San Samuele

Kirchengebäude in Venedig From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Kirche San Samuele (San Samuele Profeta) im venezianischen Sestiere San Marco ist eine der wenigen Kirchen der Stadt mit direktem Zugang zum Canal Grande. An den beiden anderen Seiten des gleichnamigen Campo liegen der Palazzo Grassi und der Palazzo Malipiero sowie die Vaporetto-Station San Samuele.

San Samuele Fassade und der Glockenturm
Restaurierte Fresken, Darstellungen der Paduaner Schule (2. Hälfte 15. Jahrhundert) mit vier Sybillen und ihren Prophezeiungen. Dargestellt sind die „Sybilla Agripa“, „Persica“, „Hellespontina“ und die „Sybila Phrygia“

Benannt ist die Kirche nach den alttestamentlichen Propheten Samuel, dessen Reliquien in der Kirche aufbewahrt werden.

Geschichte

Luca Carlevarijs: San Samuele und der Palazzo Malipiero, um 1716

Die Kirche wurde um das Jahr 1000 als Stiftung der Familien Boldù und Soranzo errichtet – sie taucht 1090 erstmals in einer Quelle auf –, aber im frühen 12. Jahrhundert durch eine Feuersbrunst zerstört. Bis dahin war sie dem Apostel Matthäus geweiht. Danach wurde die Ausrichtung der Kirche um 90° gedreht. 1161 erscheint die Kirche in einer Quelle unter dem Namen Chiesa di San Matteo e di San Samuele, eine Bezeichnung, die sich bis in das 16. Jahrhundert hielt.[1] 1170 zerstörte erneut ein Feuer das Bauwerk. Aus dem 12. Jahrhundert ist der vorgotische Campanile der Kirche erhalten, der einer der ältesten Glockentürme in Venedig ist.

1685 wurde San Samuele als dreischiffiger Bau auf den Resten dieses Vorgängerbaus vollständig neu errichtet. Die Loggia im Obergeschoss des Portikus entstand 1952 durch die Öffnung des Mauerwerks mittels Rundbogenarkaden.

Nach San Samuele wurde das gleichnamige Teatro San Samuele benannt. Giacomo Casanovas Mutter, die an diesem Theater engagierte Schauspielerin Giovanna Maria Farussi, und sein mutmaßlicher Vater, der Tänzer und Schauspieler Gaetano Giuseppe Casanova, wurden am 17. Februar 1724 in San Samuele getraut, dort, wo auch Giacomo am 5. Mai 1725 getauft wurde.[2] 1740 und 1741 predigte Giacomo Casanova, der in der nahegelegenen Calle Malipiero zur Welt gekommen war, in der Samuelkirche für kurze Zeit, als er noch eine Klerikerlaufbahn anstrebte.

Ausstattung

San Samuele besteht aus einem Langhaus und zwei Seitenschiffen, wobei das rechte deutlich breiter ist. Sie sind vier Bögen lang und tragen ölbemalte Pendentiftafeln, die Heilige darstellen. Diese stammen von Antonio Zanchi, Giustino Menescardi, Gaspare Diziani, Fabio Canal (1703–1767) und Gregorio Lazzarini. Die zentrale Lünette gestaltete Nicolò Bambini. Es gibt vier nahezu identische Altäre, jeweils mit Altarbildern. Hinzu kommt ein Sarkophag, der bei den Ausgrabungen im Jahr 2000 an der rechten Rückwand entdeckt wurde. Das Kruzifix von 1350/1355 soll von Paolo Veneziano stammen.

Die von einem unbekannten Künstler stammenden Fresken im Presbyterium und in der Apsis stammen aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurden erst 1882 bei Restaurierungsarbeiten unter Putz wiederentdeckt und 1946 und erneut im Jahr 2000 restauriert. Sie zeigen Christus, die vier Evangelisten, die Kirchenväter Augustinus, Ambrosius, Hieronymus und Gregor – sowie die acht Sibyllen.

Aus der frühen Zeit der Kirche stammt eine byzantinische Ikone der Jungfrau mit dem Kind aus dem 13. Jahrhundert, die sich über dem Altar am Ende des Seitenschiffs befindet. Ihre Abdeckung stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist ebenfalls byzantinisch.

Literatur

Commons: San Samuele (Venice) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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