Sebastian Brandt
deutscher naturhistorischer Modellbauer, Präparator, Paläontologe und Fossiliensammler
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Sebastian Brandt (* 25. Februar 1981 in Erfurt) ist ein deutscher naturhistorischer Modellbauer, Präparator, Paläontologe und Fossiliensammler.

Leben
Sebastian Brandt studierte bis 2007 Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar und fertigt seit dieser Zeit im Nesse-Apfelstädter Ortsteil Kornhochheim in Thüringen maßstabsgetreue naturidentische Modelle botanischer, zoologischer und paläontologischer Objekte für Museen sowie wissenschaftliche Sammlungen und Ausstellungen im In- und Ausland. Diese Modelle dienen der wissenschaftlich fundierten Visualisierung biologischer und geologischer Zusammenhänge und werden von Museen weltweit für die Vermittlung von Evolutionsprozessen, ökologischen Beziehungen und ausgestorbenen Lebensräumen genutzt. Brandt-Modelle wurden bei den European Taxidermy Championships mehrfach ausgezeichnet und zählen zum Teil heute bereits zusammen mit den botanischen Brendel-Modellen von Robert Brendel und Reinhold Brendel, den Pilz-Wachsmodellen des österreichischen Botanikers Leopold Trattinnick, den Papiermaché-Modellen zur menschlichen Anatomie des französischen Anatomen und Modelleurs Louis Auzoux sowie den zoologischen und botanischen Glasmodellen des Leopold und Rudolf Blaschka zu den auch international bedeutenden naturwissenschaftlichen Modellen.
Paläontologisch beschäftigt er sich u. a. mit der wissenschaftlichen Untersuchung von Ceratiten des Oberen Muschelkalks von Thüringen, wobei hier die Zusammenarbeit mit dem thüringischen Paläontologen Siegfried Rein einen Schwerpunkt seiner Forschungstätigkeit bildete, mit dem er umfangreiche morphologische und stratigraphische Untersuchungen an diesen Cephalopoden durchführte und zum Erfassen der Variabilität und Evolutionsmuster große Serien von Fossilien aus verschiedenen stratigraphischen Horizonten analysierte.
Gemeinsam mit dem hessischen Paläontologen Manfred Schulz ist er Erstbeschreiber der Dekapoden Antrimpos germanicus Brandt & Schulz, 2013, und Parapalaemonetes thuringiacus Brandt & Schulz, 2013.
Er ist Mitglied im Förderverein des Naturkundemuseums Erfurt, dem er 2018 den von ihm präparierten Schädel eines triassischen Nothosaurus jagisteus Rieppel, 2001, sowie das Körperfossil eines ebenfalls von ihm präparierten Schmelzschupperfisches Colobodus maximus (Quenstedt, 1867), als Sachspende überließ.[1]
Siegfried Rein benannte 2019 ihm zu Ehren den Cephalopoden Sturia brandti Rein 2019.[2]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Schriften
- mit Manfred Schulz: Zwei neue natante Dekapoden aus dem Oberen Muschelkalk (Mittel-Trias, Ladin) des Germanischen Beckens – Antrimpos germanicus n. sp. und Parapalaemonetes thuringiacus n. gen. n. sp. In: Vernate, 32/2013: 67–95 (PDF)
- mit Ilja Kogan, Steffen Pacholak, Martin Licht, Jörg W. Schneider und Christoph Brücker: The invisible fish: hydrodynamic constraints for predator-prey interaction in fossil fish Saurichthys compared to recent actinopterygians. In: Biol Open, 2015, 4 (12): 1715–1726. https://doi.org/10.1242/bio.014720
- mit Siegfried Rein: Die Chronospezies Ceratites flexuosus von Geilsdorf – Ein evolutionsbiologischer Modellfall der evolutionären Art Ceratites nodosus. In: Vernate, 38/2019: 53–76 (PDF)
- mit Matthias Hartmann: „Ich bin dann ein Ceratit!“ – In Gedenken an Siegfried Rein (1. August 1936 bis 2. Dezember 2020). In: Vernate, 40/2021: 5–16 (PDF)
- Steinkern.de Fossilien-Community
- 2020: Rückblick: Einmalige Einblicke in die flexuosus-Zone von Geilsdorf (Online-Bericht).
Brandt-Modelle (Auswahl)
Wissenschaftliche Modelle und Exponate botanischer und zoologischer Rekonstruktionen sowie paläontologische Dioramen von Sebastian Brandt sind in zahlreichen Museen und Sammlungen weltweit dauerhaft oder in Sonderausstellungen vertreten.
• Natural History Museum Abu Dhabi
• Naturhistorisches Museum Basel
• Museum Terra Triassica Euerdorf
• Senckenberg Naturmuseum Frankfurt
• Loki Schmidt Stiftung Hamburg
• Nationalmuseum für Naturgeschichte (Luxemburg)
• LWL-Museum für Naturkunde Münster
• Naturhistorisches Museum Wien
• Naturhistorisches Museum der Universität Zürich