Santa Croce della Giudecca

profaniertes Kirchengebäude in Venedig auf der Insel Giudecca From Wikipedia, the free encyclopedia

Santa Croce della Giudecca, venezian. Santa Croce della Zudecca, war ein Kirchen- und Klosterkomplex auf der Giudecca, einer Inselkette am Südrand des historischen Zentrums der Stadt Venedig. Die schlecht erhaltene Kirche, die mindestens bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht, befindet sich am Nordrand der mittleren Giudecca am Ende der Calle della Croce und unweit der Fondamenta Croce, wenig östlich der Kirche Il Redentore, von der sie nur durch den Rio della Croce getrennt ist. Zunächst ein Männerkloster lebten dort von Anfang des 12. bis Anfang des 19. Jahrhunderts Benediktinerinnen.

Fassade der Kirche, fotografiert im Jahr 2011

Geschichte

Die Kirche entstand vor 1328, wie Flaminio Corner anmerkt,[1] sie dürfte aber deutlich älter sein. 1330 erwarb die Äbtissin des Benediktinerinnenklosters, Giacomina Paoni, Land für ihr Haus. Als Gegengabe sollte sie jährlich den Dogen ein „pajo di guanti di camozza“ (ein Paar Handschuhe aus Gämsenleder) schenken und vor allem die „palude“ im Umkreis, sumpfartiges Gelände, trockenlegen. Das Kloster galt als arm, doch zog seine Strenge auch adlige Frauen, vielleicht auch nur deren Familien, besonders an. Papst Eugen IV. räumte dem Kloster angesichts des Hungers, den die Frauen litten, am 29. April 1435 Ablassprivilegien ein, was die Zahl der Besucher und die Menge der Spenden erhöhte.

Bericht über eine wundersame Rettung der Nonnen vor der Pest durch einen „Cavalier“ des Königs von Frankreich am 8. Juli 1464. Zu dieser Zeit, so heißt es, waren vier Nonnen bereits tot, eine lag auf dem Sterbebett. Die Heilung erfolgte demnach durch die Verehrung des Märtyrers Sebastian und durch gute Werke. Dies teilte der Ritter, gekleidet in blauen Samt und bewaffnet mit einem Schwert, der portonera Scholastica mit, deren Namen er zu ihrer Überraschung kannte. Sie gab ihm Wasser, bevor er ging. Dabei wird klar, dass er sich im Parlatorio aufgehalten hatte, was strikt untersagt war (daher galt das Wasser des Klosterbrunnens später als Schutzmittel gegen die Pest). Das Blatt besteht aus Pergament, misst 420 × 345 mm. Gedruckt wurde der Bericht 1576, als es zu einem erneuten Ausbruch der Pest gekommen war, der jedoch das Kloster nicht getroffen haben soll. Stattdessen kamen ab dem 26. Juni 1576 Tausende, um von dem schützenden Wasser zu trinken. Es mussten Wachen zusammengezogen und eine Mauer eingebrochen werden, um die Menschenmassen zu versorgen. Die Pest verschwand, die Kirche Il Redentore (der Erlöser) wurde in unmittelbarer Nähe des Klosters errichtet. Noch im 18. Jahrhundert galt das Brunnenwasser als Mittel gegen Tierkrankheiten. Das Blatt wurde auch nach 1576 nie vergessen,[2] kam dann an die Wellcome Collection in London.[3]

1437 entschied derselbe Papst, dass das Benediktinerkloster von San Giorgio di Fossano in der Diözese Chioggia mit Santa Croce vereinigt werden sollte. Zu dessen Pertinenzen gehörte auch die Kirche San Cipriano di Sarzana, ein Kloster, das 1151 vom Bischof von Adria, Gregor II., gestiftet worden war.

Die Nonnen erlangten innerkirchlich so hohes Ansehen, dass sie bei der Reform des Klosters auf San Servolo beteiligt wurden. Eine der Nonnen wurde dort Äbtissin. Während ihrer Amtszeit erholte sich das nur noch von vier Frauen gehütete Kloster, das wieder auf 80 Nonnen anwuchs. Weniger erfolgreich waren sie bei der Reform des Klosters Sant’Angelo di Contorta ab 1437. Am 29. August 1440 griff Papst Eugen IV. ein und löste das Amt der Äbtissin dieses Klosters auf. Die Nonnen sollten auf andere Benediktinerklöster verteilt, das Haus Santa Croce della Giudecca zugewiesen werden. Doch 1441 entschied der Senat, es mit einigen Bußübungen bewenden zu lassen. Doch die „eccessi scandalosi“, wie Corner formuliert, steigerten sich sogar noch. Schließlich griff der Papst, diesmal Sixtus IV., ein und löste 1474 das diskreditierte Kloster auf.

Die Zahl der Nonnen in Santa Croce auf der Giudecca war seit Eugen IV. von 36 auf mehr als 100 angewachsen. Äbtissin wurde im Jahr 1444 Eufemia Giustiniani († 1487)[4], die wie eine Heilige verehrt wurde.[5] Doch die Streitigkeiten endeten erst 1508, so dass das Kloster auf der Giudecca weiterhin im Besitz der Insel blieb. Von 1518 bis 1555 lebten dort Karmelitinnen aus einer Mantuaner Kongregation. Danach wurde die Insel als Pulvermagazin genutzt, allerdings kam es 1589 zu einer Explosion, die die dortigen Gebäude zerstörte.

Ein weiteres Kloster sollte auf päpstliche Direktive 1471 mit dem Giudecca-Kloster vereint werden, nämlich der Konvent San Domenico di Tusculano. Mit dem 8. März 1472 wurde auch dieser Konvent angeschlossen. Damit kamen Santa Felicita di Romano in der Diözese Padua sowie San Giorgio bei Castelfranco im Bistum Treviso hinzu. Dort lebten Männer einer Kongregation als „poveri Eremiti“. Schließlich kam noch 1506 durch Julius II. die Gemeindekirche Santa Maria di Nono mit all ihren Einnahmen und Vorrechten hinzu, eine Kirche, die ebenfalls im Bistum Padua lag. All diese wirtschaftlichen Verbesserungen und das Anwachsen der Zahl der Nonnen führten dazu, dass von 1508 bis 1515 ein Kirchenneubau durchgeführt werden konnte. Flaminio Corner führt in seinem Opus nun seitenweise Reliquien auf, die in das angesehene Kloster gelangt waren.

Blick über den Zaun des ehemaligen Gefängnisgeländes

Unter Napoleon wurden zahlreiche Orden aufgehoben, das Kloster diente zeitweise als Tabaklager und verfiel zunehmend. Die 226 Gemälde, die zuletzt im Besitz des Klosters waren, wurden verstreut.[6] Ab 1823 wurde die Kirche als Gefängniskirche genutzt.[7] Vom Gebäude ist heute nur noch die Fassade erhalten.

Literatur

  • Benjamin Paul: Nuns and Reform Art in Early Modern Venice. The Architecture of Santi Cosma e Damiano and its Decoration from Tintoretto to Tiepolo, Ashgate, London / New York 2012, Routledge, 2016, S. 103–120 (Kapitel und Abschnitt Santi Cosma e Damiano’s Sister Churches and their Design, The Models: Santa Croce and Ognissanti).
  • William M. Schupbach: A Venetian “Plague Miracle” in 1464 and 1576, in: Medical History 20 (1976) 312–316. (online, PDF)
  • N.N.: Memorie della vita della B. Eufemia Giustiniani monaca benedettina ed abbadessa in Santa Croce della Giudecca dedicate alle Venete dame, Giuseppe Viezzeri, Venedig 1788 (dem Verfasser war der Bericht von 1464 bekannt).
  • Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 534–544. (Digitalisat)
Commons: Santa Croce della Giudecca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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