Sami Frey
französischer Schauspieler
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Sami Frey [sami fʁɛ] (* 13. Oktober 1937 in Paris, eigentlich Samuel Frei) ist ein französischer Schauspieler.
Leben und Schaffen
Freys Vorfahren stammten aus Polen. Als seine Eltern der nationalsozialistischen Judenverfolgung zum Opfer fielen, wurde er zunächst von seiner Großmutter versteckt und wuchs nach deren Deportation bei einer Tante in Rodez auf. Später, nach der Befreiung Frankreichs, kehrte Frey nach Paris zurück und besuchte dort den renommierten Cours Simon, um Schauspieler zu werden.[1]

Im Jahr 1956 erhielt Frey in Die Wölfe von Robert Hossein seine erste größere Filmrolle, nachdem er ein Jahr zuvor, nur 17-jährig, eine winzige Rolle in dem Monumentalfilm Napoleon gehabt hatte. Bekannt wurde er als Liebhaber der von Brigitte Bardot verkörperten Hauptfigur in Henri-Georges Clouzots Die Wahrheit (1960); seine private Liebesaffaire mit Bardot verlieh ihm zusätzlich Aufmerksamkeit in den Medien. 1962 spielte er in Mittwoch zwischen 5 und 7 von Agnès Varda, einer prominenten Vertreterin der Nouvelle Vague.
In den 1960er und 1970er Jahren war Frey in vielen französischen Filmen in Haupt- und Nebenrollen zu sehen, darunter Die Tat der Thérèse D. (1962, nach François Mauriac) und Die Außenseiterbande (1964) von Jean-Luc Godard, wo er einen Möchtegern-Gangster in einer Ménage-à-trois mit Claude Brasseur und Anna Karina gab. Weitere Erfolge hatte er mit Claude Sautets César und Rosalie (1972) mit Yves Montand und Romy Schneider und mit der Komödie Warum nicht! (1977) von Coline Serreau, auch dies Dreiecksgeschichten, sowie in Kostümfilmen wie Angélique und der König in der beliebten Angélique-Reihe.
In den 1980er Jahren spielte er unter anderem den blinden Geliebten von Isabelle Adjani in Das Auge (1983) und das Beinahe-Opfer von Theresa Russell in Die schwarze Witwe (1987). Sein US-amerikanisches Filmdebüt gab er 1984 in Die Libelle.
In den 1990er Jahren trat er als Antonin Artaud in dem biografischen Spielfilm En compagnie d’Antonin Artaud (1993) und an der Seite von Sophie Marceau als Aramis unter der Regie von Bertrand Tavernier in D’Artagnans Tochter (1994) auf. Mit Marceau war er 2005 auch in dem Thriller Anthony Zimmer (Fluchtpunkt Nizza) von Jérôme Salle zu sehen.
Abseits der Kinoleinwand ist Frey in Frankreich vor allem als Bühnenschauspieler bekannt, der sowohl in klassischen wie in modernen Stücken, auf Theaterfestivals wie auf experimentellen Bühnen, überwiegend in Paris, aufgetreten ist. So spielte er 1962 in Im Dickicht der Städte von Bertolt Brecht im Théâtre des Champs-Élysées, 1963 unter der Regie von Jean-Louis Barrault in Der seidene Schuh von Paul Claudel am Théâtre de l’Odéon, 1966 in Jean Racines Bérénice am Théâtre National Populaire Villeurbanne, 1970 in Der Einäugige ist König von Carlos Fuentes auf dem Festival von Avignon und 1973 in Toller von Tankred Dorst in einer Inszenierung von Patrice Chéreau am TNP Villeurbanne. Im Jahr 1984 inszenierte er Betrogen von Harold Pinter am Théâtre des Célestins, 1988 Ich erinnere mich nach Georges Perec mit dem TNP Villeurbanne auf dem Festival von Avignon. Mit Jeanne Moreau las er 2007/2008 Quartett von Heiner Müller, wieder auf dem Festival von Avignon sowie im Théâtre de la Madeleine in Paris, und im Jahr 2021, allein, aus Ein Lebender geht vorbei von Claude Lanzmann im Théâtre de l’Atelier.
Nach kürzeren Liebesbeziehungen mit Pascale Audret und Brigitte Bardot Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre war Sami Frey etwa zwanzig Jahre der Lebenspartner der Schauspielerin Delphine Seyrig.
Filmografie (Auswahl)
- 1955: Napoleon (Napoléon)
- 1956: Die Wölfe (Pardonnez nos offenses)
- 1958: Die Ratten von Paris (Les Jeux dangereux)
- 1959: Die Nacht der Gehetzten (La Nuit des traqués)
- 1960: Die Wahrheit (La Vérité)
- 1961: Nackt jeden Abend (Gioventù di notte)
- 1961: Die sieben Hauptsünden (Les Sept Péchés capitaux)
- 1962: Verwirrung (Il disordine)
- 1962: Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7 (Cléo de 5 à 7)
- 1962: Die Tat der Therese D. (Thérèse Desqueyroux)
- 1963: Gangster, Gold und flotte Mädchen (L’Appartement des filles)
- 1964: Die Außenseiterbande (Bande à part)
- 1964: Unter dem Himmel von Florenz (La costanza della ragione)
- 1966: Angélique und der König (Angélique et le Roy)
- 1966: Wer sind Sie, Polly Magoo? (Qui êtes-vous, Polly Maggoo?)
- 1968: Hemmungslose Manon (Manon 70)
- 1970: Die Marquise von B. (TV-Zweiteiler)
- 1971: Musketier mit Hieb und Stich (Les Mariés de l’an II)
- 1972: Paulina 1880
- 1972: César und Rosalie (César et Rosalie)
- 1974: Sweet Movie
- 1975: Eine Frau zieht ein (TV-Film)
- 1976: Nea – Ein Mädchen entdeckt die Liebe (Néa)
- 1977: Warum nicht! (Pourquoi pas!)
- 1978: Die geheimnisvolle Sekte (Écoute voir …)
- 1983: Das Auge (Mortelle randonnée)
- 1984: Der Leibwächter (Le Garde du corps)
- 1984: Die Libelle (The Little Drummer Girl)
- 1985: Der Mann, der weint (La Vie de famille)
- 1986: Laputa
- 1986: Die Liebe der Florence Vannier (L’État de grâce)
- 1987: Die schwarze Witwe (The Black Widow)
- 1988–1989: Feuersturm und Asche (War and Remambrance) (Fernsehserie, zwölf Folgen)
- 1990: Die Rückkehr (L'Africana)
- 1992: Zwischensaison (Hors saison)
- 1992: La Voix
- 1993: En compagnie d’Antonin Artaud
- 1994: Dschungel der Gefühle (Traps)
- 1994: D’Artagnans Tochter (La Fille de d’Artagnan)
- 1995: L'Amour conjugal
- 1995–1996: Adrien Lesage (Fernsehreihe, 2 Folgen)
- 2000: Les Acteurs
- 2002: La Repentie
- 2004: Pipermint – das Leben, möglicherweise
- 2005: Anthony Zimmer (Fluchtpunkt Nizza) (Anthony Zimmer)
- 2008: Diese Nacht (Nuit de chien)
- 2009: Mensch
- 2012: Le Nez dans le ruisseau
- 2015: Marguerite et Julien
- 2017: Numéro une
Auszeichnungen
- 1993: Bayard d’Or in der Kategorie Bester Darsteller beim Festival International du Film Francophone de Namur (Belgien) für En compagnie d’Antonin Artaud
- 1998: Ritter der Ehrenlegion[2]
- 2002: Commandeur des Ordre des Arts et des Lettres[3]