provence (ca. 145 Kilometer entfernt) und den Flughafen Toulon-Hyères. Im Straßenverkehr ist in der Ferienzeit im Juli und August tagsüber (von etwa 10 bis 20 Uhr) mit bis zu zweistündige Verzögerungen zu rechnen. Saint-Tropez ist von Sainte-Maxime aus auch mit Personenfähren erreichbar.
Sehenswürdigkeiten


- La Citadelle
- Die Festung oberhalb der Stadt ist ein sechseckiger wuchtiger Bau aus dem 16. Jahrhundert. Hier befindet sich auch das Marinemuseum Musée de la Citadelle, in dem u. a. die Geschichte der Stadt und ihrer Umgebung dokumentiert ist. Von der Plattform der Festungsanlage hat man einen imposanten Blick über Saint-Tropez und den Golf von Saint-Tropez.
- Musée de l’Annonciade
- In einer ehemaligen Kapelle aus dem 16. Jahrhundert ist die Kunstsammlung des Industriellen Georges Grammont untergebracht.
- Musée de la Gendarmerie et du Cinéma
- Place des Lices
- Auf dem mit Platanen bestandenen Platz, der auch als Marktplatz dient, werden jeden Dienstag und Samstag provenzalische Spezialitäten angeboten. Zwischen den Markttagen bietet er die Möglichkeit, in Ruhe unter den Bäumen zu sitzen und Boule zu spielen.
- Hafen mit der Môle Jean-Réveille
- Unmittelbar am historischen Ortskern liegen der der alte Hafen und ein Yachthafen, in den Sommermonaten ein mondäner Treffpunkt für Wohlhabende aus aller Welt.
- Quartier de la Ponche
- Maison des Papillons[12]
- Notre-Dame-de-l’Assomption de Saint-Tropez
- Mitten in der Altstadt, umgeben von romantischen Gassen, steht die aus dem 16. Jahrhundert stammende Kirche. Nach der zwischenzeitlichen Zerstörung wurde sie zwischen 1769 und 1784 neu aufgebaut. Lediglich der im Jahr 1694 erbaute Turm ist von dem älteren Bauwerk übrig geblieben. Er leuchtet in Gelb und Ocker über der Stadt und ist deren unverkennbares Wahrzeichen.
- Cimetière Marin
- Pittoresker Friedhof mit Meerblick.
- Die Strände von Canebiers und Pampelonne
Waldbrände
In den Sommermonaten kommt es in der ausgedörrten, mit Pinien bewachsenen Umgebung von Saint-Tropez entlang des Maurenmassivs seit Jahrhunderten häufig zu verheerenden Waldbränden. Bereits im Jahr 1271 wurde davon berichtet.[13] Einwohner und Touristen werden gelegentlich vor den Flammen am Rand der Stadt evakuiert.[14][15]
Kunst und Saint-Tropez

In der Geschichte der modernen Kunst spielt Saint-Tropez eine herausragende Rolle.
Paul Signac entdeckte diesen lichterfüllten Ort und holte Maler wie Matisse, Bonnard oder Marquet nach Saint-Tropez. Hier entwickelte sich die Malerei vom Pointillismus zum Fauvismus. Diese Entwicklung ist im Musée de l’Annonciade von Saint-Tropez eingehend dokumentiert. Alf Bayrle verbrachte zwischen 1928 und 1934 Monate in Saint-Tropez als Gast bei Madame Aude.
Pablo Picasso malte hier die Odalisque.
Auch für die nächste Generation blieb Saint-Tropez ein Anziehungspunkt. Bernard Buffet, Massimo Campigli, David Hockney lebten und arbeiteten in Saint-Tropez. Heute setzt der in Saint-Tropez lebende Maler Stefan Szczesny diese Tradition fort.
In den französischen Gelben Seiten sind in Saint-Tropez 14 Kunstgalerien verzeichnet.[16]
- Blick auf den Hafen (Panorama)
- Blick auf Saint-Tropez (von der Zitadelle)
- Alte Gendarmeriestation
- Kirche von Saint-Tropez mit Blick nach Port Grimaud
- Tour Jarlier
- Die Zitadelle von Saint-Tropez
- Ortstafel Saint Tropez mit französischer und provenzalischer[17] Beschriftung
Musik
Das Klischee von Saint-Tropez als Luxusurlaubsort der High Society hat zu einer Erwähnung des Ortes in zahlreichen Liedtexten geführt wie z. B. Welcome to St. Tropez von DJ Antoine. Auch in Partyschlagern[18] und Raptexten[19] wird Saint-Tropez genannt.
Veranstaltungen
Seit 2021 ist Saint-Tropez auch der Gastgeber für den Internationalen Segelwettbewerb SailGP.[20][21] Für das French SailGP Team startet seither Quentin Delapierre als Steuermann.
Saint-Tropez ist auch Austragungsort des seit 2021 stattfindenden Tennisturniers Saint-Tropez Open.
Persönlichkeiten
In Saint-Tropez gebürtig:
- Marcel Aubour (* 1940), Fußballspieler
- Arthur Bauchet (* 2000), paralympischer Alpinskifahrer
- Salim Ben Seghir (* 2003), Fußballspieler
Saint-Tropez eng verbunden:
- Brigitte Bardot (1934–2025), Schauspielerin, Sängerin, Model und Tierschützerin, lebte hier von 1958 bis zu ihrem Tod.
Literatur
- Klaudia Homann, Eberhard Homann: St. Tropez und Umgebung. 1. Auflage. Reise Know-How Verlag Rump, Bielefeld 2006, ISBN 3-8317-1479-7.
- Andreas Lueck (Hrsg.): Szczesny. Saint-Tropez. Szczesny Factory & Publishing, Berlin 2009, ISBN 978-3-9808881-8-9.
- Ralf Nestmeyer: Provence und Côte d’Azur. Literarische Reisebilder aus dem Midi. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-93654-8.
- Ralf Nestmeyer: Côte d’Azur. 7. Auflage. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2012, ISBN 978-3-89953-680-5.
- Szczesny. Best of Saint-Tropez. Szczesny Factory & Publishing GmbH Berlin, Berlin 2015, ISBN 978-3-9813406-7-9.
- Natalie Fischer: Saint-Tropez – Kaleidoskop der Region | Kaléidoscope de la région. MONS Verlag, 2022, ISBN 978-3-946368-14-4, S. 240.
Weblinks
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- Gemeinde Saint-Tropez (französisch)
- Fremdenverkehrsbüro von Saint-Tropez (französisch, italienisch, englisch)
