Sarah Wedl-Wilson
britisch-österreichische Kulturmanagerin und Politikerin, Senatorin a. D.
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Sarah Wedl-Wilson (* 31. August 1969 in Watford, England als Sarah Wilson) ist eine britisch-österreichische Kulturmanagerin und Politikerin. Vom 22. Mai 2025 bis zum 24. April 2026 war sie Berliner Senatorin für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zuvor war sie von 2023 bis 2025 Staatssekretärin dieser Senatsverwaltung.

Von 2014 bis 2018 war sie Vizerektorin für Außenbeziehungen sowie Interimsrektorin der Universität Mozarteum Salzburg. Von Oktober 2019 bis April 2023 war sie Rektorin der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Zudem war sie Vorsitzende des Aufsichtsrats der Osterfestspiele Salzburg, Präsidentin des Gustav Mahler Jugendorchesters und Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung Oper in Berlin. Im Jahr 2026 wurde ihre Praxis der Vergabe von Kulturfördermitteln vom Landesrechnungshof Berlin als „evident rechtswidrig“ bezeichnet. Sie entließ am 21. April 2026 ihren Staatssekretär Oliver Friederici (CDU). Das löste Verwunderung und Empörung aus, da gerade er darauf beharrt hatte, dass die geltenden Richtlinien einzuhalten seien. Am 24. April stellte sie ein Entlassungsgesuch, das der Regierende Bürgermeister Kai Wegner annahm.
Herkunft und Ausbildung
Wedl-Wilson besuchte die North London Collegiate School in Edgware. Als Kind erhielt sie Musikunterricht und lernte das Spielen von Violine, Klavier und Orgel. Sie fungierte als Konzertmeisterin in diversen Jugend- und Laienorchestern. Ihr Streichquartett war mehrmals Preisträger des London Chamber Music Competition for Schools.[1] Wedl-Wilson studierte von 1987 bis 1991 Philologie (Französisch und Deutsch) am Emmanuel College (Cambridge) und erlangte den akademischen Grad M.A. (Cantab.).
Karriere
Wedl-Wilson begann 1991 als Kulturmanagerin zunächst bei der International Management Group, London, dann ging sie zur Camerata Salzburg. Sie leitete 1996/97 das Betriebsbüro der Kölner Philharmonie und war von 1997 bis 2000 künstlerische Leiterin von Schloss Elmau. 2000 wurde sie Geschäftsführerin der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik GmbH und leitete diese an der Seite des Künstlerischen Leiters René Jacobs über zehn Jahre.[2] 2009 gründete sie ein Kulturberatungsunternehmen, Wilson Arts Projects, mit dem sie Kultur- und Unterrichtsprojekte initiierte, betreute und beriet. Von 2012 bis 2014 war sie Geschäftsführerin der Camerata Salzburg.[2]
2014 wurde sie als Vizerektorin für Außenbeziehungen an die Universität Mozarteum Salzburg gerufen[3] und übernahm 2017 die Interimsführung des Hauses. Von 2018 bis 2019 war Wedl-Wilson Senior Advisor bei Arts Executive Search, eines Headhuntingunternehmens im Spezialgebiet Führungskräfte im Kulturbereich. Von Oktober 2019 bis April 2023 bekleidete sie das Amt der Rektorin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.[4]
Am 28. April 2023 wurde sie unter Senator Joe Chialo zur Staatssekretärin für Kultur in der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt ernannt.[5]
Am 22. Mai 2025 wurde Wedl-Wilson als Nachfolgerin von Chialo zur Berliner Kultursenatorin ernannt.[6] Sie war die erste Senatorin in der Geschichte Berlins ohne deutsche Staatsangehörigkeit.[7] Am 24. April 2026 trat sie zurück (siehe unten); ihr folgte Stefan Evers nach.[8]
Kontroversen
Während ihrer Tätigkeit als Kulturstaatssekretärin war Wedl-Wilson mit kontrovers diskutierten Förderentscheidungen befasst. Dazu gehörte der „Oyoun-Fall“, bei dem der Kulturverwaltung vorgeworfen wurde, öffentliche Mittel an das Neuköllner Kulturzentrum Oyoun vergeben zu haben, dem die Duldung israelkritischer Positionen angelastet wurde. Im Zuge der öffentlichen Debatte wurden die Zahlungen vorübergehend ausgesetzt und eine verwaltungsinterne Prüfung eingeleitet, an der Wedl-Wilson als zuständige Staatssekretärin beteiligt war.[9][10]
In einem weiteren Fall kritisierte die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im November 2025 die Vergabe von rund 3,4 Millionen Euro aus dem Fonds „Projekte von besonderer politischer Bedeutung“ als intransparent:[11] CDU und Kulturverwaltung hätten demnach ohne ausreichende Offenlegung der Kriterien Projekte ausgewählt. Wedl-Wilson kündigte daraufhin an, den Landesrechnungshof Berlin mit der Überprüfung zu beauftragen.[12]
Am 22. Januar 2026 veröffentlichte das Transparenz-Internetportal FragDenStaat mittels Informationsfreiheitsgesetz die relevanten Behördenunterlagen zur Berliner CDU-Fördergeldaffäre.[13] Eine erste Auswertung der Behördenunterlagen in der Süddeutschen Zeitung, die das Handeln der zentralen Akteure, von Kultursenator Joe Chialo und seiner Nachfolgerin Wedl-Wilson sowie von CDU-Abgeordneten rekonstruiert, erkennt „robuste Versuche der Einflussnahme – und die […] hatten durchaus Erfolg.“ Zudem entstehe aus dem zugänglichen Aktenbestand „ein eindrückliches Bild aus dem Maschinenraum der Kulturverwaltung.“[14]
Mehrfach wiesen Referatsleiterinnen und Sachbearbeiter auf zwingend vorgeschriebene Prüf- und Genehmigungsverfahren sowie auf mangelhafte Förderanträge der Projektträger hin. Wedl-Wilson ordnete diese Einwände als „lediglich eine Einschätzung und keine faktische Schlussfolgerung“ ein und entschied sich schließlich, der von Chialo getroffenen Auswahl an Projekten zu folgen und die Projektfinanzierung von 1,4 Millionen Euro trotz der vielfach vorgebrachten Bedenken der Fachreferate zu bewilligen und auszubezahlen. Es wurde ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss „Fördergeld“ im Berliner Abgeordnetenhaus eingerichtet, der seit Ende Januar 2026 untersucht, ob Chialo und Wedl-Wilson gegen Haushaltsrecht verstoßen haben und entgegen ausdrücklicher Warnungen ihrer Verwaltung aus einem Sonderbudget von 3,4 Millionen Euro irregulär erhebliche Summen an Projektträger ohne Expertise zum Thema, aber mit engen CDU-Kontakten verteilt haben.[14]
Der Berliner Rechnungshof stellte in der Untersuchung fest, dass 2,5 Millionen Euro „in einem evident rechtswidrigen Zuwendungsverfahren“ für Projekte gegen Antisemitismus[15] vergeben worden waren. Den Staatssekretär Oliver Friederici, der Wedl-Wilson auf die illegale Mittelverwendung hingewiesen hatte, entließ die Kultursenatorin am 21. April 2026.[16][17] Am 24. April stellte sie ein Entlassungsgesuch, das der Regierende Bürgermeister Kai Wegner annahm.[18][19]
Privates
Wedl-Wilson war mit dem österreichischen Unternehmer Leopold Wedl (Handelshaus Wedl) verheiratet. Die Ehe wurde 2016 geschieden.[20] Seit 2020 besitzt sie die österreichische Staatsbürgerschaft.[21]
Funktionen, öffentliche Ämter, Ehrenämter
- 2003–2008 Mitglied des Universitätsrats, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
- 2011–2018 Mitglied des Verwaltungsrats, Procaffè S.p.A., Belluno (Italien)
- seit 2015 Vorsitzende des Aufsichtsrates der Osterfestspiele Salzburg,[22] 2018/9 Leitung der Findungskommission zur Bestellung des nächsten Intendanten
- seit 2020 Präsidentin des Gustav Mahler Jugendorchesters[22]
- seit 2021 Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung Oper in Berlin[23]
- 2003 Gründungsmitglied im Rotary Club Innsbruck-Alpin, 2008/9 Präsidentin, 2012/13 Assistant Governor Tirol West, seit 2021 Clubwechsel nach Berlin, in den Rotary Club Berlin Nord
- 2000 Gründungsmitglied und Gastlektorin des Studiengangs Sport, Kultur und Veranstaltungsmanagement, Fachhochschule Kufstein
- seit 2018 Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste
- Für die Funktionsperiode 2023 bis 2028 wurde sie Mitglied des Universitätsrates der Universität Mozarteum Salzburg.[24]
Auszeichnungen
- 2009 Trägerin des Tiroler Adler-Ordens in Gold
- 2013 Paul Harris Award, Rotary