San Beneto
Kirchengebäude in Venedig,Italien
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San Beneto, gelegentlich San Benedetto genannt, ist eine profanierte Kirche im Sestiere San Marco am gleichnamigen Campo in Venedig, die gemeinhin um 1000 datiert wird. Das heutige, dritte Gebäude an dieser Stelle, entstand im 17. Jahrhundert am Nordrand des Platzes und steht im Schatten des rechter Hand gelegenen, deutlich größeren Palazzo Pesaro degli Orfei, auch Pesaro Orfei Fortuny oder einfach Palazzo Fortuny genannt.[1] Er beherbergt heute ein Museum.

Geschichte
Die zunächst romanische Kirche mit Holzdach soll von den Familien Caloprini, Burcali und Falier errichtet worden sein, der legendären Überlieferung nach im späten 10. Jahrhundert, möglicherweise erst im Jahr 1007, wie Giuseppe Tassini behauptet.[2] Im Jahr 1013 wurde sie von Giovanni und Domenico Falier dem Benediktinerkloster Santissima Trinità e San Michele Arcangelo in Brondolo bei Chioggia übergeben, einschließlich zahlreicher Schmuckgegenstände und der Bücher. Richtung Canal Grande bestand im 12. Jahrhundert eine Schiffswerft, in der sich Romano Mairano ein Schiff für seine weitläufigen Handelsfahrten bauen ließ.[3]
Im Jahr 1167 zerstörte ein Brand das Bauwerk, woraufhin die zweite, nunmehr dreischiffige Kirche mit drei Kapellen entstand,[4] wie auf der Karte des Jacopo de’ Barbari erkennbar. Auf Anordnung Papst Gregors IX. ging sie 1229 an die Zisterzienser über. Der Orden vernachlässigte die Kirche jedoch, und 1435 machte der erste Patriarch, Lorenzo Giustiniani, sie zu einer Pfarrkirche.

Durch den Einsturz des Campanile am 26. November 1540, wie die Barbaro-Chronik nach Tassini überliefert, wurde auch die Kirche beschädigt und immer baufälliger, sodass unter Patriarch Giovanni Tiepolo das dritte Gebäude zwischen 1619 und 1629 unter Federführung eines unbekannten Architekten erbaut wurde. Sie war nun nicht mehr ostwärts ausgerichtet, sondern wurde um 90 Grad gedreht, so dass die Apsis Norden wies. Die Kirche wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschlossen. 1810 wurde die Gemeindekirche der benachbarten Kirche San Luca unterstellt.
Im September 1927 heirateten dort Contessina Marina Volpi di Misurata (1908–1977), Tochter des seinerzeit einflussreichsten Politikers der Stadt Giuseppe Volpi, und Carlo Prinz Ruspoli di Poggio Suasa (1906–1947).[5]
Fassade
Die Fassade ist durch vier Pilaster dreigeteilt, die auf einfachen Sockeln mit Kompositkapitellen ruhen, auf denen wiederum ein Gesims aufliegt, das ein Gebälk trägt, in dessen Fries die Inschrift „D. BENEDICTO“ zu sehen ist. Das Gebäude trägt einen dreieckigen Giebel, der mit einem Zahnschnittrahmen verziert ist. Unmittelbar unter dem Gesims befindet sich ein Fenster, das an der Basis durch einen Streifen abgeschnitten ist, der die Wand horizontal durchzieht. Zwei weitere schmalere Bogenfenster, unterhalb der Mitte der Fassade, flankieren seitlich das Portal mit einem von Zinnen gestützten Giebel.
Ausstattung

San Benetto beherbergt Werke einer ganzen Reihe von Malern, wie das Hochaltarblatt von Carlo Maratta (sein einziges in Venedig),[6], dann von Jacopo Guarana, Sebastiano Mazzoni (zwei Bilder zu beiden Seiten des Presbyteriums), Antonio Fumiani und Gaspare Diziani. Hinzu kommt von Giambattista Tiepolo „Der heilige Franz von Paola in Ekstase“ aus den Jahren 1738/1740, das im Jahr 1994 restauriert wurde (Altarblatt des ersten Altars links), ebenso wie „Zwei Frauen versorgen den hl. Sebastian“ von Bernardo Strozzi auf dem zweiten Seitenaltar rechts.
Für die zweite Kirche malte Jacopo Tintoretto ein Hochaltarbild, eine Geburt Christi für die Contarini-Kapelle, sowie für die Orgelklappen und zwei Werke zur Verzierung der Orgelempore. Die beiden Altarbilder verschwanden während des Umbaus im frühen 17. Jahrhundert, aber die vier für die Orgel gemalten Leinwände sind erhalten geblieben. Sie wurden allerdings beschnitten und befinden sich heute an anderer Stelle. Die Verkündigung aus dem Inneren der Orgeltüren befindet sich im Rijksmuseum in Amsterdam. Die Orgelgemälde verblieben in der Kirche, bis sie 1730 verkauft wurden, um die Restaurierung der Orgel zu finanzieren.
Glockenturm
Der ursprüngliche Campanile, der freistehende Glockenturm, trug eine Zuckerhutspitze und vier Zinnen, wie noch die Jacopo-de’-Barbari-Karte zeigt. Er stürzte am 26. November 1540 ein und beschädigte die Kirche schwer. Erst während des Wiederaufbaus in den Jahren von 1619 bis 1695 wurde er durch den heutigen Campanile ersetzt, der einen achteckigen Tambour und eine Zwiebelkuppel trägt.
Literatur

- Jeff Cotton: San Beneto. 1619–1629, Churches of Venice
- Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Venedig, Leipzig 2008, 2. Aufl. 2013, S. 58–60.
- Benjamin Paul: Jacopo Tintoretto and the Church of San Benedetto in Venice, in: Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz 49 (2005) 377–412.