Scheitelkamm

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Als Scheitelkamm (Crista sagittalis) bezeichnet man in der Anatomie eine median gelegene Knochenleiste, die vom Schädeldach empor ragt und sich meist vom Hinterhauptbein bis ins Stirnbein hinein – das heißt entlang des Scheitels bzw. der Pfeilnaht – ausdehnt. Über einen Scheitelkamm verfügen insbesondere viele Säugetiere und Reptilien.

Der Scheitelkamm der Säugetiere dient vor allem als oberer Ansatzpunkt und Widerlager für die Kaumuskulatur und bleibt daher beim lebenden Tier zwischen diesen Muskeln weitgehend verborgen; demzufolge fallen Scheitelkämme oft erst beim skelettierten Präparat als markantes Merkmal auf. Bei Fossilien gelten Scheitelkämme regelmäßig als Anzeichen für besonders stark ausgeprägte Kauwerkzeuge und erlauben – zusammen mit anderen anatomischen Merkmalen speziell des Gebisses – Rückschlüsse auf die Nahrungsaufnahme.

Besonders ausgeprägt ist der Scheitelkamm beispielsweise beim Flachlandtapir, beim Gorilla und bei den Arten der fossilen Hominiden-Gattung Paranthropus.

Sexualdimorphismus

Die Ausbildung des Scheitelkamms bei Hominoiden (Gibbons sowie großen Menschenaffen) wurde von Balolia et al. (2017) vergleichend untersucht. Die Studie zeigt, dass der Scheitelkamm deutlich häufiger bei Männchen auftritt, insbesondere bei Gorillas und Orang-Utans. Männchen dieser Arten besitzen im Verhältnis zur Schädelgröße eine größere Ansatzfläche des Musculus temporalis und zeigen eine positive Allometrie, die bei Weibchen fehlt. Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Schluss, dass die starke Ausprägung des Scheitelkamms bei Männchen nicht ausschließlich funktionell erklärbar ist, sondern auch durch sexuelle Selektion und mögliche soziale Signalwirkung beeinflusst sein könnte.[1]

Literatur

Einzelnachweise

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