Schottenklöster

Verband irischer Benediktinerklöster, die überwiegend im 11. und 12. Jahrhundert gegründet wurden From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Schottenklöster bezeichnet man einen Verband irischer Benediktinerklöster, die überwiegend im 11. und 12. Jahrhundert gegründet wurden. Ausgangspunkt war die Initiative des Mönchs Marianus, der mit zwei Gefährten auf einer Romwallfahrt in Erscheinung trat und sich mit diesen um 1070 in Regensburg als Inklusengemeinschaft niederließ. 1089 stellte Kaiser Heinrich IV. die Gemeinschaft unter seinen Schutz. Der rasch zunehmende Zuzug irischer Mönche machte bald die Errichtung eines eigenständigen Klosters notwendig; das so entstandene Kloster St. Jakob folgte konsequent den Benediktinerregeln und entwickelte bald eine beträchtliche Ausstrahlung. Der Bau von Kirche und Konvent wurde maßgeblich durch finanzielle Zuwendungen aus Irland, insbesondere aus dem Königreich Munster, ermöglicht. Die Klostergemeinschaft wurde 1112 durch Heinrich V. unter königlichen Schutz gestellt.[1]

St. Jakob entwickelte sich rasch zum Mutterkloster eines engmaschigen Netzes weiterer Gründungen, die von unterschiedlichen weltlichen wie geistlichen Stiftern getragen wurden. Bereits um 1136 entstand in Erfurt auf Initiative des Reichsministerialen Walther von Glisberg eine Niederlassung; 1138 folgte in Würzburg unter Bischof Embricho eine weitere. Im Jahr 1140 gründete König Konrad III. ein Schottenkloster in Nürnberg, 1142 folgte Konstanz unter Bischof Hermann von Arbon, 1148 Eichstätt auf Veranlassung des Dompropstes Walbrun. Die Wiener Niederlassung wurde in den Jahren 1155/61 durch Herzog Heinrich II. Jasomirgott ins Leben gerufen; Memmingen folgte 1178/81 unter Herzog Welf VI., Kelheim schließlich 1231 durch Herzog Otto II. von Bayern. Ergänzt wurde dieses Netzwerk in der 2. Hälfte des 12. Jh. durch eine Niederlassung in Kiew, die möglicherweise von Regensburger Kaufleuten getragen wurde, sowie durch zwei Priorate in Südirland, in Cashel und Rosscarbery.[2]

Seit 1185, sanktioniert durch Papst Lucius III. und 1215 durch das IV. Laterankonzil erneuert, schlossen sich diese Niederlassungen zu einem ausschließlich irischen Verband benediktinischer Klöster zusammen, an dessen Spitze der Abt von Regensburg stand. Dieser verfügte über umfassende Visitations- und Korrektionsbefugnisse; zugleich stand ihm ein regelmäßig zusammentretendes Generalkapitel zur Seite. Die kuriale Praxis, einzelnen Konventen ihre Selbständigkeit zu garantieren, ohne den Matrikularverband ausdrücklich zu berücksichtigen, eröffnete einzelnen Klöstern Spielräume für Tendenzen der Loslösung. Namentlich in Erfurt 1226, in Wien 1230 und in Würzburg 1269. Seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert formierte Würzburg gemeinsam mit Konstanz, Memmingen und Rosscarbery einen Teilverband innerhalb des Gesamtverbandes.[3]

Die Anziehungskraft der irischen Mönche für ihre jeweiliges Umfeld gründete in erster Linie auf ihrer ausgeprägten asketischen Lebensweise, insbesondere auf dem Konzept der lebenslangen Peregrinatio, ferner auf Gebetsverbrüderungen, etwa mit dem böhmischen König in den Jahren 1087 und 1090/91, sowie auf einer hohen Kompetenz im Bereich von Schriftlichkeit und Verwaltung. Diese manifestierte sich in der Anfertigung von Codices in Regensburg, in der Ausstellung von Urkunden in Wien und Würzburg sowie in der annalistischen Geschichtsschreibung, vor allem in Wien. Zugleich offenbart die politische Instrumentalisierung der Regensburger Iren durch Könige, Bischöfe und Bürgerschaft im Kontext des Investiturstreits ihre strukturelle Abhängigkeit von den jeweiligen lokalen Machtverhältnissen.[4]

Die von den Stiftern mit den Schottenklöstern verbundenen Erwartungen erfüllten sich auf längere Sicht nicht. Irische Mönche wurden sowohl aus den Kanzleien in Würzburg und Wien als auch aus karitativen Wirkungsbereichen, etwa in Eichstätt, allmählich zurückgedrängt. Gleichwohl bewahrten die Klöster in Nürnberg und Regensburg aufgrund ihres Reichsschutzes im Spätmittelalter eine gewisse Relevanz als Notariatsstellen. Als besonders folgenreich erwies sich das Konkurrenzverhältnis zu den in die Städte vordringenden Bettelorden. Die Hauptursache des Niedergang war der anhaltenden Nachwuchsmangel, der darin gründete, dass in Irland selbst keine Benediktinerkonvente mehr bestanden; infolgedessen musste das Priorat Cashel aufgegeben werden. Bereits im 14. Jahrhundert waren die kleineren Niederlassungen in Memmingen, Konstanz und Eichstätt verwaist. Nürnberg und Wien gingen im Jahr 1418 an deutsche Benediktiner über, wobei insbesondere in Wien erheblicher Widerstand gegen diesen Wechsel geleistet wurde. Auf längere Sicht konnten sich lediglich Regensburg, Erfurt sowie – nach einer zeitweiligen Übernahme durch deutsche Mönche – Würzburg behaupten; doch gingen auch diese Klöster nach 1515 in den Besitz schottischer Konventualen über.[5]

Literatur

  • Ludwig Hammermayer: Deutsche Schottenklöster, schottische Reformation, katholische Reform und Gegenreformation in West- und Mitteleuropa (1560–1580). In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 26 (1963) 131–255.
  • Ludwig Hammermayer: Die irischen Benediktiner-„Schottenklöster“ in Deutschland und ihr institutioneller Zusammenschluß vom 12.–16. Jh. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens 87 (1976), S. 249–339.
  • Helmut Flachenecker: Schottenklöster. Irische Benediktinerkonvente im hochmittelalterlichen Deutschland, Paderborn [u. a.] 1995 (Digitalisat).
  • Ludwig Hammermayer: Die „Schottenkongregation“. Der irische und spätere schottische Matrikular- und Generalkapitelsverband im Reich und die Versuche zu seiner Reform und Erneuerung vom 12. bis 17. Jh. In: Die Reformverbände und Kongregationen der Benediktiner im deutschen Sprachraum, bearb. v. Ulrich Faust/Franz Quarthal, St. Ottilien 1999, S. 153–93.
  • Ludwig Hammermayer: Zwischen Irland, Deutschland und Rom. Die Schottenklöster im Reich vom 11. bis 14. Jh. In: Von Sachsen bis Jerusalem. Menschen und Institutionen im Wandel der Zeit, Festschrift für Wolfgang Giese zum 65. Geburtstag, hrsg. v. Hubertus Seibert/Gertrud Thoma, München 2004, S. 207–20.
  • Helmut Flachenecker: Der Verband der Schottenklöster – Eine kulturell-europäische Klosterlandschaft? In: Klosterlandschaften. Methodisch-Exemplarische Annäherungen, hrsg. v. Heinz-Dieter Heimann [u. a.], München 2008, S. 101–12.
  • Stefan Weber: Iren auf dem Kontinent. Das Leben des Marianus Scottus von Regensburg und die Anfänge der irischen „Schottenklöster“, Heidelberg 2010.

Fußnoten

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