Schneebergit
Mineral aus der Tsumcorit-Gruppe
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Schneebergit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Bi(Co,Ni)2(AsO4)2(OH,H2O)2[3] und entwickelt nur mikroskopisch kleine Kristalle bis etwa 0,5 mm Größe von tafeligem bis blättrig-lamellarem Habitus, die zu rosettenförmigen Aggregaten zusammentreten. Die Farbe hängt vom Anteil des beigemengten Eisens ab und schwankt zwischen gelborange und gelblichbraun bis olivbraun oder beige.
| Schneebergit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1999-027[1] |
| IMA-Symbol |
Snb[2] |
| Chemische Formel | Bi(Co,Ni)2(AsO4)2(OH,H2O)2[3] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Phosphate, Arsenate, Vanadate |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VII/C.31-002 8.CG.15 40.02.09.06 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m[4] |
| Raumgruppe | C2/m (Nr. 12)[5] |
| Gitterparameter | a = 9,005 Å; b = 6,211 Å; c = 7,440 Å β = 115,19°[5][4] |
| Formeleinheiten | Z = 2[5][4] |
| Häufige Kristallflächen | {001}, {111}, {102}, {101} und {101} |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 4,5 |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 5,28[3] |
| Spaltbarkeit | keine[3] |
| Bruch; Tenazität | muschelig |
| Farbe | braun bis beige oder olivbraun (abhängig vom Eisengehalt) |
| Strichfarbe | blass braun bis fast weiß |
| Transparenz | durchsichtig |
| Glanz | Diamantglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,930[6] nβ = 1,950[6] nγ = 1,980[6] |
| Doppelbrechung | δ = 0,050[6] |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv |
| Achsenwinkel | 2V = berechnet: 85°[6] |
| Pleochroismus | deutlich bis schwach: X = braun, Y = Z = blass gelb, abhängig vom Eisengehalt. |
Etymologie und Geschichte
Erstmals gefunden wurde Schneebergit zusammen mit Nickelschneebergit 1999 am Roten Berg bei Schneeberg in Sachsen und beschrieben durch Werner Krause, Heinz-Jürgen Bernhardt, Herta Silvia Effenberger und Thomas Witzke[7], die das Mineral nach seiner Typlokalität Schneeberg benannten. Als eigenständiges Mineral anerkannt wurde es noch im selben Jahr unter der IMA-Eingangsnummer 1999-027. Veröffentlicht wurden die Untersuchungsergebnisse und der anerkannte Name Schneebergit 2002 im „European Journal of Mineralogy 14“ unter dem Titel Schneebergite and nickelschneebergite from Schneeberg, Saxony, Germany: the first Bi-bearing members of the tsumcorite group.
1880 war der Name „Schneebergit“ schon einmal von Aristides Brezina für ein Mineral vom Schneeberg vergeben worden. Neuere Untersuchungen von Otto Zedlitz[8] und Felix Machatschki[9] im Jahre 1932 wiesen jedoch nach, dass dieses Mineral mit dem 1841 entdeckten und beschriebenen Roméit bis auf einen leicht erhöhten Eisenanteil identisch war. Dieser so genannte „Schneebergit (nach Brezina)“ gilt seitdem als Varietät des Roméit. Die Regeln der IMA besagen, dass ein Name 50 Jahre nach der Diskreditierung des entsprechend benannten Minerals erneut vergeben werden darf. Da seit der Diskreditierung des Schneebergit (nach Brezina) bereits 67 Jahre verstrichen waren, wurde die Neuvergabe von der „Commission on New Minerals and Mineral Names“, der Prüfungskommission der IMA, anerkannt. Typmaterial dieses „neuen“ Schneebergits befindet sich in der Sammlung des Museums für Mineralogie und Geologie Dresden.[3][10]
Klassifikation
Die aktuelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Schneebergit zur Tsumcoritgruppe mit der allgemeinen Formel Me(1)Me(2)2(XO4)2(OH,H2O)2,[11] in der Me(1), Me(2) und X unterschiedliche Positionen in der Struktur der Minerale der Tsumcoritgruppe mit Me(1) = Pb2+, Ca2+, Na+, K+ und Bi3+; Me(2) = Fe3+, Mn3+, Cu2+, Zn2+, Co2+, Ni2+, Mg2+ und Al3+ und X = As5+, P5+, V5+ und S6+ repräsentieren. Zur Tsumcoritgruppe gehören neben Schneebergit noch Cabalzarit, Cobaltlotharmeyerit, Cobalttsumcorit, Ferrilotharmeyerit, Gartrellit, Helmutwinklerit, Kaliochalcit, Krettnichit, Lotharmeyerit, Lukrahnit, Manganlotharmeyerit, Mawbyit, Mounanait, Natrochalcit, Nickellotharmeyerit, Nickelschneebergit, Nickeltsumcorit, Phosphogartrellit, Rappoldit, Thometzekit, Tsumcorit, Yancowinnait und Zinkgartrellit.
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Schneebergit noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/C.31-002. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, ohne fremde Anionen“, wo Schneebergit zusammen mit Cabalzarit, Cobaltlotharmeyerit, Cobalttsumcorit, Ferrilotharmeyerit, Gartrellit, Helmutwinklerit, Krettnichit, Lotharmeyerit, Lukrahnit, Manganlotharmeyerit, Mawbyit, Mounanait, Nickellotharmeyerit, Nickelschneebergit, Nickeltsumcorit, Phosphogartrellit, Rappoldit, Thometzekit, Tsumcorit, Yancowinnait und Zinkgartrellit die „Tsumcorit-Gartrellit-Gruppe“ mit der Systemnummer VII/C.31 bildet.[12]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[13] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Schneebergit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen; RO4 : H2O = 1 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Cabalzarit, Cobaltlotharmeyerit, Cobalttsumcorit, Ferrilotharmeyerit, Krettnichit, Lotharmeyerit, Manganlotharmeyerit, Mawbyit, Mounanait, Nickellotharmeyerit, Nickelschneebergit, Thometzekit und Tsumcorit die „Tsumcoritgruppe“ mit der Systemnummer 8.CG.15 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Schneebergit die System- und Mineralnummer 40.02.09.06. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O)“ in der „Helmutwinklerit-Untergruppe“, in der auch Tsumcorit, Helmutwinklerit, Thometzekit, Mawbyit, Rappoldit, Nickelschneebergit und Cobalttsumcorit eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Schneebergit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 9,005 Å; b = 6,211 Å; c = 7,440 Å und β = 115,19°[5] sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle[4].
Bildung und Fundorte
Schneebergit bildet sich in der Oxidationszone von Bismut-Lagerstätten. Begleitminerale sind unter anderem Skorodit, Bariopharmakosiderit, Ferrilotharmeyerit, Preisingerit und Waylandit.
Außer der Typlokalität Roter Berg bei Schneeberg in Deutschland ist bisher (Stand: 2017) kein weiterer Fundort für Schneebergit bekannt. Das als Fundort ausgewiesene Bergrevier Schneeberg im Südtiroler Passeiertal wurde inzwischen als Fehlmeldung revidiert.[6]
Siehe auch
Literatur
- Schneebergite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 118 kB; abgerufen am 21. September 2020]).
Weblinks
- Schneebergit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 21. September 2020.
