Sarah Knafo
französische Politikerin
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Sarah Knafo (* 24. April 1993 in Les Pavillons-sous-Bois) ist eine rechtsextreme französische Politikerin (Reconquête, vormals UMP). Die enge Vertraute und Lebensgefährtin von Éric Zemmour ist seit 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments, als Teil der Fraktion Europa der Souveränen Nationen.

Leben
Herkunft und Ausbildung
Sarah Knafo wurde am 24. April 1993 als Tochter einer Hypnotherapeutin und eines Geschäftsmanns in der Gemeinde Les Pavillons-sous-Bois in der Region Île-de-France geboren. Ihre Vorfahren waren Sepharden mit Wurzeln in Marokko und Algerien, wobei ihre Großeltern während des Sechstagekriegs nach Frankreich zogen. Die Familie war bereits lange mit Éric Zemmour befreundet.[1]
Sie ging auf ein jüdisches Gymnasium, welches zur Alliance Israélite Universelle gehört und erhielt dort 2011 ihr Baccalauréat.[2] Sie absolvierte danach eine Vorbereitungsklasse in Wirtschaft, quantitativen Methoden und Management und machte die Aufnahmeprüfung an der École normale supérieure Paris-Saclay, scheiterte jedoch.[3] Stattdessen begann sie 2012 am Institut d’études politiques de Paris zu studieren, wo sie 2017 einen Master Public Affairs absolvierte. 2015 erwarb sie ebenfalls einen Doppelabschluss in Wirtschaftswissenschaft und Politikwissenschaft an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne.
2017 bestand Knafo im zweiten Versuch die Aufnahmeprüfung an der École nationale d’administration und schloss diese 2019 ab.
Beruflicher Werdegang
Während ihres Studiums an der ENA machte Knafo 2018 ein Praktikum an der französischen Botschaft in Libyen, später an der Generaldirektion für Ausländer in Frankreich. Sie beschäftigte sich dort mit Migrationsrouten und veröffentlichte in dem Nachrichtenmagazin L’Express einen sogenannten „praktischen Leitfaden“ um Ausweisungen von Ausländern ohne Aufenthaltsgenehmigungen zu vereinfachen.[3]
Mit ihrem Abschluss an der ENA wurde Knafo 2020 Rechnungsprüferin an der Cour des Comptes und gehörte dort der Abteilung an, welche das Budget der Präsidentschaft der Französischen Republik kontrolliert. In diesem Amt wurde sie 2020 für ihre Arbeit als „hochrangige Beamtin zur Unterstützung im Kampf gegen Covid-19“ mit der Médaille d'honneur pour acte de courage et de dévouement ausgezeichnet.[4]
Mit dem Autor Alexandre Galien gründete sie 2021 den Verein Alexandre & Aristotel, welcher mit einer von künstlicher Intelligenz betrieben Plattform personalisierte Lesevorschläge erzeugt.[5] 2022 gründete sie den Verein „Parents vigilants“ ein Netzwerk mit dem Ziel gegen eine angebliche Indoktrinationsideologie und linke Ordnung in der Schule vorzugehen. Ende 2024 verzeichnete die Bewegung 6.000 Meldungen und 75.000 Mitglieder.[6]
Politik
Bereits während ihrer Studienzeit wurde Knafo Mitglied der rechten Parteien nahestehenden Union nationale inter-universitaire sowie einer EU-Skeptischen Studierendenschaft. Zu dieser Zeit trat sie ebenfalls der Union pour un mouvement populaire bei. Zu den Vorwahlen der Rechten zur Präsidentschaftswahl 2017 unterstützte sie Henri Guaino, der allerdings nicht die erforderlichen Stimmen erreichte.[3]

Ab 2019 wurde von verschiedenen Medien über ihre Rolle als Beraterin für Éric Zemmour vor der Präsidentschaftswahl 2022 berichtet, wobei sie engere Beziehungen innerhalb der neurechten Bewegung schloss.[3] Sie soll so Verbindungen zwischen Aktivisten der Manif pour tous, ehemaligen Studenten der UNIN und Mitgliedern des liberalkonservativen Institut de formation politique hergestellt haben.[7] Sie brachte ebenfalls Marion Maréchal und Éric Zemmour näher aneinander. Knafo verließ 2021 nach zwei Ermahnungen durch den Generalsekretär und einer Vorladung durch den Ersten Präsidenten Pierre Moscovici, den Rechnungshof. Die Verwaltung sah in ihrem politischen Engagement an der Seite Zemmours ein Problem für das Berufsethos.[8]
Zur Europawahl 2024 trat sie auf der Liste von Reconquête mit der Erstplatzierten Marion Maréchal an. Internen Streitigkeiten zwischen den Lagern von Maréchal und Zemmour prägten die Kampagne, wobei der zentrale Punkt der Umgang mit dem ebenfalls rechtspopulistischen Rassemblement National war. So plädierten Knafo und Zemmour für eine Annäherung an die Partei Les Républicains, während Maréchal jegliche direkte Konfrontation mit dem RN strikt verweigerte.[9] Reconquête schaffte dennoch die 5-Prozent-Hürde und Knafo wurde Mitglied des Europäischen Parlaments. Aufgrund großer Differenzen bezüglich der Strategie zur Parlamentswahl 2024 verließ jedoch Maréchal, zusammen mit Nicolas Bay, Guillaume Peltier und Laurence Trochu, die Partei. Im EU-Parlament schloss sich die Gruppe der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer an. Knafo wurde als Teil der Fraktion Europa der Souveränen Nationen, in welcher sie aktuell das Amt der Vizepräsident innehat.[10]
Im EU-Parlament ist sie Teil des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie.
Bürgermeisterwahlen in Paris 2026
Am 7. Januar 2026 gab sie bekannt bei den Munizpalratswahlen 2026 für das Amt des Bürgermeisters in Paris anzutreten. Ihrer Kampagne wurde mehrfach vorgeworfen den erfolgreichen des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani zu kopieren.[11]
Nachdem sie im ersten Wahlgang 10,40 % der Stimmen erringen konnte, zog sie sich zugunsten der rechten Kandidatin Rachida Dati, welche bessere Chancen auf das Amt hatte, zurück.
Privates
Knafo führte eine Zeit lang eine Beziehung mit Louis Sarkozy, dem Sohn des früheren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy.[12] 2021 berichteten verschiedene Medien erstmals über sie als Lebensgefährtin von Éric Zemmour. Dieser machte ein Jahr später die Beziehung in einem Fernsehinterview öffentlich, ging jedoch nicht auf weitere Fragen ein.[13][14]
Mehrfach ging Knafo juristisch gegen die Berichterstattung über ihr Privatleben vor. 2021 reichte sie mit Éric Zemmour eine Klage wegen Verletzung der Privatsphäre gegen die Wochenzeitung Paris Match ein, welche Bilder des Paares im Urlaub veröffentlicht hatte. Ein Gericht in Nanterre befand 2022, dass die entsprechenden Bilder von öffentlichem Interesse seien und entlastete somit Paris Match.[15] Ein Einspruch gegen das Urteil wurde vom Berufungsgericht von Versailles 2024 abgewiesen.[16] Ebenfalls gegen mehrere Klatschmagazine klagte Knafo, nachdem 2021 die Zeitschrift Closer behauptet hatte, sie sei von Zemmour schwanger, was von anderen Medien weiter verbreitet wurde. Im Juli 2024 wurde Closer, zusammen mit den Magazinen Public und Voici, zu einer Geldstrafe von 74.500 Euro verurteilt.[17]
Politische Positionen
Knafo gilt als Teil der extremen Rechten in Frankreich, wobei ihre Positionen als souveränistisch und identitär beschrieben werden.[18][19] Sie ist ebenfalls der Europäischen Union kritisch gegenüber eingestellt.
Sie ist eine große Unterstützerin der Kryptowährungen und forderte die Schaffung einer nationalen Bitcoin-Reserve in den europäischen Staaten sowie die Ausweitung der Kryptowährungs-Mining-Industrie in Europa.[20] Höhere Steuern für Besitzer von Kryptowährungen sowie den Vorschlag eines digitalen Zentralbankgeldes von der EZB lehnte sie ab. Sie erklärte, dass Bitcoin ein zuverlässigeres Finanzsystem sei. Generell vertritt sie einen wirtschafts- und technologiefreundlichen Kurs.[21]
Knafo ist ebenfalls im konservativen US-amerikanischen Milieu vernetzt und war mit Éric Zemmour an der zweiten Amtseinführung von Donald Trump im Januar 2025 zugegen.[22][23] Der Berater Jacob Helberg soll dabei den Kontakt zwischen Knafo und den Republikanern hergestellt haben.[24] Sie gehört in Europa zu Trump-freundlichen Kreisen und sieht zwischen Reconquête und dem Trumpismus eine „echte inhaltliche Annäherung“.[25][26] Sie begrüßte ebenfalls Elon Musks Tätigkeit bei dem Department of Government Efficiency.
Mit der Partei Reconquête schlug Knafo Massendeportationen von Migranten, nach dem Vorbild der Politik von Donald Trump, vor.[21]
Weblinks
- Sarah Knafo in der Abgeordnetendatenbank des Europäischen Parlaments