Schweigestrafe

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Eine Schweigestrafe ist das absichtliche Verweigern einer Antwort gegenüber einer Antwort suchenden Person. Sie kann von bloßem Schmollen bis hin zu böswilligem, missbräuchlichem Kontrollverhalten reichen. Es kann sich um eine passiv-aggressive Form emotionalen Missbrauchs handeln, bei der Unmut, Missbilligung und Verachtung durch nonverbale Gesten zum Ausdruck gebracht werden, während verbales Schweigen gewahrt wird.[1] Es handelt sich um eine Form der manipulativen Bestrafung.[2][3] Sie kann als Form der sozialen Ablehnung eingesetzt werden; laut dem Sozialpsychologen Kipling Williams ist sie die häufigste Form der Ausgrenzung.

Vereinfachte Darstellung einer Schweigestrafe: Während eine Partei versucht, zu kommunizieren und gehört zu werden, ignoriert die andere Partei absichtlich und reagiert nicht auf das, was sie durchaus hören kann.

Herkunft des Begriffs

Der Begriff „[eng.] silent treatment“ stammt ursprünglich aus der „traetment through silence“ „Behandlung“ durch Schweigen, die im 19. Jahrhundert in europäischen und amerikanischen Gefängnissen, beispielsweise im Auburn-System, üblich war. „Seit den Gefängnisreformen von 1835 wurde die Schweigebehandlung in Gefängnissen als Alternative zu körperlicher Bestrafung eingesetzt, da man glaubte, dass das Verbot, zu sprechen, die Ansprache mit einer Nummer statt mit dem Namen und das Verhüllen der Gesichter, damit sich die Gefangenen nicht sehen konnten, sie dazu anregen würde, über ihre Verbrechen nachzudenken.“.[4]

In zwischenmenschlichen Beziehungen

In einer Beziehung kann es schwierig sein, das Schweigen als Verhaltensmuster zu durchbrechen und zu lösen, denn wenn es sich festgesetzt hat, kann sich die Beziehung allmählich verschlechtern[5]. Die Schweigestrafe wird eher von Personen mit geringem Selbstwertgefühl und geringer Konflikttoleranz angewendet. Um Konflikte zu vermeiden, weigert sich eine Person, diese anzuerkennen, und nutzt manchmal die Schweigestrafe als Kontrollmechanismus.[6] Diejenigen, die die Schweigestrafe anwenden, bestrafen ihre Opfer, indem sie sich weigern, mit ihnen zu sprechen oder ihre Anwesenheit überhaupt anzuerkennen. Durch ihr Schweigen kommunizieren sie „lautstark“ ihr Missfallen, ihre Wut, ihre Verärgerung und ihre Frustration.[7] Diese Gefühle können bei Opfern mit hoher Ablehnungssensibilität eine maladaptive Reaktion hervorrufen, die oft zu Gewalt und körperlichen Aggressionsbekundungen führen kann.[8]

Bewusstes Schweigen ist eine Form des Verhaltens, mit dem Aufmerksamkeit erlangt werden soll, und kann zu gewünschten Reaktionen führen, wie beispielsweise Aufmerksamkeit oder ein Gefühl der Macht, indem beim Opfer Unsicherheit erzeugt wird. Leider ist die Vermeidung von Konflikten in Form von Schweigen für alle Beteiligten psychisch anstrengend und führt zu einer irreparablen Verschlechterung bedeutungsvoller romantischer und familiärer Beziehungen.[9]

Taktisches Ignorieren

Schweigen und Nichtreagieren sind nicht nur passive-aggressive Formen der Manipulation und Aufmerksamkeitssuche, sondern können auch als Mittel eingesetzt werden, um Verhaltensänderungen zu bewirken. Taktisches Ignorieren ist eine Strategie, bei der eine Person keine äußeren Anzeichen dafür zeigt, dass sie ein Verhalten wahrnimmt, z. B. keinen Blickkontakt, keine verbale oder körperliche Reaktion oder keine Bestätigung, dass eine Nachricht gelesen wurde. Es handelt sich jedoch um einen sehr aktiven Prozess, da die Person sich des Verhaltens sehr bewusst bleibt und die andere Person beobachtet, um zu sehen, was diese vorhat, und um ihre eigene Sicherheit oder die Sicherheit anderer zu gewährleisten. Diese Technik wird häufig in Eltern-Kind-Beziehungen angewendet[10] und ähnelt dem Schweigen als Strafe, da taktisches Ignorieren eine Technik zur Verhaltenssteuerung ist, die, wenn sie richtig angewendet wird, die Botschaft vermitteln kann, dass das Verhalten einer Person nicht zum gewünschten Ergebnis führen wird. Es kann auch zu einer Verringerung unerwünschter Verhaltensweisen führen.[11]

Taktisches Ignorieren kann ein Element eines Verhaltensmanagementplans sein, wenn es eine Vielzahl von herausfordernden Verhaltensweisen zu bewältigen gilt. Da es sich um eine Methode handelt, bei der auf ein unerwünschtes Verhalten nicht reagiert wird, sollte sie durch eine differenzierte Verstärkung für ein alternatives Verhalten ergänzt werden, wie es beim funktionalen Kommunikationstraining der Fall ist, einem Verfahren, mit dem ein angemesseneres Verhalten zur Erlangung von Aufmerksamkeit vermittelt wird.[12]

Weiterführende Literatur

  • The “silent treatment”. Its incidence and impact. Vortrag auf der 69. Jahrestagung der Midwestern Psychological Association, Chicago, IL. Ferguson, M., and .. 1997
  • Kipling D. Williams Wendelyn J. Shore Jon E. Grahe. The silent treatment: Perceptions of its behaviors and associated feelings – Group Processes Intergroup Relations October 1998 vol. 1 no. 2 117–141
  • Zadro, L., Richardson, R., & Williams, K. D. (2006, January). The antecedents of interpersonal ostracism: Do individual differences predict propensity to be a target or source of the silent treatment? Vorgestellt auf der 7. Jahrestagung der Society for Personality and Social Psychology in Palm Springs, Kalifornien.
  • Grahe, J. E., Shore, W. J., & Williams, K. D. (1997, May). Perceptions of the behaviors and feelings associated with the “silent treatment.” Vorgestellt auf der 69. Jahrestagung der Midwestern Psychological Association in Chicago.
  • Faulkner, S, Williams, K., Sherman, B., & Williams, E. (1997, May). The “silent treatment:” Häufigkeit und Auswirkungen. Vorgestellt auf der 69. Jahrestagung der Midwestern Psychological Association in Chicago.[Zusammengefasst in New Scientist, 1998, April, p. 18]
  • Reinhard Haller: Toxisches Schweigen: die psychologische Waffe erkennen und entschärfen, NOW, Gräfelfing 2026, ISBN 978-3-689-69072-4.

Siehe auch

Einzelnachweise

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