Schloss Killenberg

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Schloss Killenberg (auch Haus Killenberg, Killenberg-Gut oder Forsthaus Killenberg) ist ein festes Haus und ein Wohnplatz auf einer Halbinsel im Landschaftsschutzgebiet Killenweiher bei Mimmenhausen, einem Ortsteil von Salem im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.

Schloss (oder Forsthaus) Killenberg
Killenweiher mit Killenberg und Forsthaus 1959

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Besiedelt war der Killenberg vermutlich schon in der keltischen Zeit. Archäologische Funde lassen den Schluss zu, dass der Killenberg, damals eher Halbinsel, schon sehr früh bewohnt war.[1]

Mittelalter und frühe Neuzeit

Das Haus Killenberg wird 1489 erstmals genannt, als das Kloster Salem in loco dicto Kulinberg eine Kapelle errichtete. Der Weiher mit Insel gehörte wohl den von 1191 bis 1270 bezeugten Rittern Kilse von Kilsenberg. Ihre Stammburg Burg Kilsenberg befand sich auf dem Kätzleberg bei Hohenbodman (1664 Klitzenberg, 1428 Kilzenberg).[2]

Die Insel war ehemals nur über einen Damm erreichbar. Heute ist sie stark verlandet und nur noch eine Halbinsel.

Mitte des 13. Jahrhunderts kam das Gut durch Schenkung der Ritterfamilie von Vatz an das Kloster Salem.[3] Erst als das Gut an Salem kam, ließ Abt Johann I. den Damm herstellen. Das Haus Killenberg wird 1489 erstmals genannt, als das Kloster Salem in loco dicto Kulinberg eine Kapelle errichtete.

Der Weiher wurde von den Salemer Mönchen zur Fischzucht genutzt und auf der Insel wurde ein sogenanntes „Lusthaus“ errichtet, das als stiller Rückzugsort für die Mönche diente. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gebäude zerstört. Im Jahr 1721 erhielt der Bildhauer Joseph Anton Feuchtmayer das Killengut als Lehen von Kloster Salem. Er wohnt dort mit seiner Familie bis zu seinem Tod im Jahr 1770. Da er keine Nachkommen hatte, fiel das Lehen an das Kloster zurück. Dieses erbaut bald darauf ein neues Gebäude: Das Jäger- oder Forsthaus steht auf einem Hügel in Mitte der Insel, ist zweistöckig, hat einen guten Keller, sechs Wohnzimmer und drei Dachkammern und wurde nach der über dem Haupteingang bei dem Wappen des Abts Robert sich befindlichen Jahreszahl 1792 gebaut".[4]

Moderne

Mit der Säkularisation 1803 ging der größte Teil der Besitzungen von Klosters Salem in das Vermögen der badischen Markgrafen, genauer gesagt der Standesherrschaft Salem, über. Bis 1995 wohnte hier der markgräfliche Revierförster.

Joseph Anton Feuchtmayer

Der Stuckateur und Bildhauer Joseph Anton Feuchtmayer erhielt das Killenberggut 1721 vom Kloster Salem als Lehen auf Lebenszeit, verbunden mit einem Schutzrecht, welches ihn von der Leibeigenschaft und dem Zunftzwang befreite. Hier heiratete der kunstbegabte und noble Herr am 17. September 1722 die noble und tugendhafte Jungfrau Maria Theresia Hollstein aus Wolfegg. Sie gebar sieben Kinder, die er alle überlebte. Seine Werkstatt, das Steuerhaus, später auch Haus der Bildhauer genannt, befand sich in Mimmenhausen und beherbergt heute das Feuchtmayer Museum. 1792 wurde das Haus auf dem Killenberg zum Forsthaus der Markgrafen von Baden; es war bis 1803 im Besitz des Reichsstifts Salem und ging dann mit diesem durch Säkularisation in den Besitz der Markgrafen von Baden über.

Ära Erwin Bowien

Selbstbildnis des Malers Erwin Bowien (1899–1972) um 1925

Das Schloss beherbergte ab 1920 für etwa zehn Jahre, jeden Sommer, den Maler Erwin Bowien (1899–1972), dessen erste große Muse – Frieda Enzenroß (1888–1966) – die Frau des markgräflichen Försters Karl Enzenroß – dort mit ihrer Familie lebte. Es entstanden zahlreiche Gemälde des Anwesens, dessen Bewohner und der Umgebung. Erwin Bowien widmete seinen Aufenthalten auf Schloss Killenberg ein Kapitel in seiner Autobiographie.[5] Das Haus mit stattlichem Mansarddach befindet sich bis heute im Privatbesitz des Hauses Baden und ist nicht zugänglich. Der Weiher und die Umgebung stehen unter Natur- und Landschaftsschutz.

Kapelle St. Johannes der Täufer

Die bei dem Haus stehende Kapelle hat das Patrozinium St. Johannes der Täufer, wie üblich wurde sie aber mehreren Heiligen geweiht. Sie wurde 1595 verändert, 1676 wiederhergestellt und um 1725 von Joseph Anton Feuchtmayer stuckiert. 1977 erfolgten Renovationen.

Killenweiher

Lage

Killenweiher

Das Schloss Killenberg liegt am Killenweiher im südwestlichen Teil der Gemarkung von Mimmenhausen an der Grenze zu Mühlhofen. Er gehört zu den Salemer Klosterweihern.

Schutzgebiet

Der Weiher ist heute Teil eines in hohem Maße geschützten Gebietes. Und das in doppelter Hinsicht: Als „Salemer Klosterweiher“ ist er seit 2003 europäisches Vogelschutzgebiet. Als „Salemer Fischweiher“ gehören sie zu einem Ensemble von 19 historischen, künstlich angelegten Weihern, die in Gesamtheit unter Denkmalschutz stehen. Seit dem Mittelalter wurden diese zur Fischzucht genutzt.[6]

Literatur

  • Alois Schneider: Burgen und Befestigungsanlagen des Mittelalters im Bodenseekreis In: Fundberichte aus Baden-Württemberg, Band 14, Seiten 515–667. Bd. 14 (1989)Fundberichte Uni Heidelberg
  • Albert Krieger, Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, 1904. Sp. 1161–1162
  • Erich Bachmann: Zur Geschichte des Killenberges In: Frickinger Heimathefte. Heft 5. 1996. S. 15–23
  • Wilhelm Boeck: Joseph Anton Feuchtmayer. Wasmuth, Tübingen 1948.
  • Wilhelm Boeck: Feuchtmayer, Joseph Anton. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 5. Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 108–109 (deutsche-biographie.de).
  • Wilhelm Boeck: Der Bildhauer, Altarbauer und Stukkateur Joseph Anton Feuchtmayer. Gessler, Friedrichshafen 1981, ISBN 3-922137-09-1.
  • Ulrich Knapp: Joseph Anton Feuchtmayer. 1696–1770. Stadler, Konstanz 1996, ISBN 3-7977-0347-3.
  • Marion Harder-Merkelbach: Das Geheimnis des Honigschleckers. Joseph Anton Feuchtmayer, Ein Bildhauerleben am Bodensee. 2003.
  • Münsterpfarrei Salem (Hrsg.): 10 Jahre Bernhardusfest auf dem Killenberg Salem, 1993
  • Franz Xaver Conrad Staiger: Killenberg S. 312ff in: Salem oder Salmansweiler… Constanz 1863 (ND 2008).
  • Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Tübingen Referat 26 Denkmalpflege: Verzeichnis der unbeweglichen Bau- und Kunstdenkmale in Baden-Württemberg Bodenseekreis – Salem – Mimmenhausen-Killenberg.
  • Rudolf Koch: Klosterweiher in Mimmenhausen, in: Mimmenhausen. Geschichte und Geschichten. Salem 2023
  • Rudolf Koch: Eine Bootsfahrt auf dem Killenweiher im Jahre 1495, in: Mimmenhausen. Geschichte und Geschichten. Salem 2023
  • Erwin Bowien: Das schöne Spiel zwischen Geist und Welt. Mein Malerleben Hrsg. Bettina Heinen-Ayech und der Freundeskreis Erwin Bowien e. V.; U-Form-Verlag, Solingen, 1995, ISBN 3-88234-101-7.
Commons: Schloss Killenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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