Schweizerzeit
Zeitung
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Die Schweizerzeit ist eine nationalkonservative Zeitung in der Schweiz, die vierzehntäglich erscheint.
| Schweizerzeit | |
|---|---|
| Beschreibung | Schweizer Zeitung |
| Verlag | Schweizerzeit Verlags AG |
| Erstausgabe | 1979 |
| Erscheinungsweise | vierzehntäglich |
| Verkaufte Auflage | 12'955 (Vorjahr 13'911) Exemplare |
| (WEMF-Auflagebulletin 2018[1]) | |
| Verbreitete Auflage | 12'955 (Vorjahr 13'911) Exemplare |
| (WEMF-Auflagebulletin 2018) | |
| Chefredaktor | Anian Liebrand |
| Weblink | www.schweizerzeit.ch |
Herausgeberin ist die 1979 vom SVP-Politiker Ulrich Schlüer gegründete Schweizerzeit Verlags AG mit Sitz in Sursee (bis 2025 in Flaach). In ihrer inhaltlichen Ausrichtung steht die Zeitschrift der SVP sowie insbesondere Pro Schweiz, der Nachfolgeorganisation der 2022 aufgelösten AUNS, nahe und vertritt ausgeprägt konservative Positionen.[2] Die WEMF-beglaubigte Auflage beträgt 12'955 Exemplare (Vorjahr: 13'911), jeweils als verkaufte und verbreitete Auflage.[1]
Organisation und Redaktion
Als Chefredaktor amtete bis 2015 Ulrich Schlüer. Vom 1. Oktober 2015 bis Ende Juli 2016 übernahm Olivier Kessler die Chefredaktion, ehe Ulrich Schlüer diese Funktion erneut ausübte. Seit April 2024 ist Anian Liebrand Chefredaktor; seit Juli 2025 fungiert er zudem als Verlagsleiter sowie als Delegierter des Verwaltungsrats.[3]
Seit 2021 ist der Rechtsanwalt und SVP-Kantonsrat Hermann Lei Präsident des Verwaltungsrats.
Mitarbeiter und publizistische Ausrichtung
Zu den Mitarbeitern der Zeitung zählten laut Impressum unter anderem der SVP-Nationalrat Luzi Stamm, der Berner SVP-Grossrat Thomas Fuchs sowie die Psychotherapeutin Christa Meves. Nach Angaben auf der Website wirkten beziehungsweise wirken zudem Persönlichkeiten wie der ehemalige Bundesrat Ueli Maurer, der SVP-Generalsekretär Henrique Schneider sowie Markus Melzl, ehemaliger Kriminalkommissar und früherer Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, als Mitarbeiter mit. Zu den früheren Mitarbeitern gehörte auch der am 8. Januar 2012 verstorbene Publizist Roland Baader.[4]
Darüber hinaus bietet die Schweizerzeit zahlreichen konservativen Schweizer Publizisten und Politikern eine publizistische Plattform, darunter Christoph Mörgeli, Natalie Rickli, Lukas Reimann und Gregor Rutz.[2] In der Zeitung werden zudem regelmässig Reden des ehemaligen National- und Bundesrates Christoph Blocher veröffentlicht.[5]
Politische Kampagnen und Aktivitäten
Im Zusammenhang mit der EWR-Abstimmung 1992 veröffentlichte die Schweizerzeit eine kostenlose Sonderausgabe mit einer Auflage von 360'000 Exemplaren, die an Haushalte in der Deutschschweiz verteilt wurde.[2] Darüber hinaus beteiligt sich die Zeitung an Volksinitiativen, indem sie ihren Ausgaben Unterschriftenbogen beilegt.
Kontroversen und Kritik
Apartheid-Berichterstattung
In den frühen 1980er-Jahren, während Ulrich Schlüers Mitgliedschaft in der Arbeitsgruppe südliches Afrika (ASA), erschienen in der Schweizerzeit Beiträge zur Apartheidpolitik Südafrikas, die in der Forschung und öffentlichen Diskussion als «tendenziös zugunsten der weissen Regierung in Südafrika» eingeordnet wurden.[6]
Asylpolitik und Jürgen Graf
Zudem wurden zwischen 1990 und 1992 Publikationen des späteren Holocaustleugners Jürgen Graf in der Schweizerzeit wiederholt im Kontext der Asylpolitik herangezogen. Graf war zuvor während sechs Monaten als Befrager von Asylsuchenden tätig gewesen und hatte seine Erfahrungen in einem Buch verarbeitet, das später in der NZZ scharf kritisiert, zur damaligen Zeit jedoch in der Schweizerzeit positiv rezipiert wurde.[7] Noch bevor Graf öffentlich als Holocaustleugner auftrat, verschwand er als Bezugspunkt aus der Schweizerzeit.[8][9]
Asylrekurskommission und politische Rezeption
Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte auch ein Artikel der Schweizerzeit vom 13. Januar 2006, in dem Ulrich Schlüer berichtete, zwei abgewiesenen Asylsuchenden sei von der Schweizer Asylrekurskommission der Flüchtlingsstatus gewährt worden, obwohl sie von Albanien über Interpol wegen des Verdachts auf schwere Straftaten gesucht worden seien. In diesem Zusammenhang sprach Schlüer von einem Rechtsstaat, der zu einem «Abschaum-Schützer-Gebilde» degeneriere.[10]
Als der damalige Bundesrat Christoph Blocher diesen Fall in einer späteren Rede aufgriff,[11] bezeichnete er die Betroffenen als «Kriminelle» und nicht als «mutmassliche Kriminelle». In der Folge kritisierten Medien und Politiker, Blocher habe die Unschuldsvermutung missachtet und nicht darauf hingewiesen, dass die Asylrekurskommission die Vorwürfe der albanischen Justiz als wenig glaubhaft eingeschätzt hatte.[12]
Bezüge zur Neuen Rechten
Im Zusammenhang mit der Verwendung rechtsextremer oder rechtsextrem konnotierter Begriffe in der Schweizerzeit verwiesen verschiedene Medien und wissenschaftliche Untersuchungen auf ideelle und personelle Bezüge zur Neuen Rechten. Im bundesrätlichen Bericht Rechtsextremismus in der Schweiz, verfasst von Urs Altermatt und Hanspeter Kriesi, wird auch die Schweizerzeit thematisiert. Zwar wird sie darin nicht als rechtsextreme Publikation eingeordnet, jedoch als Plattform für verschiedene Autoren der deutschen Neuen Rechten beschrieben. In dem Bericht heisst es, es bestünden enge Kontakte zur Neuen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland. Mehrere Mitarbeiter der deutschen Zeitschrift Criticón hätten regelmässig Beiträge in der Schweizerzeit veröffentlicht, darunter Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Günter Rohrmoser und Hans Graf Huyn. Die Zeitschrift Criticón gelte dabei als zentrales intellektuelles Publikationsorgan der deutschen Neuen Rechten. Hans Graf Huyn sei im Jahr 1993 zudem als ständiger Mitarbeiter der Schweizerzeit tätig gewesen, so Altermatt und dessen Assistent Damir Skenderovic in dem Bericht.[13]
Darüber hinaus bezeichnete der Publizist Roger de Weck die Schweizerzeit im Jahr 2020 als «rechtsradikale […] Zeitung».[14]
Weblinks
- Website der Schweizerzeit
- Leonhard Neidhart: Aus für die AUNS: Und die alten zornigen Herren? ( vom 15. Mai 2006 im Internet Archive). Artikel im Politblog von Politikwissenschafter Leonhard Neidhart über die AUNS, Schlüer und die Schweizerzeit