Schoyschen
Ehemaliges Dorf in Ostpreußen
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Schoyschen (1938 bis 1945: Schoschen, früher Schoischen) ist eine Wüstung im ehemaligen Kreis Heiligenbeil in Ostpreußen. Die frühere Ortsstelle befindet sich heute im Rajon Gurjewsk der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)).
Untergegangener Ort
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Geographische Lage
Die Ortsstelle Schoyschen bzw. Schoschen liegt im ehemaligen Ostpreußen, etwa 29 Kilometer nordöstlich der früheren Kreisstadt Heiligenbeil (heute russisch Mamonowo), fünf Kilometer ostsüdöstlich des früheren Marktfleckens Uschakowo (Brandenburg, Haff) und 3,4 Kilometer nordnordwestlich des Dorfs Bobrowo) (Kobbelbude).
Geschichte
Erstmals erwähnt wurde das damalige Samckaym im Jahre 1495 und danach Samkeim (um 1495), Schoißen (nach 1494), Schoischen (nach 1634), Schoyschen (nach 1898) und schließlich Schoschen (1938 bis 1945) genannt.[1] Im Ort gab es zwei große Höfe.
Im Jahre 1874 wurde die Landgemeinde Schoischen in den neu errichteten Amtsbezirk Pokarben im ostpreußischen Kreis Heiligenbeil im Regierungsbezirk Königsberg eingegliedert.[2] Schoischen hatte im Jahre 1910 55 Einwohner.[3] Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 183,4 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Schoischen sieben viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 22 Pferde, 100 Stück Rindvieh, 13 Schafe und 16 Stück Borstenvieh sowie fünf Gänse, 159 Hühner und sieben Bienenstöcke hielten; im Dorf gab es 39 Apfelbäume, 21 Birnbäume, zwei Pflaumen- oder Zwetschgenbäume und vier Kirschbäume.[4]
Am 30. September 1928 vergrößerte sich Schoyschen um den Gutsbezirk Kamnicken sowie um das Vorwerk Kranzberg aus dem Gutsbezirk Brandenburg (Frisches Haff) (russisch Uschakowo), die beide eingemeindet wurden.[2] Die Einwohnerzahl der auf diese Weise neu formierten Landgemeinde stieg bis 1933 auf 177.[5]
Am 3. Juni – offiziell bestätigt am 16. Juli – 1938 wurde Schoyschen im Zuge der Umbenennung von Orten in Ostpreußen im Jahr 1938 in „Schoschen“ umbenannt.[2] Im Jahre 1939 zählte die Gemeinde 153 Einwohner.[5]
Im Jahr 1945 gehörte die Landgemeinde Schoschen zum Kreis Heiligenbeil im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichas.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieg wurde Schoschen von der Roten Armee besetzt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Schoschen 1945 von der Sowjetunion zusammen mit dem gesamten nördlichen Ostpreußen besatzungsrechtlich unter eigene Verwaltung genommen. Danach verliert sich die Spur des kleinen Dorfs: der Ortsname wird nicht mehr verwendet, eine russische Namensform ist nicht bekannt, und außerdem ist die Zugehörigkeit zu einem Dorfsowjet nicht belegt. Der Ort gilt heute als untergegangen.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1782 | – | königliches Dorf mit drei Feuerstellen (Haushaltungen), zum Amtsbezirk Brandenburg gehörig, eingepfarrt zu Brandenburg[6] |
| 1818 | 28 | drei königliche Feuerstellen, zum Amt Brandenburg gehörig[7] |
| 1852 | 40 | Dorf[8] |
| 1858 | 42 | Dorf, sämtlich Evangelische, in vier Wohngebäuden, auf einer Gemarkungsfläche von 699 Morgen[9] |
| 1864 | 49 | am 3. Dezember, Gemeindebezirk mit einem Flächeninhalt von 718,31 Morgen[10] |
| 1867 | 48 | am 3. Dezember, Landgemeinde[11] |
| 1871 | 50 | am 1. Dezember, Landgemeinde, sämtlich Evangelische[11] |
| 1885 | 45 | am 1. Dezember, Landgemeinde, sämtlich Evangelische[12] |
| 1890 | 45 | am 1. Dezember, Landgemeinde, [13] |
| 1895 | 49 | am 2. Dezember, davon 42 Evangelische und sieben andere Christen, Landgemeinde mit einem Gesamtflächeninhalt von 183,4 Hektar[14] |
| 1910 | 55 | am 1. Dezember, Dorf[15][3] |
| 1933 | 177 | [5] |
| 1939 | 153 | [5] |
Religion
Schoyschen resp. Schoschen war bis 1945 in das Kirchspiel der evangelischen Kirche Brandenburg (Frisches Haff) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingepfarrt.[16]
Verkehr
Die kaum noch erkennbare Ortsstelle Schoschens ist über eine Landwegverbindung zu erreichen, die von der Regionalstraße 27A-020 (ex A 194, frühere deutsche Reichsstraße 1) bei Pribeschny (Heidewaldkrug, bis 1938 Heyde-Waldkrug) abzweigt und bis nach Swetloje (Kobbelbude) führt.
Literatur
- Schoischen, Dorf, Kreis Heiligenbeil, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Schoischen (meyersgaz.org).
Weblinks
- Amtsbezirk Pokarben (Territorial.de)

